
Eine aktuelle Statistik aus NRW zeigt einen hohen Anstieg an Todesfällen aufgrund der Parkinson-Erkrankung. Expert*innen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) überrascht das wenig: Sie beobachten seit Jahren eine Zunahme neurodegenerativer Erkrankungen.
Die Statistik beinhaltet aber auch eine gute Nachricht: Parkinson-Patient*innen erreichten im Durchschnitt ein höheres Alter als die Allgemeinbevölkerung. Das spreche für die gute medizinische Versorgung der Betroffenen in Deutschland.
Parkinson: Zahl der Erkrankungen steigt
Parkinson ist bis heute nicht heilbar. Allerdings gibt es viele Therapien, die den Verlauf verlangsamen und die Symptome über viele Jahre zurückdrängen können.
Eine aktuelle Statistik aus NRW zeigt nun: Im Jahr 2023 verstarben 2950 Menschen aus Nordrhein-Westfalen an einer Parkinson-Erkrankung. Statistisch ausgewertet wurde dabei die Grunderkrankung, nicht die unmittelbare Todesursache wie eine Lungenentzündung oder Sepsis. Wie der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen auf Basis der Daten des Statistischen Landesamtes mitteilte, seien die Sterbefälle aufgrund einer Parkinson-Erkrankung in den letzten 10 Jahren um 66,3 Prozent gestiegen (2013: 1774 Fälle).
Diese Zahl kommt für die Fachwelt nicht unerwartet. Die Parkinson-Expertin Prof. Daniela Berg von der DGN sagt: „Die Zahl der Parkinson-Betroffenen steigt seit Jahren an. Schätzungen zufolge waren 2016 ca. 6,1 Millionen Menschen weltweit betroffen, 2021 bereits 11,9 Millionen und bis 2050 soll sich diese Zahl sogar auf 25,2 Millionen erhöhen.“
Bereits 2015 ging aus der Global Burden of Disease Study hervor, dass die Parkinson-Krankheit die neurologische Erkrankung mit der am schnellsten wachsenden Prävalenz war.
Eine aktuelle Projektionsstudie zeigt, dass die Zahl der Erkrankungsfälle sich zwischen 2021 und 2050 mehr als verdoppeln wird (Anstieg von 112 %).
Der rasante Anstieg der Mortalitätsrate spiegele den vor Jahren begonnenen Aufwärtstrend der Erkrankungsraten wider. Und dieser besorgniserregende Trend werde sich weiter fortsetzen, so Berg.
Mehr in die Prävention investieren
Die Expertin hofft, dass die aktuellen Zahlen Politik und Gesellschaft dazu veranlassen, mehr in die Prävention neurodegenerativer Erkrankungen zu investieren.
Gesunde Ernährung und viel Bewegung
"Wir brauchen großangelegte Präventionskampagnen, denn es ist bekannt, dass das Risiko für diese Krankheiten durch einen gesunden Lebensstil, allem voran eine gesunde Ernährung und viel Bewegung, signifikant reduziert werden kann." Das zahle sich langfristig auch gesundheitsökonomisch aus, denn die Versorgung der Betroffenen belaste das Gesundheitsbudget schon jetzt erheblich.
Luftverschmutzung, Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel
Für die Parkinson-Prävention seien auch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen erforderlich, die über individuelle Maßnahmen zur Gesunderhaltung hinausgingen. „Es gibt zunehmend Daten, die zeigen, dass auch Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung oder die Exposition gegenüber Schwermetallen und Giften, z.B. Pflanzenschutzmitteln, eine Parkinson-Erkrankung auslösen können.“
Aber: Alter der Parkinson-Erkrankten gestiegen
Zumindest eine positive Erkenntnis lässt sich aber aus der aktuellen Statistik ziehen: „Das hohe Alter der mit Parkinson Verstorbenen zeigt deutlich, dass die Qualität der Versorgung in Deutschland sehr hoch ist. Die Lebenserwartung der Patient*innen war trotz des Risikos für Folgekomplikationen nicht niedriger, sondern sogar etwas höher als die Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung“, betont Prof. Peter Berlit von der DGN.
Wie die aktuelle Erhebung zeigte, trat eine Parkinsonerkrankung mit Todesfolge in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 vorrangig bei älteren Menschen auf – fast drei Viertel (73,3 Prozent) waren 80 Jahre oder älter. Das durchschnittliche Sterbealter der an Parkinson Verstorbenen lag mit 83,2 Jahren um 3,8 Jahre höher als das aller Verstorbenen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie


