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Ätherische Öle, Hydrolate und natürliche fette Pflanzenöle bilden das Grundgerüst einer komplementärmedizinischen Methode – der Aromatherapie und Aromapflege. Seit mehr als 3000 Jahren kennen wir Berichte aus antiken Hochkulturen aller Erdteile über die Effizienz dieser pflanzlichen Wirkstoffe. Und seit mehr als 35 Jahren gibt es viele Studien aus der Grundlagenforschung und aus dem klinischen Bereich, die einerseits Aufnahme in seriöse Datenbanken wie PubMed gefunden haben und andererseits in die evidenzbasierte Fachliteratur wie „Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis“ [1].
Wie ich zur Aromatherapie kam
Geschätzte Leser*innen, ich möchte Sie gerne mitnehmen auf meine persönliche Reise in die Welt der ätherischen Öle von den Anfängen bis in die Zukunft. Ich habe seit meiner Jugend eine Vorliebe für komplementärmedizinische Methoden im Allgemeinen und für die Pflanzenheilkunde im Speziellen. Darum habe ich im Vorklinikum des Medizinstudiums in Wien freiwillig das Zusatz-Rigorosum in Biologie erworben und als junger Arzt die Diplom-Fortbildung der österreichischen Ärztekammer zum Umweltschutzarzt absolviert.
Nach meiner Facharztausbildung in Lungenheilkunde wollte ich eine Methode der Komplementärmedizin erlernen. Ich informierte mich über viele seriöse Methoden, wobei mein Anspruch war, dass ich die von mir gewählten Methoden zu 100 % (und gefühlt mehr) „beherrschen“ wollte. Das bedeutete, ich brauchte einen Zugang zu sehr guter Ausbildung, und die Methode musste ich lieben, weil sie Teil meines Lebens werden würde. Letztendlich standen 2 Methoden zur Auswahl: die Traditionelle Chinesische Medizin und die Aromatherapie. Die TCM hatte ich während eines 7-tägigen Aufenthalts in Beijing kennengelernt, dabei aber den Eindruck gewonnen, dass ich zumindest 1 Jahr in China verbringen müsste, um TCM auf dem Niveau praktizieren zu können, wie das meinen Vorstellungen entsprach. Das war familiär und beruflich nicht möglich.
Somit fiel die glückliche Wahl 1997 auf die Aromatherapie. Ich erhielt schon damals wertvolle Unterstützung durch die Stationsschwester Doris Steiner, DGKS Susanne Melnick, Mag. Christine Müller (Apothekenleiterin) und das Aromapflege-Team im Otto-Wagner-Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe in Wien, die heutige Klinik Penzing.
Doch wie kann man als gefühlter Quereinsteiger eine solch umfassende und ganzheitliche komplementärmedizinische Methode erlernen? Ich las die empfohlene Fachliteratur, befasste mich in Datenbanken wie PubMed mit seriösen Studien und hatte sehr gute Aroma-Expert*innen als Lehrmeister. Dazu zählten u. a. Ingeborg Stadelmann, Eliane Zimmermann, Gerhard Buchbauer und Evelyn Deutsch.
Ein Meilenstein in meiner persönlichen Aromawelt und laut Ansicht zahlreicher Aroma-Expert*innen aus dem deutschsprachigen Raum stellte im Juni 2006 die Gründung der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA) dar. Für den Begriff „wissenschaftlich“ ist Prof. Dr. Gerhard Buchbauer verantwortlich, weil das eine Grundbedingung für seine Teilnahme im Vorstand der ÖGwA war. Er rannte bei mir damit offene Türen ein.
Ursprünglich komme ich aus dem schulmedizinischen Bereich eines pulmologisch-internistischen Schwerpunktkrankenhauses mit Fokus auf Infektionen inklusive HIV/AIDS, Tuberkulose, Onkologie, Asthma bronchiale, COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease; chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und interstitiellen Lungenerkrankungen inklusive Autoimmunerkrankungen. Ich durfte auch auf der Intensivstation arbeiten. In diesem Rahmen bildete die konventionelle Medizin verständlicherweise den beruflichen Schwerpunkt.
Die Schulmedizin prägte mich in der Hinsicht sehr, als es mir von Anfang an ein großes Anliegen war, medizinische Evidenz in die Aromatherapie hineinzutragen. Bis vor rund 35 Jahren fußte die Aromatherapie auf ihren traditionellen Wurzeln. Erst in den 1990er-Jahren fanden ansprechende Studien aus der Grundlagenforschung und vereinzelt aus dem klinischen Bereich Eingang in renommierte Datenbanken. Mittlerweile nehmen Quantität und Qualität dieser Studien zu [1]. Für mich als Mediziner geht die Anwendung ätherischer Öle, Hydrolate und natürlicher fetter Pflanzenöle über Pflege, Vorbeugung und Wohlfühlen hinaus, nämlich in den Bereich der Behandlung. Aus diesem Grund habe ich versucht, den Begriff „Medizinische Aromatherapie“ zu definieren und populär zu machen – mithilfe von ÖGwA, Forum Essenzia, Vorträgen, redaktionellen Beiträgen, Publikationen und mit ausgewählten Aroma-Expert*innen in einem Fachbuch [1].
Was bedeutet „Medizinische Aromatherapie“?
Die Medizinische Aromatherapie verwendet natürliche ätherische Öle, Hydrolate sowie fette Pflanzenöle und Mazerate, entweder als magistrale Zubereitung oder als Fertigprodukt in hoher Qualität bezüglich Produkte, Zubereitung und Anwendung, für die Behandlung von indizierten Krankheiten und Symptomen.
Nach fachkundiger Abwägung von klinischer Indikation und Patientencharakteristika kann die Entscheidung für eine alleinige Behandlung mit Medizinischer Aromatherapie getroffen werden. Das betrifft auch die Bereiche Prävention und Rehabilitation. In vielen Fällen ist die Medizinische Aromatherapie ein effizienter Baustein im Puzzle der Integrativen Medizin, die das Beste aus konventioneller und komplementärer Medizin in ganzheitlichem und salutogenetischem Sinne vereint.
Reproduzierbarkeit der Wirksamkeit von ätherischen Ölen
Aus medizinischer Sicht müssen die Ergebnisse von therapeutischen Interventionen voraussagbar und erwartbar sein. Dabei spielt die Reproduzierbarkeit eine wichtige Rolle. Im Leitfaden Phytotherapie [2] wird als Grundvoraussetzung für die Reproduzierbarkeit der Wirksamkeit des betreffenden pflanzlichen Arzneimittels die Standardisierung der jeweiligen Arzneipflanzenzubereitung genannt. Darunter versteht man den genau einzuhaltenden Herstellungsvorgang, z.B. Wasserdampfdestillation, von der Qualität der Pflanze oder des Pflanzenteils bis zum endgültig verabreichten Extrakt oder Destillat von Charge zu Charge, z.B. bei ätherischen Ölen [2]:
„Wenn dabei ein konstanter Mindestgehalt oder besser Bereich für wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe und ein Höchstgehalt an unerwünschten Begleitstoffen garantiert werden können, dann ist die Standardisierung optimal und garantiert aus phytochemischer Sicht eine reproduzierbare Wirksamkeit.“
Risiken der Medizinischen Aromatherapie
Folgende Risiken sind in der Planung und Anwendung der Medizinischen Aromatherapie zu berücksichtigen [2]:
- ungenügende Qualität
- nicht rationale Verwendung
- Unterdosierung
- falsche Applikation bzw. Applikationsdauer
- fehlerhafte Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses
- Überschätzung der Wirksamkeit bei Unterschätzung des Schweregrades der Krankheit
- Unkenntnis von unerwünschten Nebenwirkungen
- Unkenntnis von möglichen Interaktionen
- Verkennung von seltenen (0,5–2,0 %), aber möglichen allergischen Reaktionen (Typ I Soforttyp, Typ IV Spättyp)
- Verkennung möglicher phototoxischer Reaktionen
Nach welchen Prinzipien handelt die Medizinische Aromatherapie?
Zum Thema Prinzipien der Medizinischen Aromatherapie habe ich 2016 im Rahmen des Lehrgangs „Medizinische Aromatherapie für Ärztinnen und Ärzte“ [3] meine 11 Kriterien der Medizinischen Aromatherapie vorgestellt:
11 Kriterien der Medizinischen Aromatherapie [3]
- Erstellung und Kontrolle der Arbeitshypothese mit rascher und richtiger Diagnosefindung
- Abwägung der Therapieoptionen der konventionellen Medizin mit Ausschöpfung deren Vorteile unter Berücksichtigung von ökonomischen und ökologischen Aspekten und bevorzugten Behandlungen durch die Patienten (Compliance, Therapieadhärenz)
- Auswahl der ätherischen Öle, fetten Pflanzenöle und Hydrolate (Zertifikate, Prüfprotokolle, Expertenwissen) nach hohen Qualitätsstandards (Gewinnung, Inhaltsstoffe, Lagerung, Vertrieb)
- Berücksichtigung von ökologischem Anbau und fairem Handel
- fachkundige Anwendung der Medizinischen Aromatherapie unter Einbeziehung von seriösen wissenschaftlichen und traditionellen Erkenntnissen, persönlicher Erfahrung und Rückmeldung von Patient*innen und anderen Behandler*innen (individualisierte ganzheitliche Anwendungsmethode)
- sorgfältige Dokumentation, Verlaufskontrollen und Evaluation
- Befolgung hoher Hygienestandards
- Beachtung von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung, Klinik und Toxikologie
- Einrichtung eines Melderegisters für unerwünschte Nebenwirkungen
- regelmäßige Fortbildung durch den Besuch von Veranstaltungen und durch Wissensvermittlung aus diversen Medien mit hohem wissenschaftlichen und klinischen Niveau
- Vernetzung auf nationaler und internationaler Expertenebene mit Erstellung von Richtlinien und Empfehlungen zur Verbesserung der Behandlungsqualität und Anwendungssicherheit ohne Einbuße an Individualität und Ganzheitlichkeit
Hinsichtlich der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Nachweis der Wirksamkeit und Verträglichkeit der traditionellen Anwendungen mit ätherischen Ölen in den vergangenen Jahrhunderten und neuer Indikationen für die Zukunft gibt es ein großes, vorwiegend finanzielles Problem: Es fehlen die Ressourcen für große doppelblinde placebokontrollierte Studien.
Zu meiner anfänglichen Überraschung lassen sich aber qualitativ hochwertige Studien aus der Grundlagenforschung finden. Das bedeutet, dass in vitro bzw. im Tierversuch viele Wirkmechanismen von ätherischen Ölen sowie deren Inhaltsstoffen geklärt werden konnten [4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14][15][16]. Darauf können Expert*innen gut aufbauen, weil ätherische Öle in der Behandlung zielgerichtet, erwartbar und vorhersagbar eingesetzt werden können.
Die moderne Medizinische Aromatherapie könnte auf einen wahren Schatz an Erfahrungen zugreifen. Dieser Schatz wird allerdings viel zu selten in klinische Studien mit gutem Design gegossen und publiziert. Ein Lösungsvorschlag, den ich sehr gerne propagieren möchte, wäre die Gründung eines Netzwerks von Ärzt*innen mit Expertise in Medizinischer Aromatherapie, die als „Einzelkämpfer“ eigene Erfahrungsberichte sammeln. Die Erfahrungsberichte, die in eine multizentrische klinische Studie einfließen, müssten im Design (also Methodik, Prüfsubstanzen, Patientenauswahl und Zielparameter) abgestimmt werden. Das fände ich eine umsetzbare, sehr spannende und zukunftsweisende Aufgabe.
Gibt es aktuelle Studien über die Anwendung von ätherischen Ölen oder ihrer Inhaltsstoffe mit Bezug zur Pulmologie?
Die von mir zitierten und kurz beschriebenen wissenschaftlichen Untersuchungen stellen eine persönliche Auswahl aus den Jahren 2022–2025 dar. Li et al. befassten sich in ihrem Review mit den Wirkungen von ätherischen Ölen und deren Inhaltsstoffen auf Atemwegs- und Lungenerkrankungen [4]. Diese Übersichtsarbeit stellt die traditionelle Anwendung und die modernen pharmakologischen Mechanismen der ätherischen Öle in den Mittelpunkt. Studien aus den Bereichen Grundlagenforschung und klinische Studien wurden aus Datenbanken gesammelt wie ScienceDirect, Web of Science, PubMed, Google Scholar, Baidu Scholar und China National Knowledge Infrastructure (CNKI). Die Daten zeigen präventive und therapeutische Effekte von ätherischen Ölen auf respiratorische Erkrankungen, z. B. Asthma bronchiale, COPD, Infektionen und Fibrosen. Die molekularen Mechanismen bestätigen entzündungshemmende, antioxidative, mukolytische und immunmodulierende Wirkungen.
Das ätherische Öl aus der Rinde von Cinnamomum cassia Presle kann die Konzentrationsverhältnisse von verschiedenen Makrophagen im Serum regulieren und eine akute lipopolysaccharidinduzierte Lungenschädigung verringern, wie Fugang Liu et al. in einem Mausmodell zeigen konnten [5]. Die Hauptinhaltsstoffe des verwendeten ätherischen Öles waren laut Gaschromatografie und Massenspektrometrie trans-Cinnamaldehyd, o-Methoxycinnamaldehyd, (+)-α-Muurolen, δ-Cadinen und Copaene. Die Behandlung der Mäuse mit diesem ätherischen Öl führte in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit (BALF) zu einer signifikanten Reduktion der totalen Proteinkonzentration und der BALF-Spiegel von TNF-α, IL-6 und IL-1β. Ebenso verringerten sich die Leukozyten im peripheren Blutbild und die histologisch erkennbare Lungenschädigung. Im peripheren Blut verbesserten sich der IL-10-Spiegel und der lymphozyte Anteil der gesamten weißen Blutkörperchen. Das Verhältnis von M1-Phänotyp- zu M2-Phänotyp-Makrophagen veränderte sich in der BALF zugunsten von M2. Im Lungengewebe nahm die Zahl apoptotischer Zellen deutlich ab. Zusätzlich hemmte das ätherische Öl den TLR4/MyD88/NF-kB-Pfad, was ebenso vor einer Schädigung des Lungengewebes schützt. Der transmembrane Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4) ist ein Schlüsselenzym für die angeborene Immunantwort, die Moleküle wie bakterielles Lipopolysaccharid erkennt und proinflammatorisch wirkt.
Aus den Blättern der Chinesischen Winterblüte (Chimonanthus nitens Oliv., Gewürzstrauchgewächs) wird ein stark antiinflammatorisches und antioxidatives ätherisches Öl gewonnen. Teng et al. untersuchten die lungenprotektiven Eigenschaften dieses ätherischen Öles an LPS-stimulierten Ratten [6]. Dieser Effekt entsteht durch eine gleichzeitige Verbesserung histopathologischer Veränderungen in Lunge und Darm durch Hemmung des TLR4/MyD88/NF-κB-Pfades [5]. Zusätzlich fand das Forscherteam eine Verminderung der ROS-Produktion (reaktive Sauerstoffspezies), Apoptosis, des Ca2+-Transports und des Potenzialverlusts der mitochondrialen Membran in vivo. Der intestinale Schutz konnte in vitro durch IEC-6-Zellen (Zelllinie aus undifferenzierten Epithelzellen des Dünndarms von Ratten) bestätigt werden. Die positive Beeinflussung des intestinalen Mikrobioms ist mit der lungenprotektiven Wirkung verknüpft. Das pulmonale Mikrobiom wurde dabei nicht signifikant verändert.
Das ätherische Öl der Zitronenmyrte Leptospermum petersonii F. M. Bailey entfaltet antioxidative, antibakterielle und Antibiofilmaktivitäten. Lim et al. untersuchten die Zusammensetzung und die Eigenschaften von Backhousia citriodora F. Muell. [7]. Die Hauptinhaltsstoffe sind die Isomeren von Citral, Geranial und Neral. Ausgeprägte Effekte waren in Konzentrationen von IC50 42,57 µg/ml (halbmaximale inhibitorische Konzentration) und EC50 20,03 µg/ml (halbmaximale effektive Konzentration). Das ätherische Öl der Zitronenmyrte wirkt stärker gegen grampositive Bakterien als gegen gramnegative. Ein bakterieller Biofilm kann gehemmt (85,10–96,44 %) bzw. eradiziert (70,92–90,73 %) werden. Die Biofilmaktivität von Streptomycin liegt signifikant darunter.
