Ätherische ÖleMit Düften die Seele massieren

Massagen mit ätherischen Ölen können Entspannung, Lockerung und Entkrampfung fördern. Rezepturen aus der geriatrischen Praxis.

Braunfläschchen und Lavendelblüten
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In der Aromamassage kommen ätherische Öle in Trägeröle gemischt zum Einsatz.

Kurz gefasst

  • Die Aromamassage verbindet die therapeutischen Effekte von Aromatherapie und klassischer Massage. Sie nutzt dazu hochwertige, naturreine ätherische Öle, die mit 95,0–99,5 % Trägeröl (häufig Mandel-, Johanniskraut-, Jojoba- oder Olivenöl) zu dem jeweiligen Massageöl vermischt werden und über Haut und Geruchssinn wirken.
  • Zu den häufig verwendeten und in diesem Artikel vorgestellten ätherischen Ölen zählen Auszüge von Lavendel, Rose, Mandarine, Rosengeranie, Weihrauch, Cajeput, Wacholder, Wintergrün, Fenchel, Anis und Kümmel.
  • In der Praxis haben sich unter anderem die im Beitrag beschriebenen Rücken-, Colon- und Handmassagen bewährt, die zur Entspannung und Entkrampfung eingesetzt werden. 

Viel mehr als Wellness: Die Aromamassage spricht als ganzheitliche Behandlungsmethode sowohl somatische als auch psychische Aspekte des Wohlbefindens an.

Ursprünge: Mit klassischer Massage und Aromatherapie zur Aromamassage

Die Aromamassage vereint zwei traditionsreiche Behandlungs- und Entspannungsmethoden: die klassische Massage und die Aromatherapie. Beide wurzeln in alten Kulturen. So wussten bereits die alten Ägypter um die Wirkung pflanzlicher Öle. Sie nutzten sie zur Behandlung und für rituelle und pflegende Zwecke. Ähnliches Wissen besaßen auch die alten Griechen, Römer, Inder und Chinesen. Traditionelle Systeme wie die TCM lassen sich gut mit der modernen Aromatherapie kombinieren, zum Beispiel in Form der Aroma-Meridian-Massage:

 Aroma-Meridian-Massage

  • Für die Aroma-Meridian-Massage werden entlang der Meridiane unter Zugabe ätherischer Öle sanfte Streichungen und Massagen durchgeführt.
  • Der Grundgedanke dabei ist, Blockaden zu lösen, den Energiefluss zu regulieren und auf diese Weise sanft für Entspannung und Wohlbefinden zu sorgen. 

Auch in Europa sammelten Nonnen, Priester und Alchemisten Wissen über die Wirkung ätherischer Öle. Dieses gelangte vor allem durch die Kreuzzüge und den Einfluss der arabischen Welt nach Europa. Erst vorrangig genutzt als Arznei oder Parfüm, war es Paracelsus (1493/94–1541), der die medizinische Nutzung ätherischer Öle etablierte („Quinta Essentia“ als Essenz einer Substanz).

Im 20. Jahrhundert erlangte die Nutzung ätherischer Öle neue Aufmerksamkeit, maßgeblich geprägt durch den französischen Chemiker und Parfümeur René Maurice Gattefossé (1881–1950). 1937 veröffentlichte er sein Buch „Aromathérapie: Les Huiles essentielles, hormones végétales“ („Aromatherapie: Ätherische Öle, pflanzliche Hormone“). Somit war der Begriff der Aromatherapie geboren. Die Kombination mit Massagetechniken entstand später tatsächlich im Gesundheits- und Wellnessbereich – mit dem Ziel, die positiven Effekte beider Behandlungsmethoden zu kombinieren und somit zu verstärken.

Wie wirkt eine Aromamassage?

Aromamassage ist in erster Linie eine sanfte Ganz- oder Teilkörpermassage. Hierbei kommen hochwertige, naturreine ätherische Öle zum Einsatz. Da die wenigsten davon pur auf die Haut aufgetragen werden können, müssen sie mit einem fetten Trägeröl verdünnt werden. Auswahl und Dosierung des Öls richten sich nach der Art der Anwendung und nach dem zu behandelnden Patienten. Ätherische Öle entfalten ihre Eigenschaften dabei auf zwei Ebenen.

Wirkweise über die Haut: Schnelle Passage in den Körper

Da ätherische Öle lipophil sind und nur eine geringe Molekülgröße erreichen, können sie schnell durch die Haut in tiefere Gewebeschichten, den Blutkreislauf und das Lymphsystem gelangen. Bei der Aromamassage können durch verschiedene ätherische Öle die verschiedensten Symptome angesprochen werden. So kann die Massage zum Beispiel den Stoffwechsel anregen oder auch beruhigend wirken. Durch sanfte Einreibungen kann die Hautpflege zum Beispiel bei Pruritus oder Hämatomen unterstützt werden [1].

Wirkweise über den Geruchssinn: Limbisches System und Duftgedächtnis

Ätherische Öle gelangen beim Einatmen sehr schnell über die Nasenschleimhaut in das limbische System, das für Emotionen, Erinnerungen sowie deren Übersetzung in hormonelle Signale zuständig ist. Es ist auch an der Regulation des vegetativen Nervensystems beteiligt, verknüpft also Emotionen mit körperlichen Funktionen. Somit können ätherische Öle das Wohlbefinden beeinflussen.

Es gibt noch eine Besonderheit: Durch Düfte ist das menschliche Gehirn in der Lage, daran geknüpfte Erinnerungen und Emotionen in Sekundenschnelle abzurufen. Man spricht von Duftgedächtnis. Da Gerüche meistens intensiver an Erinnerungen geknüpft sind als Bilder oder Worte, gilt dieses Duftgedächtnis als eines der ältesten und emotionalsten Gedächtnissysteme. Deshalb ist es von Vorteil, den Patienten vor Behandlungsbeginn an dem Massageöl riechen oder es ihn sogar aussuchen zu lassen. Denn das Duftgedächtnis kann auch mit negativen Emotionen und Erinnerungen behaftet sein. In diesem Fall ist eine Alternative vorzuziehen.

Welche Trägeröle eignen sich zur Massage?

Ätherische Öle dürfen bis auf wenige Ausnahmen nicht pur verwendet werden, da sie sonst Nebenwirkungen wie Hautreizungen, allergische Reaktionen, Ekzeme oder sogar Verätzungen verursachen können. Daher werden sie einem Trägeröl zugegeben, das in der Regel 95,0–99,5 % des Gesamtvolumens ausmacht. Eine Reihe von Trägerölen mit ihren besonderen, im Folgenden beschriebenen Eigenschaften [1] hat sich aus meiner Sicht in der Praxis bewährt.

Olivenöl

Kaltgepresstes, hochwertiges Olivenöl eignet sich besonders gut zur Massage. Durch seine feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und das nur langsame Einziehen in die Haut ermöglicht es besonders sanfte Massagen. Olivenöl werden hyperämisierende und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.

Johanniskrautöl

Johanniskrautöl ist ein Mazerat aus Olivenöl und Johanniskrautblüten. Es besitzt wärmende, lindernde, entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften und eignet sich gut in Ölmischungen zur Schmerzbehandlung.

Mandelöl

Für Massagezwecke wird kaltgepresstes Mandelöl aus dem Samen der Süßmandel verwendet. Bittermandeln können Amygdalin (eine Vorstufe der Blausäure) enthalten und würden sich daher nicht dafür eignen. Durch seine schützenden und beruhigenden Eigenschaften eignet sich Mandelöl hervorragend als Basis eines Massageöls für alle Hauttypen.

Jojobaöl

Kaltgepresstes Jojobaöl ist ein oxidationsstabiles Trägeröl. Es besitzt straffende, feuchtigkeitsbewahrende und regenerierende Eigenschaften und ist auch für fettige Haut geeignet.

Aprikosenkernöl

Kaltgepresstem Aprikosenkernöl werden beruhigende, hautstraffende und regenerierende Eigenschaften zugeschrieben. Es ist ein beliebtes Basisöl für die Aromamassage und wird gerne für eine Aktivierung des Hautstoffwechsels verwendet.

Weizenkeimöl

Kaltgepresstes Weizenkeimöl wirkt regenerierend, straffend und stärkend auf die Haut und fördert ihre Elastizität. Es wird gerne als Bindegewebsöl genutzt und eignet sich sehr gut vor, während und nach der Schwangerschaft. Nach Anbruch sollte es im Kühlschrank aufbewahrt werden und nach 6–8 Wochen aufgebraucht sein.

Merke: Trägeröle können auch miteinander gemischt werden.

Praxistypische ätherische Öle (Auswahl)

Eine Reihe ätherischer Öle hat sich in der Praxis etabliert [1] und zählt fest zum Spektrum der Aromamassage, im Folgenden eine Auswahl.

Lavendel fein (Lavandula angustifolia)

Lavendelöl wird aufgrund seiner ausgleichenden, beruhigenden, angst- und krampflösenden Eigenschaften unter anderem bei Einschlafproblemen, Stress, Unruhe und Kopfschmerzen angewendet. Somit gilt es als der Allrounder unter den ätherischen Ölen.

Duftnote: Herznote (Bedeutung von Duftnoten: siehe Kasten).

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Lavendelöl ist eines der verträglichsten ätherischen Öle. Jedoch kann das Öl bei falscher Lagerung oxidieren und so bei der Anwendung Hautreizungen verursachen. Eine geöffnete Flasche sollte daher innerhalb von 18 Monaten aufgebraucht werden.

Bedeutung der Duftnote ätherischer Öle (Kopf-, Herz- und Basisnote)

Aufgrund ihrer Zusammensetzung besitzen ätherische Öle unterschiedliche Flüchtigkeiten. Diese beeinflussen, wie lange der Duft wahrnehmbar ist [1].

Kopfnote

Die Kopfnote eines ätherischen Öles ist bis etwa 2 Stunden wahrnehmbar. Meist sind es Zitrusdüfte oder Düfte von Nadelbäumen (zum Beispiel Zitrone, Balsamtanne). Diese werden als erfrischend, stimmungsaufhellend, konzentrationsfördernd und anregend wahrgenommen.

Herznote

Die Herznote entwickelt sich in etwa 3–4 Stunden. In der Regel sind es die zarten Düfte von Blüten, Gewürzölen und blühenden Kräutern (zum Beispiel Rosengeranie, Jasmin). Diese Öle werden als ausgleichend und harmonisierend empfunden.

Basisnote

Die Basisnote eines ätherischen Öles hält ca. 5–8 Stunden an. Es handelt sich vorwiegend um „schwere“ Düfte wie Harze, Holz- und Wurzelöle (zum Beispiel Benzoe siam, Vanille). Diese Öle werden als umhüllend, erdend und kräftigend beschrieben. 

Rose, türkisch (Rosa damascena)

Dem Rosenöl werden hautpflegende, regenerierende, lindernde und beruhigende Eigenschaften zugeschrieben. Es wird daher gerne bei Angst, Depression und Stress eingesetzt, ebenso wie bei Schlafproblemen, Trauer und zur Hautpflege.

Duftnote: Herznote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind bei normaler Anwendung und Verdünnung nicht bekannt.

Mandarine rot (Citrus reticulata)

Für Mandarinenöl werden entspannende, beruhigende und entkrampfende Wirkungen beschrieben. Es wird bei Stress, Unruhe und Depression verwendet, aber auch bei Trauer und Schlafproblemen.

Duftnote: Kopfnote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Bei Oxidation des Öles oder bei Überdosierung kann es zu Hautreizungen kommen.

Rosengeranie (Pelargonium graveolens)

Die Aromatherapie beschreibt für Rosengeranienöl hautpflegende, entspannende, entstauende und entkrampfende Eigenschaften. Es wird daher vorwiegend zur Entspannung, bei Stress, Trauer, zur Hautpflege und zur Anregung des Lymphsystems verwendet.

Duftnote: Herznote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind bei normaler Anwendung und Verdünnung nicht bekannt.

Weihrauch, arabisch (Boswellia sacra)

Weihrauchöl wird mit erdenden, entspannenden und reinigenden Eigenschaften verbunden. Daher findet es bei Stress, Depression, Schlafstörungen und Verspannungen Anwendung, ebenso zur Linderung von Frauenleiden.

Duftnote: Basisnote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Das Öl gilt als sehr verträglich. Es sollte aber nicht zu einer Überdosierung im Diffuser kommen, da empfindliche Menschen mit Benommenheit reagieren können.

Cajeput (Melaleuca cajeput)

Cajeputöl werden entkrampfende, vitalisierende, hautberuhigende und hautpflegende Eigenschaften zugesprochen. Es wird bei vielen Erkältungssymptomen, Schmerzen und Hauterkrankungen angewendet. Bei entsprechender Dosierung (siehe Kasten) ist es ein beliebtes Öl für Kinder.

Duftnote: Kopfnote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Bei sachgemäßer Anwendung bei Erwachsenen sind keine Nebenwirkungen zu befürchten. Allerdings eignet sich das Öl erst für Babys ab 6 Monaten (in 0,5%iger Verdünnung). Bei Kindern mit spastischen Atemwegserkrankungen sollte Cajeput nicht an Nase und Brust angewendet werden.

Wacholder (Juniperus communis)

Wacholderöl wird für durchblutungsfördernde, entkrampfende, vitalisierende und entstauende Behandlungen verwendet. Es findet daher vor allem bei Muskel- und Gelenkbeschwerden, Ödemen, Erkältungen und Zystitis Anwendung.

Duftnote: Kopfnote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Bei sachgemäßer topischer Anwendung in üblicher Verdünnung sind bei gesunden Erwachsenen keine Nebenwirkungen oder spezifischen Kontraindikationen bekannt.

Wintergrün (Gaultheria procumbens)

Für Wintergrünöl werden entspannende, entkrampfende, wärmende und regenerierende Wirkungen beschrieben. Wintergrünöl muss stark verdünnt werden (0,5–1 % Verdünnung in einem Trägeröl). Vor allem in Kombination mit Johanniskrautöl wird es für wärmende Behandlungen verwendet und findet sich daher häufig in Massageölen wieder. Diese eignen sich auch zur Massage nach dem Sport.

Duftnote: Herznote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Bei Überempfindlichkeit gegen Salicylate ist Vorsicht geboten. Bei Kindern unter 6 Jahren, Schwangeren und Asthmatikern sollte auf eine Anwendung verzichtet werden.

Fenchel, süß (Foeniculum vulgare)

Fenchelöl wird aufgrund seiner entkrampfenden, entspannenden und beruhigenden Eigenschaften häufig bei Frauenleiden und Verdauungsproblemen verwendet.

Duftnote: Kopf-Herz.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Vorsicht ist geboten bei hormonabhängigen Tumoren, Endometriose und Prostatahyperplasie. Das Öl sollte nur kurz und immer in einer niedrigen Dosierung (unter 2 %) angewendet werden.

Anis (Pimpinella anisum)

Anisöl werden beruhigende, entkrampfende und entspannende Wirkungen zugeschrieben. Es ist sehr beliebt in Ölmischungen gegen Bauchschmerzen und Magen-Darm-Probleme sowie bei Frauenleiden.

Duftnote: Kopfnote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Anisöl bei Babys, Kindern und Schwangeren nur stark verdünnt einsetzen. Vorsicht ist auch bei Endometriose, Prostatahyperplasie und östrogenabhängigen Kanzerosen geboten, ebenso wie bei alkoholabhängigen Personen. Die Anwendung sollte selten und nur äußerlich stattfinden (hoher Anetholanteil).

Absolute Kontraindikationen sind allergische und entzündliche Hauterkrankungen, Erkrankungen der Leber und die Einnahme von Paracetamol.

Kümmel (Carum carvi)

Kümmelöl wird als stärkend und anregend beschrieben und wird vor allem bei Erschöpfung und Müdigkeit eingesetzt. Des Weiteren eignet es sich zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden und wird zur Unterstützung der Verdauung, Gallen- und Lebertätigkeit angewendet.

Duftnote: Herznote.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind bei normaler Anwendung und Verdünnung nicht bekannt. Bei Oxidation des Öles kann es durch den hohen Limonengehalt jedoch zu Hautreizungen kommen.

Konzentration der ÖlmischnungMenge auf 10 ml TrägerölZielgruppe und Anwendungsbereich
0,5%ig1 Tr.Säuglinge, Schwangere, geschwächte geriatrische Patienten, Palliativpatienten, Sterbebegleitung
1%ig2 Tr.Wellnessbereich, chronisch Kranke, längere Anwendung, Kinder, Schwangere
3%ig6 Tr.therapeutische Dosierung, akute Erkrankung, kurze Anwendung
5%ig10 Tr.starke Schmerzen, nur bestimmte Öle

Ablauf am Beispiel der Rückenmassage

Abhängig vom Behandlungsziel dauert eine Aromamassage zwischen 30 und 60 Minuten. Zu Beginn erfolgt eine Anamnese, die gesundheitliche Aspekte, mögliche Allergien, Wünsche und Duftvorlieben oder -abneigungen umfasst. Zudem sollte die zu behandelnde Haut inspiziert werden. Haut und Muskulatur werden vor der Behandlung angewärmt, zum Beispiel mit einem vorgewärmten Handtuch. Das macht die Massage angenehmer und effektiver, da das Gewebe besser durchblutet und entspannter ist. Dies ist auch eine ideale Vorbereitung für tiefer gehende Massagen. Anschließend wird das ausgewählte Massageöl mit großflächigen, leichten Streichungen entlang der paravertebralen Muskulatur verteilt. Dabei schätzt der Masseur die Hauttemperatur, den Tonus und die Schmerzempfindlichkeit ein.

Darauf folgen im Fall der Rückenmassage intensivere manuelle Techniken. Hierzu zählen Knetungen, Walkungen und Zirkelungen der Rückenmuskulatur und der Muskulatur im Bereich der Schulterblätter. Damit sollen eine Reduktion myofaszialer Spannungen und die Hyperämisierung des Gewebes erreicht werden. Bei Bedarf können daraufhin tastbare Myogelosen intensiver behandelt werden. Der Druck muss dabei unbedingt an die Schmerzempfindlichkeit der behandelten Person angepasst werden. Die Wirbelsäule wird bei der Massage ausgespart. Die Behandlung konzentriert sich auf die beidseits angrenzende Muskulatur. Dabei sollte man besonders auf schmerzhafte, verspannte und funktionell eingeschränkte Areale achten und eine Überreizung des Gewebes vermeiden. Gegen Ende der Massage wird die Intensität wieder schrittweise reduziert. Mit ruhigen, ausstreichenden und gewebeentspannenden Handgriffen wird die Behandlung beendet.

Rezepturen: Ölmischungen zur Rückenmassage

Folgende Mischungen (Beispiele) eignen sich zur Rückenmassage.

Massageöl zu Entspannung 3 %
  • 10 ml Mandelöl
  • 2 Tr. Mandarine rot
  • 2 Tr. Rose (türkisch)
  • 2 Tr. Weihrauch (arabisch)
Massageöl bei Schmerzen 3 %
  • 10 ml Johanniskrautöl
  • 2 Tr. Wintergrün
  • 2 Tr. Wacholder
  • 2 Tr. Cajeput

Positive Studienergebnisse zu therapeutischen Effekten

Studien zeigen, dass „kurze Phasen des Abschaltens ausreichen, um nicht nur mental, sondern auf körperlicher Ebene zu entspannen“ [2]. Auch zur Aromatherapie existieren positive Studien. Unter anderem „zur Linderung von Symptomen insbesondere Übelkeit, peripherer Neuropathie, Schmerzen und Schlafstörungen“ [3].

In einigen Krankenhäusern, Seniorenheimen und Hospizen wird die Aromatherapie integrativ eingesetzt, um die Lebensqualität zu fördern, Erkrankungen naturheilkundlich zu begleiten und Schmerzen zu lindern. Bereits die sanfte Berührung sorgt für Wohlbefinden.

Colonmassage zur Bauchentspannung und Obstipationsprophylaxe

So habe ich zum Beispiel gute Erfahrungen mit einer Aroma-Colonmassage bei geriatrischen Patienten mit Obstipation gesammelt. Mit dieser wird die Darmtätigkeit angeregt, die Defäkation unterstützt und Meteorismus gelindert. Sie wird bevorzugt zur Obstipationsprophylaxe oder -behandlung durchgeführt. Die Beine des Patienten können zur Entspannung der Bauchdecke angewinkelt werden. Vor der Behandlung sollte das Abdomen palpiert werden. So fallen schmerzhafte Punkte, Abwehrspannung oder sonstige Besonderheiten auf. Vor Beginn der Massage sollten eventuelle Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Cave: Bei akuten unklaren Abdominalbeschwerden, entzündlichen Darmerkrankungen im akuten Schub, Ileus, gastrointestinalen Blutungen oder frischen postoperativen Zuständen im Bauchraum ist eine Colonmassage kontraindiziert, ebenso bei Aortenaneurysma, Peritonitis oder Abwehrspannung unklarer Genese.

Die Behandlung beginnt mit sanften, flächigen Streichungen. Dies dient der Entspannung des Abdomens und der Verteilung der Aromaölmischung. Die Massage folgt ausschließlich dem anatomischen Verlauf des Colons, geschieht also im Uhrzeigersinn, beginnend am Colon ascendens über das Colon transversum zum Colon descendens bis zum linken Unterbauch. Gearbeitet wird mit mäßigem, rhythmischem Druck und kreisenden, schiebenden oder leicht knetenden Massagegriffen. Die Intensität muss immer an das Empfinden der behandelten Person angepasst werden und sollte in keinem Fall Schmerzen verursachen. Die Patientenbeobachtung ist während der gesamten Behandlung von großer Bedeutung. Die Dauer hängt von der Indikation und dem Empfinden des Patienten ab. Sie liegt in der Regel zwischen 5 und 15 Minuten. Zum Schluss werden wieder beruhigende, langsame Streichungen durchgeführt und der linke Unterbauch ausgestrichen. Danach ist es wichtig, dass die behandelte Person die Möglichkeit zur Nachruhe erhält.

Rezeptur: Ölmischung zur Colonmassage

Folgende Ölmischung hat sich zur Colonmassage bewährt:

  • 10 ml Olivenöl
  • 2 Tr. Anis
  • 2 Tr. Fenchel (süß)
  • 2 Tr. Kümmel

Handmassage: Aussichtsreiche Ergebnisse bei Demenz

Auch die Handmassage zählt zu den bewährten manuellen Therapieformen. Sie kann aus meiner Erfahrung die behandelte Person ohne engen Körperkontakt gut ansprechen. Da sich an den Händen, ähnlich den Füßen, aus erfahrungsheilkundlicher Sicht Reflexzonen befinden, können nach diesem Modell durch Massieren bestimmter Bereiche Organe stimuliert und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Demnach wird durch die Massage eine Hyperämisierung und Lockerung muskulärer Verspannungen im Bereich der Hände und Handgelenke erreicht.

Im stationären Pflegealltag führen wir die Handmassage vor allem bei Demenzpatienten durch. Angeregt von der praxisorientierten Interventionsstudie von Kilstoff und Chenoweth (1998) [4] verwenden wir dazu eine spezielle Ölmischung. Obwohl die Studie nicht alle heutigen Standards erfüllt, zählt sie zu den Pionierarbeiten im Bereich der nichtmedikamentösen Therapie bei Demenz und gilt als Grundlage für später durchgeführte Untersuchungen. Sie bezieht sich auf die positive Stärkung zwischen Patient und pflegendem Angehörigen. Nach einer Handmassage verzeichnete die Studie eine Verbesserung von Gesundheitszustand, Wohlbefinden, Schlaf, geistiger Wachheit, Selbsthygiene, Zufriedenheit und selbstständigem Toilettengang. Außerdem verringerten sich Unruhe, Weglauftendenz und Rückzug der Patienten.

Merke: Da die Aromamassage in der Regel ohne Handschuhe durchgeführt wird, ist zu beachten, dass die ätherischen Öle auch bei Behandlern über Haut und Nase aufgenommen werden.

Zu Beginn der Behandlung werden die Hände des Patienten mit sanften Streichungen eingeölt. Die Berührung wird für einen Moment gehalten. Mit der eigentlichen Massage beginnen wir über dem Handgelenk und massieren mit unseren beiden Daumen in kreisenden Bewegungen über den Handrücken bis zu den Fingerspitzen. Nun wird jeder Finger ebenso kreisend bearbeitet und im Anschluss ausgestrichen. Mit leichten, zupfenden Bewegungen werden die Fingerzwischenräume massiert. Sanft wird nun die Hand des Patienten umgedreht und die Handinnenfläche, genau wie zu Beginn, mit kreisenden Bewegungen vom Handgelenk bis zu den Fingerspitzen massiert. Hierbei können verkrampfte Bereiche der Handinnenfläche länger und intensiver behandelt werden. Wir massieren dann mit unserem Daumen jeden einzelnen Finger. An den Fingerbeeren verharren wir kurz, wiederum kreisend. Dann wechseln wir zur anderen Hand des Patienten und massieren diese nach demselben Ablauf. Zum Schluss werden die Hände des Patienten ausgestrichen. Die Berührung wird wieder kurz gehalten. So endet die Massage nicht abrupt, und der Patient kann sich sicher fühlen.

Rezeptur: Ölmischung zur Handmassage

Für eine 1,5 % Ölmischung zur Handmassage bei Demenzpatienten eignen sich:

  • 20 ml Mandelöl
  • 1 Tr. Lavendel fein
  • 2 Tr. Rosengeranie
  • 3 Tr. Mandarine rot

Schlussbetrachtung

Die Aromamassage stellt bei fachgerechter Durchführung eine zuverlässige komplementäre Therapiemöglichkeit dar. Durch die Kombination gezielter manueller Massagegriffe mit der Anwendung ausgewählter ätherischer Öle kann sie die Genesung positiv beeinflussen.

Jennifer Clemens ist ausgebildete Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin mit der Zusatzqualifikation Praxisanleiterin. Seit vielen Jahren arbeitet sie auf einer geriatrischen Station mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde. In den letzten Jahren hat sie sich kontinuierlich in komplementärer Pflege und alternativen Heilmethoden weitergebildet.

Interessenkonflikt: Die Autorin gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

  1. Zimmermann E. Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe: Kursbuch für Ausbildung und Praxis. 7. Aufl. Stuttgart: Haug; 2022
  2. Meier M. et al. Standardized massage interventions as protocols for the induction of psychophysiological relaxation in the laboratory: a block randomized, controlled trial. Sci Rep. 2020; 10 (1) 14774 doi: 10.1038/s41598-020-71173-w
  3. Czakert J, Stritter W, Blakeslee SB, Grabowski JP, Sehouli J, Seifert G. „Wie ein Puzzleteil“ – individualisierte Aromatherapie für Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen in der Nachsorge: Ergebnisse einer qualitativ orientierten Mixed-Methods-Studie. Support Care Cancer 2023; 31 (1) 80 doi: 10.1007/s00520-022-07543-z
  4. Kilstoff K, Chenoweth L. New approaches to health and well-being for dementia day-care clients, family carers and day-care staff. Int J Nurs Pract. 1998; 4 (2) 70-83 doi: 10.1046/j.1440-172x.1998.00059.x 

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