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Akne (Acne vulgaris) ist die weltweit häufigste Hauterkrankung. Sie ist gekennzeichnet von einer chronischen Entzündung der Haarfollikel-Talgdrüsen in besonders talgdrüsenreichen Hautregionen mit Komedonen. Es können daraus Papeln, Pusteln, Zysten und Knoten entstehen.
Obwohl sie in jedem Lebensalter auftreten kann, beginnt sie meist in der Pubertät mit einer Inzidenz von 93% und reicht bis ins dritte Lebensjahrzehnt hinein. Obwohl fast jeder einmal in seinem Leben Akne bekommt, sind Jungen häufiger und schwerer betroffen als Mädchen oder junge Frauen.
Pathogenese
Die Entstehung von Akne ist mit der androgeninduzierten Vergrößerung der Talgdrüsen, ihrer starken Talgproduktion, der Verhornung des Follikelgangs sowie der mikrobiellen Besiedelung (mit Bakterien, Pilzen) begründet.
Androgene führen zu einer Vergrößerung von Talgdrüsen und zu einer stärkeren Talgproduktion. Daraus resultiert eine Hyperkeratose der Follikelöffnung, wodurch sich Talg und Keratinozyten ansammeln und einen Mitesser bilden. Die Talgansammlung bildet einen Nährboden für Mikroorganismen wie Cutibacterium acnes, Staphylococcus aureus und Malassezia-Arten. Diese Mikroorganismen spalten Talg und führen zu Entzündungen, was wiederum zur Bildung von Papeln und Pusteln führt. Dringen Mikroorganismen in tiefere Schichten, kann dies Zysten und eine Knotenbildung mit sich bringen.
Einteilung der Erkrankungsschwere
Akne wird in 3 Stufen eingeteilt:
- Leichte Akne: Mit weniger als 10 Papeln oder Pusteln pro Gesichtshälfte.
- Mittelschwere Akne: Mit mehr als 10 Papeln bzw. Pusteln pro Gesichtshälfte mit Ausdehnung auf Rücken und Brust.
- Schwere Akne: Zusätzlich zu den Veränderungen bei mittelschwerer Akne und tiefe infiltrative Herde.
Genetik, Umwelt, Lifestyle
Bei der Entstehung einer schweren Akne spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Ebenso können Umweltbedingungen und Lifestyle Akne auslösen oder verschlechtern. Dazu zählen Übergewicht, zuckerreiche, fettreiche und milchproduktreiche Ernährung, unzureichende Hautpflege, Make-up (Stewardessen-Krankheit) sowie Stress, Schlafmangel oder Sonneneinstrahlung.
Schutzmechanismen der Haut und mögliche Störungen
Das größte Organ unseres Körpers hat verschiedene Schutzmechanismen. Der Säureschutzmantel der Haut dient als physikalische Barriere. Zusätzlich verfügt sie über einen immunologischen Schutz, um das Eindringen von pathogenen Keimen zu verhindern.
Neuere Untersuchungen zeigten, dass Akne-Patient*innen häufig eine gestörte Hautbarriere aufweisen. Die Hautbarriere wird durch folgende Faktoren beeinflusst:
- Talgdrüsen: Androgene führen zu einer Hyperplasie der Talgdrüsen und starken Lipidsekretion, die die Lipidzusammensetzung der Haut ändern.
- Entzündung: Da die Akne eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung ist, führen Zytokine zu einer Schwächung der Hautbarriere.
- Mikrobiom: Unser Hautmikrobiom besteht aus Bakterien, Pilzen und Viren. Diese beeinflussen unsere Hautbarriere in positiver Weise. Vermehrt sich Cutibacterium acne übermäßig, kommt es zum gegenteiligen Effekt.
- Externe Einflüsse: UV-Strahlung, Klima, Schadstoffe, iatrogene Schäden (Therapeutika mit Benzylperoxid, Tretinoin), berufsbedingte Faktoren, psychosoziale Einflüsse und Ernährung.
Therapiemöglichkeiten
Da Akne-Patient*innen eine gestörte Hautbarriere aufweisen, sollte die Reparatur das primäre Ziel sein. Die möglichen schädigenden Faktoren sind die Ansatzpunkte der Therapie. Dazu zählen: vermehrte Talgproduktion, übermäßige Verhornung, mikrobielle Dysbiose und Entzündungsreaktionen, externe Einflüsse wie Ernährung, UV-Strahlung und andere Umweltfaktoren.
Therapeutische Ansatzpunkte
- Kosmezeutika: Diese funktionellen Hautpflegeprodukte enthalten pharmazeutische Wirkstoffe, zum Beispiel Cremes mit Vitamin A, Retinoiden oder Hydroxysäuren. Sie können die Hautbarriere reparieren.
- Dermatologika: Die klassischen Dermatologika bei Akne sind zum Teil in Kosmezeutika enthalten. Dazu zählen z.B. die topische Therapie mit Benzoylperoxid und Retinoide wie Tretinoin oder Adapalen. Achtung: Retinoide nicht in der Schwangerschaft anwenden. Eine sichere Kontrazeption ist bis 4 Wochen nach Therapieende nötig. Auch antibiotische Cremes mit Erythromycin, Azelainsäure, Salicylsäure oder/und orale Antibiotika zählen zu den Akne-Dermatologika.
- Mesotherapie: Bei dieser Behandlung erfolgt eine mechanische Stimulation durch Mikronadeln. Sie ist Teil der ästhetischen Dermatologie.
- Lichttherapie: Laser oder Leuchtdioden können die Haut über nicht thermische Effekte regulieren.
- Antiandrogene Antibabypille: Bei Frauen besteht zusätzlich die Möglichkeit einer antiandrogenen Antibabypille (früher jahrelang die Diane 35).
Ernährungstherapie bei Akne
Die Ernährung bei Akne kann eine Verbesserung mit sich bringen und sollte auf jeden Fall ausprobiert werden. Die Haut hat einen Zyklus von 4 Wochen. Deshalb sollte eine Ernährungsumstellung mindestens über diesen Zeitraum erfolgen, um einen Einfluss objektiv zu sehen.
Aknefördernde Lebensmittelgruppen
Untersuchungen zur Ernährung und deren Beeinflussung wurden zu folgenden Lebensmittel- Gruppen durchgeführt:
- hoher Konsum an Milchprodukten
- zucker- und fettreiche Ernährung
- Mangel an Omega-3-Fettsäuren
Milchprodukte
Ein hoher Verzehr an Milchprodukten und zuckerhaltigen Lebensmitteln kann die Ausschüttung von Insulin und insulinähnlichem Wachstumsfaktor erhöhen. Sie steigern die Aktivität des Androgenrezeptors. Das wiederum führt zu einer vermehrten Talgproduktion und einem vermehrten Wachstum von Keratinozyten.
Molkeproteine wirken insulinotrop. Sie sind in hohem Maße in Eiweiß-Shakes enthalten und werden häufig von Sportlern verzehrt, woraus ein verstärktes Auftreten von Akne bei Kraftsportlern resultiert.
Milchprodukte wegzulassen bzw. zu ersetzen ist heute gar kein Problem mehr. Es gibt eine Vielzahl an Milchersatzprodukten:
- So können Sojamilch und andere Milchaustauschdrinks aus Hafer, Mandel, Reis, Kokos, Hanf oder Cashew die Milch im Kaffee ersetzen oder für ein Müsli verwendet werden. Diese Produkte sind meist mit Kalzium angereichert, sodass sie einfach mit Milch ausgetauscht werden könne.
- Verzichtet man komplett auf Milchprodukte, muss Kalzium substituiert werden. Eine alleinige Ernährung ohne Milchprodukte reicht zum Decken des Kalziumbedarfs meist nicht aus. Entweder man greift zu kalziumreichem Mineralwasser, damit man auf die empfohlenen 1000 mg (Schwangere und Jugendliche 1200mg) kommt. Oder man nimmt ein Nahrungsergänzungsmittel mit circa 500 mg. Den Rest schafft man meist über die Ernährung, wenn sie grünes Gemüse, Getreide, Eier, Nüsse und Samen enthält.
