ChemotherapieKonsequenter Sonnenschutz bei Chemotherapie

Patient*innen während und nach Chemotherapie sollten sich konsequent vor Sonne schützen. Je nach Therapeutikum kann es zu einer ausgeprägten Lichtempfindlichkeit kommen. 

Sonnencremetube und Sonnenhut auf grüner Unterlage
Maria Tatic/stock.adobe.com
Viele Krebsmedikamente, aber auch andere Medikamente können bei den Patient*innen eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit hervorrufen.

Patient*innen während und nach einer Chemotherapie sollten sich besonders vor Sonne schützen. Denn je nach eingesetztem Therapeutikum kann es zu einer ausgeprägten Lichtempfindlichkeit gegenüber den langwelligeren UV-A-Strahlen kommen. Sonnenbrand, Rötungen der Haut und Blasen können die Folge sein.

Viele Krebsmedikamente können bei den Patient*innen eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit hervorrufen. Bereits ein kurzer Aufenthalt in der Sonne oder sogar unter bewölktem Himmel kann heftige Hautreaktionen an dem Licht ausgesetzten Stellen, wie Gesicht oder Armen, hervorrufen. Diese ähneln einem klassischen Sonnenbrand oder äußern sich als Verfärbung der Haut. Auch die Nägel können betroffen sein. Die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Licht hängt von der verabreichten Chemotherapie sowie den individuellen Hauteigenschaften ab.

Geschädigte Hautzellen und allergische Reaktionen

Häufige Folge der hohen Lichtempfindlichkeit sind phototoxische Reaktionen. Dabei entstehen durch die gesteigerte Lichteinwirkung in der Haut Substanzen, die die Hautzellen schädigen und dann Reaktionen ähnlich einem starken Sonnenbrand hervorrufen können.

Eine phototoxische Reaktion kann auch dann auftreten, wenn ein Medikament die natürlichen Schutzmechanismen der Haut schwächt. Dann können schädliche Substanzen nicht mehr ausreichend abgebaut werden.  Bei den selteneren photoallergischen Reaktionen wird vermutet, dass sich das Krebsmedikament unter Lichteinwirkung mit biologischen Strukturen, wie zum Beispiel Eiweißen in der Haut verbindet. Zellen des Immunsystems registrieren diese Verbindungen als "fremd" und greifen sie an. Die Folge ist eine allergische Reaktion mit Rötung, Juckreiz oder Ausschlag.

Lichtempfindlichkeit nicht nur bei Chemotherapie

Neben der Chemotherapie können auch sogenannte zielgerichtete Therapien eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit hervorrufen. Diese Therapieform hemmt das Tumorwachstum, indem sie gezielt Strukturen in oder auf Tumorzellen angreift, die für Wachstum, Teilung oder Überleben von Krebszellen verantwortlich sind.

Auch Medikamente, die zusätzlich zur eigentlichen Krebstherapie unterstützend eingesetzt werden, können lichtempfindliche Wirkstoffe beinhalten: Antibiotika, Hormonpräparate oder Antidepressiva etwa. Ein Beispiel ist das Johanniskraut, ein pflanzlicher Stimmungsaufheller.

Wie lässt sich ein Verdacht erhärten?  

Liegt der Verdacht einer phototoxischen Reaktion nahe, kann mit einem Photo-Patch-Test festgestellt werden, ob ein Medikament dafür verantwortlich ist – und wenn ja, welches. Dabei wird die vermeintlich verdächtige Substanz auf zwei Hautareale aufgetragen, von denen dann eines unter standardisierten Bedingungen mit UV-A bestrahlt wird. Rötet sich nur das bestrahlte Areal stärker als die umliegende Haut, geht man von einer Lichtempfindlichkeit durch die untersuchte Substanz aus. Oft verschwinden die Veränderungen von selbst, wenn die Haut keiner UV-Strahlung mehr ausgesetzt wird. Sollte es die Behandlung der Krebserkrankung zulassen, kann im Einzelfall auch zu einem anderen Medikament gewechselt werden.

Sonnenschutz konsequent einhalten  

Der komplette Verzicht auf Sonnenlicht während und auch noch einige Zeit nach der Einnahme von Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit steigern, ist kaum realisierbar. Umso wichtiger ist der konsequente Schutz vor den langwelligeren UV-A-Strahlen. Diese werden durch manche Sonnencremes und dünne Kleidung oft nicht ausreichend abgefangen.

Krebserkrankten wird empfohlen:

  • Bei jedem Aufenthalt im Freien eine Sonnencreme mit UV-A-Filter und sehr hohem Lichtschutzfaktor (SPF 50+) alle 2 Stunden neu auftragen.
  • Direkte Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr konsequent vermeiden.
  • Zum Schutz der Augen vor möglichen phototoxischen Schäden ist eine Sonnenbrille mit UV-A- und UV-B-Filter sinnvoll.
  • Auch ein Sonnenhut und dichtere Kleidung können gute Dienste leisten – gegebenenfalls auch bei längeren Autofahrten.
  • Für Autos gibt es UV-A-undurchlässige Schutzfolie, die auf Fensterscheiben oder auch dem Glasdach eines Autos aufgebracht werden kann.

Genaue Angaben darüber, wie lange diese Schutzmaßnahmen nach Beendigung der Chemotherapie weitergeführt werden sollten, gibt es aktuell nicht. 

Weitere Informationen

Detaillierte Informationen z.B. welche Wirkstoffe die Lichtempfindlichkeit erhöhen, bietet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Ärzt*innen beantworten täglich von 8 bis 20 Uhr Fragen rund um Krebs unter:

Telefon: 0800-420 30 40

E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum