
Warum ist es für Menschen so wichtig, nett zu sich selbst zu sein? Die Stärkung von Selbstmitgefühl kann helfen, Wohlbefinden und psychische Gesundheit auch bei von Schmerzen Betroffenen zu stärken und das diesem entgegenstehende Selbstmitleid zu reduzieren.
Das berichtete der Psychologe Dr. Thomas Dresler auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Schmerzkongress.
Selbstmitgefühl für mehr Resilienz
Das Konzept des Selbstmitgefühls wurde bereits vor knapp 20 Jahren eingeführt. In der psychologischen Schmerzbehandlung hat es aufgrund der gestiegenen Forschungsaktivität zu Achtsamkeit erst zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Von Schmerzen bzw. Schmerzerkrankungen Betroffene sind demnach sich selbst gegenüber sehr selbstkritisch, mitunter deutlich ausgeprägter als sie es anderen gegenüber sein würden. Selbstmitgefühl, im Gegensatz zu Selbstmitleid, kann ihnen im Umgang mir den Schmerzen helfen.
Nach Kristen Neff besteht Selbstmitgefühl aus 3 Komponenten:
- Selbstfreundlichkeit (self-kindness) - sich selbst gegenüber freundlicher auftreten und selbstkritische und selbstverurteilende Aspekte in den Hintergrund treten lassen;
- menschliche Verbundenheit (common humanity) - auch andere Menschen machen ähnliche Erfahrungen wie wir, das kann zu Verbundenheit führen gegen soziale Isolierung;
- Achtsamkeit (mindfulness) - das Hier und Jetzt erfassen und nicht wertend wahrnehmen, um den Fokus zu verändern. Bei an Schmerzen Erkrankten kann das bedeuten, den Schmerz als einen Aspekt im Gesamterleben zu sehen und nicht als den Punkt, um den sich alles dreht.
Dresler berichtet, diese 3 Komponenten lassen sich in der Behandlung von Schmerz- und Kopfschmerzerkrankungen nutzen. Angestrebt werden sollte Selbstfreundlichkeit statt ständiger Selbstkritik und Selbstverurteilung. Die Erfahrung, dass andere Menschen ähnliche Erfahrungen machen, kann entlasten und Gefühle der Isolation reduzieren.
Ein achtsames Wahrnehmen eigener Gefühle, ohne sich jedoch darin zu verlieren, kann therapeutisch genutzt werden.
Mittlerweile gibt auch metaanalytische Hinweise für die Effektivität von Selbstmitgefühl-basierten Therapieansätzen, wobei es insbesondere im Schmerzbereich weiterer größerer Studien bedarf, um Mechanismen besser zu verstehen und für wen dieser Therapieansatz am besten geeignet ist.
Die ergänzende Förderung von Selbstmitgefühl im schmerzpsychotherapeutischen Setting kann hilfreich sein, um die emotionale Resilienz der Betroffenen zu stärken. Insbesondere kann dem gesellschaftlichen Drang zum selbstkritischen Perfektionismus etwas entgegengesetzt werden.
Die US-amerikanische Psychologin Dr. Kristen Neff forscht seit Jahren zum Thema Selbstmitgefühl. Auf ihrer Homepage sind Übungen für Selbstmitgefühl verfügbar (in englischer Sprache).
Quelle: Pressekonferenz Deutscher Schmerzkongress 2025/Ni


