Silvester-FeuerwerkNeuer Höchststand schwerer Augenverletzungen zu Silvester

Zum Jahreswechsel 2024/2025 verletzten sich so viele wie noch nie die Augen schwer. Augenärzte sprechen sich für ein Verbot von privatem Feuerwerk aus.

Silvesterfeuerwerk am Nachthimmel
K. Oborny/Thieme
Eltern sollten ihre Kinder davor warnen, nicht explodierte Knallkörper vom Boden aufzusammeln. Das Hantieren damit zählt zu den häufigen Ursachen für schwere Verletzungen.

 Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) warnt eindringlich vor den Gefahren privater Pyrotechnik und ruft die Bevölkerung zu verantwortungsvollem Verhalten auf. Zum Jahreswechsel 2024/2025 gab es demnach einen Höchststand bei schweren Augenverletzungen. 

Die augenärztlichen Notdienste behandelten insgesamt 905 Personen jeden Alters mit feuerwerksbedingten Verletzungen. Das waren so viele wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung. Erneut befanden sich vor allem unbeteiligte Personen und ein hoher Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den Betroffenen. Besonders tragisch: Ein Patient verstarb in Folge einer Kopfverletzung. Vor dem Hintergrund der alarmierenden Entwicklung votierte eine Mehrheit der DOG-Mitglieder für ein Verbot privaten Feuerwerks.

Meist Unbeteiligte und Passanten verletzt

Seit 2016/2017 sammelt die DOG Daten zu feuerwerksbedingten Augenverletzungen an den Silvestertagen. Zum Jahreswechsel 2024/2025 beteiligten sich nahezu 90 Prozent aller in Deutschland notdienstleistenden Augenkliniken an der Umfrage.

Die Auswertung zeigt: In 60 Prozent der Fälle traf es Unbeteiligte und Passanten, die das Feuerwerk selbst gar nicht gezündet hatten.

„Besonders schwer wiegt der hohe Anteil an verletzten Kindern und Jugendlichen, der wieder bei nahezu 40 Prozent lag“, sagt die Augenärztin Prof. Ameli Gabel-Pfisterer. „Viele davon sind jünger als 12 Jahre und haben bei schweren Verletzungen lebenslang mit funktionellen und kosmetischen Folgen zu kämpfen.“

Stationäre Behandlung bei 25 % der Verletzten

Von den 905 Verletzten musste insgesamt ein Viertel stationär aufgenommen werden. „Dass erstmals seit Bestehen der Erhebung ein Patient verstarb, markiert eine traurige Zäsur, die die Brisanz des Themas auf tragische Weise unterstreicht“, sagt Prof. Hansjürgen Agostini. Seit 2016 zeichne sich in den bundesweiten Umfragen ein alarmierender Trend ab: „Die Auswertung belegt ein steigendes und inzwischen dramatisch hohes Niveau schwerer Augenverletzungen“, so Agostini. In der Zeit vor der COVID-19-Pandemie wurden jährlich etwa 500 Fälle dokumentiert.

Augenärzt*innen: Klares Votum gegen privates Feuerwerk

Im Sommer 2024 hatte die DOG eine Befragung durchgeführt, die per E-Mail an mehr als 8400 Mitglieder verschickt wurde. Von den antwortenden Augenärztinnen und Augenärzten votierte die Mehrheit dafür, dass die DOG ein Verbot privaten Feuerwerks fordern solle. Auf Basis dieses Stimmungsbildes wandte sich die DOG an Behörden und politische Entscheidungsträger – darunter das Bundesgesundheits-, das Bundesinnen- und das Bundesumweltministerium sowie kommunale Spitzenverbände – und plädierte erneut für ein Ende privater Pyrotechnik.

„Wir appellieren an alle Verantwortlichen, die Datenlage und die Empfehlung der Augenärzteschaft zu berücksichtigen“, sagt Prof. Claus Cursiefen. Die bestehenden Regelungen reichten nicht aus, um die Bevölkerung zu schützen.

Vorsicht, Aufklärung, Schutz

Derweil rät die DOG zu Verhaltensmaßnahmen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

  • So sollte man Orte besser meiden, an denen viel gezündet wird. „Wer in Kontakt mit Feuerwerk kommt, ist gut beraten, im Freien oder auf dem Balkon eine einfache Schutzbrille aus dem Baumarkt zu tragen, das verhindert schwere Verletzungen“, empfiehlt Gabel-Pfisterer.
  • Alkohol am Zündplatz ist tabu. „Wer getrunken hat, sollte kein Feuerwerk in die Hand nehmen“, betont Agostini.
  • Eltern müssten ihre Kinder zudem eindringlich davor warnen, nicht explodierte Knallkörper vom Boden aufzusammeln. „Das ist kein Spielzeug“, betont der DOG-Experte. „Das Hantieren mit Auflesefunden zählt zu den häufigsten Ursachen schwerer Verletzungen.“

Neue Datenerhebung zum kommenden Jahreswechsel

Auch dieses Jahr erfasst die DOG zwischen dem 27. Dezember 2025 und dem 3. Januar 2026 mit ihrer Umfrage wieder Daten zu feuerwerksbedingten Augenverletzungen. „Wir hoffen auf breite Beteiligung, um die politische Diskussion weiterhin mit Fakten begleiten zu können“, sagt Cursiefen. „Jede dokumentierte Verletzung zeigt, dass wir es mit vermeidbaren Schicksalen zu tun haben“, ergänzt Agostini. 

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft