Ausleitende VerfahrenGua Sha: Anwendung und Wirksamkeit als ausleitendes Therapieverfahren

Gua Sha ist ein traditionelles ausleitendes Verfahren im asiatischen Raum. Lesen Sie, bei welchen Beschwerden und wie es angewendet wird.

Inhalt
Gua-Sha-Behandlung am Rücken einer liegenden Person
Tyler Olson/stock.adobe.com
Gua Sha wird u.a. bei Rückenschmerzen eingesetzt.

Gua Sha setzt sich zusammen aus Gua (schaben) und Sha (Sand). Gua Sha bezeichnet eine manuelle Schabtechnik, die mithilfe eines Gegenstands durchgeführt wird. Hierbei wird vor allem der Stoffwechsel aktiviert und reguliert. Somit wird der Energiefluss im Körper ausgeglichen.

Gua Sha ist eine äußerlich angewendete traditionelle Behandlungsmethode der chinesischen Medizin, bei der mit einem besonderen Gegenstand (Instrument aus Büffelhorn, Jade oder z.B. einer Geldmünze) an bestimmten Meridianen die Oberfläche der Haut oder die Akupunkturpunkte geschabt werden. Gua Sha hat eine stark entgiftende und reinigende Wirkung, in dem es krankheitsfördernde Stoffe oder pathogene klimatische Faktoren (Wind, Kälte, Feuchtigkeit etc.) aus dem Körper leitet [1]. Die TCM wendet diese Form der Behandlung je nach Krankheitsbild und Situation in unterschiedlichen Intensitätsstufen an.

Was passiert bei einer Gua-Sha-Anwendung?

Das Hauptanwendungsgebiet für Gua Sha ist der Rücken. Das Schaben erfolgt auf eingeölter Haut. Mit einem speziellen Gegenstand wird dabei mehrmals über einen Bereich der Haut in unterschiedlicher Intensität geschabt, so lange, bis eine deutliche rote Verfärbung sowie Hauteinblutungen unter der Haut auftreten. Beim Schaben soll die Kraft gleichmäßig und aus dem Handgelenk eingesetzt werden. Dabei soll sich die Schabintensität nach der Reaktion der Patienten richten.

Durch das Schaben werden die lokale Durchblutung verstärkt und der Stoffwechsel angeregt. Dieser manuelle Prozess führt zu kleinsten bis stecknadelkopfgroßen Blutungen aus den Kapillaren in die Haut, die medizinisch als Petechien oder Ekchymosen bezeichnet werden. Diese Petechien oder Ekchymosen werden in der traditionellen chinesischen Medizin „Sha“ (Sand) genannt. Normalerweise verschwinden die Petechien nach ein paar Stunden bis 7 Tagen wieder. Dies ist ein Zeichen dafür, dass eingedrungene Krankheitseinflüsse wieder an die Körperoberfläche gelangen und dann auch ausgeleitet werden können.

Die traditionelle chinesische Medizin besagt: Je größer und stärker die Lebensenergie (Qi) blockiert oder gestaut ist, desto ausgeprägter verfärbt sich die Haut beim Schaben.

Durch das Schaben kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße, die den Blutfluss in Gang bringt. Wenn die Durchblutung reibungslos ist, gelangen mehr Sauerstoff sowie Nährstoffe in das Muskelgewebe. Deshalb fühlt sich unser Körper nach dem Schaben wärmer an. Das Prinzip des Schabens besteht darin, die Temperatur und Lebensenergie (Qi) des Körpers zu erhöhen. Diese Energiesteigerung erfolgt durch die Stimulation der äußeren Körperhaut. Auf diese Weise werden Nerven im Gehirn erregt und leiten bestimmte Reize weiter, die an den Meridianpunkten des Körpers organreparierende Wirkungen hervorrufen. Der nun reibungslose Blutfluss im Körper führt wiederum dazu, dass die Abwehrkräfte des Körpers (Wei-Qi) ebenfalls zunehmen. Je nach Krankheitsbild und auch bei Präventivanwendungen werden durch das Schaben Reflexzonen und Akupunkturpunkte aktiviert bzw. bestimmte Organe angesprochen.

Das Schaben ist i.d.R. kaum oder nur leicht schmerzhaft. Die Toleranzschwelle für Schmerzen ist von Patient zu Patient jedoch unterschiedlich. Deshalb gehen professionelle Behandler immer auf das Empfinden der Patienten ein und variieren die Intensität der Anwendung.

Der Gua-Sha-Behandlungserfolg hängt von einer sorgfältigen Ausbildung und ausreichender Erfahrung des Behandelnden ab, nicht zuletzt auch in Bezug auf Behandlungsintensität und -geschwindigkeit. Dieses Prinzip ist gerade bei chronischen Störungen der richtige Ansatz und hat sich in der Praxis bewährt.

Wirkungen

Aus Sicht der TCM

  • Entlastet lokale Füllesyndrome.
  • Pathogene Faktoren, v.a. Wind (z.B. bei Erkältungskrankheiten), werden aus dem Körper entfernt.
  • Stärkt das Yang bei Mangel-Kälte-Syndrom; stimuliert das Immunsystem (Wei-Qi).
  • Vertreibt Kälte und löst Feuchtigkeit (z. B. bei verklebten Faszien) aus den Meridianen, der Oberfläche und den Organen.
  • Beseitigt Qi- und Blutstagnationen durch Qi- und Blutzirkulationsförderung.
  • Über die spezifische Reizung des Akupunkturpunktes wird Einfluss auf innere Organe und Funktionskreise genommen.
  • Harmonisierung von Yin und Yang, Qi und Xue und der Funktionskreise.

Nach westlicher Vorstellung

  • Findet Anwendung bei:
    • Erkrankungen des Stützbewegungsapparats (z.B. Zervikalsyndrom, Dorsalgie, Lumbalgien, verklebte Faszien u.v.m.)
    • psychosomatischen Erkrankungen (z.B. Depressionen, Erschöpfungszustände, Nervosität, Schlafstörungen u.v.m.)
  • Die Stoffwechselleistung der Zelle wird aktiviert, die Mikrozirkulation von Blut und Lymphe verbessert, ein lokaler reaktiver pathologischer Lymphstau drainiert und der Tonus der darunterliegenden Muskulatur reduziert.
  • Durch das Schaben der Haut werden darunterliegende Strukturen angesprochen, was zur Dehnung des Bindegewebes und der Zellen führt.
  • Verbessert Gewebedurchblutung und aktiviert den Gewebestoffwechsel.
  • Über viszerokutane Reflexbahnen kann eine Wirkung auf erkrankte Organe erzielt werden.
  • immunstimulierende analgetische Wirkung
  • ausleitendes Therapieverfahren
  • Anti-Aging (Kosmetik-Guasha)
  • Prävention
  • Entgiftung

Wissenschaftliche Nachweise

Mittlerweile gibt es mehrere veröffentlichte Artikel zur Wirksamkeit von Gua Sha [2].

Es ist eine randomisierte kontrollierte Studie aus Deutschland verfügbar [3]: Ziel der Studie war die Untersuchung der Wirksamkeit der Gua-Sha-Therapie bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Dazu wurden 50 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen randomisiert und in 2 Gruppen aufgeteilt. Die 1. Gruppe erhielt 2 Gua-Sha-Behandlungen (n = 25), die 2. Gruppe wurde einer Wartelistenkontrolle (n = 25) zugeteilt. Primärer Endpunkt war die aktuelle Schmerzintensität (100 mm visuelle Analogskala). Zu den sekundären Ergebnismessungen gehörten Funktion (Oswestry Disability Index), Schmerz bei Bewegung (Pain on Movement Questionnaire), wahrgenommene Veränderung des Gesundheitszustands, Druckschmerzschwelle, mechanische Erkennungsschwelle und Vibrationserkennungsschwelle.

Die Ergebnisse zeigten: Nach der Behandlung berichteten die Patienten in der Gua-Sha-Gruppe im Vergleich zur Wartelistengruppe von einer geringeren Schmerzintensität (p < 0,001) und einem besseren allgemeinen Gesundheitszustand (p = 0,002). Es wurden keine weiteren Gruppenunterschiede gefunden. Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Daraus lässt sich schließen, dass Gua Sha eine akzeptable, sichere und wirksame Behandlung für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zu sein scheint. Weitere strenge Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die Studienlage zu erweitern.

