Demenz – Was Angehörige tun können

Hier beschäftigen wir uns mit häufigen Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz und geben Ihnen Hinweise, wie Angehörige damit umgehen können.

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Angehörige sollten versuchen, Verhaltensauffälligkeiten wahrzunehmen.

Mit dem Fortschreiten der Demenz können Betroffene eine Reihe von Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die für sie selbst und ihre Angehörigen belastend sein können. Was tun bei Verhaltensauffälligkeiten?

Häufige Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz sind:

  • Agitation und Unruhe
  • Aggressivität
  • Wahnvorstellungen und Halluzinationen
  • Apathie und Rückzug
  • Schlafstörungen
  • Verwirrtheit und Desorientierung


Agitation und Unruhe

Bei Menschen mit Demenz kann sich Agitation und Unruhe durch Ruhelosigkeit, zielloses Umherwandern und Nesteln zeigen. Sie wiederholen häufig Bewegungen ohne erkennbaren Zweck. Diese Symptome werden oft durch Überforderung, Schmerzen, Unwohlsein oder eine ungewohnte Umgebung ausgelöst. Die betroffene Person kann sich überfordert oder verloren fühlen. Angehörige sollten eine ruhige und vertraute Umgebung schaffen, um Stress zu minimieren. Klare und einfache Routinen helfen, Sicherheit und Orientierung zu geben. Beruhigende Aktivitäten wie das Hören der Lieblingsmusik oder Spaziergänge können ebenfalls helfen. Es ist wichtig, die Ursachen für Unwohlsein, wie Schmerzen oder Hunger, zu identifizieren und zu beseitigen. Bei neuen Umgebungen hilft oft Ablenkung durch Nesteln. Geben Sie den Betroffenen einen Schal oder etwas, womit sie sich beschäftigen können.

Aggressivität

Aggressivität kann sich bei Demenzkranken in verbalen Ausbrüchen wie Schreien und Schimpfen oder in physischer Gewalt wie Schlagen und Stoßen äußern. Aggressives Verhalten resultiert häufig aus Frustration über den Verlust kognitiver Fähigkeiten, Missverständnissen, Schmerzen oder Angst. Die betroffene Person kann sich missverstanden oder bedroht fühlen. Angehörige sollten ruhig bleiben und eine konfrontative Haltung vermeiden. Es ist hilfreich, die Situation durch Ablenkung oder das Verlassen des Raums zu deeskalieren. Es ist wichtig, die Ursachen für die Aggression zu identifizieren und zu adressieren, sei es durch Schmerzlinderung oder Reduktion von Überforderung. Bei anhaltenden Problemen sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Wahnvorstellungen und Halluzinationen

Demenzerkrankte können Wahnvorstellungen haben und Dinge sehen oder hören, die nicht existieren. Sie entwickeln irrationale Überzeugungen, wie beispielsweise, dass jemand sie bestehlen will. Diese Symptome werden durch Veränderungen im Gehirn verursacht, die die Wahrnehmung der Realität beeinträchtigen. Angehörige sollten nicht versuchen, die falschen Überzeugungen direkt zu korrigieren, sondern beruhigend wirken und die betroffene Person ablenken. Es ist wichtig, die Sicherheit zu gewährleisten, indem gefährliche Gegenstände entfernt werden. Bei Bedarf sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, um die Situation besser zu managen. Versuchen Sie nicht, die betroffene Person zu korrigieren, sondern fragen Sie genau nach, was die Person sieht oder hört. So können Sie dies auch genau beim nächsten ärztlichen Termin beschreiben.

Apathie und Rückzug

Apathie und Rückzug zeigen sich durch den Verlust des Interesses an Aktivitäten, sozialen Rückzug und verminderte emotionale Reaktionen. Diese Symptome können durch fortgeschrittene kognitive Beeinträchtigungen und Depressionen verursacht werden. Angehörige sollten versuchen, das Interesse der Betroffenen mit bekannten und beliebten Aktivitäten zu wecken. Soziale Interaktionen sollten gefördert und positive Verstärkung angewendet werden. Es ist wichtig, eine Umgebung zu schaffen, die zur Teilnahme an Aktivitäten einlädt und motiviert.

Schlafstörungen

Betroffene mit Demenz können Veränderungen im Schlaf-wach-Rhythmus, nächtliche Unruhe oder Umherwandern erleben. Diese Symptome resultieren oft aus Veränderungen im Gehirn, die den Schlaf-wach-Rhythmus beeinflussen, sowie aus allgemeinem Unwohlsein. Eine regelmäßige Schlafroutine kann helfen, den Schlaf-wach-Rhythmus zu stabilisieren. Tagsüber sollten ausreichend körperliche Aktivitäten eingeplant werden. Die Schlafumgebung sollte ruhig und komfortabel gestaltet werden und koffeinhaltige Getränke sowie große Mahlzeiten am Abend sollten gemieden werden. Gegebenenfalls ist es ratsam, medizinischen Rat einzuholen, um mögliche Medikamente zu besprechen. Achten Sie auf mögliche Stolperfallen in der häuslichen Umgebung und sichern Sie die Umgebung ab.

Verwirrtheit und Desorientierung

Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zeitlich, räumlich oder bezüglich Personen zu orientieren. Sie können vergessen, wo sie sind oder welcher Tag es ist, oder Personen nicht mehr erkennen. Diese Symptome werden durch die fortschreitende Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der kognitiven Fähigkeiten verursacht. Klare und deutliche Kommunikation ist wichtig. Angehörige sollten Orientierungshilfen wie Kalender und Uhren zur Verfügung stellen. Eine vertraute Umgebung kann helfen, Verwirrung zu reduzieren. Beruhigende und unterstützende Interaktionen sind ebenfalls hilfreich, um den Betroffenen zu helfen, sich sicher und verstanden zu fühlen. Versuchen Sie, einen möglichst einfachen Kalender zu nutzen. Ein Bild kann bei der Orientierung über die Jahreszeit helfen. Ermutigen Sie den Betroffenen, täglich den Kalender auf den aktuellen Wochentag und das Datum umzustellen. Dies kann für die Orientierung hilfreich sein. Solche Kalender findet man häufig in Montessori-Shops.

Fazit

Manche Verhaltensauffälligkeiten haben andere Ursachen, wie Schmerzen oder Unwohlsein. Durch einfache Umstellungen kann man der betroffenen Person schon helfen, wie Beschäftigen mit einem Nestelkissen oder einfache Kalender zur Orientierung. Angehörige sollten versuchen, die Verhaltensauffälligkeiten wahrzunehmen und zu notieren, damit dies beim nächsten ärztlichen Termin thematisiert werden kann, um sich ggf. medikamentöse Hilfe zu holen.

Quelle: Expertenwissen: Demenz

kcl