
COVID-19 wird mit akuten und langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Darunter Gedächtnis- und Konzentrationsdefizite sowie neuropsychiatrische Symptomen wie Angstzustände und Depressionen. Die zugrunde liegenden Mechanismen für diese kognitiven und affektiven Veränderungen sind noch immer weitgehend unbekannt.
Eine Studie der SRH University zeigt nun: Eine COVID-19-Erkrankung kann lang anhaltende und spezifische Gedächtnisbeeinträchtigungen nach sich ziehen.
COVID-19 hinterlässt Spuren auch im Gehirn
Die Forschungsgruppe analysierte die kognitiven Funktionen von über 1400 Teilnehmenden. Sie konnte nachweisen, dass insbesondere das Gedächtnis zur Unterscheidung ähnlicher Erinnerungen betroffen ist. Diese Fähigkeit wird maßgeblich vom Hippocampus gesteuert. Dieser ist eine der zentralen Gedächtnisregionen des Gehirns.
Untersucht wurden Personen, die bereits mit SARS-CoV-2 infiziert waren, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne bisherige Infektion. Die zwischen 18 und 90 Jahre alten Teilnehmenden absolvierten eine Reihe digitaler Tests, um spezifische Aspekte ihrer kognitiven Leistung zu überprüfen.
Dabei zeigten sich signifikante Defizite in der sogenannten mnemonischen Diskriminierungsleistung - der Fähigkeit, ähnliche Erinnerungen voneinander zu unterscheiden. Diese spezifische Gedächtnisstörung trat unabhängig von Faktoren wie Alter, Bildung, Stress oder Depressivität auf.
Andere kognitive Fähigkeiten, wie beispielsweise kognitive Flexibilität oder das allgemeine Erinnerungsvermögen, blieben hingegen weitgehend unbeeinträchtigt.
"Unsere Ergebnisse belegen in einer großen Stichprobe eindeutig eine spezifische Gedächtnisstörung nach einer COVID-19-Erkrankung, die nicht allein durch psychische Belastungen oder allgemeine körperliche Erschöpfung erklärt werden kann", sagt Studienleiter Prof. Patric Meyer.
Hinweise auf gestörte Neurogenese
Die Wissenschaftler*innen vermuten, dass Entzündungsreaktionen im Gehirn, welche häufig im Zusammenhang mit COVID-19 auftreten, die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus beeinträchtigen. Dies könnte erklären, warum Betroffene noch Monate oder sogar mehr als ein Jahr nach ihrer Infektion mit kognitiven Beeinträchtigungen kämpfen – ein typisches Merkmal von Long-COVID.
Die Erkenntnisse der Studie könnten helfen, langfristige kognitive Symptome von COVID-19 besser zu verstehen und gezielte Rehabilitationsangebote zu entwickeln.
Quelle: SRH University