Kontraindikationen

  • Gua Sha darf nicht angewendet werden bei:
  • Tetanus, Tollwut und anderen Infektionskrankheiten
  • psychischen Störungen, in der aktiven Phase der psychischen Erkrankung der Patienten
  • stark geschwächten Patienten und Patienten mit Kachexie
  • hämatologischen Erkrankungen, z.B. bei Thrombozytopenie, aktuellen Blutungen, Wunden, Abschürfungen, auf Hautrissen, Sonnenbränden, Hautausschlägen, Hämophilie, Leukämie und bei Patienten mit Gerinnungsstörungen
  • infektiösen Hautkrankheiten, nicht diagnostizierbaren Hautkrankheiten mit Pickeln und Knoten und deutlichen Hautverletzungen
  • gebrechlichen alten Menschen oder nüchternen Patienten
  • Patienten mit bösartigen Tumoren im mittleren und späten Stadium
  • bei hochschwangeren Frauen im Bauch- und Brustbereich
  • Herz-, Nieren-, Leber-, Gehirn- und anderen Organgeschwächten
  • über Leberflecken (einzelne Pickel, Wunden oder Leberflecken müssen während der Therapie mit der anderen Hand oder Fingern abgedeckt werden, sodass nur über- oder unterhalb der betroffenen Hautstelle geschabt wird)
  • wenn Petechien der letzten Sitzung noch sichtbar sind

Anwendung

Vor der Behandlung ist eine Diagnose nach traditioneller chinesischer Medizin unbedingt notwendig, um eine Leere oder eine Fülle festzustellen. Bei der Behandlung ist auf das richtige Maß und eine präzise Ausführung zu achten, um unnötige Schmerzen zu vermeiden.

Bereiten Sie einen Schaber vor, der nicht scharf ist. Stellen Sie sicher, dass das Werkzeug sauber ist, bevor Sie es verwenden. Üblicherweise erfolgt das Schaben mit Werkzeugen in Form von Metallmünzen, Wasserbüffelhorn, Jadestein, Löffel, Deckeln von Cremes bis hin zu Keramik. Wie bereits erwähnt, zielt das Schaben darauf ab, die äußere Haut zu stimulieren. Daher sollten Sie ein stumpfes Werkzeug verwenden, um die Hautoberfläche des Patienten nicht zu verletzen.

Zusätzlich zur Verwendung eines stumpfen Werkzeugs sollten Sie vor dem Schaben auch ein Gleitmittel auftragen, um eine wärmende Wirkung auf den Körper und eine stärkere Stimulation der Hautoberfläche zu erzielen. Dieses Gleitmittel kann Vaseline, Körperlotion, Sesamöl, Babyöl, Ingweröl, Kokosnussöl oder ein Balsam sein. Verwenden Sie außerdem ein Gleitmittel, das auch zum Schutz der Haut vor Schnitten oder Abschürfungen geeignet ist. Reiben Sie den Körperbereich, der später behandelt wird, mit dem Öl oder der Creme ein, bevor Sie den Körper schaben.

Das Schaben wird nicht an den Gelenken und nicht über dem Knochen durchgeführt!

Beginnen Sie mit dem Schaben in Schaberichtung „von oben nach unten“ und „von innen nach außen“. Grundsätzlich sind Nacken, Rücken, Schultern und Taille die Körperteile, die normalerweise geschabt werden. Das Schaben kann auch an allen anderen Körperteilen durchgeführt werden, z.B. Hals, Arme, Brust, Bauch und um die Beine herum, mit Ausnahme von Körperteilen, die Flüssigkeit enthalten, wie Augen und lebenswichtige Organe. Worauf Sie achten müssen, ist, von oben nach unten zu schaben, in Richtung der Meridiane oder Energiebahnen im Körper. Um effektiver zu sein, können Sie das Schaben auf der Grundlage von Akupunkturpunkten auf den Meridianen durchführen, die zum Zustand des Patienten passen.

Wenn Sie mit der Gua-Sha-Behandlung fertig sind, reiben Sie den Rücken des Patienten mit Wärmeöl ein, damit sich sein Körper warm anfühlt.

Es ist sehr gut, den Patienten nach der Gua-Sha-Behandlung ein Glas warmes Wasser oder Tee trinken zu lassen. Danach sollte der Patient unterstützende Lebensmittel zu sich nehmen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen, z.B. warme Ingwergetränke, Hühnerbrühe oder andere Suppen.

Empfehlungen und Hinweise

  • Im Bereich der Lymphknoten am Hals, in der Achselhöhle und im Rückenbereich sollte die Behandlung leicht, sanft und locker sein. Kräftige Bewegungen sollten vermieden werden, um Adern und Venen nicht zu verletzen.
  • Nach der Gua-Sha-Behandlung wird der Körper empfindlicher sein als vor der Behandlung. Kälte, Wind und Sonne sollten vermieden werden. Der behandelte Körperbereich sollte bis zum Verschwinden von Petechien oder Verfärbungen (einige Stunden bis 7 Tage) bedeckt gehalten werden.
  • Nach einer Gua-Sha-Behandlung sollen die Patienten sich ausruhen. Stress, schwere körperliche Anstrengung, Alkohol, Fasten, kaltes Essen und kalte Getränke sollten vermieden werden.
  • Nach dem Schaben sollte der Patient nicht sofort duschen, sondern erst am nächsten Tag oder nachdem sich die Körpertemperatur wieder normalisiert hat. Dies liegt daran, dass die Hautporen offen sind, so dass der Körper sehr empfindlich reagiert, wenn er Wasser ausgesetzt wird. Wenn der Patient seinen Körper reinigen möchte, dann sollte er sich mit einem mit warmem Wasser angefeuchteten Handtuch abwischen.
  • Nach der Gua-Sha-Behandlung darf die betroffene Stelle erst wieder mit Gua Sha behandelt werden, wenn sich die Petechien oder Hautverfärbungen vollständig zurückgebildet haben.

Klinisches Beispiel einer Erkältung

Bei der Behandlung soll der Patient sitzen. Die Anwendung erfolgt mit einem Büffelhorn oder einer Münze, mit warmem Öl und/oder Vaseline als Gleitmittel. Geschabt werden die Meridianpunkte Anmian 1 + 2, Fengchi (Gb. 20), Jianjing (Gb. 21), Dazhui (Du. 14), Quchi (Di. 11), Lieque (Lu. 7), Hegu (Di. 4), Zhongfu (Lu. 1) und Yunmen (Lu. 2) sowie vom 2. Halswirbel abwärts bis zum 5. Lendenwirbel (Blasenmeridiane). Auf Höhe des 1. Brustwirbels wird an den Huatojiaji-Punkten lateral geschabt, zwischen den Rippen nach außen, an ca. 9–13 Stellen abwechselnd, jeweils rechts und links, bis deutliche Verfärbungen und Blutungen unter der Haut auftreten.

Gunawan Wibisono ist Diplom-(DTA-)TUINA-Therapeut. Er kam bereits im Kindesalter in Kontakt mit Qigong und chinesischen Heilkünsten in Indonesien. Er absolvierte mehrere Ausbildungen in Qigong-Taiji und Meditationsarten, TCM sowie Tao Yin. Er unterrichtet seit 2011 an der Deutschen TUINA Akademie sowie international Taoistische Lehre, Tao-Meditation, Taoyin und verschiedene Bereiche der TCM.

Dr. med. Weizhong Sun wurde 1958 in Beijing (Peking) geboren. Er ist Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin, internationaler Buchautor und medizinischer Leiter der Deutschen TUINA Akademie in Berlin. Er war langjähriger Olympia-Mannschaftsarzt in China sowie Chefarzt am Deutschen Zentrum für Chinesische Medizin in Bad Füssing (Niederbayern).

Interessenkonflikt: Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

  1. Nielsen A. Gua Sha. Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis. Bad Kötzting: Systemische Medizin; 2013
  2. Lee MS, Choi T-Y, Kim J-I. et al. Using Guasha to treat musculoskeletal pain: A systematic review of controlled clinical trials. Chin Med 2010; 5: 5
  3. Saha F, Brummer G, Lauche R. et al. Gua Sha therapy for chronic low back pain: A randomized controlled trial. Complem Ther Clin Pract 2019; 34: 64-69 

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