Herz-Kreislauf-ErkrankungenSchwangerschaft: Frühwarnsystem für die Herzgesundheit

Der Blutmarker sFlt-1 im letzten Schwangerschaftsdrittel und Schwangerschaftshypertonie liefern Hinweise auf spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so eine neue Studie.

Arzt misst Blutdruck am Arm einer Frau
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Von Schwangerschaftsbluthochdruck sind zwischen 6 und 10 Prozent aller Schwangeren betroffen.

 Eine Schwangerschaft stellt für den Körper von Frauen eine besondere Belastung dar – und kann damit frühe Hinweise auf die spätere Herz-Kreislauf-Gesundheit liefern. Das zeigen Forschende des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit dänischen Kolleg*innen in einer aktuellen Studie.

Sie untersuchten das Blut von über 2000 schwangeren Frauen und verknüpften die Ergebnisse mit Gesundheitsdaten aus rund 12 Jahren Nachbeobachtung. Dabei zeigte sich: Frauen mit erhöhten Werten eines bestimmten Blutmarkers entwickelten später häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzschwäche – auch dann, wenn sie zuvor als herzgesund galten. Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden im Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlicht. Als Konsequenz dieser Ergebnisse wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezielle Sprechstunde für betroffene Frauen eingerichtet.

Schwangerschaft: Natürlicher Stresstest für das Herz

„Eine Schwangerschaft wirkt wie ein natürlicher Stresstest für das Herz. Mit unseren Erkenntnissen können wir die Gesundheit von Frauen langfristig verbessern. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die Todesursache Nummer eins bei Frauen“, sagt Prof. Dirk Westermann vom Universitätsklinikum Freiburg. „Unsere Studie zeigt, dass sich bereits in der Schwangerschaft Hinweise finden lassen, die auf ein später erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hindeuten – lange bevor Beschwerden auftreten“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Studie Dr. Lucas Bacmeister.

Blutwerte von über 2000 Frauen, 12 Jahre Nachbeobachtung

Die Daten stammten aus einer großen Kohortenstudie in Süd-Dänemark mit 38.455 schwangeren Frauen. Bei 2056 Frauen wurden Blutmarker in der Schwangerschaft gemessen. Innerhalb von rund 12 Jahren entwickelten 28 eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Frauen im Schnitt gerade einmal etwa 40 Jahre alt.

Es zeigte sich: Erhöhte Werte vom Blutmarker sFlt-1 im letzten Drittel der Schwangerschaft sowie Schwangerschafts-Bluthochdruck waren mit einem höheren späteren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden. Die Kombination aus Alter und diesem Marker ermöglichte eine genauere Risikoeinschätzung als klassische Faktoren wie Blutdruck oder Cholesterin allein.

Neue Nachsorge-Sprechstunde schließt Versorgungslücke

Von Schwangerschaftsbluthochdruck sind zwischen 6 und 10 Prozent aller Schwangeren betroffen. Die häufigste Form wird als Präeklampsie bezeichnet.

Um diese Frauen auch nach der Geburt umfassend zu betreuen und spätere Risiken zu minimieren, wurde am Universitätsklinikum Freiburg eine spezialisierte Nachsorge-Sprechstunde eingerichtet. Diese steht auch Frauen mit Schwangerschaftshochdruck offen, die nicht am Universitätsklinikum Freiburg entbunden haben.

Ein begleitendes wissenschaftliches Register soll helfen, das Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Anmeldung zur Sprechstunde:

Dr. Lucas Bacmeister: lucas.bacmeister@uniklinik-freiburg.de

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg