Zuckerkonsum und KohlenhydratstoffwechselWie viel Zucker ist zu viel?

Zwischen Adipositas und Orthorexie: Zucker ist nicht toxisch, hat aber Folgen bei zu hohem Konsum. Experten empfehlen einen ausgewogenen Umgang mit Zucker.

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Deutsche Erwachsene nehmen täglich rund 100 g Zucker zu sich - das Doppelte der empfohlenen Menge.

Zwischen Zuckersteuer und Ernährungstrends: Was wir über Zucker und den Kohlenhydratstoffwechsel wissen, berichtete Prof. Diana Rubin auf einer Pressekonferenz. Rubin leitet das Zentrum für Ernährungsmedizin am Vivantes Klinikum Berlin Spandau und kennt die Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums aus der Praxis. Trotzdem sagt sie “Angst vor Zucker ist unbegründet. Es kommt auf die Menge an.”

Wie sich viel Zucker auf den Kohlenhydratstoffwechsel auswirkt

Zunächst ist Zucker ein Energielieferant, der in verschiedenen Lebensmitteln in unterschiedlicher Form vorkommt. So gehört Zucker in Obst zu einer gesunden Ernährung dazu. Anders sieht es für den meist raffinierten Zucker in hochverarbeiteten Lebensmitteln und Süßgetränken aus. Besonders aus diesen Getränken wird Zucker meist rasch und in hoher Menge konsumiert und hat keinen Sättigungseffekt.

Wie der Zucker verstoffwechselt wird, ist individuell verschieden: Bei gesunden Menschen reguliert Insulin den Blutzuckerspiegel und sorgt dafür, dass Energie in die Zellen gelangt und abgebaut wird. Allerdings kann ein schnelles Auf und Ab zu Heißhungerattacken mit unkontrolliertem Essen führen. Entscheidend sind jedoch ein gesundes Körpergewicht und die Gesamtenergiebilanz. 

Übersteigt die zugeführte Energie den Bedarf des Körpers, können Übergewicht und Typ-2-Diabetes die Folgen sein.

Gesundheitliche Folgen sind wissenschaftlich gut belegt

Ein chronisch zu hoher Zuckerkonsum kann zu chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und Herz- und Nierenschwäche. Studien zeigen eine starke Korrelation zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei zu viel Zucker. Übergewicht korreliert zudem mit einem häufigeren Auftreten von Krebserkrankungen, erklärt Rubin.

Demnach hängen zahlreiche gesundheitliche Folgen nicht direkt, sondern indirekt mit zu viel Zucker in der Ernährung zusammen.

Süßgetränke sind stark in den Fokus gerückt: Der enthaltene flüssige Zucker enthält keine wertvollen Nährstoffe, geht in kurzer Zeit ins Blut über, hat keinen Sättigungseffekt und führt zu einer hohen Energiebilanz. Wie relevant der Zusammenhang zwischen Softdrinks und Typ-2-Diabetes ist, zeigen Studien: So steigert ein Glas Softdrink das Diabetesrisiko um 18 %. 

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Warum die Zuckersteuer kommen sollte

Mehr als 100 Länder haben bereits eine Zuckersteuer. In Großbritannien beispielsweise wurde gezeigt:

Die Besteuerung von zuckergesüßten Getränken führt zu einer Reduktion des Zuckerkonsums. Nach ersten Analysen hat sich auch die Rate von Adipositas bei Kindern verringert.

Die Zuckersteuer ist also ein sinnvoller Teil einer Präventionsstrategie. Dazu gehören allerdings weitere Maßnahmen wie:

  • Verbesserung der Verpflegungs- und Bewegungsangebote in Kitas und Schulen
  • Mehrwertsteuerbefreiung für Obst und Gemüse
  • Begrenzung von an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung

Zucker nicht verteufeln

Zucker ist weder toxisch, noch direkt gesundheitsschädlich. Angst vor Zucker ist also unbegründet, so Rubin. Er liefert schnelle Energie und ein maßvoller Konsum ist nicht schädlich.

Die zwanghafte Beschäftigung mit einem Zuviel an Zucker (und anderen Lebensmitteln) kann jedoch zur Entwicklung einer Essstörung führen. Betroffene meiden dann zum Beispiel soziale Kontakte, weil gemeinsames Essen schwierig wird. Zeit und Energie für andere Lebensbereiche fehlen.

Wie viel Zucker ist gesund?

Gesundheitsorganisationen sind sich nicht ganz einig, was die Höchstmenge an Zucker angeht. Das lasse schon darauf schließen, dass sich die Frage nicht zu 100 % eindeutig beantworten lässt und Unsicherheiten bestehen. Gute Richtwerte sind die WHO-Empfehlungen:

WHO-Empfehlungen zu Zucker

  • Für Kinder: 25 g/Tag, das entspricht etwa einer kleinen Tüte Gummibärchen
  • Für Erwachsene: lautet der Richtwert 50 g/Tag

Rubin empfiehlt darüber hinaus zu bedenken: “Bei Kindern geht es um Prägungen für das Leben und da halte ich es für wichtig, hier niedrig zu bleiben.” Sehr aktiven Kindern dürfe man auch mal mehr erlauben. Aber die regelhafte Belohnung durch Süßigkeiten hält die Expertin für keine gute Idee.

Bei Erwachsenen hänge es sehr stark vom Energieverbrauch ab, ob man beispielsweise eine sitzende Tätigkeit ausübt oder körperlich arbeitet. Die maximal 50 Gramm pro Tag hält sie aber als grobe Orientierung für sinnvoll. Derzeit essen deutsche Erwachsene gut 100 Gramm Zucker pro Tag und davon entfallen 50 Gramm auf Süßwaren und 20 Gramm auf Getränke.

Quelle: Pressekonferenz Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie/Deutsche Diabetes Gesellschaft/Juli 2026

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