
Ultraschall kann heute auch therapeutisch eingesetzt werden: Etwa zur Behandlung neurologischer Erkrankungen mit schwerem Tremor. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hin.
Mit dem MR-gesteuerten fokussierten Ultraschall (MRgFUS) steht ausgewählten Patient*innen mit schwerem Tremor eine moderne Therapieoption zur Verfügung, die ohne Hautschnitt und ohne Implantate auskommt.
Für wen kommt Ultraschall bei Tremor infrage?
- Die Methode kommt vor allem bei Menschen mit essenziellem Tremor zum Einsatz, wenn Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend lindern.
- Auch bei bestimmten Symptomen der Parkinson-Erkrankung kann die Therapie infrage kommen.
- Besonders geeignet seien Patient*innen mit einem stark ausgeprägten Tremor einer Körperseite, der die Selbstständigkeit im Alltag erheblich beeinträchtigt.
„Die Betroffene können nach der Behandlung wieder besser schreiben, essen, trinken oder feinmotorische Tätigkeiten ausführen“, sagt der Neurologe Prof. Lars Wojtecki von der DEGUM. Häufig verbessere sich dadurch auch die soziale Teilhabe, da sichtbares Zittern von vielen Betroffenen als belastend empfunden werde. Die Grunderkrankung selbst werde durch die Behandlung jedoch nicht geheilt.
Wie läuft die Therapie ab?
Mehr als 1000 Ultraschallquellen in einem Helm arbeiten dabei wie ein Brennglas: Jede einzelne für sich ist harmlos, gemeinsam bündeln sie ihre Energie auf einen winzigen Zielpunkt im Gehirn. Die Therapie erfolgt unter permanenter Kontrolle mittels Magnetresonanztomografie (MRT).
„Beim Tremor liegt dieses Zielgebiet meist im sogenannten Thalamus, einer zentralen Schaltstelle für Bewegungsabläufe. Durch eine gezielte Erwärmung können die krankhaft veränderten Nervenstrukturen, die das Zittern verursachen, dauerhaft verödet werden“, erläutert Wojtecki.
Die Wirkung werde oft schon während der Behandlung sichtbar: „Oft sehen wir schon während der Testbeschallungen eine deutliche Verringerung des Zitterns“, berichtet der Neurologe. Gleichzeitig lasse sich unmittelbar überprüfen, ob Nebenwirkungen auftreten. „Die MRT ermöglicht es uns, Zielgenauigkeit und Temperatur während der Behandlung in Echtzeit zu kontrollieren. Dadurch können wir die Therapie Schritt für Schritt steuern und ihre Wirkung direkt überprüfen.“
Ist Ultraschall eine Alternative zum Hirnschrittmacher?
Bislang gilt die Tiefe Hirnstimulation, bei der Elektroden in bestimmte Hirnregionen eingesetzt und mit einem sogenannten Hirnschrittmacher verbunden werden, als etablierte Therapie bei schwerem Tremor. „Der große Vorteil von MRgFUS besteht darin, dass weder Elektroden noch ein Hirnschrittmacher implantiert werden müssen“, erklärt Wojtecki. Allerdings sei die Ultraschalltherapie im Gegensatz zur Tiefen Hirnstimulation nach der Behandlung nicht mehr reversibel oder nachträglich über den Schrittmacher programmierbar.
Studien zeigen, dass die Tremorverbesserung durch MRgFUS häufig über viele Jahre anhält. Dennoch kann das Zittern im weiteren Verlauf wieder zunehmen. Welche Methode im Einzelfall die bessere Wahl sei, müsse daher sorgfältig geprüft werden.
Welche Form von Tremor eignet sich für die Ultraschalltherapie?
Die Fachgesellschaft betont, dass die Behandlung nicht für alle Patient*innen geeignet ist. Vor einer Therapie müssen die genaue Diagnose, die Ausprägung der Beschwerden, mögliche Begleiterkrankungen sowie individuelle anatomische Voraussetzungen sorgfältig geprüft werden.
Derzeit wird die Methode vor allem bei essenziellem Tremor und Parkinson-Tremor eingesetzt.
Wissenschaftler*innen untersuchen darüber hinaus, ob fokussierter Ultraschall künftig vermehrt auch bei weiteren Parkinson-Symptomen, chronischen Schmerzsyndromen sowie Tumoren und Alzheimer eingesetzt werden kann. Die Therapie wird derzeit in spezialisierten Zentren angeboten, unter anderem am Sana Klinikum Duisburg, am Universitätsklinikum Freiburg und am Universitätsklinikum Bonn.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Zwar gilt das Verfahren als schonend, trotzdem können Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen unter anderem:
- vorübergehende Taubheitsgefühle,
- Kribbeln,
- Gangunsicherheit,
- Gleichgewichtsstörungen,
- Koordinationsprobleme.
- In seltenen Fällen können Beschwerden auch länger bestehen bleiben.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin


