KaffeeKann Kaffee das Leben verlängern?

Der viel diskutierte Kaffee hat nachgewiesene gesundheitliche Effekte. Warum, wie viel und worauf es ankommt, hat Johanna Zielinski zusammengefasst.

Inhalt
Tasse mit Kaffee auf Silbertablett
K. Oborny/Thieme
Kaffee enthält Nährstoffe wie Kalium, Magnesium, B-Vitamine sowie Antioxidantien.

Morgens mit einer Tasse Kaffee in den Tag zu starten ist für viele Menschen ein liebgewonnenes Ritual und Bestandteil vieler Kulturen. Ob Kaffeekonsum gesundheitsförderlich oder -schädlich ist, wird unter Expert*innen rege diskutiert. Studien schreiben dem beliebten Getränk eine positive Wirkung bezüglich des Sterberisikos zu. Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten, um die positiven Wirkungen für die eigene Gesundheit nutzen zu können.

Was ist drin im Kaffee?

Kaffee durchläuft von der grünen Bohne bis zum gerösteten Endprodukt eine chemische Verwandlung. Die Bohnensorte, der Röstgrad und die Zubereitungsmethode beeinflussen die biochemische Zusammensetzung des Kaffees. Der geröstete Muntermacher enthält ein Gemisch vieler bioaktiver Verbindungen. Einige davon besitzen potenziell antioxidative, entzündungs- und krebshemmende Wirkungen.

  • Wichtige Wirkstoffe im Kaffee sind z.B. die Chlorogensäuren (Aroma, Bitterkeit), Melanoidine und Koffein.
  • Er enthält zudem Nährstoffe wie Kalium, Magnesium, B-Vitamine (z.B. Niacin) sowie phenolische Verbindungen bzw. Antioxidantien. Letztere könnten laut Studien auch auf Alterungsprozesse einwirken, indem die zelluläre Alterung verlangsamt wird.

Wissenschaftler*innen untersuchen die vielfältigen Effekte bezüglich der Wechselwirkungen der bioaktiven Verbindungen mit genetischen und metabolischen Alterungsmarkern – um u.a. medizinische Möglichkeiten in Bezug auf Gesundheit und Langlebigkeit zu finden.

Koffeinhaltiger Kaffee scheint gegenüber anderen koffeinhaltigen Getränken einen besonderen Vorteil zu bieten. So ist der Konsum koffeinhaltiger Softdrinks wie Cola sogar mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für gesundes Altern verknüpft. Kaffee und Tee haben je nach Konsummenge positive Effekte auf den Körper – welche sich jedoch zwischen Frauen und Männern unterscheiden können.

Vorteil oder Nachteil?

Zu den möglichen gesundheitlichen Vorteilen von Kaffee zählen der Schutz vor Typ-2-Diabetes, Parkinson und Lebererkrankungen. Auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit kann durch den Konsum des Getränks gefördert werden.

Die enthaltenen Alkaloide Koffein, Trigonellin und das Polyphenol Chlorogensäure sind in herkömmlichen Aufgüssen in hohen Konzentrationen vorhanden bzw. weisen eine erhöhte Bioverfügbarkeit auf. Diese Antioxidantien können den Körper vor Schäden durch freie Radikale schützen, Trigonellin besitzt z.B. eine neuroprotektive Wirkung. Auch bei chronischen Lebererkrankungen zeigt Kaffee positive Wirkungen. Solche Erkrankungen finden sich vor allem in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, wobei die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Noch ist wenig über die Auswirkungen verschiedener Kaffeesorten bekannt. Problematisch können die Mykotoxinwerte in handelsüblichem Kaffee sein. Mykotoxine sind giftige Substanzen, die den Kaffee verunreinigen können. Diese Schimmelpilzgifte (z.B. Ochratoxin A, krebserregend) entstehen durch fehlerhafte Lagerung oder Verarbeitung. In der EU bestehen Höchstwerte für Ochratoxin A in Kaffee, um die Sicherheit für Verbraucher zu gewährleisten. Auch das Rösten der Kaffeebohnen bei hohen Temperaturen reduziert den Gehalt an den Schimmelpilzen erheblich.

Wichtig: Kaffee sollte umgehend entsorgt werden, wenn Anzeichen von Schimmel oder Feuchtigkeit zu erkennen sind.

Auch Acrylamid, eine weitere in Kaffee vorkommende Substanz, steht im Fokus der Kritik. Dieses entsteht beim Rösten mit hohen Temperaturen (Maillard-Reaktion) und ist daher in allen gerösteten Kaffeesorten enthalten. Durch eine schonende Röstung, also länger bei niedrigeren Temperaturen, wird der Gehalt verringert und zudem das Aroma verfeinert.

Wie viel Kaffee ist gesund?

Studien zeigen:

  • Generell sind für die meisten Menschen bis zu 2 Tassen Kaffee pro Tag unbedenklich und potenziell vorteilhaft.
  • Als moderater Konsum gelten 1-3 Tassen täglich.

Eine höhere Aufnahme kann für manche Personen zusätzliche Vorteile bieten, für andere aber gesundheitsschädlich sein.

  • Der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee ist vor allem bei Menschen mit einem langsamem Koffeinstoffwechsel mit einem erhöhten Risiko für Albuminurie, Hyperfiltration und Hypertonie verbunden.
  • Bei vorbelasteten Personen könnte Koffein also eine Rolle bei der Entstehung von Nierenerkrankungen spielen.
  • Betroffenen von Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Angstzuständen und Schlafstörungen, wird geraten, ihren Kaffeekonsum zu verringern bzw. einzustellen.
  • Bei Medikamenteneinnahme zur Behandlung chronischer Erkrankungen, ist es ratsam, mit einem Arzt des Vertrauens zu besprechen, wie Koffein mit den Medikamenten interagieren könnte bzw. sich auf bestehende Erkrankungen auswirken kann. Hier handelt sich u.a. um Antibiotika, Psychopharmaka, Schilddrüsenmedikamente, Medikamente gegen Knochenschwund, gegen Magen-Darm-Probleme oder Bluthochdruck.

Auch bei Kaffee macht die Dosis das Gift – bei übermäßigem Konsum können negative Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören Fruchtbarkeitsprobleme, negative Auswirkungen auf den Fötus (Schwangerschaft), Reizbarkeit und Schlaflosigkeit bei Säuglingen (Kaffeekonsum während Stillzeit), Verschlimmerung der Symptome von bestimmten psychischen Erkrankungen (z.B. bipolare Störung, Schizophrenie), eine Koffeinvergiftung, koffeinbedingte Angstzustände oder Schlafstörungen.

Zu welchem Zeitpunkt?

Wissenschaftler*innen haben herausgefunden:

  • Tageszeit: Kaffeegenuss am Morgen ist wahrscheinlich stärker mit einem geringeren Sterberisiko verbunden als der Konsum zu einem späteren Zeitpunkt am Tag.
  • Lebensalter: Moderater Konsum von koffeinhaltigem Kaffee im mittleren Lebensalter scheint mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Altern verbunden zu sein – dies wurde vor allem bei Frauen eingehender untersucht.

Während der Schwangerschaft ist der Konsum von Kaffee vermutlich nicht ganz unbedenklich. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einem hohem Kaffeekonsum und Fehlgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburten. Auch ein hoher Koffeinkonsum in der Jugend kann zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn führen - dies könnte das Risiko für Angststörungen im Erwachsenenalter erhöhen. Hier wird noch weiter geforscht.

Profitieren Frauen mehr von Kaffee? 

Frauen scheinen mehr von den gesundheitsförderlichen Effekten des Kaffees zu profitieren. Das zeigt eine groß angelegte Studie:

  • Die Forschenden beobachteten bei Frauen einen deutlichen Zusammenhang zwischen höherem Kaffeekonsum und geringerer Gesamtmortalität.
  • Insbesondere koffeinhaltiger Kaffee kann demnach den gesunden Alterungsprozess sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit unterstützen.

Gesundes Altern definierten die Forscher*innen folgendermaßen: Ein Alter von 70 Jahren oder älter, Ausbleiben von 11 chronischen Erkrankungen (u.a. Herzleiden, Typ-2-Diabetes, Krebs), gute psychische Gesundheit, Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit, keine kognitiven Beeinträchtigungen.

Das Ergebnis:

Frauen, die täglich mindestens eine Tasse Kaffee tranken, gehörten mit höherer Wahrscheinlichkeit zu den gesunden Älteren. Jede zusätzliche Tasse Kaffee pro Tag erhöhte die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Altern um bis zu 5 Prozent. Der Effekt erreichte bei etwa 5 kleinen Tassen täglich seinen Höhepunkt. Ob diese Menge gesundheitsförderlich ist, kann jedoch individuell variieren.

Bei Männern wurde hingegen kein direkter Zusammenhang mit der Gesamtmortalität festgestellt. Bei Frauen scheint sich der moderate Kaffeekonsum auch im Hinblick auf die Krebsmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität auszuwirken. Bei Männern war der Zusammenhang in dieser Studie umgekehrt. Hier weisen Männer, die 30–50 % Tee konsumieren, im Vergleich zu reinen Kaffeetrinkern die niedrigste Sterblichkeit auf. Bei den Frauen erzielten diejenigen, die ausschließlich Kaffee oder bis zu 40 % Tee tranken, die niedrigste Sterblichkeit.

Studien zeigen auch, dass Frauen mit hohem Kaffeekonsum ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben können. Männer scheinen ein etwas geringeres Risiko zu haben.

Wichtig: Bei Frauen beeinflussen hormonelle Schwankungen den Koffeinstoffwechsel – die positiven Effekte sind eng mit dem Zeitpunkt der Einnahme, der persönlichen Veranlagung und dem Gesundheitszustand verknüpft. Östrogen hemmt z.B. ein Leberenzym, das für den Abbau von Koffein entscheidend ist – so kann Koffein bei manchen Personen länger im Körper verbleiben – vor allem bei Frauen, die hormonelle Veränderungen (Wechseljahre, Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva) erfahren.

Beeinflussen Gene den Koffeinstoffwechsel?

Der Koffeinstoffwechsel ist neben hormonellen Faktoren auch abhängig von genetischen Faktoren. Gene bestimmen, wie schnell das Koffein abgebaut wird und wie stark es wirkt. Hier spielt das CYP1A2-Gen eine Schlüsselrolle - es reguliert den Koffeinabbau in der Leber.

Frauen mit einem langsameren Koffeinstoffwechsel (genetische Variationen im CYP1A2-Gen) profitieren z.B. möglicherweise nicht von höheren Kaffeemengen und sind anfälliger für Nebenwirkungen. Genetische Unterschiede können also den Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und den gesundheitlichen Auswirkungen beeinflussen. Koffein kann so zu einem Knackpunkt werden - besonders für Personen mit geringer Koffeintoleranz oder einer genetischen Veranlagung. Der individuelle Genotyp sowie das Darmmikrobiom bestimmen die Bioverfügbarkeit. Personalisierte Ernährungsempfehlungen spielen künftig also auch bei Kaffee eine Rolle - unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer und genetischer Unterschiede.

Hilft Kaffee gesünder alt zu werden?

Zu dieser Frage existieren einige Studien. Darin wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und gesundem Altern bzw. einer lebensverlängernden Wirkung untersucht. Mit diesen Ergebnissen:

  • Es wird vermutet, dass moderater Kaffeekonsum (bis zu 3 Tassen täglich) mit einer höheren Lebenserwartung von durchschnittlich knapp 2 Jahren verbunden ist.
  • Regelmäßiger Kaffeekonsum wird außerdem mit einer längeren gesunden Lebensspanne ohne schwere Erkrankungen in Verbindung gebracht.
  • Studien zeigen einen kleinen, aber deutlichen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und verbesserter Gesundheit. Dieser scheint u.a. mit dem Erhalt der Muskel-, Herz- und Kreislauffunktionen, der psychischen Funktionen und dem Immunsystem verbunden zu sein.

Es spielen viele andere Faktoren eine Rolle für gesundes Altern und eine erweitere Lebensspanne - Kaffee ist also nicht allein für ein längeres Leben und eine bessere Gesundheit verantwortlich. Doch kann er sehr wahrscheinlich einen gewissen Beitrag zu einer höheren Lebenserwartung leisten, wie die Forschung zeigt.

Fazit

Mäßiger Kaffeekonsum kann in Kombination mit anderen gesunden Verhaltensweisen einen gewissen Schutz vor Krankheiten bieten und die Sterbewahrscheinlichkeit senken – im Vergleich zu Nicht-Kaffee-Konsumenten. Generell untermauern die Ergebnisse der Studien, dass kleine, beständige Gewohnheiten unsere Gesundheit langfristig beeinflussen können. Und sie legen nahe, dass ein Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und gesundem Altern besteht.

Schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass Kaffee zwar ein genussvoller Aspekt für die Gesundheit darstellt – dieser jedoch nicht gesunde Verhaltensweisen wie die Aufnahme von nährstoffreichen Lebensmitteln, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und ausreichend Schlaf ersetzen kann. Und - die gesundheitlichen Vorteile des Kaffeekonsums können durch die Zugabe von Zucker und gesättigten Fettsäuren beeinträchtigt werden. Hier wird noch weiter geforscht. Kaffee kann also vermutlich die Lebenserwartung erhöhen, ist aber kein Allheilmittel und schon gar kein Ausgleich für einen ungesunden Lebensstil.

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  3. Mahdavi S et al. CYP1A2 Genetic Variation, Coffee Intake, and Kidney Dysfunction. JAMA Netw Open 2023; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.47868
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Johanna Zielinski ist Diplom-Ökotrophologin (Ernährungswissenschaften) und absolviert derzeit eine Weiterbildung im Bereich Psychologie. Journalistische Stationen erfolgten beim WDR sowie einem privaten Radiosender. Sie ist als Ernährungsberaterin sowie als freie Autorin und Sprecherin tätig.