
Jährlich erleiden über 50.000 Menschen in Deutschland eine spontane Hirnblutung - einen hämorrhagischen Schlaganfall. Ein hämorrhagischer ist akut lebensbedrohlich, insbesondere wenn die Blutung tief im Gehirn liegt. Der Druck, den die Blutung und anschließende Schwellungen auf das Gehirngewebe ausüben, kann zu schweren Schäden führen. Bislang existiert keine wirksame Therapie. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun einen vielversprechenden neuen Behandlungsansatz.
Herausforderungen bei tiefen Hirnblutungen
Tiefliegende Hirnblutungen sind besonders gefährlich, da sie häufig zu schweren Behinderungen, Pflegebedürftigkeit und hoher Sterblichkeit führen. Die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten sind auf blutdrucksenkende und blutungsstillende Medikamente begrenzt und oft unzureichend. Frühere Studien zu verschiedenen Operationsmethoden konnten keinen klaren Vorteil für die Patient*innen nachweisen.
Temporäre Kraniektomie
Ein internationales Forscher*innenteam hat Hinweise gefunden, dass eine temporäre Kraniektomie (Öffnung der Schädeldecke) den Druck im Gehirn mindern und so zu besseren Behandlungsergebnissen führen könnte. Diese Erkenntnisse stammen aus der SWITCH-Studie, die auf dem Kongress der European Stroke Organisation (ESOC) in Basel vorgestellt wurde.
SWITCH-Studie
Die SWITCH-Studie untersuchte die Wirkung einer Kraniektomie zur Druckentlastung bei schwer betroffenen Patient*innen. Dabei wurde ein Teil der Schädeldecke entfernt und nach Abklingen der Schwellung wieder eingesetzt. Die Teilnehmer*innen erhielten entweder die bisherige Standardtherapie oder die Standardtherapie in Kombination mit der Dekompressions-Kraniektomie.
Über einen Zeitraum von 9,5 Jahren wurden 197 Patient*innen mit einem schweren, tiefen hämorrhagischen Schlaganfall in die Studie aufgenommen. Die Patient*innen waren zwischen 18 und 75 Jahren und im Schnitt 61 Jahre alt.
Die Behandlung fand in 42 Schlaganfallzentren in Europa statt. Die Effekte wurden anhand der modifizierten Rankin-Skala bewertet. Die Rankin-Skala ist ein etabliertes Instrument zur neurologische Einschätzung nach Schlaganfall (0 = keine Beschwerden bis 6 = Tod).
Ergebnisse
Sechs Monate nach dem Eingriff wurden 44 Prozent der Patient*innen, die die Kombinationstherapie erhielten, den schlechtesten Stufen 5-6 der Rankin-Skala zugeordnet. Ohne neurochirurgischen Eingriff waren es 58 Prozent. Obwohl die statistische Signifikanz knapp verfehlt wurde, sehen die Autor*innen einen schwachen Beweis, dass die Intervention der bisherigen Therapie überlegen sein könnte. „Es ist ein Hoffnungsschimmer, dass durch den Eingriff das Leiden dieser Patient*innen gemildert werden kann“, sagt Prof. Jürgen Beck vom Uniklinikum Freiburg.
Allerdings waren Überleben und eine starke Einschränkung in beiden Gruppen hoch, so dass weitere Forschung notwendig sei.
Ziel sei nun, die Ergebnisse individuell auf die Patient*innen anzuwenden, so die Forschenden.
Risikofaktoren und Anzeichen eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Typische Risikofaktoren für einen hämorrhagischen Schlaganfall sind:
- hoher Blutdruck,
- die Einnahme blutverdünnender Medikamente,
- Alkoholkonsum und Rauchen.
Anzeichen eines Schlaganfalls hängen von der betroffenen Region im Gehirn ab und umfassen:
- plötzliche, einseitige Muskelschwäche in Arm, Bein und Gesicht
- Gleichgewichtsstörungen
- verwaschene Sprache
- Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, Bewusstseinsverlust
Beim Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden.
Quelle: Universitätsklinikum Freiburg


