PräventionWann kommt endlich die Süßgetränkesteuer?

Die wissenschaftliche Evidenz spricht dafür: Studien zeigen eine direkte Verringerung des Anstiegs von Übergewicht und Adipositas in Ländern mit Süßgetränkesteuer.

4 Gläser nebeneinander: Limo, Cola, Wasser, Früchtetee
Steuer auf Süßgetränke: Während andere Länder schon gute Erfahrungen damit vorweisen können, wird in Deutschland seit Jahren darüber diskutiert.

In Deutschland ist sie seit Jahren ein Zankapfel - eine Steuer auf Süßgetränke: Medizinische Fachgesellschaften empfehlen sie dringend. Andere Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lehnen sie ab. In anderen Ländern wird die Steuer seit Jahren erhoben. Daten zeigen, dass sie ein wirksames Instrument zur Prävention geworden ist.

Ein Bündnis aus medizinischen Fachgesellschaften und Akteuren, die die Folgen des Süßgetränkekonsums täglich in der Praxis sehen, ordnet die Datenlage ein.

Mangelnde Prävention kostet Menschenleben

Mangelnde Prävention kostet Menschenleben und stellt die Tragfähigkeit des solidarisch finanzierten Gesundheitssystems in Frage. Deshalb empfiehlt die FinanzKommission Gesundheit zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge die Einführung einer Süßgetränkesteuer. In einer aktuell veröffentlichten Stellungnahme stellen über 40 führende Wissenschaftler*innen klar:

Süßgetränkesteuern sind eine wirksame Maßnahme zur Prävention von Adipositas und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen.

Die Stellungnahme ordnet die aktuelle Evidenz angesichts der laufenden politischen Debatte in Deutschland ein. Sie zeigt:

  • Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen eines regelmäßigen Konsums von Süßgetränken sind wissenschaftlich zweifelsfrei belegt.
  • Ebenso zeigen internationale Erfahrungen, dass angemessen ausgestaltete Süßgetränkesteuern den Konsum von Süßgetränken und die Zuckeraufnahme wirksam senken.
  • Eine zunehmende Zahl von Studien zeigt direkt eine Verringerung oder Verlangsamung des Anstiegs von Übergewicht und Adipositas durch Süßgetränkesteuern.

Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) erklärt: „Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat sich bereits für die Süßgetränkesteuer ausgesprochen und damit Weitsicht bewiesen. Jetzt nehmen wir die Ministerin beim Wort. Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Es ist Zeit zu handeln, nun müssen Taten folgen.“

Prof. Matthias Blüher von der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) ergänzt: „Ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland hat Adipositas, Tendenz steigend. Adipositas kann die Gesundheit und die Lebensqualität von Menschen erheblich beeinträchtigen, und verursacht in Deutschland Kosten von über 60 Mrd. Euro pro Jahr.“

„Regelmäßiger Konsum von zuckergesüßten Getränken erhöht das Risiko für die Entstehung von Typ-2-Diabetes erheblich. Daten aus anderen Ländern, zeigen, dass eine Zuckersteuer ein wirksames Instrument ist. Prävention beginnt auch im Bundestag: eine Zuckersteuer ist längst überfällig“, so Prof. Julia Szendrödi von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Prof. Peter von Philipsborn, Hauptautor der Stellungnahme, stellt klar: „Unter jungen Erwachsenen in Deutschland hat sich die Häufigkeit von Adipositas in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Eine Süßgetränkesteuer allein wird diese Entwicklung nicht umkehren können. Süßgetränkesteuern sind aber ein wichtiger Baustein einer umfassenden Präventionsstrategie.“

Die Stellungnahme wird von zahlreichen weiteren Fachorganisationen unterstützt, darunter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH).

Quelle: Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten