
Die Top 3 Diagnosen nach Fehltagen:
- M54 (Rückenschmerzen) mit insgesamt rund 953.000 Fehltagen und rund 80.800 Fällen
- F43 (Anpassungsstörungen, akute Belastungsreaktionen) mit rund 754.500 Fehltagen und rund 32.000 Fällen
- F32 (depressive Episode) mit rund 702.100 Fehltagen und rund 13.000 Fällen
Studie
Analysiert wurde die Zahl der Kalendertage mit ärztlichem Attest von rund 672.600 ganzjährig versicherten Mitgliedern der KKH Kaufmännische Krankenkasse mit Krankengeldanspruch, neu für das Jahr 2024 – ohne Arbeitslose und Rentner. Die Daten wurden mit Daten aus dem Jahr 2019 verglichen. Außerdem wurde die Zahl der Krankschreibungen beziehungsweise Krankheitsfälle ermittelt.
Ergebnis
Allein aufgrund der Diagnose Rückenschmerzen verzeichnet die KKH 2024 rund 142 Krankheitstage pro 100 ganzjährig versicherte Mitglieder. Das sind knapp 20 % mehr als noch 2019 (rund 118 Tage). Auch die Fälle von Rückenschmerzen haben innerhalb dieser 5 Jahre deutlich zugenommen: 2019 erhielt noch jeder 13. eine entsprechende Diagnose, im vergangenen Jahr war es bereits jeder 8. Berufstätige.
Immer mehr Arbeitnehmer*innen stehen zudem vermehrt unter Druck und hohen Anspannungen: Nicht ohne Grund waren Anpassungsstörungen und akute Belastungsreaktionen 2024 die zweithäufigste Einzeldiagnose überhaupt und mit einem Anteil von rund 42 % die mit Abstand häufigste psychische Diagnose. So entfielen im vergangenen Jahr auf diese Erkrankung rund 112 Fehltage auf 100 Berufstätige. Das sind knapp 50 % mehr als noch 5 Jahre zuvor (rund 75 Tage). Die Fälle sind seither ebenfalls gestiegen: 2019 waren noch 29 von 1.000 Arbeitnehmer*innen von Belastungsreaktionen betroffen, im vergangenen Jahr waren es bereits 47 von 1.000.
Auf dem Vormarsch sind auch depressive Episoden – hinsichtlich der gut 104 Krankheitstage pro 100 Berufstätige die dritthäufigste Einzeldiagnose im vergangenen Jahr. Hier stiegen die Fehltage im Fünfjahresvergleich um fast 17 % an. 2019 waren es noch 89,5 Tage pro 100 Versicherte. Mit Blick auf die Zahl der Krankschreibungen verzeichnet die KKH bei depressiven Episoden ein Plus von fast 27 % von 15 auf 19 Fälle pro 1.000 Berufstätige. Depressive Episoden nahmen somit zwar am wenigsten zu, verursachten allerdings die längsten Fehlzeiten pro Fall, nämlich knapp 54 Tage. Wegen Belastungsreaktionen war ein*e Arbeitnehmer*in im Schnitt fast 24 Tage krankgeschrieben, wegen Rückenschmerzen knapp 12 Tage.
Rücken und Psyche oft eng verknüpft
Für Rückenschmerzen gibt es keine eindeutige Ursache. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Bewegungsmangel,
- ergonomische Faktoren am Arbeitsplatz wie häufiges Heben schwerer Lasten,
- langes Stehen oder ungünstige Sitzpositionen vor allem bei mobilen Bürotätigkeiten mit ständig wechselndem Arbeitsplatz,
- Übergewicht.
„Rückenbeschwerden, die keine organische Ursache haben, hängen häufig mit psychischem Stress zusammen. Seelische Belastungen können zu Muskelverspannungen und einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen. Umgekehrt können chronische Rückenschmerzen psychische Probleme wie Depressionen verstärken oder auslösen“, erläutert KKH-Arbeitspsychologin Antje Judick. „Es gibt ja die Redewendung: Jemand hat eine schwere Last zu schultern oder etwas lastet auf den Schultern. Dies beschreibt ganz gut die körperliche Reaktion auf emotionalen Stress durch Probleme, Sorgen oder Verpflichtungen, da die Schultern und der Nacken die Last psychischer Anspannungen zu tragen scheinen.“
Gute Kommunikation als Gesundheitsbooster
Zu den Faktoren, die sich negativ auf die körperliche und psychische Belastung am Arbeitsplatz auswirken, gehören laut der Expertin unter anderem:
- Permanente zeitliche und leistungsbezogene Anforderungen,
- Fehlende Regenerationsmöglichkeiten,
- Ungünstig organisierte Schichtarbeit.
Gesundheitsbooster im Job sind hingegen etwa inhaltliche und zeitliche Handlungsspielräume sowie eine gute Kommunikation und Kooperation mit Vorgesetzten und Kolleg*innen.
Neben der individuellen Resilienz spielen auch die Intensität und Kombination der Belastungen und Ressourcen eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Folgen auf Körper und Psyche. „Fallen Beschäftigte lange wegen psychischer Erkrankungen aus, bedeutet das für die verbliebenen gesunden Kolleg*innen außerdem eine starke Zusatzbelastung, wenn sie die liegen gebliebene Arbeit auffangen müssen“, erläutert Judick. Dies könne in der Folge zu einem Dominoeffekt führen, sprich zu Überlastung, Erschöpfung und weiteren Krankmeldungen. Führungskräfte sollten in solchen Fällen möglichst frühzeitig mit der Anpassung von Zeitplänen und der Priorisierung von Aufgaben reagieren. Auch Arbeitnehmer*innen sollten nicht zögern, ihre Führungskraft anzusprechen, wenn sie sich dauerhaft überlastet fühlen.
Hintergrund
Es sind die Fehltage und die Fälle pro 100 Versichertenjahre genannt, also pro 100 Mitglieder, die im gesamten jeweiligen Jahr bei der KKH versichert waren. Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird teils nur von 100 Versicherten beziehungsweise 100 Berufstätigen oder Arbeitnehmer*innen gesprochen.
Um das Risiko für psychische Erkrankungen im Job und ihre Folgen zu senken, entwickelt die KKH mit kooperierenden Unternehmen im Zuge der betrieblichen Gesundheitsförderung Konzepte zum Erhalt der psychischen Gesundheit von Mitarbeitenden.
Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse


