Calendula officinalisRingelblume – Heilkraft aus dem Blumenbeet

Die Ringelblume kannst Du im Garten oder Balkonkasten kultivieren. Daraus lässt sich beispielsweise eine selbstgemachte Ringelbumentinktur herstellen.

Rudi Beiser
Ringelblume (Calendula officinalis).

Seit über 2000 Jahren in Gartenkultur

Die Garten-Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine Kulturpflanze, von der es keine Wildform mehr gibt. Vermutlich wurde sie schon von den alten Römern aus der kleinen Ackerringelblume (Calendula arvensis) oder einer ähnlichen Art gezüchtet. Zu uns kam die hübsche Ringelblume erst im 10. Jahrhundert und wurde schnell wichtiger Bestandteil der Bauerngärten. Die Menschen waren schon damals angetan von der unglaublichen Blühkraft der Sommerblume. Von Juni bis Oktober streckt sie täglich neue Blüten der Sonne entgegen. Darauf weist auch der botanische Name „Calendula“ hin, weil sie über so viele Monatsanfänge (lat. calendis) hinweg blüht.

Eine anspruchslose Gartenpflanze

Die einjährige Garten-Ringelblume  gedeiht auf fast allen Böden. Du brauchst sie gar nicht düngen, denn zuviel Stickstoff vermindert den Blütenansatz. Am liebsten steht die Blume an warmen sonnigen Plätzen, wo sie die meisten Heilstoffe entwickeln kann. Allerdings musst Du sie regelmäßig gießen, denn trockene Standorte mag sie überhaupt nicht. Von April bis Mai kannst Du den Ringelblumensamen direkt ins Freiland oder in Balkonkästen aussäen. Der Dunkelkeimer wird etwa 2 cm mit Erde bedeckt.

Beim Saatgut findest Du verschiedene Sorten, die sich in Blütengröße und Blütenfarbe unterscheiden. Es gibt es je nach Züchtung hellgelb bis dunkelorange blühende Sorten, mit gefüllten, halbgefüllten oder ungefüllten Blüten, mit hellgelbem oder dunkelrotem Auge.

Für Heilzwecke werden vorzugsweise orangefarbene Sorten angebaut, weil sie aufgrund des hohen Carotinoid- und Flavonoidgehaltes als besonders wirksam gelten. Außerdem achtet man darauf, keine ungefüllten, sondern gefüllte oder halbgefüllte Sorten auszusäen. Zu den empfehlenswerten Sorten gehören zum Beispiel „Erfurter Orangefarbige“ „Pacific Orange“, Balls Orange“, „Golden King“ und „Orangekugel“.

Regelmäßiges Pflücken regt die Blüte an

Sobald sich die ersten Blüten zeigen, kannst Du sie für Tee oder Tinktur ernten. Regelmäßiges Pflücken fördert die Neubildung von Blüten und verlängert die Blühdauer. Die Haupterntezeit ist von Juni bis August. Falls Du die Blütenköpfchen trocknen willst, empfiehlt sich eine künstliche Trocknung (Wärmezufuhr) in Dörrgeräten oder im Backofen bei 40°C. Das bringt die besten Ergebnisse, denn schnelles Trocknen unterbindet die Enzymtätigkeit und sorgt somit für eine wunderschöne Farbqualität der Droge.

Ein Balsam für Haut und Wunden

Nicht nur optisch sind Ringelblumen eine Bereicherung. Sie sind zudem sehr heilkräftig und gehören seit Jahrhunderten zu den bekanntesten Heilpflanzen. Deshalb bekamen sie auch den Zusatznamen „officinalis“, der anzeigt dass die Pflanze in Apotheken gehandelt wurde (frz. offcine=Apotheke).

Im Vordergrund steht die äußerliche Anwendung bei Verletzungen der Haut:

  • Die Ringelblume wirkt vor allem wundheilungsfördernd, entzündungshemmend und antibakteriell.
  • Die granulationsfördernde Wirkung beschleunigt den Wundverschluss und sorgt für eine gute Vernarbung.

Aufgrund dieser Eigenschaften ist sie eines der besten Heilmittel bei schlechtheilenden Wunden, bei Entzündungen der Haut und der Mund- und Rachenschleimhäute, aber auch bei Sonnenbrand und Brandverletzungen. Unentbehrlich geworden ist die heilsame und hautschonende Ringelblume auch bei wunden Babypopos. Alle diese Anwendungen sind durch Monografien verschiedener Gremien (HMPC, ESCOP, Kommission E) anerkannt.

Die Heilkraft der Ringelblumenblüten kannst Du je nach Erfordernissen in Form von Salben, Ölauszügen, Tinkturen oder Tee anwenden. All diese Zubereitungen lassen sich aus Ringelblumenblüten vom eigenen Garten leicht selbst herstellen. Am geläufigsten sind Anwendungen mit Ringelblumensalbe und Ringelblumentinktur, deren Anwendung und Herstellung untenstehend ausführlich beschrieben wird.

Eine Rezeptur für Ringelblumensalbe findest Du hier.

Sehr bewährt hat sich die Ringelblume bei der Versorgung kleiner Wunden. Dazu werden Umschläge und Waschungen mit einem Teeaufguss (2 g Blüten auf 200 ml Wasser) oder mit verdünnter Ringelblumentinktur gemacht. Für die Tinktur-Umschläge werden 2 TL Tinktur (10 ml) mit 150 ml lauwarmem Wasser verdünnt und mehrmals täglich 15 Minuten auf die Wunde gelegt. Fetthaltige Ringelblumen-Salben solltest Du hingegen nur im Bereich der Wundränder einsetzen, da sie die Wunde verschließen und das Abheilen behindern.

Rezept: Ringelblumentinktur

Zutaten
  • 40 g frische oder 20 g getrocknete Ringelblumenblüten,
  • 150 ml Alkohol (60-70%ig bei frischen Blüten/ 40-50%ig bei getrockneten)
Zubereitung

Ringelblumen zerkleinern und zusammen mit dem Alkohol in einem Mörser oder Mixer zu einem dünnflüssigen Brei verarbeiten. So zerkleinert können die Wirkstoffe optimal vom Alkohol aufgenommen werden. In ein verschließbares Gefäß füllen und 2 Wochen stehen lassen. Dann durch ein feines Sieb abfiltern.

Die Tinktur ist dunkel gelagert mindestens 2 Jahre haltbar. Sie eignet sich verdünnt mit abgekochtem Wasser zum Gurgeln und für Wund-Umschläge.

Und zum Schluss ...

Die Ringelblume ist eine wunderschöne Blütenpflanze, die du aber auch als Medizin einsetzen kannst. Daraus hergestellte Salben und Tinkturen sind sehr hilfreich bei kleinen Wunden und Entzündungen der Haut.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Stern C, Ell-Beiser H. Phytotherapie in Theorie und Praxis. Aarau: AT Verlag; 2022
  2. Beiser R. Heilpflanzen finden. Stuttgart: Ulmer Verlag; 2021

Wildkräuter- und Heilpflanzenexperte 

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