
Der Zuckerersatzstoff Erythrit steht unter Verdacht, die Gefahr für Thrombosen und Infarkte zu erhöhen. Damit könnte er für Risikogruppen eine Gefahr darstellen. Das zeigt eine mit dem Wissenschaftspreis der Josef-Freitag-Stiftung prämierte Studie.
Erhöhte Erythritol-Blutspiegel und thromboembolische Komplikationen
Ein internationales Forscherteam hat anhand von Blutproben bei mehr als 4000 Proband*innen aufgezeigt: Erhöhte Blutkonzentrationen des Zuckeralkohols Erythritol stehen mit thromboembolischen Komplikationen in Verbindung.
In der Studie wurden nun über einen Zeitraum von 3 Jahren mehr als 1000 Personen mit einem hohen Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt beobachtet. Sie wurden mit unabhängigen Patientenkohorten aus den USA (über 2100 Personen) und Deutschland (über 830 Personen) verglichen.
Bei Teilnehmer*innen, die im Beobachtungszeitraum einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten oder verstarben, wurde im Blut ein erhöhter Erythritol-Spiegel festgestellt. In einem Laborversuch wurde zudem nachgewiesen, dass der Zuckeraustauschstoff die Blutgerinnung und damit die Bildung von Thromben beschleunigte.
In einer weiteren kleinen Studie haben die Forschenden die Konzentration im Blut direkt nach dem Konsum von Erythritol in 8 gesunden Studienteilnehmenden gemessen. „Die Einnahme von Erythritol führte zu einem starken und mehrere Tage anhaltenden Anstieg der Erythritolspiegel im Blut. Dieser lag deutlich über den Schwellenwerten, die mit einem erhöhten Thrombosepotenzial in den vorherigen Untersuchungen verbunden war“, erklärt Studienleiter Dr. Markus Witkowski vom Deutschen Herzzentrum der Charité.
Noch viele Fragen offen
Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt sind, bewerteten die Ergebnisse mit Zurückhaltung. Es seien viele Fragen noch offen. Die Daten sollten als wichtiger Hinweis genutzt werden, Erythritol wie auch andere Zuckerersatzstoffe in umfassenden Langzeituntersuchungen weiter unter die Lupe zu nehmen.
Bis dahin müsse auf Zuckeraustauschstoffe nicht verzichtet werden. Sie sollten allerdings generell nur in mäßigen Mengen konsumiert werden.
Bislang wurde davon ausgegangen, dass Erythritol zwar in die Blutbahn aufgenommen wird, aber nahezu vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Zudem fehlten Studien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und kardiovaskulären Ereignissen untersuchten. Es bleibe unklar, welche Süßstoffe für kardiovaskuläre Risikopatient*innen potenziell gefährlich sind, so Witkowski.
Hintergrund: Erythrit und Zuckeraustauschstoffe
Erythrit wird aus Mais gewonnen und gern als Zuckeraustauschstoff genutzt. Die Substanz ist nahezu frei von Kalorien ist und beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel nicht. Deshalb ist das Süßungsmittel auch für Menschen mit Diabetes mellitus attraktiv. In natürlicher Form kommt Erythritol in Lebensmitteln vor wie Pilzen oder Pistazien vor.
Zuckerersatzstoffe werden z.B. in großen Mengen von der Nahrungsmittelindustrie in hochverarbeiteten Lebensmitteln verwendet. So soll deren Zucker- und Kaloriengehalt reduziert werden. Mediziner*innen sehen besonders kritisch, dass von Herstellerseite v.a. vulnerablen Patient*innen mit Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen die Einnahme von Süßstoffen als zucker- und kalorienreduzierte Option empfohlen wird. Diese Menschen weisen aufgrund ihrer Vorerkrankungen bereits ein erhöhtes Thromboserisiko auf.
Studie mit Wissenschaftspreis ausgezeichnet
Die Arbeit von Dr. Markus Witkowski und Kollegen hatte nach ihrer Erstveröffentlichung 2023 eine große öffentliche Diskussion über die Sicherheit von Zuckerersatzstoffen ausgelöst.
Für seine Forschung im Rahmen der Studie wurde Witkowski von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wissenschaftspreis der Josef Freitag-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert.
Quelle: Deutsche Herzstiftung/wi/ne/DZHC


