
Wenn der Tag am Morgen mit dem Sonnenaufgang anbricht, beginnt die Flamme unter dem Reistopf zu brennen. Bis mittags, wenn die Sonne im Zenit steht, brennt sie mit großer Aktivität und Wärme. Ab Mittag bis zum Nachmittag wird die Flamme immer kleiner. Das Yang nimmt immer weiter ab, bis das Yin, die Nacht, beginnt. So ist unsere Verdauungskraft bis zum Mittag am stärksten und wird zum Abend hin, wenn der Tag zu Ende geht, immer schwächer. Ein kräftigendes, nährendes Essen in der ersten Tageshälfte kann uns helfen, energiegeladen und konzentriert durch den Tag zu kommen. Es ist die Zeit, um unser Qi und Yang zu stärken. In der zweiten Tageshälfte stärken wir vor allem unser Yin, damit Blut und Säfte ausreichend genährt werden.
So sehen unsere Mahlzeiten dann aus
- Frühstück: Stabilität am Morgen für den ganzen Tag schaffen
- Mittagessen: Nährendes und Aktivierendes für Konzentration und Leistungsfähigkeit
- Abendessen: Beruhigendes, Leichtes für den Ausklang des Tages
Anpassung der Ernährung an den Tag
Die Lebensmittelgruppen werden entsprechend ihrer Verdaulichkeit ausgewählt. Die Übersicht gibt eine grobe Orientierung über die Verträglichkeit zu den jeweiligen Tageszeiten. Dies ist nicht absolut zu verstehen, denn manche Menschen vertragen auch abends noch etwas Fleisch oder Salat.
Wann sind die jeweiligen Lebensmittelgruppen am verträglichsten?
| Lebensmittelgruppe | Gute Verträglichkeit |
| Hülsenfrüchte | Frühstück/Mittag |
| Fleisch | Mittag |
| Salate | Mittag |
| Fisch | Mittag/Abend |
| Getreide | immer |
| Gemüse | immer |
| Obst | immer |
| Gewürze | immer |
| Fette | immer |
| grüne Kräuter | immer |
| Algen | immer |
Hunger und Durst
Es klingt banal, doch für uns ist es essenziell, dass das Hungergefühl den Rhythmus des Tages vorgibt. Hunger bedeutet: »Ich brauche Energie.« Es ist gesund, Hunger zu verspüren. Wichtig ist, dieses Gefühl nicht »wegzutrinken«, sondern dann etwas zu essen, auch wenn es nur etwas Kleines ist. Zudem sollte nur gegessen werden, wenn tatsächlich ein Hungergefühl vorhanden ist. Wenn wir das Hungergefühl vielleicht gar nicht mehr verspüren, da es seit Jahren »abtrainiert« wurde, können wir es wiederentdecken, wenn wir gezielt darauf achten. Letztendlich bedeutet dies eine Prophylaxe vor Erschöpfung, denn so zehren wir nicht von unseren kostbaren Reserven.
Ähnlich wie mit dem Hunger verhält es sich mit dem Thema Durst. Es sollte nur getrunken werden, wenn Durst verspürt wird. Wasser ist wichtig, aber man sollte es nur nach Bedarf trinken. Manche Menschen haben bereits so viel Feuchtigkeit in sich, dass sie nicht viel Flüssigkeit in Form von Getränken brauchen. Wer keinen Durst verspürt und trotzdem ständig trinkt, muss die zusätzliche Feuchtigkeit wieder ausscheiden. Mit der richtigen Ernährung kann die innere Nässe getrocknet werden, dann kommt auch das natürliche Durstgefühl zurück.
Bei übermäßigem Durst kann die Ernährung dahingehend angepasst werden, dass der Körper ausreichend gute Säfte über die Nahrung bekommt. Damit sinkt das Bedürfnis, übermäßig viel Wasser zu trinken. Wer ständig eine Wasserflasche neben sich stehen hat und immer trinkt, kommt eher in Versuchung, das natürliche Hungergefühl zu überhören.
Es gilt jedoch immer:
Nach körperlicher Anstrengung oder nach vielem Sprechen braucht der Körper mehr Wasser.
Wie in allen Bereichen der TCM geht es auch beim Thema Hunger und Sättigungsgefühl um das gesunde Maß: Weder Hungern noch Völlerei. Stattdessen sollte man bei Hungergefühl so lange essen, bis ein angenehmes Sättigungsgefühl eintritt. Es ist besonders gesund, mit dem Essen aufzuhören, bevor man sich völlig satt fühlt.
Häufigkeit der Mahlzeiten
Die Essenszeiten richten sich nach den individuellen Lebensumständen – zum einen hinsichtlich des zeitlichen Tagesablaufs, zum anderen hinsichtlich der körperlichen oder mentalen Leistung. Im Nachfolgenden möchten wir beispielhaft einige Ernährungstypen mit jeweils empfohlenen Ernährungsstilen einführen.
Typ I– neigt zu Übergewicht, ist körperlich und mental wenig gefordert und zeitlich flexibel
Hier genügen ein oder zwei Mahlzeiten am Tag. Die erste Mahlzeit kann am späten Vormittag sein, eventuell wird noch eine zweite leichte Mahlzeit am frühen Nachmittag eingenommen.
Typ II– arbeitet körperlich viel, verlässt früh das Haus
Hier sollte bereits vor dem Verlassen des Hauses gefrühstückt werden, um den Körper mit ausreichend Energie für die körperlichen Anstrengungen zu versorgen. Die zweite Hauptmahlzeit ist mittags, um ebenfalls wieder Energie aufzubauen. Die Abendmahlzeit ist leichter und stärkt das Yin, um Substanz, Blut und Säfte zu nähren, die die Muskeln befeuchten. Gleichzeitig verhilft dies zu einem regenerativen Schlaf.
Typ III– ist dynamisch, leistet mental anspruchsvolle Arbeit
Viele denken, sie müssten nichts essen und seien insgesamt fitter, wenn sie erst abends essen. Mentale Arbeit benötigt allerdings genauso viel Energie wie körperliche Arbeit. Auf lange Sicht zehrt es an der Substanz, wenn tagsüber nicht oder kaum gegessen wird. Wer das Haus früh verlässt, kann das Frühstück vorbereiten, mitnehmen und am Vormittag essen. Es ist notwendig, bereits tagsüber, besonders mittags, zu essen, damit Qi, Blut und Säfte produziert werden können. Wird erst spätabends gegessen, können langfristig die Speicher an Qi, Blut und Säften nicht aufgefüllt werden.
Das gemeinsame Essen abends mit Freunden und Familie
Wunderbar ist es, wenn abends alle zusammenkommen. Für viele ist es die Zeit des Austausches. Wenn die Abendmahlzeit vielfältig ist, kann sich jeder das nehmen, was er braucht. Wer keinen Salat verträgt, nimmt dafür mehr gekochtes Gemüse, wer viel Nährendes braucht, nimmt sich mehr davon. Das bedeutet nicht, dass für jeden separat gekocht werden muss. Gemeinsame Mahlzeiten bedeuten für uns gemeinsames Essen, lediglich die Mengen variieren. Oder die Gerichte werden durch kleine Ergänzungen individuell angepasst: Der eine braucht einen zusätzlichen Löffel Joghurt, der andere eine Prise Chili.
Quelle: Handbuch TCM-Ernährung




