
Ohne Mineralstoffe geht es nicht!
Mineralstoffe sind für unser Überleben notwendig. Wir benötigen sie für Elektrolyt- und Wasserhaushalt, Immunsystem, Nerven- und Zellkommunikation und den Aufbau unserer Gewebe. Über die Ernährung versorgen wir unseren Körper mit Mineralstoffen. Dazu zählen die sogenannten Mengenelemente wie Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, Phosphor und Magnesium sowie Spurenelemente wie Eisen, Jod, Fluorid, Zink, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom und Molybdän.
Die Aufnahme dieser Mineralstoffe geschieht vor allem im Dünndarm und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählen unter anderem der Zustand unseres Darmmikrobioms, der pH-Wert, die Durchblutung der Darmschleimhaut und die Menge an freien Radikalen im Darm. Flavonoide aus Nahrungs- und Heilpflanzen können diese Faktoren beeinflussen und damit die Aufnahme von Mineralstoffen fördern.
Flavonoide und Darmmikrobiom
Das Darmmikrobiom hilft beim Verdauen unserer Nahrung mit – auch bei der Aufnahme von Mineralstoffen. Diese gelingt besonders gut bei einem leicht sauren Milieu im Darm. Ein niedriger pH-Wert erleichtert die Löslichkeit von Mineralstoffen in wässrigen Umgebungen. Sie vermischen sich besser mit Flüssigkeiten und können dadurch besser aufgenommen werden.
Flavonoide aus Pflanzen fördern die gesunde Säuerungsflora im Darm, also jene Bakterien, die durch die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren und Milchsäure den pH-Wert im Darm senken [1]. Das kommt der Mineralstoffaufnahme zugute. Flavonoid-Pflanzen wie die Bitterorange (Citrus × aurantium) und die Schafgarbe (Achillea millefolium) können unsere Darmsymbionten fördern. Flavonoide liegen meist glykosidisch vor – also gebunden an Zuckermoleküle. Darmsymbionten können die Zuckermoleküle abtrennen und sich von denen ernähren.
Kraftvoll gegen freie Radikale
Freie Radikale sind Störfaktoren, auch im Darm: Ihnen fehlt ein Elektron, das sie sich von anderen Molekülen oder Atomen stehlen. Wenn sie sich bei den Zellen der Darmschleimhaut bedienen, kann dies zu Entzündungen führen, die wiederum ihre Resorptionsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Freie Radikale können sich auch bei Mineralstoffen wie Eisen und Zink bedienen. Dadurch sinkt deren Bioverfügbarkeit, sie werden schlechter aufgenommen [2]. Antioxidantien sind die natürlichen Gegenspieler von freien Radikalen. Sie "spenden" Elektronen und geben freien Radikalen eines ab, die dann keinen Schaden mehr verursachen.
Erste Studien zeigen, dass eine gute Versorgung mit antioxidativen Flavonoiden die Mineralstoffaufnahme fördert [2]. Auch flavonoidreiche Heilpflanzen wie Bitterorange, Schafgarbe, Melisse (Melissa officinalis), Grüntee, Zwiebeln, Salbei sind in diesem Kontext von Bedeutung.
Durchblutung der Darmschleimhaut
Ist die Darmschleimhaut gut durchblutet, werden zum Beispiel Transportproteine, die viele Mineralstoffe aus dem Darm in das Körperinnere befördern, besser mit Energie versorgt. Sie sind damit leistungsfähiger. Eine gute Durchblutung des Darms fördert auch dessen Beweglichkeit, der Darminhalt wird dadurch häufiger durchgeknetet und kommt öfter in Kontakt mit der Darmschleimhaut. Auch dies begünstigt die Mineralstoffaufnahme.
Die Durchblutung des Darms regen Aroma aromatica, also Ätherisch-Öl-haltige Bitterstoffdrogen wie die Bitterorange und Quercetin- oder Rutin-reiche Pflanzen wie Melisse oder die Brennnessel (Urtica dioica) an. Quercetin oder Rutin sind Flavonoide, die gefäßaktiv sind, und die Durchblutung fördern - wahrscheinlich, indem sie die Produktion von NO (Stickoxid) fördern.
Stickoxid (NO) ist ein wichtiger gefäßerweiternder Botenstoff, der die Blutgefäße entspannt und so die Durchblutung verbessert. Durch seine gefäßerweiternde Wirkung kann NO die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung, insbesondere im Darm, optimieren und so die Aufnahme von Mineralstoffen fördern [3].
Komplexbildung mit Mineralstoffen
Viele Flavonoide, zum Beispiel Quercetin, können mit Mineralstoffen wie Eisen, Zink und Kupfer lösliche Chelatverbindungen bilden, das heißt sie umschließen den Mineralstoff. Dieser wird dadurch für uns besser aufnahmefähig. In Studien zeigte sich zum Beispiel, dass Quercetin die Aufnahme von Zink steigern kann [4]. Quercetin findet sich zum Beispiel in der Brennnessel und der Melisse.
Teerezeptur zur Unterstützung der Mineralstoffaufnahme
Die Heilpflanzen aus diesem Beitrag lassen sich zu folgendem Teerezept kombinieren:
- 40 g Brennnesselblätter (Urticae folia)
- 35 g Melissenblätter (Melissae folia)
- 65 g Bitterorangenschale (Aurantii pericarpium)
- 45 g Schafgarbenkraut (Millefoliae herba)
Zubereitung: 2- bis 3-mal täglich 1 EL der Mischung mit ¼ Liter siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 15 Minuten lang ziehen lassen und ungesüßt vor den Mahlzeiten trinken.
Alle diese Pflanzen sind von ESCOP, HMPC und der Kommission E als wichtige Arzneipflanze anerkannt. In den jeweiligen Monografien gibt es jedoch noch keine Erwähnung, dass sie die Mineralstoffaufnahme fördern können. Die Anwendung der Pflanzen zur Unterstützung der Mineralstoffaufnahme kann daher aufgrund positiver Erkenntnisse der Erfahrungsheilkunde geschehen.
Alle 4 Pflanzen sind gut verträglich. Nebenwirkungen, Gegenanzeigen oder Wechselwirkungen sind nicht bekannt.
Und zum Schluss
Wir decken unseren Mineralstoffbedarf mit unserer Ernährung. Hierfür ist eine gemüsereiche, abwechslungsreiche Vollkost ideal, sie liefert uns Mengen- und Spurenelemente. Die Aufnahme der Mineralstoffe können wir zudem fördern, zum Beispiel mit Flavonoid-reichen Heilpflanzen.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
- Pan L, Ye H, Pi X et al. Effects of several flavonoids on human gut microbiota and its metabolism by in vitro simulated fermentation. Frontiers in microbiology 2023; https://doi.org/10.3389/fmicb.2023.1092729
- Wang Y, Chen Y, Zhang X et al. New insights in intestinal oxidative stress damage and the health intervention effects of nutrients: A review. Journal of Functional Foods 2020; https://doi.org/10.1016/j.jff.2020.104248
- Jaccob AA, Hussain SA et al. Effects of Long-Term Use of Flavonoids on the Absorption and Tissue Distribution of Orally Administered Doses of Trace Elements in Rats. Pharmacology & Pharmacy 2012; doi: 10.4236/pp.2012.34065
- Nakamura M, Urakawa D, He Z et al. Apoptosis Induction in HepG2 and HCT116 Cells by a Novel Quercetin-Zinc (II) Complex: Enhanced Absorption of Quercetin and Zinc (II). Int J Mol Sci 2023; https://doi.org/10.3390/ijms242417457
Sebastian Vigl
Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie


