SchmerzenMit Chili-Wirkstoff gegen chronische Schmerzen

Der Wirkstoff Capsaicin aus der Chilischote bietet eine Option, um Nervenschmerzen zu lindern. An der Uni Leipzig wird sie in der schmerztherapeutischen Ambulanz eingesetzt. 

rote Chilischoten auf grauem Hintergrund
K. Oborny/Thieme
Chilischoten enthalten den Wirkstoff Capsaicin, der Schmerzen lindern kann.

Um den oft großen Leidensdruck bei an chronischen Schmerzen Erkrankten zu lindern, bietet das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eine ambulante Behandlung in der Schmerzambulanz sowie eine mehrwöchige multimodale Schmerztherapie in einer speziellen Tagesklinik an. Zu den hier angewendeten Methoden gehört seit kurzem als wichtige Ergänzung auch der Einsatz von Capsaicin, dem Wirkstoff aus Chilischoten.

Chronische Schmerzen schränken die Betroffenen oft stark im Alltag ein und können zu Arbeitsunfähigkeit und sozialem Rückzug führen. Denn was bei akut auftretenden Schmerzen hilft, versagt bei chronisch gewordenen Formen – die Folge sind anhaltende und wiederkehrende, oft heftige Schmerzen, gegen die nichts zu helfen scheint.

Die multimodale Therapie nutzt verschiedene Behandlungsansätze von Medikamenten über Bewegung bis zur psychologischen Beratung und Verhaltenstherapie. Das Ziel ist, den Betroffenen einen besseren Umgang mit dem Schmerz und einen Erhalt oder Rückkehr des Alltags zu ermöglichen.

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Capsaicin: Option bei Nervenschmerzen

Seit kurzem steht am UKL ein neuer starker Wirkstoff zur Verfügung: Capsaicin, ein natürlicher Stoff, der vor allem in Chilischoten vorkommt und für deren Schärfe sorgt. „Für uns in der Schmerztherapie bietet der hochkonzentrierte Wirkstoff eine neue Option, um bei besonders belastenden und schwer zu lindernden Nervenschmerzen eingreifen zu können“, erklärt der Anästhesist Dr. Stephan Scheike.

Aufgrund seiner speziellen Eigenschaften sorgt Capsaicin dafür, dass die Nervenendigungen weniger empfindlich gegenüber Schmerzreizen werden. Damit kann das Schmerzempfinden verringert werden. Das Medikament wird gezielt an den betroffenen Stellen von außen in Form eines Pflasters eingesetzt.

„Die Konzentration ist sehr hoch, weshalb die Pflaster nur unter Aufsicht und kurzzeitig aufgebracht werden können“, erklärt der Anästhesist. Nach erfolgreichen Pilotversuchen am UKL wird das Verfahren jetzt in das Angebot der Schmerztherapie und damit in der Schmerzambulanz und Tagesklinik integriert. “Wir versprechen uns davon eine neue Option vor allem für Patient*innen, die zum Beispiel nach einer Gürtelrose mit bleibenden Nervenschmerzen kämpfen“, so Scheike.

Das Capsaicin- Pflaster wird primär in der ambulanten Behandlung eingesetzt. Es kann aber auch in einer teilstationären multimodalen Schmerztherapie in der Tagesklinik zur Anwendung kommen.

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig