Idiopathisches Restless-Legs-SyndromRestless-Legs: Was können nicht medikamentöse Verfahren?

Ein Bericht des IQWiG zeigt: Bestimmte Behandlungen könnten Symptome wie Bewegungsdrang, Kribbeln, aber auch Schlafstörungen und Fatigue lindern. 

Frau mit Restless Legs Syndrom im Bett
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RLS betrifft in Deutschland etwa 3-10 % der Erwachsenen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer.

Lassen sich durch nicht medikamentöse Verfahren die Symptome des idiopathischen Restless-Legs-Syndroms lindern? Ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam ist dieser Frage nachgegangen: Für einige Verfahren zeigen sich Anhaltspunkte für einen Nutzen – die Vor- und Nachteile der untersuchten Behandlungen können aber noch nicht sicher beurteilt werden.

Studien zu nicht medikamentösen Verfahren beim Restless-Legs-Syndrom

Die Wissenschaftler*innen schlossen 22 randomisierte kontrollierte Studien (randomized controlled trials, RCTs) ein, die 17 verschiedene nicht medikamentöse Behandlungen untersuchen. Diese Studien geben erste Hinweise darauf, dass bestimmte Behandlungen einen Nutzen für Betroffene mit starken RLS-Symptomen haben könnten.

Zu den untersuchten Verfahren gehören u.a.: orale Eisengabe als Nahrungsergänzungsmittel bei Personen ohne Eisenmangel, intravenöse Eiseninfusion, Niedrigfrequenz-Elektrostimulation, Nahinfrarotlicht-Therapie, pneumatische Kompression, Ganzkörper-Kältekammer, Vibrationsboard, Akupunktur, Counterstrain-Manipulation, Fußmassage-Geräte oder Bewegungsinterventionen wie Krafttraining und Yoga.

Positive Effekte – aber keine eindeutigen Aussagen möglich

Das Wissenschaftsteam der Gesundheit Österreich GmbH und der Medizinischen Universität Graz identifizierte 22 randomisierte kontrollierte Studien. Darin wurden insgesamt 17 unterschiedliche nicht medikamentöse Verfahren bei erwachsenen Personen mit meist schwerer Symptomatik bei idiopathischem RLS untersucht.

Eisengabe

In einer Studie wurde die orale Eisengabe als Nahrungsergänzungsmittel bei Personen ohne Eisenmangel untersucht. Um sich ein vollständiges Bild von der Intervention einer Eisengabe machen zu können, entschieden die Forscher*innen, ergänzend vier weitere Studien zu intravenösen Eisen-Infusionen bei Personen ohne Eisenmangel einzuschließen. In fast allen Studien erhielten die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe ein Placebo, eine Scheinbehandlung oder keine Behandlung.

Die Vor- und Nachteile der untersuchten Behandlungen können nicht sicher beurteilt werden, da es zu den einzelnen Verfahren meist nur jeweils eine Studie mit wenigen Teilnehmenden gibt. Die Studien sind zudem nicht sehr aussagekräftig, etwa weil unklar ist, ob die Teilnehmenden den Versuchs- und den Vergleichsgruppen tatsächlich zufällig zugeteilt wurden. Außerdem dauerten die Studien nur durchschnittlich 5 Wochen, sodass langfristige Effekte unklar bleiben.

Hinweise für Nutzen nicht medikamentöser Therapien

Die Wissenschaftlerinnen fanden Anhaltspunkte, dass bestimmte Behandlungen manche Beschwerden lindern könnten: Bei RLS-Symptomen wie Bewegungsdrang und Kribbeln können

  • die Niedrigfrequenz-Elektrostimulation,
  • die Nahinfrarotlicht-Therapie,
  • die pneumatische Kompression, die Ganzkörper-Kältekammer,
  • das Vibrationsboard,
  • Akupunktur,
  • die Counterstrain-Manipulation,
  • Fußmassage-Geräte oder
  • Bewegungsinterventionen wie Krafttraining und Yoga helfen.
  • Auch Eisen-Infusionen können möglicherweise diese Symptome lindern.

Ein- und Durchschlafstörungen als Symptome des RLS könnten durch die spinale Gleichstrom-Stimulation Linderung erfahren.

Das Symptom Fatigue (Erschöpfung) könnte durch Yoga oder die pneumatische Kompression gelindert werden.

In den ausgewerteten Studien fanden sich zudem Hinweise, dass Yoga auch bei durch RLS-Symptome ausgelösten Depressionen Linderung bringen könne.

Keine Anhaltspunkte für Nutzen von Vitamin D, Baldrian, Eisen als Nahrungsergänzungsmittel

Für weitere Behandlungen, zum Beispiel Vitamin D, Baldrian und Eisen als Nahrungsergänzungsmittel, fanden die Wissenschaftler*innen in den Studien keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Berichte über unerwünschte Wirkungen (vor allem Magen-Darm-Beschwerden) liegen nur für die Nahrungsergänzungsmittel Eisen und Baldrian vor. Allerdings ist unsicher, ob die Angaben hierzu in allen Studien vollständig waren.

Ausblick

Die eingeschlossenen Studien deuten an, dass Patient*innen mit schwerer RLS-Symptomatik von einigen der nicht medikamentösen Verfahren profitieren könnten. Allerdings werden weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und längerer Studiendauer benötigt, um die Ergebnisse zu festigen und Aussagen zu Langzeiteffekten –insbesondere auch zu unerwünschten Begleiteffekten – treffen zu können.

Unklar ist mangels Studien, ob die nicht medikamentösen Verfahren auch bei einem milden oder moderaten RLS helfen können. Gerade in diesen Fällen suchen Betroffene vermutlich nach nicht invasiven Alternativen, um eine medikamentöse Behandlung umgehen oder – sofern diese schon begonnen wurde – möglicherweise die Dosis reduzieren zu können.

Für eine informierte Entscheidung sollten Betroffene regelmäßig über die zur Verfügung stehenden nicht medikamentösen Behandlungsoptionen und deren Vor- und Nachteile aufgeklärt werden.

Hintergrund: Restless-Legs-Syndrom

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist auch als Syndrom der unruhigen Beine bekannt.

RLS betrifft in Deutschland etwa 3-10 % der Erwachsenen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer. Menschen im höheren Lebensalter sind häufiger betroffen als Jüngere.

Dabei sind im Gegensatz zum komorbiden RLS (hier können Ursachen als Auslöser festgestellt werden) beim idiopathischen RLS die Ursachen unbekannt, und diese Form des RLS ist nicht heilbar.

Das RLS zeigt sich durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang sowie durch Kribbeln, Ziehen oder Schmerzen in den Beinen. Oft nehmen die Symptome in Ruhe zu und lassen bei Bewegung nach. Die meisten Betroffenen haben Ein- und Durchschlafstörungen – viele stehen mehrmals nachts auf und gehen umher, um ihre Beschwerden zu lindern. Das RLS kann daher häufig die Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und psychische Gesundheit – bis hin zur Depression – beeinträchtigen.

Die Erkrankung verläuft unterschiedlich; meist werden die Beschwerden jedoch mit der Zeit stärker. Viele Betroffene nehmen Medikamente ein, um die Beschwerden zu lindern. Diese können allerdings Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten verursachen oder sogar die Beschwerden noch verstärken.

Die Untersuchung im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) führte ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam der Gesundheit Österreich GmbH und der Medizinischen Universität Graz durch.

Quelle: IQWiG

Literatur

Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine): Lassen sich durch nicht medikamentöse Verfahren die Symptome lindern? https://www.iqwig.de/sich-einbringen/themencheck-medizin/berichte/ht21-04.html