TrennkostIst Trennkost noch aktuell?

Um die ehemals trendige Trennkost ist es stiller geworden. Trotzdem sie auf Kalorienzählen verzichtet und (fast) alle Lebensmittel erlaubt sind. Ist sie noch zeitgemäß?

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Proteinreiche Lebensmittel: Fleisch, Lachs, Käse, Eier, Quark, Nüsse, Vollkorn
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Bei der Trennkost-Diät dürfen eiweiß- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nicht zusammen verzehrt werden.

Die Trennkost-Diät verzichtet auf mühseliges Kalorienzählen und der Genuss (fast) aller Lebensmittel ist erlaubt. Doch auch hier gibt es Regeln. Die Mahlzeiten folgen z.B. gewissen Kombinationsregeln – unter anderem wird der Verzehr von Kohlenhydraten und Proteinen strikt getrennt.

Das Konzept der Trennkost

Das Konzept der Trennkost wird Anfang des 20. Jahrhunderts durch den in New York ansässigen Arzt William Howard Hay populär. Er litt an einer damals schweren Nierenerkrankung und therapierte sich durch eine strikte Ernährungsumstellung selbst. Die Idee der Trennkost war geboren: Hay nahm Lebensmittel nur in ihrer natürlichen Form zu sich und trennte deren Aufnahme nach einem speziellen Prinzip. Er wurde gesund und verbreitete seine Theorie über die optimale Nahrungsaufnahme.

Hay sah als Ursache verschiedener Krankheiten eine Übersäuerung des Körpers durch eine unpassende Nahrungszufuhr. Bei uns in Deutschland verbreitete sich die Idee der Trennkost auch durch den Arzt Ludwig Walb.

Einteilung in Lebensmittelgruppen

Bei der Trennkost nach Hay werden die Lebensmittel in 3 unterschiedliche Gruppen eingeteilt:

  • vorwiegend eiweißhaltige,
  • vorwiegend kohlenhydrathaltige (Stärke, Zucker),
  • neutrale Lebensmittel.

Eiweißhaltige und kohlenhydrathaltige Lebensmittel dürfen nicht zusammen, sondern nur mit neutraler Nahrung verzehrt werden. Nahrung, die Kohlenhydrate und Proteine in großen Mengen enthält (z.B. Hülsenfrüchte, Süßstoffe, Fertiggerichte, Weißmehlprodukte etc.) wird gemieden.

Säure-Basen-Haushalt

Hays Theorie beinhaltete auch, dass unsere Verdauungsorgane die Nährstoffe nicht optimal verstoffwechseln können, wenn sie zum gleichen Zeitpunkt verspeist werden. Wichtig sei es, eiweißreiche und kohlenhydratreichen Lebensmittel zu trennen, um die Verdauung zu unterstützen.

Nach Hay benötigen Proteine zur optimalen Verdauung ein saures Umfeld, Kohlenhydrate hingegen ein basisches. Die Idee der Trennkost ist hier also, dass verschiedene Nahrungsmittel im Körper unterschiedlich schnell verdaut werden sowie andere Verdauungsorte benötigen. Nach dem Trenn-Prinzip sollen Lebensmittel daher in gewissen Gruppen und zu bestimmten Zeiten verspeist werden.

Ein wichtiges Grundprinzip stellte für Hay der Säure-Basen-Haushalt dar:

  • Die Nahrung soll zum Hauptteil (3/4) aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen (u.a. Salat, Gemüse, Obst) und
  • zu einem geringeren Prozentanteil (1/4) entweder aus Proteinen und Fleisch.
  • Gemüse, Gewürze und Fette werden z.B. zur neutralen Nahrungsgruppe gezählt und dürfen mit allem kombiniert werden.

Hay war davon überzeigt, dass der Körper durch eine falsche Ernährungsweise übersäuert wird. Daraus würden gesundheitliche Probleme, wie Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. Morgens und abends soll laut der Theorie kohlenhydratreich gegessen werden, mittags hingegen eiweißreich (keine Proteinzufuhr nach 15h).  Zudem wird eine Pause von 4 Stunden zwischen den Mahlzeiten empfohlen, um die Verdauung weiter zu entlasten. Die Portionsgrößen der Mahlzeit werden nicht eingeschränkt.

Hay sah in seiner Diät-Form auch den Vorteil, dass diese im Gegensatz zu vielen anderen Diäten als dauerhafte Ernährungsumstellung und für jedermann funktionieren würde, mit dem Ziel gesünder zu leben. Es entwickelten sich auch weitere Varianten der Diät, z.B. die Insulin-Trennkost.

Vorteile

Die veränderte Ernährungsweise mit dem Fokus auf gesundheitsförderliche Nahrungsmittel und bewusster Nahrungsaufnahme (Hungergefühl), kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Vorteilhaft sind auch der Verzicht auf Kalorienzählen.

Ebenso ist die Einbindung von reichlich natürlichen und naturbelassenen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und hochwertigen Vollkornprodukten als Basis der Ernährung als gesundheitlich positiv zu bewerten. Zudem wird geraten, den Fleischkonsum, sowie den Genuss von Süßigkeiten und Fertiggerichten einzuschränken. Dies verlangt nach einer intensiveren und bewussteren Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung und dem eigenen Speiseplan – vorteilhaft ist hier, dass man das einsetzende Sättigungsgefühl rascher bemerkt, wodurch die Portionsgrößen kleiner ausfallen und die Gewichtsabnahme positiv beeinflusst werden kann.

Auch der Fokus auf eine ballaststoffreiche und vorwiegend laktovegetarische Ernährung mit einem mäßigen Fett- und Proteingehalt, wirkt sich förderlich auf die Gewichtsreduktion aus. Ein weiterer Pluspunkt ist der Verzicht auf viele ungesunde Nahrungsmittel wie Fast Food, das Verdauungsbeschwerden begünstigen kann.

Generell ist inzwischen aber auch klar, dass man für das Abnehmen keine Trennung von Nährstoffen befolgen muss.

Die Trennkost kann eine hilfreiche Ernährungsweise fördern, auch wenn die damaligen Trennprinzipien inzwischen als wissenschaftlich widerlegt gelten.

Nachteile 

Wir wissen heute, dass unser Körper Kohlenhydrate und Eiweiß sehr gut gemeinsam verstoffwechseln kann. Ein entscheidender Irrtum des Trennkost-Ansatzes besteht darin, dass die Verdauung vereinfachter dargestellt wird, als sie in Wirklichkeit ist.

Wichtig zu wissen ist, dass der Verdauungsprozess unserer Nahrung bereits im Mund beginnt. Nach der Aufnahme im Mund, setzt sich dieser im Magen fort, geht weiter im Dünndarm und findet zu einem gewissen Teil auch im Dickdarm statt. Durch die Evolution, den Genuss unterschiedlicher Lebensmittel und verschiedener Zubereitungsformen ist unser Körper auf die gleichzeitige Verdauung von verschiedenen Lebensmitteln und Nährstoffe vorbereitet. Somit können zahlreiche, nährstoffeiche Nahrungsmittel aus allen Lebensmittelgruppen kombiniert werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht können Lebensmittel mit derselben Mahlzeit aufgenommen werden. Denn wir besitzen in der Regel alle wichtigen Enzyme, um gleichzeitig Proteine, Fette und Kohlenhydrate zu verstoffwechseln. Das Enzym Amylase im Speichel spaltet beispielsweise Kohlenhydrate, während im Magen die Enzyme Pepsin und Trypsin sich den Proteinen annehmen – unsere Verdauung läuft also parallel ab. Auch kann unser Körper die Bildung von schädlichen Säuren regulieren und verhindern.

Ein wichtiger Punkt, der gegen die Theorie von Hay spricht, ist auch, dass Kohlenhydrate und Proteine natürlicherweise häufig gemeinsam in vielen Lebensmitteln vorkommen. Unsere Nahrung besteht also aus einer Mischung von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten zu unterschiedlichen Anteilen. Als essenzielles Exempel steht hier u.a. die Muttermilch. Zudem gibt es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht auch wertvolle Eiweiß-Kohlenhydrat-Kombinationen – z.B. Kartoffeln und Ei.

Als strikte Dauerernährung wird die Trennkost nicht empfohlen, da Mangelerscheinungen im Hinblick auf Kalzium, Eiweiß, Eisen, Jod und essenziellen Fettsäuren möglich sind. Hier besteht das Risiko einer einseitigen Ernährung.

Da die Trennkost einen relativ hohen Zeit- und Kostenaufwand fordert (z.B. Zubereitung frischer Lebensmittel), benötigt man Disziplin.

Wissenschaftliche Untersuchungen

In einer klein angelegten Studie wurde die Wirkung der Trennkost nach Hay auf den Proteinumsatz, die Fettoxidation, den Atmungsquotienten, das Körperfett und den Gewichtsverlust untersucht. Hier zeigte sich, dass die Diät zu einer höheren Fettoxidation führte, wobei der Proteinumsatz konstant blieb. Die Diät führte aber nicht zu einer Reduzierung des gesamten Körperwassers, der fettfreien Körpermasse, des Körperfetts und des Körpergewichts. Es wurde demnach kein Nutzen der Trennkost hinsichtlich der Gewichtsabnahme festgestellt. Hier sehen die Wissenschaftler nach aktuellem Stand keinen Vorteil in der Trennkost bei der Gewichtsabnahme im Vergleich zu einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung.

Abgesehen von dieser Studie gibt es kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu Trennkost und keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise für die Behauptungen der Diät und die möglichen Vorteile, die sie für die Gesundheit haben könnte.

Exkurs: Insulin-Trennkost-Diät (u.a. Schlank im Schlaf)

Bei der Insulin-Trennkost-Diät sind täglich 3 Mahlzeiten mit einem Abstand von mindestens 5 Stunden erlaubt. Diese beinhalten entweder Kohlenhydrate oder Eiweiß. Abends wird kohlenhydratarme Kost empfohlen, um die nächtliche Insulinausschüttung zu verringern.

Die Idee dahinter ist: Ein hoher Insulinspiegel mindert den Fettabbau. Durch die Diät soll eine Gewichtsabnahme durch eine geringere Insulinausschüttung möglich sein, kombiniert mit einer verringerten Kalorienaufnahme.

Das Prinzip, Kohlenhydrate und Eiweiße dabei strikt zu trennen, ist jedoch umstritten. Zudem fehlen Nachweis, dass hierdurch die Gewichtsabnahme dauerhaft unterstützt wird. Wichtiger für das Abnehmen ist laut Expertenmeinung, wie viele Kalorien insgesamt täglich aufgenommen und verbraucht werden. Zudem sind für das Hunger- und Sättigungsgefühl neben Insulin noch weitere Hormone verantwortlich.

Fazit

Trennkost kann zu einer Gewichtsabnahme führen – dies liegt jedoch nicht an dem Trenn-Prinzip von Nährstoffen, sondern an der veränderten Kalorienzufuhr. Verbraucht der Körper mehr Kalorien, als er aufnimmt, führt dies zu einer Verringerung des Körpergewichts.

Der gefeierte Abnehmerfolg durch die Trennkost liegt also nicht an dem Prinzip des Trennens, sondern einfach an der veränderten Lebensmittelauswahl und an dem bewussteren Umgang mit der Ernährungsweise.

Generell empfehlen Wissenschaftler*innen aktuell die Aufnahme von vielfältigen und nährstoffreichen Nahrungsmitteln aus allen Lebensmittelgruppen – die auf jeden Fall auch gemeinsam verspeist werden dürfen.

  1. Hay WH. Health via Food, Sun-Diet Health Service. New York:1929; Im Internet: https://neozen888.wordpress.com/wp-content/uploads/2011/02/health-via-food.pdf
  2. Golay A et al. Similar weight loss with low-energy food combining or balanced diets. Int J Obes 2000;  24: 492-496
  3. Verbraucherzentrale. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/schlankheitsmittel-und-diaeten/von-stoffwechseldiaeten-bis-trennkost-erfolgsaussichten-und-gefahren-6555 (abgerufen am 14.2.2025)
  4. Walb L. Die Haysche Trennkost. Heidelberg: Haug Verlag; 1982
  5. Walb L et al. Haysche Trennkost. Heidelberg: Haug Verlag; 1996
  6. Wutzke KD et al. Metabolic effects of HAY's diet. Isotopes Environ Health Stud 2001; https://doi.org/10.1080/10256010108033298

Johanna Zielinski ist Diplom-Ökotrophologin (Ernährungswissenschaften) und absolviert derzeit eine Weiterbildung im Bereich Psychologie. Journalistische Stationen erfolgten beim WDR sowie einem privaten Radiosender. Sie ist als Ernährungsberaterin sowie als freie Autorin und Sprecherin tätig.