RadiodermatitisErnährung könnte vor Strahlen-Dermatitis schützen

Möglicherweise lässt sich mit gezielter Ernährung das Risiko für eine Radiodermatitis senken. Was man sonst noch tun kann.

Gesunde Lebensmittel: Lachs, Avocado, Beeren, Apfel, Hülsenfrüchte, Pflanzenöl
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Expert*innen empfehlen bei einer Krebserkrankung eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Eiweiß ist.

Eine neue Studie deutet auf eine weitere erfolgversprechende Option bei Radiodermatitis hin: Möglicherweise lässt sie sich durch eine angepasste Ernährung beeinflussen

Lässt sich durch Ernährung das Radiodermatitis-Risiko senken?

Ende des letzten Jahres wurde eine italienische Studie [6] publiziert, die einen Ernährungs-Ansatz zur Prophylaxe einer Strahlendermatitis verfolgte: Sie untersuchte, inwieweit die Ernährung auf das Radiodermatitis-Risiko Einfluss nehmen kann.

161 Brustkrebspatientinnen, die sich einer Strahlentherapie unterziehen mussten, wurden detailliert zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Im Ergebnis zeigte sich:

  • Die Frauen, die sich kohlehydratreich ernährten, hatten ein höheres Risiko für strahlenbedingte Hautirritationen.
  • Bei den Frauen, die mehr Eiweiß, auch tierisches Eiweiß, zu sich nahmen, war das Risiko geringer.

„Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen Kausalzusammenhang nachweisen kann und darüber hinaus eine relativ kleine Teilnehmerzahl hatte. Aber das Ergebnis ist interessant, zumal viele Ernährungsexperten bei Krebs ohnehin eine gesunde Mischkost mit viel Gemüse, Obst und Eiweiß empfehlen, aber von übermäßig vielen Kohlehydraten abraten [7]", kommentiert Prof. Wilfried Budach von der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.

Demnach könnten Patientinnen mit einer Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Eiweiß auch zum jetztigen Zeitpunkt nichts falsch machen, so Burdach.

Hintergrund: Radiodermatitis

Bei der Radiodermatitis handelt es sich um eine Hautreizung, die mit Rötung einhergeht, oft begleitet von Überwärmung, Juckreiz, Brennen, Schmerz oder Schuppung. In sehr wenigen Fällen, z.B. bei vorgeschädigter Haut oder nicht ausgeheilten, kann es zu einer Ulzeration kommen.

Laut Leitlinie [1] sollen betroffene Hautstelle gekühlt werden, z.B. mit locker aufgelegten feuchten Umschlägen und antiseptischer Lösung. Auch steroidhaltige Cremes können zum Einsatz kommen

Welche Patient*innen besonders gefährdet?

Das Risiko für eine Radiodermatitis ist an Hautfalten besonders hoch. Dort komme eine höhere Strahlendosis auf der Haut an, zudem ist die Haut in Falten mechanisch höher belastet und oft feucht und warm, so Prof. Stephanie Combs. Deshalb haben z.B. Brustkrebspatientinnen mit größeren Brüsten ein höheres Risiko.

Am häufigsten tritt diese Nebenwirkung aber nach Bestrahlung eines Analkarzinoms oder Vulvakarzinoms auf. Auch Patient*innen mit Kopf-Hals Tumoren haben ein etwas erhöhtes Radiodermatitis-Risiko, da das Bestrahlungsziel direkt unter der Haut liegt.

Keine UV-Strahlung, keine mechanische Reizung, Vorsicht mit Hausmitteln

Das sollten Patient*innen meiden, um das Risiko einer Strahlendermatitis zu minimieren:

  • bestrahlte Hautareale nicht der Sonne aussetzen
  • mechanische Hautreizung vermeiden, z.B. enge, kratzende Kleidung
  • lange Bäder und Duschen mit heißem Wasser vermeiden
  • Haut nicht kratzen 

Die richtige Hautpflege

  • Auf Pflegeprodukte ohne allergisierende Substanzen (z. B. Duftstoffe, pflanzliche Inhaltsstoffe) zurückgreifen.
  • Empfohlen werden zum Waschen pH-neutrale Seifen und für die Pflege harnstoffhaltige Cremes.
  • Von Puder wird abgeraten, da es die Haut austrocknet.

Darüber hinaus haben einige Hautsalben einen vor Radiodermatitis schützenden Effekt:

  • Silbersulfadiazin-Creme 1 % erwies sich in einer Studie an Brustkrebspatientinnen als wirksam in der Prophylaxe.
  • Auch Calendula-Creme kann, so die Empfehlung der Leitlinie, zur Prävention eingesetzt werden, hat aber per se ein höheres Allergierisiko.

Eine aktuell publizierte Studie [3] verglich die Anwendung von Liposomen-Gel mit Kamille und ohne Kamille. Es zeigte sich zwischen beiden Gels kein Unterschied, aber die Ergebnisse deuten darauf, dass beide im Hinblick auf die Dermatitis-Prophylaxe effektiv sein könnten, für eine Empfehlung sei aber noch keine ausreichende Evidenz vorhanden.

Auch Kortison-Salben werden in der Leitlinie noch nicht zur Prophylaxe empfohlen, aber eine kanadische Metaanalyse [4] aus dem Vorjahr wies auf einen schützenden Effekt hin. Einschränkend muss allerdings gesagt werden, dass die Ergebnisse der in die Analyse eingeflossenen randomisierten Studien heterogen waren und ihre Vergleichbarkeit durch die unterschiedliche Art und Häufigkeit der Anwendung erschwert wurde.

Die Fachgesellschaft rär davon ab, mit Hausmitteln zu experimentieren: "Im besten Fall bringen sie gar nichts, im schlimmsten Fall können sie die Hautreizungen noch verstärken. Beispielsweise zeigte eine Studie, dass nach Behandlung mit Aloe Vera-Gel häufiger trockene Schuppung und Schmerzen auftraten [5]“, so Combs.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie