
Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Hitze und Umweltgifte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Das berichtet ein internationales Forschungsteam in einer neuen Übersichtsarbeit.
Besonders groß sind die schädigenden Auswirkungen demnach, wenn mehrere Umweltbelastungen gleichzeitig bestehen.
Umweltstressoren beeinträchtigen Herz und Kreislauf
Die Forschenden warnen vor einer weiteren, in aktuellen Präventionsstrategien wenig berücksichtigten Gruppe von Risikofaktoren: Lärm, Feinstaub, Hitzewellen und chemische Belastungen von Boden und Wasser. eine gefährliche Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System entfalten können.
Die wichtigsten Umweltbelastungen mit Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit sind:
- Dauerhafter Verkehrslärm: Er aktiviert Stresshormone, stört den Schlaf und verursacht Bluthochdruck sowie Gefäßentzündungen.
- Insbesondere ultrafeine Staubpartikel (PM2,5, UFP) gelangen über die Lunge in den Blutkreislauf und fördern oxidativen Stress, Endothelschäden und Arteriosklerose.
- Immer häufigere Hitzewellen belasten besonders ältere und herzkranke Menschen. In Städten kommt es durch versiegelte Flächen und fehlendes Grün verstärkt zu "Hitzeinseln", die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.
- Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen und PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die sich kaum oder gar nicht abbauen, im Boden und im Wasser gelangen über Nahrung und Trinkwasser in den Körper. Erste Studien zeigen, dass diese Schadstoffe Entzündungen verstärken, die Gefäßfunktion beeinträchtigen und langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.
Multimodales Exposom verstärkt Belastungen
Als besonders bedenklich stufen die Wissenschaftler*innen eine Kombination von mehreren Umweltbelastungen ein: Das sogenannte Multimodale Exposom kann demnach die schädigenden Auswirkungen der einzelnen Umweltstressoren deutlich vergrößern.
"Lärm verstärkt die Wirkung von Luftschadstoffen und Hitze wirkt wie ein Katalysator für vaskuläre Schäden durch Toxine", sagt der Mainzer Kardiologe Prof. Thomas Münzel, einer der Autoren der Übersichtsarbeit. "Die biologischen Schnittmengen reichen von oxidativem Stress über die Aktivierung des entzündungsfördernden Enzyms NOX-2 bis zur Endotheldysfunktion – allesamt frühe Wegbereiter für den Herzinfarkt und den Schlaganfall", ergänzt Münzel.
Das Exposom-Konzept bietet einen ganzheitlichen Ansatz: Er berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Umweltbelastungen und biologischen Reaktionen im Laufe des Lebens einer Person, um sie in die Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos einzubeziehen und geeignete Präventionsstrategien zu entwickeln. Um die Belastungen durch Umweltstressoren zu reduzieren, könnten laut den Wissenschagtler*innen helfen:
- strengere Umwelt- und Lärmschutzgesetze,
- nachhaltige Stadtplanung,
- grüne Infrastruktur.
Hintergrund: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Risikofaktoren
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen weltweit die führende Todesursache dar. In Deutschland sind sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts für etwa 40 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich. Dementsprechend groß ist der Bedarf an wirkungsvollen Strategien zur Vorbeugung der Krankheiten und damit auch an Kenntnissen zu den Risikofaktoren.
Gut bekannt ist, dass Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung entscheidend zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.
Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


