GLP-1-RezeptoragonistenAbnehmspritze: Mehr als Lifestyle

Die Abnehmspritze unterstützt sinnvoll bei Übergewicht und Adipositas. Auch bei Magen-Darm-Erkrankungen bringt sie Vorteile.

Frauenfüße auf einer Waage, mit der Anzeige HELP
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Adipositas ist eine Krankheit, die medizinischer Unterstützung bedarf.

53,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden laut Robert-Koch Institut an Übergewicht – Tendenz steigend. Der Frankfurter Gastroenterologe Prof. Axel Dignaß bezeichnet die Folgen der Adipositas-Epidemie als katastrophal - für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft: Die direkten und indirekten Kosten belaufen sich laut der Adipositas Gesellschaft auf rund 63 Milliarden Euro.

Lebensstilveränderungen sind langwierig

"Aus unserer Behandlungserfahrung in der Gastroenterologie wissen wir: Lebensstilveränderungen sind langwierig und viele der Betroffenen schaffen es nicht, ein gesundes Gewicht zu erreichen oder längerfristig zu halten", so Dignaß. Dabei ist eine Gewichtsabnahme, wie auch immer sie erreicht wird, lebensverlängernd.

"Auch bei medikamentöser oder operativer Hilfe ist mit den positiven Effekten des gesenkten Gewichts zu rechnen. Wenn in Deutschland weniger Menschen Übergewicht haben, ist das nicht nur für die Patient*innen selbst ein Gewinn, sondern auch für Gesundheitssystem und Volkswirtschaft." Besonders hebt Dignaß hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen und Berufsgruppen sei. „Herzkreislauferkrankungen, Diabetes oder Erkrankungen des Bewegungsapparates – Übergewicht ist ein Risikofaktor für so viele Erkrankungen, dass die Kooperation, die immer schon wichtig war, jetzt noch stärker in den Mittelpunkt tritt.“

Medikamentöse Therapie als Unterstützung

"Das erste Mittel der Wahl bei Übergewicht muss immer eine Ernährungsumstellung und Lebensstilveränderung sein", betont Prof. Birgit Terjung. Dafür empfehle die Deutsche Gesellschaft für Verdauung und Stoffwechselerkrankungen eine überwiegend pflanzenbasierte und mediterrane Ernährung, ebenso wie regelmäßige Bewegung.

Dennoch bleibe Adipositas eine Krankheit, bei der Betroffene medizinische Hilfe erhalten müssen. "Vor diesem Hintergrund kann und wird die medikamentöse Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten – der Wirkstoffgruppe der Abnehmspritze – eine gute und sinnvolle Unterstützung sein", erklärt Dignaß.

Für wen ist die Abnehmspritze verfügbar?

Derzeit steht sie nur Menschen zur Verfügung, die bereits unter Begleit- und Folgeerkrankungen des Übergewichts, wie Diabetes Typ 2, leiden. Sobald der Wirkstoff in Deutschland ausreichend verfügbar sein wird, wird er mehr Menschen im Rahmen medizinischer Behandlungen angeboten werden, so die Prognose des Experten.

„Dennoch: Angesichts der großen Anzahl von Menschen mit Adipositas sprechen wir auch von einem Kostenfaktor, der gesundheitspolitische Diskussionen mit sich bringen wird“, so Dignaß. 

Vorteile der Abnehmspritze in der Gastroenterologie

Die Gewichtsreduktion mithilfe von GLP-1-Rezeptoragonisten bringe zahlreiche Verbesserungen bei gastroenterologischen Erkrankungen wie der Fettleber oder der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). „Die positiven Kollateraleffekte der Abnehmspritze sind in der Gastroenterologie von großer Bedeutung. Weniger Entzündungen und die wiederhergestellte Insulinsensitivität zeigen einen deutlichen Einfluss auf Fettlebererkrankungen“, so Dignaß.

Hoffnung bestehe allerdings auch für Patient*innen mit entzündlichen Darmbeschwerden wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Hier zeigen Studiendaten aus den USA, dass bei Patient*innen mit CED und Typ-2-Diabetes, die mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, weniger häufig operiert werden müssen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten