
Dauerhafte Schmerzen nach einer Hüft- oder Knieoperation, wiederkehrende Rötungen oder Schwellungen, gestörte Wundheilung und Fieber: Solche Beschwerden können auf eine Protheseninfektion hinweisen. Zwar treten sie nur in etwa 0,5 bis 2 Prozent aller Fälle auf. Periprothetische Infektionen gehören jedoch zu den gefürchtetsten Komplikationen nach Gelenkersatz.
Wie bedeutsam das Problem ist, zeigt der aktuelle Jahresbericht des Endoprothesenregisters Deutschland:
- Bei Knieprothesen sind Infektionen für 15,2 Prozent aller Folgeeingriffe verantwortlich,
- bei Hüftprothesen sogar für 18,5 Prozent.
Die Behandlung ist aufwendig, oft mit dem Austausch des Implantats und einer langen Antibiotikatherapie verbunden. Zudem können Infektionen selbst Jahre nach der Operation auftreten – eine sorgfältige Vorsorge und schnelle Behandlung kleiner Verletzungen bleiben daher lebenslang wichtig.
Mögliche Auslöser für Implantat-Infektionen
Mit etwa 440.000 Implantationen im Jahr gelten Hüft- und Knieprothesen als sichere und höchst erfolgreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung von Schmerzfreiheit, Mobilität und sozialer Teilhabe. Neben den periprothetischen Infektionen, bei denen Bakterien bereits in seltenen Fällen im Rahmen der Operation eingebracht wurden, entstehen Implantatinfekte auch durch Zirkulation von Erregern im Blut.
- Auslöser dieser über den Blutweg gestreuten Infektionen können größere Entzündungen im Körper, wie Blasenentzündungen sein.
- Als weitere mögliche Ursachen kommen aber auch Bakterienquellen wie offene Beine (Durchblutungsstörungen) oder eine blutig verlaufende Zahnbehandlung sein.
- Trägt der Patient weitere Fremdkörper, etwa künstliche Herzklappen, die sich infiziert haben, können auch diese Keime auf die Gelenkprothese verschleppt werden.
Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor einer Ausbreitung von Infekten und eliminiert Keime, die über den Blutweg streuen. Ein Implantat ist jedoch ein unbelebter Fremdkörper. Er kann sich nicht selbst vor der Besiedelung mit Bakterien schützen. Deshalb bleiben Bakterien dort bevorzugt haften. Da sie sich auf der künstlichen Oberfläche ungestört vermehren können, sind sogar schon verhältnismäßig wenige Keime in der Lage, eine ernsthafte Infektion auszulösen.
Auf der Oberfläche der Prothesen beginnen sie bereits innerhalb von wenigen Tagen, einen Schleimfilm zu bilden. Bakterien, die sich innerhalb dieses sogenannten Biofilms befinden, sind vor dem Angriff durch Antibiotika und des Immunsystems geschützt. Eine realistische Chance, die Infektion durch Antibiotika in den Griff zu bekommen, besteht nicht, da auf dem Implantat keine Immunabwehr stattfindet. Deshalb ist die Behandlung immer operativ.
Prävention wichtigste Maßnahme
Die anspruchsvolle Behandlung eines Protheseninfektes setzt sehr viel Erfahrung des Teams voraus. Zudem ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, etwa Mikrobiologen, Infektiologen, Internisten und Orthopäden wesentlich, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen. Deshalb sollte diese Behandlung spezialisierten Zentren vorbehalten sein.
Umso wichtiger ist die Prävention: Hierzu gehören die Verminderung von Risikofaktoren auf Patientenseite und operationsspezifische Maßnahmen.
Prävention auf Patientenseite
Auf Patientenseite betrifft das zum Beispiel die optimale Einstellung eines Diabetes mellitus, einer Rheumaerkrankung, die Reduzierung von Übergewicht, eine präoperative Behandlung von Blutarmut oder des Ernährungsstatus. Ebenfalls sollte das Rauchen zumindest für 4 Wochen pausiert werden. Diese Maßnahmen führen nachweislich zu einer geringeren periprothetischen Infektionsrate.
Sogenannte hämatogene Infektionen können durch die Sanierung von Infektionsherden im Körper vermindert, beziehungsweise verhindert werden. Dies betrifft zum Beispiel Infektionen im Zahnbereich, aber auch offene Stellen oder symptomatische Harnwegsinfektionen.
Prävention vor und während der OP
Ganz entscheidend für die Infektionsprophylaxe ist die so genannte Dekolonialisierung. Hierbei wird vor der Operation der Körper mit antiseptischen Lösungen gewaschen, um die Keimzahl auf der Haut zu vermindern. Das sollte heute Standard vor allen Operationen, in denen Kunstgelenke eingebracht werden, sein. Die Anzahl der operationsbedingten Infektionen kann damit um mehr als die Hälfte verringert werden.
Während der Operation kann der Blutverlust durch muskelschonende Verfahren vermindert werden. Auch führen kürzere Operationszeiten nachweislich zu geringeren Infektionsraten. Ebenso verringert das Wärmen des Patienten während der Operation das Infektionsrisiko aufgrund der besseren Hautdurchblutung. Bei längeren Operationen sollten Handschuhe und bestimmte Instrumente nach einer bestimmten Zeit gewechselt werden, da sie sich mit Bakterien besiedeln können beziehungsweise die Handschuhe nicht mehr dicht sind.
Diese Maßnahmen vor und während der OP können die Infektionsrate signifikant verringern.
Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik hat Handlungsempfehlungen zur Prophylaxe als auch Therapie von periprothetischen Infektionen erstellt unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00132-020-03940-6#Sec3
Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik/2.12.2025


