
Gluten ist ein Sammelbegriff für Speicherproteine in einigen Getreidearten. Der Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel kann bei der Autoimmunkrankheit Zöliakie zu entzündlichen Veränderungen der Dünndarmschleimhaut führen. Die Gluten-Proteine des Weizens lösen die stärksten Immunreaktionen aus.
Bei knapp einem Prozent der Menschen in Deutschland liegt eine diagnostizierte Zöliakie vor. Da selbst Spuren von Gluten heftige Beschwerden auslösen können, ist die einzige Therapie der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel.
Sonderstellung von Hafer
Hafer kommt hier eine Sonderstellung zu: Er enthält Avenine. Diese Gluten-Proteine lösen bei etwa 95 Prozent der Menschen mit Glutenunverträglichkeit keine Reaktion aus und werden damit gut vertragen.
- Der Verzehr von Hafer oder Haferprodukten bei bestehender Glutenunverträglichkeit kann jedoch nur unter dem Vorbehalt der individuellen Verträglichkeit empfohlen werden.
- Im Einzelfall können dennoch Beschwerden auftreten.
Es gibt zusätzlich noch eine andere Ursache für Gluten in Hafer: Durch eine Kreuzkontamination (Verunreinigung) mit glutenhaltigen Getreidearten auf dem Feld, beim Transport und/oder der Verarbeitung entsteht in Hafer und Haferprodukten häufig ein immunreaktiver Gehalt an Gluten. Eine EU-Verordnung schreibt daher fest, dass "Hafer in einem Lebensmittel, das mit dem Hinweis „glutenfrei“ versehen ist, so hergestellt, zubereitet und/oder verarbeitet [ist], dass eine Kontamination durch Weizen, Gerste, Roggen oder Kreuzungen dieser Getreidearten ausgeschlossen werden kann."
- Zöliakie-Betroffene sollten nur Hafer verwenden, der aufgrund des Herstellungsprozesses als glutenfrei gekennzeichnet ist.
- Diese Produkte sind meist mit dem Symbol einer durchgestrichenen Ähre gekennzeichnet.
Fazit
Hafer enthält Gluten, aber in Form von Avenin, das von den meisten Menschen mit Zöliakie vertragen wird.
- Etwa 10 Prozent der von Zöliakie Betroffenen vertragen das im Hafer enthaltene Avenin allerdings nicht. Deshalb sollte Hafer schrittweise und nur ärztlicher Begleitung in die Ernährung eingeführt werden.
- Zu Beginn der Diagnosestellung sollte Hafer gar nicht gegessen werden, sondern erst nach vollständiger Regeneration der Darmschleimhaut.
Mit Haferprodukten können von Zöliakie Betroffene ihren Speiseplan erweitern, wenn sie Avenin vertragen. Damit könnten auch bedarfskritische Nährstoffe einer glutenfreien Ernährung aufnehmen, wie zum Beispiel komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe.
Im Zweifel sollte der Verzehr von Hafer immer fachärztlich abgeklärt werden.
Julia Seeher/bzfe.de/Ni


