Long-COVIDMöglicher Biomarker für Long-COVID entdeckt

Forschende haben einen Immunmarker im Blut von COVID-19-Genesenen identifiziert, der zur Entstehung von Long-COVID und ME/CFS beitragen könnte. 

Eine Blutprobe wird von einer Hand mit blauem Handschuh vor ein Mikroskop gehalten. Auf dem Objektträger des Mikroskops befindet sich ebenfalls ein Tropfen Blut.
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PTX-3 bleibt bei schwer Erkrankten auch Monate nach COVID-19 erhöht.

Forschende der MedUni Wien haben einen möglichen Biomarker identifiziert, der für ME/CFS und Long Covid (mit-)verantwortlich sein könnte:

  • Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Rezeptor PTX-3 bei Patient*innen mit schwerer durchgemachter COVID-19-Erkrankung auch noch Monate nach Abklingen deutlich erhöht ist.
  • Damit wurde ein potenzieller Biomarker für bestehende Gewebeschäden, langfristige Immunaktivierung, aber auch für Komplikationen nach COVID-19 identifiziert. 

Studie mit 141 COVID-19-Genesenen

Die Forschungsgruppe um Prof. Winfried Pickl und Rudolf Valenta von der MedUni Wien hat die Spiegel sogenannter Akutephaseproteine im Blut untersucht. Für die Untersuchung wurden Blutproben von 2 Gruppen jeweils 10 Wochen und 10 Monate nach der Infektion verglichen:  

  • 141 COVID-19- Genesene
  • 98 nicht infizierten Kontrollpersonen

Akutephaseproteine sind Bestandteile des angeborenen Immunsystems. Sie werden bei Infektionen rasch ins Blut ausgeschüttet, um Infektionen abzuwehren und die damit verbundenen Entzündungs- und Heilungsprozesse zu steuern. Während der akuten Phase von COVID-19 sind erhöhte Serumwerte mehrerer solcher Eiweißstoffe aus dieser Gruppe mit schweren bis tödlichen klinischen Verläufen verbunden. In der Regel kehren diese Marker innerhalb weniger Tage nach Abklingen der akuten Infektion auf ihren Ausgangswert zurück – mit Ausnahme von Pentraxin 3 (PTX-3), wie die aktuelle Studie erstmals zeigt.

Ergebnisse

Die Untersuchungen ergaben:

  • Die PTX-3-Spiegel waren bei schwer erkrankten COVID-19-Genesenen auch 10 Wochen nach der Infektion signifikant erhöht.
  • Darüber hinaus wies ein Teil der Patient*innen mit schwerem Verlauf auch 10 Monate nach der Akutphase noch deutlich höhere PTX-3-Werte auf als Patient*innen mit leichtem Verlauf bzw. nicht infizierte Kontrollpersonen.

"Wir gehen davon aus, dass die erhöhten PTX-3- Spiegel entweder einen immer noch ablaufenden Reparaturmechanismus im Körper anzeigen, oder aber gar das Verbleiben von SARS-CoV-2-Resten im Körper selbst", sagt der Immunologe Winfried Pickl.

"PTX-3 könnte sowohl als Biomarker für langanhaltende Gewebeschäden und/oder langfristige Immunaktivierung als auch für mögliche Komplikationen nach COVID-19 dienen", ergänzt Prof. Rudolf Valenta.

Weitere Studien notwendig

In früheren Studien wurde PTX-3 bereits als Marker für schwere COVID-19-Verläufe im Akutstadium beschrieben. Die aktuellen Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Protein auch im langfristigen Genesungsverlauf eine Rolle spielen könnte.

"Langanhaltende Immunaktivierung aufgrund fortwährender Reparaturprozesse und verbleibende Virusbestandteile im Körper werden in der Wissenschaft bereits mit der Entstehung von Long-COVID in Verbindung gebracht. Unsere Studie liefert ein wichtiges weiteres Detail zu diesen Mechanismen", so der Erstautor der Studie Bernhard Kratzer.

Weiterführende Forschungen sind nötig, um die COVID-19-Erkrankung und seine Langzeitfolgen noch besser zu verstehen und die neu gewonnenen Erkenntnisse in prospektiven Studien zu bestätigen.

Quelle: MedUni Wien