- Käseersatzprodukte sind selten mit Kalzium angereichen, hier lohnt sich der Blick auf die Nährstoffangabe. Die Auswahl ist riesig. Reibe-„Käse“, Parmesanersatz, Schnittkäse oder sogar Camembert und Mozzarella werden in veganen Varianten angeboten. Diese Produkte sind häufig auf Kartoffelstärkebasis, aus Hafer, Kokos, mit Mandel- oder Erbsenprotein sowie einem pflanzlichen Öl und durch verschiedene Milchsäurebakterien gereift.
- Auch Jogurt, Sahne, Quark oder Frischkäse sind in milchfreien Versionen erhältlich. Bei den meisten Gerichten ist es einfach, sie 1 zu 1 auszutauschen.
Aber Achtung bei der Berechnung der täglichen Proteinaufnahme: Milchprodukte haben im Gegensatz zu den veganen Alternativen reichlich und gut verfügbares Eiweiß. Um auf die täglich benötige Eiweißmenge von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht zu kommen, können Fleisch, Fisch, Eier, Getreide, Hülsenfrüchte und deren Produkte sowie Gemüse und Nüsse relativ einfach den Bedarf decken.
Zucker und Fertigprodukte
Die deutsche Bevölkerung nimmt täglich etwa 100 g Zucker zu sich. Die Empfehlung der WHO liegt bei 25 g freiem Zucker pro Tag. Die Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich 50 g Komplettzucker. Etwa 80 Prozent des täglichen Zuckers werden aus Fertigprodukten aufgenommen. Womit klar wäre, wie wir hier ansetzen könnten.
- Fertigprodukte oder Süßgetränke sollten deutlich reduziert werden, ebenso Süßigkeiten. Dadurch könnten wir reichlich Zucker einsparen und uns trotzdem weiterhin einmal ein Stück Kuchen gönnen oder den Espresso süßen.
- Müsli oder andere Gerichte lassen sich alternativ mit Dattelpaste oder Trockenfrüchten süßen. Diese enthalten zumindest ein Nährstoffprofil, das dem Haushaltszucker fehlt.
- Es lohnt sich, einmal zu überprüfen, welche Gerichte oder Produkte man selbst zubereiten könnte. Fruchtjoghurt enthält meist sehr viel Zucker. Ein Naturjoghurt mit 1 TL Marmelade oder Honig schmeckt auch süß, enthält aber nur ein Viertel der Zuckermenge von fertigem Fruchtjoghurt.
Interessanterweise wird Zucker insbesondere Fructose Tiefkühlgerichten zugesetzt, damit diese keine Eiskristalle bilden.
Glykämischer Index und Akne
Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index lassen den Blutzucker schnell ansteigen.
- Eine Ernährung mit einem hohen glykämischen Index kann Akne auslösen.
- Patient*innen, die Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index bevorzugen, weisen weniger Akne-Läsionen auf.
Fett
Eine fettreiche Ernährung kann problematisch sein. Nicht nur für die Haut, auch für das Gewicht. Aber es kommt auf die Art der Fette an.
In Regionen mit besonders hoher Lebenserwartung (Blue Zones) werden reichlich pflanzliche Öle verzehrt - und wenig tierisches Fett. Gute pflanzliche Öle enthalten Omega-3-Fettsäuren und sind denen mit reichlich Omega-6-Fettsäuren vorzuziehen. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wirken antientzündlich und sollten vermehrt verzehrt werden. Es hat sich gezeigt, dass Menschen mit Akne von einer Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren und Fisch profitieren.
Omega-3-reiche Ernährungsformen
Die mediterrane Ernährung sowie die Nordic Diet bieten beide ein ausgezeichnetes Fettsäureprofil durch die Verwendung von Oliven- und Rapsöl an. Beide Ernährungsweisen beinhalten Fisch, Meeresfrüchte und Algen. Zusätzlich kann der tägliche Verzehr von Leinöl und geschrotete Leinsamen zu einer Omega-3-reichen Ernährung beitragen.
Übergewicht
Die Ernährung und Übergewicht haben zudem Einfluss auf das Hautmikrobiom.
Da Übergewicht in der heutigen Zeit sehr oft vorkommt, leider auch bei Teenagern, lohnt es sich, den BMR und den PAL zu berechnen. Sind das Gewicht und die Haut ein Thema beim Jugendlichen , würde es sich doppelt lohnen, hier kleine Ernährungsvariationen einzubauen. Hilfreich ist in diesem Fall, einen Blick auf die Ernährungspyramide und das Tellerprotokoll der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu werfen.
Bei Kindern und Jugendlichen, die noch im Wachstum sind, kann angestrebt werden, das Gewicht zu halten und auf den Ausgleich durch das Längenwachstum zu warten.
2 reizarme Rezepte
Seelachsfilet mit Gemüsereis

Für 4 Personen
Zubereitungszeit: 30 Min.
Zutaten
- 250 g Reis
- 500 g Gemüse nach Geschmack: Möhren, Kürbis, Sellerie, Paprika oder Zucchini
- 100 bis 150 g Seelachsfilet pro Person (alternativ Scholle, Wolfsbarsch, Seehecht)
- 1 TL Kräuter der Provence optional
- 2 EL Öl
- Salz
- 1 TL Gemüsebrühpulver
- 3 EL Dinkelmehl
Zubereitung
- Den Reis nach Packungsanleitung im Salzwasser kochen.
- Das Gemüse waschen, eventuell schälen und klein schneiden. Das Gemüse mit Öl in der Pfanne 10 Min. anbraten.
- Den Fisch waschen, trocken tupfen und salzen. Anschließend mehlieren (von beiden Seiten etwas mit Mehl bestäuben) und mit Öl ca. 6-8 Min. in der Pfanne braten.
- Am Schluss den gekochten Reis zum Gemüse geben und gut vermischen. 1 TL Gemüsebrühpulver hinzugeben und umrühren. Falls der Gemüsereis zu trocken erscheint, noch etwas Wasser angießen. Mit Kräutern der Provence garnieren.
- Zum Dippen vegane Streichcreme verwenden.
Kerniges Müsli

Für ein großes Glas
Zubereitungszeit: 5 Min. + Backzeit 15 Min.
Zutaten
- 100 g Paranüsse
- 100 g Pistazien
- 100 g Kürbiskerne
- 100 g Sesam
- 500 g Haferflocken Grob- und Feinblatt
- 1 EL Zimt
- 2 EL Reissirup oder Honig
Zubereitung
- Die Kerne und Nüsse in der Küchenmaschine zerkleinern.
- Mit den restlichen Zutaten vermischen auf 2 Backbleche verteilen.
- Im Backofen bei 100 Grad Ober- und Unterhitze 15 Min. rösten.
- Gut abkühlen lassen und in ein Vorratsglas abfüllen.
- Portionsweise (3 EL pro Portion) mit 200 ml Pflanzendrink und 1 Handvoll Früchten genießen. Optional noch 1 TL gemörserten Leinsamen darüber geben.
- Guertler A, Neu K, Lill D et al. Exploring the potential of omega-3 fatty acids in acne patients: A prospective intervention study. J Cosmet Dermatol 2024; doi: 10.1111/jocd.16434
- Deng Y, Wang F, He L. Skin Barrier Dysfunction in Acne Vulgaris: Pathogenesis and Therapeutic Approaches. Med Sci Monit 2024; doi: 10.12659/MSM.945336
- Baldwin H, Tan J. Effects of Diet on Acne and Its Response to Treatment. Am J Clin Dermatol 2021; doi: 10.1007/s40257-020-00542-y. Erratum in: Am J Clin Dermatol 2021; doi: 10.1007/s40257-020-00576-2
Dr. med. Daniela Oltersdorf

Daniela Oltersdorf ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ernährungsmedizinerin und Buchautorin. Sie ist in eigener Praxis in Calw mit dem Schwerpunkt Ernährungsmedizin niedergelassen.
www.ernaehrungsmedizinoltersdorf.de
Instagram: @dr.danielaoltersdorf



