FastenTrockenfasten zeigt keine negativen Auswirkungen bei Gesunden

Religiöses Trockenfasten und Intervallfasten beeinträchtigen den Stoffwechsel bei Gesunden nicht. Darauf deutet eine erste Pilotstudie hin.

Wecker auf einem leeren Teller, daneben Messer und Gabel
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Trockenfasten ist eine Sonderform des Intervallfasten, bei dem für begrenzte Zeit weder gegessen noch getrunken wird.

Wissenschaftler*innen haben in einer Pilotstudie die Auswirkungen von religiösem Trockenfasten und zeitlich begrenztem Essen auf den Blutzuckerspiegels bei Gesunden untersucht. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Hintergrund: Intervallfasten und Trockenfasten

Studien haben gesundheitliche Vorteile des Intervallfastens aufgezeigt, darunter auch die Wirksamkeit bei der Gewichtsabnahme. Eine extreme Form des Intervallfastens ist das Trockenfasten: Es wird nicht nur auf feste Nahrung, sondern auch auf Flüssigkeit verzichtet.

Ein Beispiel dafür ist das religiöse Bahá'í-Fasten. Es startet vor Sonnenaufgang startet und endet nach Sonnenuntergang endet. Die Anhänger der Bahá'í-Religion betrachten das Fasten als eine wichtige spirituelle Pflicht und fasten jedes Jahr im März 19 Tage hintereinander. Das Bahá'í-Fasten wird durchgeführt, wenn die Tage und Nächte ungefähr gleich lang sind.

Dies macht es zu einem stabilen Modell für die Erforschung der Auswirkungen von intermittierendem Trockenfasten.

Verbesserter Glukosestoffwechsel

Die zeitlich eingeschränkte Nahrungszufuhr (auch Time-Restricted Eating) ist eine weitere Form des Intervallfastens. Sie ist charakterisiert durch ein verkürztes Zeitfenster der Nahrungsaufnahme auf in der Regel weniger als 10 Stunden pro Tag, wobei der Zeitpunkt und die Dauer variieren. 

Viele Studien zeigen Verbesserungen des Glukosestoffwechsels, z.B. die Verringerung des mittleren 24-Stunden-Glukosespiegels, und eine verbesserte Insulinsensitivität. Es bleibt jedoch unklar, ob das intermittierende religiöse Trockenfasten als eine besondere Form des Intervallfastens vergleichbare Effekte auf den Blutzucker auslösen oder gar negativ wirken kann. Bekannt ist bisher, dass bei Menschen mit Diabetes, die diese Fastenform praktizieren, ein erhöhtes Risiko für Über- und Unterzuckerungen besteht. Welche Effekte bei Menschen ohne Diabetes auftreten, wurde bislang nicht erforscht.

Pilotstudie: 3 Gruppen im Vergleich

Vor diesem Hintergrund hat das Team untersucht, wie religiöses Fasten die Blutzuckerkontrolle und -variabilität bei Erwachsenen ohne Diabetes beeinflusst und inwiefern sich die Auswirkungen von denen einer zeitlich eingeschränkten Nahrungszufuhr unterscheiden.

An der Pilotstudie nahmen 16 gesunde Männer und Frauen zwischen 18 und 69 Jahren teil. Sie wurden in 3 Gruppen eingeteilt:

  • Bahá'í-Fasten,
  • Intervallfasten nach der 16:8-Methode,
  • Kontrollgruppe.

Die Kontrollgruppe ernährte sich wie gewohnt ohne zeitliche Einschränkungen. Während der initialen Anlaufphase sowie während des 19-tägigen Interventionszeitraums wurden die Blutzuckerwerte der Teilnehmenden mithilfe eines am Oberarm platzierten Glukosesensors kontinuierlich überwacht. Zudem protokollierten die Proband*innen über den gesamtem Zeitraum ihre Ernährung.

Keine negativen Auswirkungen

Bei der Auswertung der Daten stellten die Forschenden fest:

  • Die Gruppe mit dem Bahá'í-Fasten hatte zwar weniger Kalorien pro Tag konsumiert und Gewicht abgenommen. Es zeigten sich aber keine nachteiligen Auswirkungen auf den 24-Stunden-Blutzuckerwert oder die glykämische Variabilität.
  • In der 16:8-Intervallfasten-Gruppe blieben der durchschnittliche Blutzuckerspiegel und die Variabilität während des gesamten Zeitraums unverändert.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl religiöses Trockenfasten als auch zeitlich begrenztes Essen sicher in den Lebensstil von Menschen ohne Diabetes integriert werden können, ohne die Stoffwechselgesundheit zu beeinträchtigen“, sagt Prof. Olga Ramich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Wenn Menschen mit Diabetes fasten wollen, müssten sie zunächst mit ihrem Arzt sprechen, insbesondere wenn sie Insulin spritzen. Dieser könne helfen, den Behandlungsplan anzupassen, um sicherzustellen, dass das Fasten bedenkenlos durchgeführt werden kann.

Metabolische Flexibilität als Schlüssel

Die Studie unterstreicht die metabolische Flexibilität von Menschen ohne Diabetes. Und sie zeigt, dass sie den Blutzuckerspiegel auch bei erheblichen Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten stabil halten können. Diese Flexibilität ist eine gute Voraussetzung für ein effektives Gewichtsmanagement und verbesserte Ernährungsgewohnheiten.

Nun seien weitere Studien mit größeren Kohorten erforderlich. Diese müssten die Erkenntnisse bestätigen und die langfristigen Fasten-Auswirkungen auf die Stoffwechselgesundheit untersuchen, so das Fazit der Forschenden. 

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung