
Seit dem 1.4.2026 können langjährige Raucher*innen am neuen Lungenkrebs-Screening zu Lasten der GKV teilnehmen. Der Wiesbadener Pneumologe Prof. Tim O. Hirche hat auf einer Pressekonferenz erklärt, warum das Screening so wichtig ist und wie es abläuft.
Warum ist das Lungenkrebs-Screening so wichtig?
Lungenkrebs ist die mit Abstand tödlichste Krebserkrankung weltweit und auch in Deutschland. Rund 58.000 Menschen erkranken jährlich daran, etwa 45.000 sterben an den Folgen. Hirche nennt als Hauptgrund für die schlechte Prognose die meist zu späte Diagnosestellung. Ein Bronchialkarzinom im Frühstadium verläuft in der Regel ohne Symptome. Diese treten erst in späten Stadien auf, häufig wenn bereits Metastasen vorliegen. Dann ist keine heilende Therapie mehr möglich.
Wird Lungenkrebs früh erkannt, sei eine Heilung möglich. Ohne Früherkennungsuntersuchung waren Diagnosen im Frühstadium bisher allerdings Zufallsbefunde. Prof. Tim O. Hirche ordnet ein:
„Beim Lungenkrebs entscheidet der Zeitpunkt der Diagnose maßgeblich über die Prognose“
- Wird Lungenkrebs in einem frühen Stadium erkannt, ist er heute meist gut behandelbar.
- In Frühstadien können minimalinvasive Operationsverfahren eingesetzt werden sowie moderne medikamentöse Therapien.
- Patienten haben dann gute Chancen auf Heilung.
Wie wird das Lungenkrebs-Screening durchgeführt?
Internationale Studien zeigen, dass ein regelmäßiges Screening mittels Niedrigdosis-CT die lungenkrebsbedingte Sterblichkeit signifikant senken kann. Tumoren lassen sich so häufig in einem frühen Stadium entdecken – zu einem Zeitpunkt, an dem eine Heilung noch realistisch ist.
Die Untersuchung wird mit sehr geringer Strahlenbelastung mit Low-Dose CT durchgeführt. Das brauche nur wenige Sekunden, hat aber eine so hohe Auflösung, dass verdächtige Befunde schon im Bereich von wenigen Millimeter Größe erkennbar sind. Digitale und KI-gestützte Auswertungen helfen, auffällige Befunde besser einzuordnen und unnötige Folgeuntersuchungen zu vermeiden.
„Es eröffnet die realistische Chance, die Prognose einer der tödlichsten Krebserkrankungen durch systematische Früherkennung substanziell zu verbessern – und langfristig auch Kosten zu vermeiden, die durch späte Krankheitsstadien entstehen“, so Hirche.
Wohin können sich Interessierte wenden?
Patient*innen sollten sich an Hausärzt*innen, Allgemeinärzt*innen, Internist*innen wenden, die den Anspruch prüfen und die Überweisung an Radiolog*innen veranlassen.
Das neue Lungenkrebs-Screening kann von Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren in Anspruch genommen werden, die über mindestens 25 Jahre stark geraucht haben bzw. immer noch rauchen. Ist die Untersuchung unauffällig, kann sie weiter 1-mal jährlich wiederholt werden.
Warum hat das Lungenkrebs-Screening so großes Potenzial?
Hirche erklärt: “Beim Lungenkrebs können wir uns auf die Hochrisikopatienten fokussieren und wir wissen, ein starker Raucher hat ein bis zu 30-fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.” Patient*innen mit Lungenkrebs seien zu 90 Prozent Raucher*innen. Wenn sich das Screening etabliert, können man sich große Erfolge erwarten.
Aus Studien ist bekannt, dass es bei früher Diagnose gelingen kann, ein sogenanntes Stageshift zu erreichen. Das heißt von Spätstadien bei Erstdiagnose hin zu Frühstadien. Resultat sei dann eine relevant reduzierte Lungenkrebs-Sterblichkeit.
In anderen Ländern gibt es schon länger ein Lungenkrebs-Screening: In den USA wurde aufgrund der guten Datenlage bereits 2013 damit begonnen. Länder wie Südkorea, China, Polen, Tschechien oder Kroatien haben sich angeschlossen. Und nun auch Deutschland.
Quelle: Pressekonferenz 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin/Ni


