
Ein nicht-pharmakologisches Therapiekonzept bringt deutliche Verbesserungen bei Morbus Crohn. Untersucht wurde ein tagesklinisches Therapieprogramm, das auf Stressmanagement, Ernährung und naturheilkundliche Selbsthilfestrategien fokussiert. Die Teilnehmenden werden darin geschult, Strategien für ihren Alltag zu entwickeln, die ihnen im Umgang mit Morbus Crohn helfen.
Das multiprofessionelle Team um Prof. Jost Langhorst hat die Auswirkungen eines Stressmanagement- und Lebensstilmodifikationsprogramms auf Stressreduktion und Immunfunktion bei Morbus Crohn geprüft. Die Ergebnisse der randomiseren kontrollierten Studie sind vielversprechend: Stressmanagement verbessert die Immunfunktion und die subjektiv empfundene Lebensqualität.
Stressmanagement- und Lebensstilprogramm bei Morbus Crohn
Chronischer Stress gehört zu den Hauptfaktoren für eine Verschlechterung oder einen neu auftretenden Schub chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Das Erlernen von Strategien zur Stressreduktion ist essenziell für betroffene Patient*innen.
Das Forschungsteam von der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg hat deshalb ein 10-wöchiges Programm und dessen Auswirkungen auf die Stressachse und Immunfunktion bei Morbus Crohn untersucht.
Das 60-stündige Therapiekonzept mit 6 Wochenstunden umfasst unter anderem
- Module zum Stressmanagement in Theorie und Praxis,
- meditative Bewegungstherapie,
- eine pflanzenbasierte Vollwertkost in Theorie und Praxis,
- Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie sowie
- naturheilkundliche und phytotherapeutische Selbsthilfestrategien.
In dem tagesklinischen Programm erlernten Patient*innen z.B. meditative Bewegungstechniken wie Yoga oder Qigong, Entspannungstechniken wie Bodyscan oder Atementspannung, aber auch Ausdauertraining und wichtige Aspekte der pflanzenbasierten mediterranen Ernährung.
Um die Effekte des Programms zu evaluieren führten die Patient*innen ein Tagebuch, in dem sie ihre Stressreduktions-Aktivitäten dokumentierten. Zum Start und nach Abschluss des tagesklinischen Programms wurden die wahrgenommenen Stresslevel gemessen. In Woche 24 fragten die Forschenden in der Interventionsgruppe in qualitativen Interviews ab, wie die Teilnehmer*innen das Erlernte in ihren Alltag integriert haben.
Zudem wurden Blut- und Stuhlproben entnommen, um Immun- und Stresshormonparameter zu analysieren.
Die Kontrollgruppe hatte einen 90-minütigen Vortrag zu Mind-Body-Medizin und komplementären Selbsthilfestrategien erhalten.
Ergebnisse
- Durch die Therapie konnte bei den Patient*innen eine deutliche Zunahme der Anwendung von Entspannungstechniken und meditativen Bewegungspraktiken nachgewiesen werden.
- Die Teilnehmenden an dem Therapiekonzept zeigten eine klinisch relevante Minderung des empfundenen chronischen Stresses und eine veränderte Reaktion des Immunsystems.
- Darüber hinaus wurden durch die Therapie die Entzündungsreaktion und die Lebensqualität klinisch relevant verbessert.
Fazit
Die Forschenden schlussfolgern, dass ein solches Lebensstilmodifikationsprogramm die gesundheitsbezogene Lebensqualität und Fäkalmarker verbessern kann. Zudem werde Stress reduziert und möglicherweise die Immunantwort auf akuten Stress reduziert.
Um langfristige Auswirkungen und zugrundeliegende Mechanismen zu definieren, sei weitere Forschung notwendig.
Für ihre Arbeit erhielten die Wissenschaftler auf Welt-Kongresses für traditionelle, komplementäre und integrative Medizin (TCIM) in Rio de Janeiro, Brasilien die Auszeichnung Excellence in Integrative Medicine Research Award 2025 der European Society of Integrative Medicine (ESIM).
Quelle: Sozialstiftung Bamberg/Ni


