
Warum Darmsymbionten Pflanzennahrung mögen
Bakterien besiedelten lange vor uns diesen Planeten und werden noch lange nach uns hier sein. Als wir Menschen ihre Welt betraten, haben sie auch uns besiedelt. Zu unserem Glück – oder besser gesagt, zu beiderseitigem Glück. Viele Bakterien fanden in uns und auf uns einen konstanten und geschützten Lebensraum. Sehr viele sogar! Auf eine von unseren Körperzellen kommen rund zehn Bakterien. Diese tummeln sich vor allem auf unserer Haut und im Darm. Mit den meisten leben wir in einer engen Partnerschaft – besonders mit den Symbionten im Darm. Wir bieten Kost und Logis, indem wir für ein günstiges Milieu sorgen und sie an unserer Nahrung beteiligen. Sie helfen uns unter anderem bei der Verteidigung gegen Krankheitskeime, der Verwertung von Nahrungsbestandteilen, der Regulation von Hirnfunktion und Immunsystem. Sie steigern auch die Wirksamkeit von Arzneipflanzen, wie Du in meinem Beitrag Wie Deine Darmflora die Wirkung von Heilpflanzen steigert nachlesen kannst.
Der Erfolgsgarant für die Symbiose ist die hohe Anpassungsfähigkeit des Darmmikrobioms. Es ist nicht auf eine bestimmte Ernährungsweise angewiesen, sondern arbeitet mit dem, was der Mensch isst. Und das kann sehr verschieden sein. Doch ein Nahrungsbestandteil blieb in der Geschichte der Menschheit stets konstant: pflanzliche Nahrung. Seit den ersten Menschen bis heute konnten sich unsere Darmsymbionten darauf verlassen, dass Menschen Pflanzen essen. Ausschließlich oder als Teil einer Mischkost. Und sie konnten sich darauf verlassen, dass wir Menschen pflanzliche Zuckerverbindungen nur schlecht und nur zum Teil verdauen können. Indem sie sich auf die für uns nicht verwertbaren Zuckerverbindungen spezialisierten, konnten Darmsymbionten immer auf genug Nahrung zurückgreifen.
Bis heute gilt: Bekommen unsere Darmsymbionten genug Pflanzennahrung, gedeihen nicht nur sie. Eine pflanzenreiche Ernährung stärkt die Vielfalt und die Vitalität unserer Darmsymbionten, wovon wiederum wir profitieren: Studien belegen für diesen Zusammenhang unter anderem eine Stärkung der Darmbarriere, des Immunsystems und der kognitiven Funktionen sowie eine Reduktion von Entzündungen und Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes [1].
Nicht nur Nahrungspflanzen wirken sich positiv auf unsere Darmsymbionten aus. Auch viele Arzneipflanzen tun das, so etwa die Gelbwurz (Curcuma longa).
Nachweislich positive Effekte auf das Darmmikrobiom durch Gelbwurz
Verschiedene Tierstudien demonstrierten die komplexe und positive Wirkung der Gelbwurz auf das Darmmikrobiom [2]. Wurde die Darmflora von Tieren durch eine fettreiche Diät zum Beispiel verschoben, konnte Gelbwurz diese negativen Effekte abmildern und zum Teil rückgängig machen [3]. Gelbwurz konnte auch die Diversität von Versuchstieren erhalten und fördern, wenn diese unter einem Östrogenmangel litten [4]. Ein Mangel an Östrogen kann sich negativ auf die Vielfalt der Darmsymbionten auswirken.
Die Effekte beim Menschen wies eine 2018 publizierte randomisierte und placebokontrollierte Studie nach. Die Einnahme der Gelbwurz führte zu einer deutlichen Anhebung der Bakterienvielfalt im Darm der Probanden [5].
Die Hauptursache für diese Wirkung dürfte in der präbiotischen Wirkung der Gelbwurz liegen. Pflanzliche Zuckerverbindungen, die wir nicht verstoffwechseln können, unsere Darmsymbionten hingegen schon, heißen Präbiotika. Sie dienen den nützlichen Keimen als Nahrung und fördern damit deren Gedeihen. Die Gelbwurz ist reich an komplexen Speicherstoffen, die aus vielkettigen Zuckermolekülen bestehen und Darmsymbionten als Nahrung dienen.
Gallensäuren stärken die Bakterienvielfalt
Gallensäuren sind für die Verdauung unserer Ernährung wesentlich. Dass sie selbst jemanden als Nahrung dienen können, ist für uns vielleicht schwer vorstellbar. Schließlich sind sie sehr bitter. Doch das sind sie wiederum nur für Organismen mit Bitterrezeptoren. Unsere Darmsymbionten haben solche nicht und sehen in Gallensäuren eine wichtige Ressource für ihr Überleben. Die Gelbwurz fördert die Entleerung der Gallenblase in den Darm (cholekinetische Wirkung) und kann dadurch die Versorgung der Darmsymbionten mit Gallensäuren fördern.
Weg mit den unerwünschten Keimen!
Unsere Darmsymbionten sorgen dafür, dass sich unerwünschte Keime nicht breit machen im Verdauungstrakt. Unter anderem sorgen sie mit den Absonderungen von Milchsäure dafür, dass sich der pH-Wert in Dünn- und Dickdarm absenkt. Damit hemmt sie die meisten für uns und unsere Darmsymbionten schädlichen Bakterienarten im Wachstum. Die Gelbwurz kann dabei unterstützen. Ihr Wirkstoff Curcumin drängte in Studien erfolgreich entsprechende Keime zurück. Die Autoren der Publikationen betonen, dass sich dieser Effekt aller Wahrscheinlichkeit auch auf den Menschen übertragen lässt [6].
Gelbwurz anwenden
In welcher Form schenkst Du Deinen Darmsymbionten die Gelbwurz? Am besten als Gewürz, indem Du sie regelmäßig als Pulver Deinem Essen hinzugibst. Vielleicht magst Du Dir auch eine Kurkuma-Milch zubereiten?
Kurkuma-Milch
Hierfür gibst Du folgende Zutaten in den Mixer:
- 300 ml Milch oder pflanzlichen Milchersatz
- ein ca. 3 cm langes Stück frische Gelbwurz
- ein ca. 3 cm langes Stück frischen Ingwer
- einen halben TL Kokosöl
- Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Pfeffer nach Belieben
Mixe alles durch, bis Du eine feine Konsistenz erhältst. In den kalten Monaten kannst Du die Kurkuma-Milch noch kurz auf dem Herd erwärmen, an heißen Tagen hingegen mit Eiswürfeln servieren.
ESCOP, HMPC und Kommission E begrüßen die regulatorische Wirkung der Gelbwurz bei Verdauungsbeschwerden. Ihr Effekt auf das Darmmikrobiom wird in den entsprechenden Monografien noch nicht erwähnt.
Wichtig: Da Gelbwurz die Gallenproduktion anregt, darf sie nicht beim Vorliegen eines Gallenverschlusses oder einer Gallenentzündung, bei Gallensteinen und anderen Gallenleiden sowie bei Lebererkrankungen eingenommen werden.
Und zum Schluss
Der Mensch und seine Darmsymbionten lehren uns, wie eine langanhaltende Beziehung funktionieren kann: Mit gegenseitigem Respekt und Förderung des Gegenübers. Und ab und an dürfen es auch mal Geschenke sein.
Darmsymbionten schätzen vor allem Pflanzen – als Teil der Ernährung, als Gewürz oder als Heilpflanze. Eine besonders vielseitiges Geschenk ist die Gelbwurz, die das Gedeihen der nützlichen Darmkeime fördert und schädliche zurückdrängen kann. Mit welchen anderen Heilpflanzen Du Dein Darmmikrobiom fördern kannst, verrate ich Dir in meinem Beitrag Mit dieser Teemischung stärkst Du Deine Darmflora.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
- Singh RK et al. Effect of Plant-Based Diets on Gut Microbiota: A Systematic Review of Interventional Studies. Nutrients 2023; 15(7): 1735
- Shen L, Liu L, Ji HF. Regulative effects of curcumin spice administration on gut microbiota and its pharmacological implications. Food Nutr Res 2017; 61:1361780
- Feng W, Wang H, Zhang P et al. Modulation of gut microbiota contributes to curcumin-mediated attenuation of hepatic steatosis in rats. Biochim Biophys Acta 2017; 1861:1801–1812
- Zhang Z, Chen Y, Xiang L et al. Effect of curcumin on the diversity of gut microbiota in ovariectomized rats. Nutrients 2017; 9:E1146
- Peterson CT, Vaughn AR, Sharma V et al. Effects of Turmeric and Curcumin Dietary Supplementation on Human Gut Microbiota: A Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Pilot Study. J Evid Based Integr Med 2018; 23:2515690X18790725
- Lu QY, Summanen PH, Lee RP et al. Prebiotic potential and chemical composition of seven culinary spice extracts. J Food Sci 2017; 82: 1807–1813
Sebastian Vigl
Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie


