HagebutteHagebutten – die Früchte der Rosen

Beim Herbstspaziergang kannst Du die Früchte von Wildrosen entdecken. Wusstest Du, dass Hagebutten essbar sind und in der Heilkunde verwendet werden?

aufgeschnittene Hagebutten und Kerne auf Holztisch
Rudi Beiser
Die in der roten Sammelfrucht der Hagebutte lagernden Nüsschen sind eingebettet in seidige Härchen, die mit feinen Widerhaken ausgestattet sind.

Was sind Hagebutten?

Die Hagebutte ist keine eigenständige Pflanzenart, denn alle Wildrosen und auch einige Gartenrosen bilden Hagebutten aus. Das Gute ist: Alle Hagebutten sind ungiftig und in Küche oder Hausapotheke verwendbar. Wildrosen liefern in der Regel schönere und zahlreichere Hagebutten als Gartenrosen, die oft gar keine Früchte ausbilden. Das liegt daran, weil bei den halbgefüllten und gefüllten Sorten die Staub- und Fruchtblätter zu Blütenblättern umgewandelt wurden.

In Deutschland finden wir in der freien Natur vor allem die Hundsrose (Rosa canina) und die Weinrose (Rosa rubiginosa). Erwähnenswert ist auch die aus China stammende Kartoffelrose (Rosa rugosa), die sich inzwischen bei uns vor allem an Nord- und Ostseeküsten eingebürgert hat. Sie besitzt außergewöhnlich große Hagebutten.

Der Name Hagebutte setzt sich aus Hag und Butte zusammen. Hag ist ein altes Wort für Hecke und Butte ein altes Wort für ein rundes Gefäß, das im Fall der Hagebutte mit vielen kleinen Nüsschen gefüllt ist. Die in der roten Sammelfrucht lagernden Nüsschen sind eingebettet in seidige Härchen, die mit feinen Widerhaken ausgestattet sind. Diese Nüsschen sind sozusagen der Rosensamen, aus dem der Nachwuchs entsteht. Wegen der kratzigen Haken nutzte man die haarigen Kernchen früher für Kinderstreiche, denn das "Juckpulver" kann auf der Haut sehr unangenehm sein.

Superfood am Rosenstrauch

Von September bis November werden die roten Hagebutten der verschiedenen Rosen reif. Sie gehören zu den Top-Wildfrüchten, denn sie sind eine Vitaminbombe bezüglich der Vitamine A, C und E.

Der durchschnittliche Vitamin C-Gehalt der Hagebutte von 1000 mg/100g übertrifft den der Zitrone um das Zwanzigfache!

Auch der Wert an Beta-Carotin (Provitamin A) ist unglaublich hoch, auch wenn die Analysewerte je nach Standort zwischen 2,4 und 5,0 mg/100 g schwanken. Erstaunlich ist auch der hohe Gehalt der wertvollen Mineralien Kalzium, Kalium und Magnesium, die für Herz, Knochen und Muskeln unentbehrlich sind.

Die Hagebutten schmecken angenehm säuerlich-fruchtig. Allerdings kannst du Hagebutten nicht wie Erdbeeren oder Himbeeren als Ganzes verspeisen, denn die innen liegenden haarigen Nüsschen kratzen unangenehm im Hals. Aber die roten Fruchtschalen kann man roh knabbern. Das bedeutet allerdings, dass du die Hagebutten zuvor entkernen musst. Die Nüsschen lassen sich mit einem kleinen Löffel oder dem Finger aus den halbierten Hagebutten herauskratzen.

Dass aufwendige Herauspulen der Nüsschen ist eigentlich nur beim Rohgenuss ein Thema, denn beim Kochen werden die Härchen „entschärft“. Bei den meisten Verarbeitungsmethoden (Marmelade, Fruchtmus) werden die kratzigen Härchen ohnehin beim Passieren durch ein feines Sieb zurückgehalten.

Die süß-säuerlichen Hagebutten gewinnen durch Kochen sogar an Aroma. So lassen sie sich zu leckerem Fruchtmus, Fruchtsoßen oder Chutneys verarbeiten. Sehr bekannt und beliebt ist auch der fruchtige Hagebuttentee. Dazu werden die Hagebutten getrocknet. Ganze unzerkleinerte Hagebutten eignen sich in diesem Fall nicht, denn sie geben kaum Aroma an das Wasser ab. Entweder Du verwendest nur die Fruchtschalen (ohne Kernchen) oder du viertelst die Hagebutten vor dem Trocknen, damit sich das Aroma besser im Teewasser lösen kann. Wenn Du den Tee durch ein feines Sieb abgießt, sind die haarigen Kernchen kein Problem. Sie sind sogar geschmacksverbessernd, da sie ein leichtes Vanillearoma freisetzen.

Auch in der Medizin bekannt

Aufgrund des hohen Vitamingehaltes mobilisiert die Hagebutte die Abwehrkräfte und wird deshalb gerne zur präventiven und zur unterstützenden Behandlung bei Erkältungen genutzt.

Auch die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) empfiehlt Hagebutten und Hagebuttenschalen unterstützend bei der Behandlung von Erkältungen und Grippe. Außerdem empfiehlt die ESCOP die ganzen Hagebutten zur Linderung von Gelenkathrose-bedingten Schmerzen und Steifheit. Hier kommen in erster Linie die enthaltenen Galactolipide (GOPO) und die Triterpensäuren zur Wirkung. Diese Stoffe wirken schmerzlindernd und antientzündlich. Bei einer Einnahme von 1-2mal täglich 5 g Hagebuttenpulver konnte nach 3- 6-monatiger Anwendung sowohl eine signifikante Schmerzreduktion als auch eine bessere Beweglichkeit der Gelenke beobachtet werden. Weitere Studien geben Hinweise, dass die wertvollen Inhaltsstoffe der Hagebutten zudem antidiabetische, cholesterinsenkende und blutdrucksenkende Effekte haben können.

Erkältungstee aus Hagebutten

Für einen Erkältungstee aus Hagebutten oder Hagebuttenschalen, nimmt man 2–3 g zerkleinerte getrocknete Hagebutten, übergießt sie mit 200 ml kochendem Wasser und lässt das Ganze zugedeckt 15 Minuten ziehen. Bei Gelenkschmerzen ist ein wässriger Auszug aber nicht sinnvoll, da die Galactolipide sich kaum darin lösen. In diesem Fall nutzt man die Hagebutten in Form von Pulver. Dazu werden die getrockneten Hagebutten mit den Kernen im Mixer fein zerkleinert.

Man nimmt davon täglich 2 TL, was etwa 5 g entspricht.

In der Volksmedizin nutzt man vor allem die Hagebutten-Nüsschen bei Blasen- und Nierenleiden. Der sogenannte "Kernles-Tee" gilt als harntreibend und Stoffwechsel anregend. Aus den Kernen wird auch ein wertvolles Öl gepresst, das die Haut regeneriert und auch bei Neurodermitis Linderung bringt.

Rezept: Süßes Hagebuttenmus (Hägemark)

Zutaten
  • 500 g Hagebutten
  • 200 ml Apfelsaft
  • 100 ml Wasser
  • etwas Apfelsaft
  • 2 EL Zitronensaft
  • 300 g Gelierzucker 2:1
Zubereitung

Damit sich die Hagebutten besser weichkochen lassen, kann man sie vor der Verarbeitung 48 Stunden im Gefrierschrank durchfrieren. Dann die Hagebutten mit Wasser und Apfelsaft zum Kochen bringen und 30-40 Minuten bei geringer Hitze weichkochen. Dabei die weichen Hagebutten mit einem Stößel zerquetschen. Dann alles durch ein sehr feines Sieb oder ein Passiergerät streichen, damit die Kernchen und die kratzenden Härchen zurückbleiben. Das passierte Mus wird nun mit Apfelsaft und Zitronensaft auf 650 ml aufgefüllt. Gelierzucker dazugeben und 5 Minuten kochen lassen. In sterile Schraubgläser füllen und verschließen.

Und zum Schluss …

Im Herbst reifen die Früchte der Wildrosen, die auch Hagebutten genannt werden. Sie können aufgrund ihrer wertvollen Inhaltsstoffe eine Bereicherung für Küche und Hausapotheke sein.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Beiser R. Geheimnisse der Hecken. Stuttgart: Ulmer; 2024
  2. Chrubasik C, Roufogalis BD, Müller-Ladner U et al. A systematic review on the Rosa canina effect and efficacy profiles. Phytother Res 2008; https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ptr.2400
  3. Pekacar S, Bulut S, Özüpek B et al. Anti-Inflammatory and Analgesic Effects of Rosehip in Inflammatory Musculoskeletal Disorders and Its Active Molecules. Curr Mol Pharmacol 2021; https://www.ingentaconnect.com/content/ben/cmp/2021/00000014/00000005/art00006
  4. Willich SN, Rossnagel K, Roll S et al. Rose hip herbal remedy in patients with rheumatoid arthritis - a randomised controlled trial. Phytomedicine 2010; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0944711309002311

Wildkräuter- und Heilpflanzenexperte 

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