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Es ist allgemein bekannt, dass wir Menschen im Laufe unseres Lebens nicht nur graue Haare und Hautfalten bekommen. Wir können an unserem Äußeren aber auch eine Reihe anderer Veränderungen beobachten, die uns nicht mehr ganz jung aussehen lassen. Wer sich im Spiegel betrachtet, mag gegebenenfalls schon die eine oder andere Veränderung festgestellt haben: nicht immer ansehnliche Hautflecken, eine etwas schlaffer gewordene Haut, Hautfalten oder vielleicht auch graue Haare.
Doch wussten Sie, dass viele dieser Entwicklungen nicht nur beeinflusst, sondern auch rückgängig gemacht werden können? Dass hinter diesen Vorgängen besonders häufig Entzündungsvorgänge stecken? Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die dahinter liegenden Mechanismen.
Was lässt die Haut vorzeitig altern?
Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Das macht sie besonders anfällig für eine Reihe an äußeren und inneren Faktoren, die ihr schaden und sie (vorzeitig) altern lässt. Dazu gehören zum Beispiel ultraviolette Strahlen, Umweltverschmutzung, Fehlernährung, Rauchen.
Durch diese und andere Faktoren entstehen Entzündungsprozesse, die wiederum zur vorzeitigen Hautalterung führen. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als inflammaging.
Hierbei sind vor allem 4 Veränderungen zu nennen, die eine solchermaßen gealterte von einer jungen Haut unterscheidet:
- Es kommt es zu einem Verlust der Spannfähigkeit und Elastizität der Haut. Die Haut wirkt zunehmend schlaff und hängt herab, was wiederum die Faltenbildung fördert. Diese vermehrte Schlaffheit entsteht durch eine Degeneration und Verlust von Kollagen- und Elastin-Fasern in der Ober- und Unterhaut. Die Haut wird weniger elastisch und dünner. All das geht weiterhin mit einem Verlust sogenannter Fibroblastenzellen einher, d.h. jenen Zellen, welche das Bindegewebe wie auch besagte Fasern aufbauen – Entzündungsvorgänge spielen hier eine negative und beschleunigende Rolle.
- Im Rahmen der Hautalterung findet eine Einwanderung von Entzündungszellen des Immunsystems wie neutrophilen Leukozyten und Mastzellen statt, wie auch eine Hochregulierung von entzündungsfördernden Stoffen wie z.B. Interleukin-8. Es kommt zu örtlichen Wassereinlagerungen und Aufquellungen. Das kann zu Falten und Hautunregelmäßigkeiten führen. Zudem ist die Wundheilung gestört, weshalb ältere Haut langsamer und häufig unter Entstehung von Narbengewebe abheilt.
- Pigmentflecken entstehen, weil örtlich begrenzt entweder mehr oder eben vermindert Pigment gebildet wird, weil die sie herstellenden Zellen, Melanozyten, aufgrund von Entzündungsprozessen dysfunktional arbeiten. Das führt im Anschluss zu lokal unterschiedlichen Hautfarben, im Extremfall liegen dunkle und weiße Flecken dicht nebeneinander, was kosmetisch oft als störend empfunden wird.
- Die Haut trockener, weil Schweiß- und Talgdrüsen in ihrer Zahl und Funktion abnehmen. Das macht die Haut anfälliger für äußere Schäden und Infektionen. Außerdem neigt die trocken gewordene Hautoberfläche zu Einrissen, was nicht nur kosmetisch störend ist, sondern auch einen unangenehmen Juckreiz oder sogar Schmerzen verursachen kann.
Kurzum, all diese Veränderungen sind Folge von inflammaging, eben Entzündungsprozessen in der Haut.
Was genau ist eine Entzündung?
Es handelt sich bei Entzündungen um einen Schutzmechanismus des Körpers gegen äußere und innere Gefahren. Sie können von Tieren, Mitmenschen, aber auch Mikroben, Insekten, Parasiten und auch physikalischen Faktoren wie Kälte, Hitze und Sonnenstrahlung ausgehen. All das verursacht unter den falschen Umständen Schäden am menschlichen Körper. In der modernen Welt sind neue Gefahren hinzugekommen, z.B. Umweltgifte und -verschmutzung, radioaktive Strahlung, Drogen, Chemikalien, ungesunde Nahrungsmittel sowie psychische Faktoren wie Stress und Schlafmangel.
Wirken diese Dinge auf unseren Körper ein, lösen sie eine Immunantwort im Organismus aus und er wehrt sich durch sogenannte Entzündungsprozesse. Das Immunsystem, das eine Art Polizei in unserem Körper darstellt, koordiniert und leitet die Abwehr und damit auch eine solche Entzündungsreaktion; auf eine sehr fein abgestimmte Art und Weise kann es auf all diese Dinge mittels verschiedener Zytokine, Chemokine und diversen Immunzellen reagieren und die Schäden nicht nur identifizieren, sondern auch wieder beheben.
Viele von uns kennen die klassischen fünf Symptome einer Entzündung, Wärme (calor), Hautrötung (rubor), Schwellung (tumor), Schmerz (dolor) und Funktionseinschränkung (functio laesa). Hierbei durchläuft der Körper ein vierstufiger Prozess, bei dem die Entzündung ausgelöst, stetig erweiternd reguliert und dann allmählich wieder heruntergefahren wird, um schlussendlich den schädigenden Agens eliminiert und den Schaden repariert zu haben.
Wie entstehen stille Entzündungen?
Die meisten Entzündungsprozesse lösen heute nicht mehr diese klar umschriebenen Entzündungsvorgänge aus. Sondern es entsteht eine sogenannte stille Entzündung. Mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung ist hiervon betroffen.
Stille Entzündungen enstehen, wenn wir beispielsweise ein Zuviel an Zucker zu uns nehmen, Trans-Fette als Zutaten unserem Essen beigemengt sind oder bestimmte Chemikalien durch die Nahrung aufnehmen. Auch die Rückstände von Pestiziden auf Obst und Gemüse, die von der Verpackung auf den Inhalt übertragenen Chemikalien oder selbst die in Käseprodukten zum Teil noch nachweisbaren Antibiotika und Wachstumshormone der Milchkühe können solche stillen Entzündungen auslösen.
All das ist wichtig zu wissen, denn wenn jemand an sich neue Hautfalten, Pigmentflecken oder auch graue Haare beobachtet, dann spielt oft diese stille Entzündung eine maßgebliche Rolle.
Auch das Ergrauen der Haare hängt mit Entzündungsvorgängen zusammen. Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl kosmetischer Produkte, mit welchem man die Haare färben kann. Doch für die meisten Menschen ist es angenehmer die ursprüngliche Haarfarbe als Symbol für Jugend und Gesundheit beizubehalten. Ergrautes oder weiß gewordenes Haar gilt als Zeichen für fortgeschrittenes Alter. Auch wenn die Anti-Aging-Medizin nicht mehr allzu weit entfernt von sogenannten Repigmentierungsmitteln ist, so ist die Bekämpfung von Entzündungsprozessen bis heute die effektivste Methode. Sie kann das Ergrauen der Haare hinauszuzögern und es teilweise sogar rückgängig machen.
Lassen sich graue Haare rückgängig machen?
Ein Haarschaft besteht aus 3 Teilen – dem innersten Teil, dem Mark, einer darüberliegenden Faserschicht und dann einer außen liegenden Schuppenschicht, der Cuticula. Im Bildungsbereich des Haares, der Haarwurzel, gibt es verschiedene Pigmentzellen - die Melanozyten. Sie stellen ein Pigmenteiweiß (Melanin) her und geben es an das entstehende Haar ab. Melanin wird vor allem in der Schuppenschicht eingelagert.
Die spezifische Haarfarbe wird durch die Art des Melaninpigments bestimmt: Es gibt das schwarz-braune Eumelanin und das eher rötlich-braune Phäomelanin. Je nach Zusammensetzung und Dichte ist das Haar eher rotblond, hellbraun oder pechschwarz.
Das Ergrauen eines Haares ist letztlich auf eine Abnahme der Melanozytenzahl und damit des Melaninpigments zurückzuführen – weißes Haar besitzt kein Pigment mehr, graues Haar eben nur noch geringe Mengen. Diese Abnahme der Pigmentzellen beginnt etwa Anfang bis Mitte 30, wobei vor allem sogenannter oxidativer Stress zu Entzündungsprozessen und dann zum Absterben der Pigmentzellen führt. Das Haar hat zwar eine Reihe von Schutz- und Anti-Entzündungsmaßnahmen wie Antioxidantien wie Bcl-2, Katalase und Methioninsulfoxid-Reduktase. Doch wenn Entzündungsvorgänge überhandnehmen, verlieren Haare ihre Farbe und werden zunächst reversibel grau, und nach einigen Jahren dann irreversibel weiß.
Seit Jahren erforschen Wissenschaftler Medikamente, welche eine Repigmentierung der Haare bedingen, doch bisher ist keines zugelassen. Doch schon jetzt wird von den Forschern beobachtet, dass vor allem solche Präparate, die antientzündlich wirken, Haare nicht nur gesund, sondern in ihrer ursprünglichen Farbe zu halten vermögen.
Es handelt sich letztlich sowohl bei der Haar- als auch Hautalterung um entzündungsbedingte Prozesse. Daher kann jeder einzelne schon heute, trotz des Fehlens eines solchen Anti-Aging-Präparates, eine Vielzahl an Dinge umsetzen, um Haar und Haut jung und gesund zu halten.

4 antientzündliche Substanzen
Auch wenn es noch keine Medikamente gibt, existieren bereits Substanzen mit antientzündlichen Effekten. Sie sind teilweise in Cremes enthalten oder können zu Hause selbst hergestellt werden. Die folgenden 4 Substanzen können Haut und Haar verjüngen.
Es sei aber jedem geraten vor eigener Herstellung mit einem Apotheker oder Arzt zu sprechen.
Aloe vera
Die Echte Aloe ist eine in subtropischen und tropischen Regionen vorkommende Pflanze. Ihr Saft besitzt antientzündliche und damit haut-, aber auch haarverjüngende Eigenschaften. Manche vermischen diesen Stoff mit bestimmten Ölen wie dem Kokosöl, das auf die Haut und auch auf die Haare aufgetragen werden kann.
Kurkuma
Kurkuma, auch bekannt als Curcumin, ist ein aus den Wurzeln und Schoten von Gelbwurzgewächsen gewonnene, organge-gelbe Substanz. Sie ist oft in Pulverform erhältlich. Kurkuma kann als Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Aber auch mit anderen Stoffen wie Honig, Joghurt, Kokosöl, Zitronensaft und auch Aloe Vera vermengt und auf Haut uoder Haare kann Kurkuma appliziert werden.
Seealgenextrakte
Bestimmte Seealgenextrakte wie Laminaria japonica sind bekannt für ihre antientzündlichen und verjüngenden Wirkungen bei der Hautpflege. Es lohnt sich hier mit einem Apotheker oder Dermatologen Ihrer Präferenz zu reden bevor Sie ein bestimmtes Mittel nutzen.
Vitamin E
Vitamin E, auch bekannt als Alpha-Tocopherol, gilt als starkes Antioxidans und damit als Entzündungshemmer. Es gibt eine Vielzahl an chemisch mit dem Vitamin E eng verwandten Stoffen, den Tocopherolen, und viele Hautcremes und Shampoos enthalten diese Stoffe und wirken damit entzündungshemmend und verjüngend.
10 Anti-Entzündungs-Strategien
Doch es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, um effektiv Entzündungen zu bekämpfen. Zum Beispiel diese bewährten Strategien:
10 Anti-Entzündungs-Tipps
- Rauchen aufhören.
- Sport treiben.
- Pflanzenbasierte Kost zu sich nehmen.
- Möglichst viele Biolebensmittel konsumieren.
- Umweltverschmutzung meiden – das beinhaltet Luft- und Wasserfiltereinbau.
- Entschlacken, wobei Saunagänge als besonders heilsam gelten.
- Lärmbelästigung reduzieren wo möglich.
- Ausreichend schlafen.
- Intensive Waldspaziergänge (Shinrin Yoku).
- 5 besonders wertvolle Nahrungsergänzungsmittel: Curcumin, Quercetin, Resveratrol, Vitamin D und Coenzym Q10.
- Yale K, Juhasz M, Atanaskova Mesinkovska N. Medication-Induced Repigmentation of Gray Hair: A Systematic Review. Skin Appendage Disorders 2019; https://doi.org/10.1159/000504414
- Pająk J, Nowicka D, Szepietowski JC. Inflammaging and Immunosenescence as Part of Skin Aging—A Narrative Review. International Journal of Molecular Sciences 2023; https://doi.org/10.3390/ijms24097784
Autor

Dr. med. Peter Niemann arbeitet als Geriater, Internist und Integrativmediziner vor allem in den USA. Der Autor einer Reihe von Gesundheitsratgebern bietet aber auch Beratungen zu Anti-Aging, Anti-Entzündung, Testosteronmangel und vielen anderen Themen an.



