PsoriasisWie Psoriasis auf die Gelenke übergreift

Forschende konnten entschlüsseln, wie Entzündungszellen bei Psoriasis von der Haut in das Gelenk wandern. Das könnte ein künftiger Hebel für die Prävention der Psoriasis-Arthritis sein. 

Beine einer Frau mit psoriatischen Veränderungen im Bereich der Knie
SNAB/stock.adobe.com
Etwa 20 bis 30 Prozent der an Psoriasis Erkrankten, entwickeln im Laufe der Zeit zusätzlich eine schmerzhafte Gelenkentzündung.

Psoriasis-Erkrankte können zusätzlich eine schmerzhafte Gelenkentzündung entwickeln. Warum dieser Übergang bei manchen Patient*innen auftritt und bei anderen nicht, war bislang ein Rätsel. 

Ein Forscherteam des Uniklinikums Erlangen konnte aufklären, welche Zellen von der Haut von Psoriasis-Patient*innen in die Gelenke reisen und wie sie es dort schaffen, eine Entzündung auszulösen. Diese Erkenntnisse liefern neue Ansätze, wie man Psoriasis-Arthritis verhindern kann, bevor sie ausbricht.

Erstens: Die Reise der Entzündungszellen von der Haut in das Gelenk

Bei der Schuppenflechte entstehen in der entzündeten Haut spezielle Vorläuferzellen des Immunsystems. „Diese Zellen können von der Haut in den Blutkreislauf übertreten und dann in die Gelenke wandern“, sagt Dr. Simon Rauber. „Interessant ist, dass allein die Einwanderung der Immunzellen in das Gelenk allein nicht ausreicht, um dort eine Entzündung auszulösen.“

Zweitens: Die Einnistung von Entzündungszellen im Gelenk

Entscheidend ist, was im Gelenk passiert. Dort treffen die eingewanderten Immunzellen auf Bindegewebszellen, sogenannte Fibroblasten, die über die Neuankömmlinge normalerweise wenig erfreut sind.

„Bei Menschen, die eine Psoriasis-Arthritis entwickeln, ist diese Schutzfunktion der Bindegewebszellen deutlich reduziert“, sagt Prof. Andreas Ramming. „Die Folge ist, dass die eingewanderten Entzündungszellen nicht kontrolliert werden und dadurch eine Entzündungsreaktion im Gelenk auslösen.“

Die Ergebnisse liefern eine Erklärung dafür, warum sich bei manchen Psoriasis-Patient*innen zusätzlich eine Gelenkerkrankung entwickelt.

Früherkennung und Prävention bevor die Erkrankung sich auf das Gelenk schlägt

Die wandernden Immunzellen lassen sich bereits im Blut nachweisen, bevor die Gelenkentzündung beginnt. Deshalb könnten sie künftig als Frühwarnsignal dienen, um gefährdete Patient*innen rechtzeitig zu identifizieren. Zukünftige Behandlungsstrategien könnten gezielt diese Wanderung der Entzündungszellen unterbinden und dadurch verhindern, dass eine Gelenkentzündung entstehen kann.

Die Arbeiten wurden unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des SFB/TRR 369 – DIONE: Knochenschädigung furch Entzündung“, durch den European Research Council (ERC) im Rahmen des Projekts „Barrier Break“ sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung Erlangen (IZKF) im Rahmen des Projekts „Tissue imprinting of skin-derived immune cells in psoriatic arthritis“ gefördert.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg