
Medikamente zur Gewichtsreduktion halten zunehmend Einzug in die Herzmedizin. Die sogenannten GLP 1 Rezeptoragonisten, umgangssprachlich auch „Abnehmspritzen“ genannt, zeigen laut aktuellen Erkenntnissen nicht nur Effekte auf das Körpergewicht, sondern können auch das Risiko für Herz Kreislauf-Erkrankungen senken.
Gewichtsabnahme mit Zusatznutzen
Ursprünglich wurden GLP 1 Arzneien zur Behandlung von Diabetes entwickelt, da sie den Blutzuckerspiegel senken. Inzwischen kommen sie gezielt bei Übergewicht zum Einsatz. Studien belegen, dass sich das Körpergewicht innerhalb eines Jahres um etwa zehn bis 20 Prozent reduzieren lässt. „Wenn man bedenkt, dass hierzulande so viele Menschen übergewichtig sind, dann sind die GLP 1-Rezeptoragonisten schon eine kleine medizinische Revolution mit Zukunft“, betont Kardiologe Prof. Dr. Heribert Schunkert.
Mit dem Gewichtsverlust gehen Verbesserungen wichtiger Risikofaktoren einher: Blutzucker, Blutfettwerte und Blutdruck können sinken – alles Faktoren, die eng mit Herz Kreislauf-Erkrankungen verknüpft sind.
Schutz vor schweren Herzereignissen
Darüber hinaus weisen Studien darauf hin, dass GLP 1 Rezeptoragonisten direkt vor schweren kardiovaskulären Ereignissen schützen können. Dazu gehören Herzinfarkt, Schlaganfall und vorzeitiger Tod.
„Das macht GLP 1-Medikamente so bedeutsam für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Entwicklung eröffnet neue Chancen, Herzpatienten vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall oder vor einer metabolischen Herzschwäche zu schützen“, erklärt Dr. Nils Krüger. Als mögliche Ursachen werden neben der Gewichtsreduktion auch direkte Effekte der Medikamente diskutiert, etwa eine Verringerung von Entzündungsprozessen oder Wirkungen an den Gefäßen.
Wirkprinzip der „Abnehmspritzen“
GLP 1 ist ein körpereigenes Hormon, das die Insulinfreisetzung steigert und den Blutzucker senkt. Die Medikamente ahmen diese Wirkung nach. Gleichzeitig verzögern sie die Magenentleerung und beeinflussen das Sättigungsgefühl im Gehirn, sodass der Appetit abnimmt.
Bekannte Wirkstoffe sind unter anderem Semaglutid und Tirzepatid, die meist per Injektion verabreicht werden.
Langfristige Therapie mit ärztlicher Begleitung
Die Behandlung mit GLP 1 Medikamenten ist meist langfristig angelegt. In der Praxis zeigt sich, dass nach dem Absetzen häufig wieder Gewicht zugenommen wird. „Vor diesem Hintergrund wird die Behandlung häufig als langfristige Therapieoption betrachtet“, so Dr. Krüger.
Wichtig ist dabei eine kontinuierliche ärztliche Betreuung. Ergänzend zur medikamentösen Therapie empfehlen Experten regelmäßige Bewegung und Krafttraining.
Nebenwirkungen im Blick behalten
Wie alle Arzneimittel können auch GLP 1 Rezeptoragonisten Nebenwirkungen verursachen. Häufig treten zu Beginn der Behandlung Übelkeit, Erbrechen oder Verdauungsprobleme auf. Seltener sind Nebenwirkungen an Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase. Zudem kann im Zuge der Gewichtsabnahme auch Muskelmasse verloren gehen. „Ebenso entscheidend ist eine gute ärztliche Begleitung bei einer medikamentös unterstützten Gewichtsabnahme“, betonen die Münchener Herzspezialisten Prof. Schunkert und Dr. Krüger.
Fazit
GLP 1 Medikamente entwickeln sich zu einem wichtigen Baustein in der Prävention und Behandlung von Herz Kreislauf-Erkrankungen. Neben der effektiven Gewichtsreduktion könnten sie künftig eine zentrale Rolle in einer ganzheitlichen herzmedizinischen Therapie spielen.
Quelle: Deutsche Herzstiftung e. V.
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