WundheilungWie Oxytocin und Zärtlichkeit die Wundheilung fördern

Kleine Hautwunden heilen bei Paaren deutlich schneller, wenn sie im Alltag besonders zugewandt miteinander umgehen und Oxytocin erhalten, so eine neue Studie.

Händchenhaltendes Liebespaar
Davide Angelini/stock.adobe.com
Positive soziale Interaktionen wie Berührungen fühlen sich offenbar nicht nur gut an. Sie können auch biologische Heilungsprozesse beeinflussen.

Eine internationale Forschungsgruppe hat herausgefunden:

  • Kleine Hautwunden heilen bei Paaren deutlich schneller, wenn sie im Alltag besonders zugewandt miteinander umgehen und zusätzlich das Hormon Oxytocin erhalten.
  • Gleichzeitig hatten sie geringere Stresswerte.

Enge soziale Beziehungen sind gesundheitsfördernd

Enge soziale Beziehungen gelten seit Langem als gesundheitsfördernd. Doch wie genau wirken sie sich körperlich aus?

Die Forschenden untersuchten für ihre Studie 80 Paare im Durchschnittsalter von rund 28 Jahren. Sie verabreichten ihnen in einer Studie entweder per Nasenspray das als Kuschelhormon bekannte Hormon Oxytocin oder ein Placebo. Zusätzlich wurde die Hälfte der Paare zu positiven, wertschätzenden Gesprächen angeregt, die den Austausch von Nähe und Zuwendung fördern sollten.

Zuwendung im Alltag hat messbare Effekte auf den Körper

Weder Oxytocin allein noch die Gespräche für sich genommen hatten einen Einfluss auf die Heilung.

Erst die Kombination – die Verabreichung von Oxytocin sowie alltägliche Zuwendung und körperliche Nähe – führten zu einer deutlich schnelleren Wundheilung und niedrigeren Stresshormonwerten.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zuwendung im Alltag messbare Effekte auf den Körper hat. Sie beschleunigt in Kombination mit Oxytocin sogar die Heilung kleiner Wunden. Das verdeutlicht, wie eng Verhalten und Hormonsystem zusammenarbeiten und wie stark dieses Zusammenspiel die körperliche Gesundheit in nahen, liebevollen Beziehungen beeinflussen kann“, erläutert Studienleiterin Prof. Beate Ditzen. 

Nähe, Hormone und Hautregeneration

Die Wundheilung wurde bei allen 80 teilnehmenden Paare der Studie (160 Personen) unmittelbar, nach 24 Stunden sowie nach 7 Tagen dokumentiert und von geschultem Personal beurteilt.

Während dieser Woche nahmen beide Partner in einem doppelblinden Design 2-mal täglich entweder Oxytocin oder ein Placebo als Nasenspray. Zudem übten bis zu 3-mal die positiven Gespräche. Dazu hatten sie u.a. eine Anleitung zu gegenseitiger verbaler Wertschätzung in einer Beziehung erhalten.

Parallel dokumentierten die Paare über mehrere Tage ihr Stressempfinden und intime körperliche Nähe wie liebevolle Berührungen, Zärtlichkeiten oder Sexualität. Zusätzlich wurden Speichelproben analysiert, um die Menge des Stresshormons Cortisol zu bestimmen.

Ergebnisse

Die Daten zeigten klar: Die schnellste Heilung und die niedrigsten Stresswerte traten bei Paaren auf, die Oxytocin erhielten und zugleich im Alltag besonders zugewandt und zärtlich miteinander waren. Oxytocin allein bzw. die Verhaltensintervention durch die Gespräche allein beeinflussten die Wundheilung hingegen nicht.

Die Studie liefert erstmals Hinweise darauf, dass positive soziale Interaktionen wie Berührungen und körperliche Nähe sich offenbar nicht nur gut anfühlen, sondern biologische Heilungsprozesse beeinflussen können. Gleichzeitig betont das Forschungsteam, dass es sich um gesunde, junge Probanden handelte und die Effekte moderat waren. Oxytocin sei also kein eigenständiges Heilmittel, sondern scheint als Hormon zu wirken, das die positiven Effekte von Nähe und guten Beziehungserfahrungen auf den Körper überträgt.

Für klare klinische Empfehlungen seien weitere, größere Studien notwendig.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg