
Eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter rund 2000 Bürger*inen zeigt:
- Die Mehrheit der Befragten fühlt sich Anspannungen und Belastungen ausgesetzt.
- Jeder 2. gibt an, der Stress habe in den vergangenen 1-2 Jahren zugenommen.
Schlafprobleme, Bluthochdruck, häufige Infekte
Dr. Aileen Könitz, Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH, sieht diese Entwicklung mit Sorge: "Dauerstress kann ernste Folgen für unsere Gesundheit haben, da er häufig ein anhaltendes Gefühl der Überforderung oder gar Hilflosigkeit hinterlässt. Das wiederum kann zu chronischer Erschöpfung und in der Folge zu Depressionen und Angststörungen führen. Auch körperlich macht sich Dauerstress bemerkbar. Viele merken gar nicht, dass unser System bereits früh Alarm schlägt – mit Schlafproblemen, Bluthochdruck oder häufigen Infekten."
Macht Stress einsam oder stresst die Einsamkeit?
Die meistgenannten stressbedingten Symptome und Beschwerden reichen laut Umfrage bei den häufig Gestressten von Unruhe, Nervosität und Gereiztheit (83 %) über Müdigkeit und Schlafstörungen bis hin zu dem Gefühl, ausgebrannt zu sein (je 78 %).
Für Aileen Könitz besonders alarmierend:
- 43 % der häufig Gestressten berichten von niedergedrückter Stimmung beziehungsweise von Depressionen, wenn sie unter Druck stehen.
- Fast ebenso viele (40 %) geben an, soziale Kontakte zu vernachlässigen oder sich einsam zu fühlen.
- 29 % der häufig Gestressten empfinden bei hohem Druck Verzweiflung, und jeder 4. hat Angstzustände.
"Große Belastungen können dazu führen, dass Menschen Kontaktpflege als anstrengend empfinden. Doch wer sich so verhält, läuft Gefahr, in eine Stressspirale zu geraten. Denn: Einsamkeit kann wiederum chronischen Stress und in der Folge psychische Erkrankungen begünstigen", erläutert die Expertin.
Um Einsamkeit vorzubeugen oder zu überwinden, können ehrenamtliches Engagement, die Teilnahme an Sport- oder anderen Gruppen-Kursen sowie die Mitgliedschaft in Vereinen helfen.
Stressfalle Zukunftsangst?
Doch was empfinden die Deutschen überhaupt als stressig?
- Die Hälfte aller Befragten empfindet aktuelle gesellschaftliche und politische Themen wie etwa der Klimawandel als besonders belastend
- Je 39 % fühlen sich durch die wirtschaftliche Situation in Deutschland sowie ihre Ausbildung oder ihren Beruf unter Druck gesetzt
- Jeder 4. empfindet finanzielle Sorgen als besonders stressig
Viele Menschen leiden in Krisenzeiten unter Zukunftsangst. Die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten auf sämtlichen Kanälen und das Gefühl, nichts ausrichten zu können, versetzen das Gehirn in Dauerstress. In Deutschland existieren allgemein ein hohes Sicherheitsbedürfnis und eine geringe Risikobereitschaft. Die aktuelle wirtschaftliche Lage und die anstehenden Strukturveränderungen greifen diesen Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle an. „Den damit verbundenen Ängsten können wir nur erfolgreich begegnen, wenn wir unsere Resilienz, also unsere Widerstandsfähigkeit, stärken. Nur so können wir mit Krisen umgehen und daran wachsen. Und hier kommen wieder die sozialen Kontakte ins Spiel, denn ein erster Schritt zur Stärkung der Resilienz ist, über Krisensituationen zu sprechen, etwa mit Familie und Freunden“, rät Aileen Könitz.
Auch wenn viele Entwicklungen weder vorhersehbar noch kontrollierbar sind: Wichtig ist, nicht passiv zuzusehen, sondern aktiv zu werden. "So können wir bereits selbst viel für unsere Resilienz tun, indem wir Entscheidungen treffen, sei es, sich bei seelischen Problemen Hilfe zu suchen, sich für den Klimaschutz zu engagieren oder den Job zu wechseln, um die eigene finanzielle Lage zu verbessern", sagt Könitz.
Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse


