ImmunalterungUrolithin A aus Granatapfel kehrt Anzeichen der Immunalterung um

Urolithin A revitalisiert das menschliche Immunsystem und bildet eine vielversprechende Intervention für Immunschwäche. Das zeigt eine neue Forschungsarbeit.

aufgeschnittener Granatapfel auf weißem Hintergrund
K. Oborny/Thieme
Urolithin A gilt als vielversprechender neuer Wirkstoff. Er entsteht bei der Verstoffwechselung nach dem Verzehr von Granatapfel.

Eine natürliche Substanz aus Granatäpfeln kann wichtige Aspekte der Immunalterung umkehren kann. Das konnten Wissenschaftler*innen am Georg-Speyer-Haus und an der Universitätsmedizin Frankfurt nachweisen.

In einer klinischen Phase-I-Studie zeigt das Team um Prof. Florian Greten und Dr. Dominic Denk, dass Urolithin A das Immunsystem von Erwachsenen mittleren Alters auf sichere Weise verjüngt. Damit werde ein Weg für neue Anwendungen in der Infektions-, Alters- und Krebstherapie geebnet.

Die Studie wurde in Nature Aging veröffentlicht.

Immunalterung erhöht Risiko für Krankheiten

Mit zunehmendem Alter beginnt das Immunsystem schwächer zu werden. Dieser als Immunalterung bezeichnete Prozess macht uns anfälliger für Infektionen, weniger empfänglich für Impfstoffe und erhöht das Risiko für Krankheiten wie Krebs.

Ein wesentliches Merkmal dieses Rückgangs ist der Verlust naiver T-Zellen, anpassungsfähiger Immunzellen, die bereit sind, neue Bedrohungen zu bekämpfen. Die neue Studie liefert eine vielversprechende Strategie, um dem entgegenzuwirken.

Studie mit 50 gesunden Erwachsenen

An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie nahmen 50 gesunde Erwachsene mittleren Alters teil. Sie erhielten 4 Wochen lang täglich eine Dosis Urolithin A oder ein Placebo. Die Substanz löst eine Mitophagie aus, einen biologischen Prozess, der die Mitochondrien recycelt und erneuert.

Ergebnisse

  • Die Teilnehmenden, die Urolithin A erhielten, zeigten einen signifikanten Anstieg ihrer naiven T-Zellen, wodurch ihr Pool an jungen Immunzellen effektiv aufgefüllt wurde.
  • Die Behandlung stärkte auch andere wichtige Immunpopulationen, verbesserte ihre Fähigkeit, Bakterien zu beseitigen und bereitete sie besser auf neue Herausforderungen vor.

Die Forschenden bauten auf ihren früheren Arbeiten auf (https://georg-speyer-haus.de/en/newsroom/news/detail/der-granatapfel-als-kraftstoff-fuer-die-krebstherapie). Darin konnten sie bereits zeigen, dass Urolithin A T-Zellen reprogrammieren und die Immunantwort gegen Darmkrebs in präklinischen Modellen verbessern kann.

“Vor drei Jahren haben wir entdeckt, dass Urolithin A in unseren Labormodellen eine spezielle Population langlebiger, tumorbekämpfender T-Zellen stark vermehren kann”, erklärt Dr. med. Dominic Denk, Projektleiter der Studie.

"Unser Ziel war es immer, unsere Erkenntnisse aus dem Labor in die Klinik zu übertragen. Diese Studie ist der entscheidende erste Schritt und zeigt, dass Urolithin A die Immunfunktion beim Menschen sicher verbessern kann. Wir sind besonders begeistert von dem Potenzial für die Krebsbehandlung.“

“Ein robustes Immunsystem hat weitreichende Auswirkungen. Durch die Verjüngung von Immunzellen könnten wir lebensrettende Krebsbehandlungen für mehr Patient*innen wirksam machen. Wir haben bereits eine Folgestudie mit Betroffenen begonnen, die sich einer Immuntherapie unterziehen und sind schon sehr gespannt, ob wir hier die gleichen positiven Effekte erreichen können,” sagt Prof. Dr. Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses.

Quelle: Georg-Speyer-Haus/Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie