
Geburtshypnose ist so ein New-Age-Räucherstäbchen-Kram
Hypnose ist eine anerkannte und wissenschaftlich in ihrer Wirksamkeit hervorragend belegte Methode. Räucherstäbchen anzünden dürfen Sie natürlich trotzdem, denn – Hypnose oder nicht – niemand sollte Ihnen eine bestimmte Weltanschauung aufzwingen und Sie müssen sich sicher nicht umkrempeln und ab jetzt in der Fußgängerzone sitzen und in ihrem selbstgebatikten Gewand »Hare Krishna« singen.
Geburtshypnose verspricht eine schmerzfreie Geburt
Wer Ihnen eine schmerzfreie Geburt verspicht, Ihnen also sagt, wenn Sie nur genug dieses und weniger jenes täten, genug übten, genug glaubten, dann, ja dann kämen Sie garantiert in den Genuss einer schmerzfreien Geburt, den sollten Sie meiden wie der Teufel das Weihwasser. (Falls Sie zufällig doch ein waschechter Hippie sind, vertrauen Sie einfach darauf, dass das Karma es schon richten wird.) Im Ernst: Ja, eine schmerzfreie Geburt ist möglich. Und ja, mit viel Übung und guter Anleitung kann man seine Chancen darauf verbessern, aber niemand auf der Welt kann Ihnen irgendwelche Garantien geben. Es gibt immer noch genug Größen, die außerhalb des menschlichen Einflussbereichs liegen. Über 90 Prozent der Paare können mit den Techniken aus Autogener Geburt eine wunderschöne Geburt haben, die in der Rückschau als positiv und kräftigend, statt zerstörerisch und entmündigend empfunden wird. Und einige dieser Geburten sind sogar völlig schmerzfrei.
Bei einer echten Hypnosegeburt darf man nicht pressen
Sie sollen immer das tun, was Ihr Körper Ihnen sagt. Das Wort »Pressen« ist allerdings in der Hebammensprache für normale Geburtsverläufe veraltet, man spricht von »Mitschieben«. Beim Mitschieben oder Hinunteratmen wird mit den Kräften entlang der eigenen Körpersignale und denen des Babys gearbeitet. Die Richtung wird unterstützt. Das früher teils übliche »Pressen auf Kommando « ist für eine Geburt ohne krankhaften Verlauf längst überholt. Heute weiß man, dass die Gebärende mit ihrem Körpergefühl das Kind viel stressfreier, energiesparender und vor allem verletzungsärmer zur Welt bringen kann. Die Selbsthypnose und Visualisierungstechniken helfen Ihnen dabei, dieses Mitschieben noch effektiver zu machen, sodass es sich für machen Frauen kaum wie eine Anstrengung anfühlt. Wie bei der schmerzfreien Geburt gilt das nicht für jede Frau: Häufig habe ich davon gehört, dass sehr bewusstes und kraftvolles Mitschieben als wahre Erleichterung empfunden wurde, eine Mutter schrieb mir in einem Brief von einer »kathartischen« Erfahrung, einem Gefühl der inneren Reinigung und absoluten Selbstermächtigung, nachdem ihre vorherige Geburt damals in einem Kaiserschnitt geendet hatte. Das Mitschieben ist also niemals durch Geburtserfahrungen Außenstehender und nach vermeintlich objektiven Kriterien zu bewerten.
Bei einer echten Hypnosegeburt darf man nicht schreien
Genauso wie beim Mitschieben, Pressen oder Herunteratmen ist auch das Repertoire an Lauten unter der Geburt unglaublich vielfältig. Stumm bleiben, singen, summen, schreien, seufzen, tönen – das alles können Geräusche einer normalen Geburt sein. Wichtig ist, dass nicht jedes Geburtsgeschehen inklusive schreiender Frau abläuft. Bei entspannten Geburten sind ruhige, melodische Laute wie beim Singen, Summen und Tönen viel häufiger anzutreffen als spitze Schreie. Und: Laute können wunderbar als Fokuspunkt dienen, helfen beim Lockerbleiben und garantieren eine gute Sauerstoffversorgung von Mama und Baby. Seien Sie locker, öffnen Sie sich, haben Sie keine Hemmungen, sich gehen zu lassen. Also keine Angst, Sie müssen nicht wie bei den Scientologen stumm durch Ihre Geburt gehen!
Das war eine schöne Geburt!
Von außen betrachtet ist schwer zu sagen, ob eine Geburt »schön« war. Es gibt Frauen, die brüllen, dass die Wände wackeln – nach der Geburt gefragt, beschreiben sie eine kraftvolle und befreiende Erfahrung. Andere sagen keinen Piep, empfinden die Geburt aber als Schreckenserlebnis. Sie sehen also: So unterschiedlich wie die Frauen sind, so unterschiedlich sind auch die Geburten. Und vor allem die Ansprüche an das, was eine schöne Geburt ausmacht. Das Unterfangen »guten Sex« zu definieren wäre ähnlich aussichtslos. Trotz aller Unterschiede, persönlicher Vorlieben und Geschichten – eines haben alle schönen Geburten gemein: Die Frau hat das Gefühl, dass sie selbstbestimmt agieren konnte, liebevoll betreut und begleitet wurde und dass alle Entscheidungen über das Geburtsgeschehen ihre eigenen waren: Autogen gebären heißt vor allem, selbstbestimmt und selbstbewusst zu gebären.
Was ist also eine schöne Geburt?
- Eine Geburt ist schön, wenn sie richtig für Mama und Baby am jeweiligen TAG der Geburt ist.
- Eine schöne Geburt ist eine, auf die das Paar zurückblickt und weiß, dass alle Entscheidungen die eigenen waren – sogar, wenn vielleicht aufgrund spezieller Entwicklungen ins Geburtsgeschehen eingegriffen wurde.
- Selbstbestimmung und Selbstermächtigung ermöglichen ein positives Geburtserleben.
- Eine schöne Geburt wird als positive Erfahrung wahrgenommen – egal welchen Verlauf die Geburt nimmt.
- Eine schöne Geburt ist eine gute Erinnerung für ein ganzes Leben, keine Horrorerinnerung, über die nur das Baby einigermaßen hinwegtrösten kann.
Quelle: Autogene Geburt
kcl




