Salvia officinalisSalbei: Stark gegen Parodontitis

Parodontitis ist fast in aller Munde und das hat Folgen. Der Salbei könnte hilfreich sein und im Winter sogar das Infektionsrisiko senken.

frische Salbeiblätter auf Holzuntergrund
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Salbei (Salvia officinalis) weist entzündungshemmende Effekte auf.

Volkskrankheit Parodontitis

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates. Ausgelöst wird sie durch bakterielle Zahnbeläge und kann unbehandelt zum fortschreitenden Abbau von Kieferknochen und Zahnfleisch führen. Sie beginnt oft mit einer einfachen Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und kann im fortgeschrittenen Stadium zur Zahnlockerung und letztendlich zum Zahnverlust führen.

Parodontitis ist eine Volkskrankheit. Das zeigen eindrücklich die Zahlen der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie. Für diese wurden im Zeitraum von 2021 bis 2023 an 90 verschiedenen Orten in Deutschland rund 4000 Menschen aus diversen Altersgruppen und sozialen Schichten umfassend befragt und zahnmedizinisch untersucht. Die Ergebnisse [1]:

  • Mehr als die Hälfte (52 %) der Erwachsenen zwischen 35–44 Jahre leidet an mittlerer oder schwerer Parodontitis.
  • Bei jüngeren Senioren (65–74 Jahre) sind es rund zwei Drittel.  

Salbei: Wirkweise und klinische Forschung

Salbei (Salvia officinalis) wird traditionell bei verschiedenen Entzündungen im Mundraum empfohlen. Seine positiven Wirkungen beruhen auf seiner Kombination von ätherischem Öl und den Labiaten-Gerbsäuren. Beide Stoffgruppen wirken antimikrobiell und können die Keimzahl im Mundraum reduzieren. Die Labiaten-Gerbsäuren wirken zudem entzündungshemmend und adstringierend. Letztere Wirkung stärkt das Zahnfleisch, da sie die obersten Zellschichten der Schleimhaut verfestigt und so widerstandsfähiger macht. Dies kann Blutungen reduzieren.

Salbei hat demnach 3 wichtige Wirkungen:

  • Er stärkt das betroffene Gewebe,
  • reduziert unerwünschte Keime und
  • lindert die Entzündung.

 Eine 2024 publizierte klinische Studie untersuchte die Wirksamkeit eines lokal angewendeten Salbei-Extrakts als ergänzende Behandlung zur konventionellen Parodontitis-Therapie. Alle Probanden erhielten eine professionelle Zahnreinigung, ein Teil davon eine zusätzliche Behandlung mit dem Salbeiextrakt. Bei diesen zeigte sich ein länger anhaltender Effekt der Zahnreinigung als bei der Kontrollgruppe, die kein Salbeiextrakt erhielt [2].

Mundhygiene und Infektanfälligkeit

Jede Entzündung im Mund schwächt die Barrierefunktion der Mundschleimhaut. Diese bildet den ersten Verteidigungswall gegenüber vielen Erregern von Atemwegsinfekten. Ist dieser durch eine Entzündung geschwächt, kann er leichter überwunden werden.

Studien während der Covid-19-Pandemie zeigten: Menschen, die unter einer Parodontitis litten, hatten ein größeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken und hatten – im Erkrankungsfall – häufigere Komplikationen und schwerwiegendere Verläufe [3]. Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur Coronaviren, sondern auch andere häufige virale Erreger von Atemwegsinfekten von Entzündungen im Mund – etwa Stomatitis oder Gingivitis – profitieren. Wer unter Infektionen im Mundraum leidet, sollte daher ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Daneben kann eine regelmäßige Anwendung von Salbei hilfreich sein.  

Salbei bei Parodontitis anwenden

HMPC, ESCOP und Kommission E begrüßen den Einsatz von Salbei bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich – die entsprechenden Monografien empfehlen bei diesen Indikationen eine äußerliche Anwendung. Was wird hier unter äußerlicher Anwendung verstanden? Sobald eine Arznei geschluckt wird, spricht man von innerer Anwendung. Wird sie jedoch nur lokal im Mundraum angewandt und dann wieder ausgespuckt, zählt dies zu den äußeren Anwendungen.

Bei Parodontitis ist eine Mundspülung mit Salbeitee empfehlenswert. Alternativ kann auch Salbeitinktur angewendet werden.

Mundspülung mit Salbeitee

  • Für die Herstellung eines Tees übergießt Du 1 EL Salbeitee mit ca. 200 ml siedenden Wasser und lässt den Tee 15 Minuten lang zugedeckt ziehen. Dann sind beide Wirkstoffgruppen in das heiße Wasser übergetreten, die bei dieser Anwendung von Belang sind: Das ätherische Öl und die Labiaten-Gerbsäuren.
  • Ist der Tee auf eine angenehme, lauwarme Temperatur abgekühlt, spüle damit Mund- und Rachenraum gründlich aus, gurgele damit im Anschluss und spucke den Tee dann aus.
  • Den letzten Schluck Tee kannst Du – ohne den Mund damit zu spülen – auch gerne trinken, das pflegt und schützt auch die tiefere Rachenschleimhaut.
  • Die Anwendung kannst Du zur Prophylaxe oder zur begleitenden Therapie der Parodontitis bis zu 3-mal täglich wiederholen.

Gegenanzeigen, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen sind bei dieser Anwendung von Salbei keine bekannt.

Wichtig: Obwohl ein Salbeitee bei Parodontitis wirksam sein kann, sollte er nur als begleitende Maßnahme zur täglichen Mundhygiene angewandt werden und kann die zahnärztlichen Empfehlungen und Therapien nicht ersetzen! Wichtigste Prävention ist die tägliche Mundhygiene und die regelmäßige zahnärztliche Entfernung von weichen und harten Belägen auf den Zähnen.

Und zum Schluss

“Du musst nicht alle Zähne putzen. Nur die, die du behalten möchtest.” So lautet ein humorvolles Sprichwort, das uns daran erinnert, dass das tägliche Zähneputzen Sinn macht. Es kann Erkrankungen wie Karies oder Parodontitis entgegenwirken. Daneben empfehle ich die Anwendung von Salbeitee, zur Vorsorge und zur begleitenden Therapie der Parodontitis. Das pflegt nicht nur den Mundraum, sondern kann auch seine Barrierefunktion gegenüber viralen Atemwegsinfekten stärken. Davon dürften wir besonders in den kalten Monaten profitieren ...

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Institut der deutschen Zahnärzte: https://deutsche-mundgesundheitsstudie.shinyapps.io/Ergebnisportal/ (abgerufen am 13.10.2025)
  2. Aljuboori IW, Mahmood MS, Al-Rihaymee SA. Clinical Effectiveness of Salvia officinalis in Periodontitis: A Split-Mouth Randomized Controlled Trial. Cureus 2024; 16(4):e58582
  3. Marouf N, Cai W, Said KN et al. Association between periodontitis and severity of COVID-19 infection: A case-control study. J Clin Periodontol 2021; 48(4):483-491

Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie

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