In ihren In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen (Fadenwürmer) konnten de Melo und Kolleg*innen die synergistische Wirkung des Antibiotikums Amikacin und des ätherischen Öles des Brasilianischen Weihrauchs (Protium heptaphyllum) bezüglich polymyxinresistenter Klebsiella pneumoniae (10 Isolate) nachweisen [6]. Die Hauptinhaltsstoffe dieses Weihrauchs sind α-Pinen, δ-3-Caren und β-Pinen. Um denselben Effekt auf diesen resistenten Klebsiellen-Stamm zu erzielen wie Amikacin-Solo, konnte im Beisein des ätherischen Öles die Antibiotika-Dosis um den Faktor 2–16 reduziert werden. Es zeigte sich in der Kombination auch ein signifikant längeres Überleben der Fadenwürmer, die oft als Modellorganismus in der biologischen Forschung genutzt werden.
Li et al. untersuchten an einer Zellkultur (Huh7.5) die Wirkung des ätherischen Öles von Myrtus communis L. auf die Coronaviren HCoV-229E und HCoV-OC43 im Vergleich zu den konventionellen antiviralen Substanzen Remdesivir und Nirmatrelvir, die bei Covid-19-Infektionen zum Einsatz kommen [7]. Obwohl das Myrte-Öl eine signifikante antivirale Aktivität mit niedriger Zytotoxizität gegen die bereits genannten Coronaviren demonstrierte, fand sich kein Effekt auf SARS-CoV-2, den Auslöser der Covid-19-Infektion. Gegen zahlreiche andere Coronaviren könnte dieses ätherische Öl jedoch von Nutzen sein.
Traditionell ist die Verwendung des ätherischen Öls von Chinesischem Beifuß (Artemisia vulgaris L. oder Moxakraut) bei Asthma bronchiale seit vielen Jahrhunderten bekannt. Rong et al. entdeckten, dass die antiasthmatische Aktivität dieses ätherischen Öles durch die Regulierung der biochemischen inflammatorischen 5-LOX-CysLTS (Bezug zum 5-Lipoxygenase-Stoffwechselweg, der Cysteinyl-Leukotriene erzeugt) und IDO-1-KYN-Pfade (Metabolisation der Aminosäure L-Tryptophan zu Kynurenen, IDO-1 als immunsuppressiver Modulator) [10]. Die Reprogrammierung der beiden Stoffwechselprozesse im Lungengewebe führt zu einer Hemmung der asthmatischen Entzündung.
Mittels In-vivo-(Ovalbumin-) und In-vitro-(Lipopolysaccarid-)Modellen untersuchten Feng et al. die antiasthmatische Aktivität des ätherischen Öles von Bergamotte (Citrus bergamia) [11]. In beiden Modellen zeigte sich eine signifikant entzündungshemmende Wirkung mit zusätzlicher Hemmung der Kollagendeposition. Bergamott-Öl unterdrückt die Freisetzung von Entzündungsfaktoren und hemmt die Aktivierung des metabolischen MAPK- (mitogenaktivierte Proteinkinase) und JAK-STAT-Pfades (Signale von außerhalb der Zelle gelangen ins Innere, Steuerung von Wachstum und Abwehr).
Die Mandschurische Tanne (Abies holophylla) aus der Gattung der Tannen zählt zur Familie der Kieferngewächse. Die entzündungshemmenden Eigenschaften ihres ätherischen Öles wirken antiasthmatisch. Park et al. behandelten 7 Wochen lang Mäuse, bei denen mittels Ovalbumin (Hauptalbumin im Eiklar) und PM10 (Mischung aus Luftschadstoffen mit kleinem Durchmesser) Asthma ausgelöst wurde, 3 × pro Woche für 5 Minuten mit einem Aerosol aus dem ätherischen Öl der Tanne [12]. Die Netzwerkanalyse zeigte eine enge Assoziation zwischen dem ätherischen Öl und dem Interleukin-17-Signalpfad. Das ätherische Tannen-Öl hemmt die Hyperplasie des respiratorischen Epithels, die Kollagendeposition sowie die Aktivierung der Becherzellen im Bronchialepithel. In der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit wird die Anzahl der eosinophilen Granulozyten, Lymphozyten und Makrophagen reduziert. Auch IL-17-assoziierte Zytokine werden in diesem Mausmodell vermindert und andere Zytokine und Botenstoffe werden antiasthmatisch beeinflusst.
Wen et al. untersuchten an einem COPD-Ratten-Modell die inhalativen Effekte des ätherischen Öles der Mandarine (Citrus reticulata) im Vergleich zu Ipratropium-Bromid [13]. Die Applikation erfolgte durch Versprühen. In der Aromatherapiegruppe verbesserten sich gegenüber der Placebogruppe und der Ipratropium-Gruppe das Körpergewicht, der mentale Status und die klinische Symptomatik, reduzierten sich die CD8+-Zellzahl und die pathologische Lungenschädigung und erhöhte sich das Verhältnis der Lungenmakrophagen CD11b/c+/CD86+. Auch weitere proinflammatorische Interleukine wurden positiv beeinflusst. Damit konnte das Forscherteam die Wirkmechanismen des ätherischen Mandarinen-Öls hinsichtlich der Hemmung der Atemwegsentzündung bei COPD und der Emphysementwicklung aufdecken.
In die gleiche Kerbe schlägt das Forscherteam um Zhang mit seiner Untersuchung an Mäusen, bei denen durch Tabakkonsum COPD ausgelöst worden war [14]. Sie konnten nachweisen, dass das ätherische Öl von Patchouli über einen Nebulizer die Atemwegsentzündung signifikant hemmt. Das gelingt in erster Linie durch Verringerung von IL-6, IL-1β, TNF-α sowie Senkung der durch Zigarettenrauch erhöhten mRNS (Messenger-Ribonukleinsäure) dieser proinflammatorischen Mediatoren. Die aromatherapeutischen Aktivitäten verbessern die beeinträchtigte Lungenfunktion und reduzieren das Remodeling der Atemwege.
Arafat et al. untersuchten in vitro an NSCLC-Zellen (A549, LNM35; nicht kleinzelliges Bronchuskarzinom) und in vivo (Mausmodell) die Antitumoraktivität des ätherischen Öles von Majoran [15]. Die Überlebensfähigkeit der Tumorzellen (Viabilität) und die Metastasierung wurden durch Majoran-Öl signifikant verringert. Eine antitumoröse Behandlung mit Majoran-Öl über 3 Monate führte zu keinen unerwünschten Nebenwirkungen betreffend Blut, Nieren oder Leber.
In zahlreichen Studien zeigen auch 1,8-Cineol (Monoterpen) und Carvacrol (Monoterpen-Phenol) – Inhaltsstoffe vieler ätherischer Öle – Aktivitäten, die sie für den Einsatz bei Atemwegs- und Lungenerkrankungen prädestinieren [1]. Größere Mengen von 1,8-Cineol sind z. B. in Eukalyptus, Lorbeer, Ravintsara, Speiklavendel, Cajeput, Niaouli, Myrte und Rosmarin, jeweils Chemotyp Cineol, enthalten. Carvacrol findet sich u. a. in Oregano, Thymian, Pfefferminze und Bergamotte.
Traditionelle Berichte über die Anwendung von ätherischen Ölen aus dem östlichen Mittelmeerraum erzählen von deren erfolgreichem Einsatz zur Prävention und Behandlung von viralen und bakteriellen Infektionen der oberen Atemwege. In dieser doppelblinden sowie randomisierten kontrollierten klinischen Studie wurden die ätherischen Öle von Thymian (Coridothymus capitatus), Diptam-Dost (Origanum dictamnus) und Salbei (Salvia fruticosa) von Duijker et al. [17] in einer Menge von 15 ml in 1 Liter Oliven-Öl gemischt [15]. Diese Mischung wurde in 0,5 ml Weichgelkapseln verpackt und an erwachsene Patient*innen mit frischen Symptomen eines Infekts der oberen Atemwege 2 × täglich für 7 Tage verabreicht. Insgesamt schlossen 105 Patient*innen diese Untersuchung laut Protokoll ab (54 Therapie, 51 Placebo). In der Analyse von Patient*innen mit nachweisbarer Virusinfektion sistierten an Tag 6 bei 91 % der Patient*innen aus der Therapiegruppe die Symptome, in der Placebogruppe bei 70 % (p = 0,089). Bei einem Drittel der Patient*innen war der CRP-Wert erhöht. Am Behandlungsende zeigten alle Patient*innen aus der Therapiegruppe ein negatives CRP, während der CRP-Wert bei 15 % der Placebopatient*innen noch erhöht war (p = 0,121). Die Autor*innen weisen der Ätherischölmischung tendenziell einen klinischen Benefit und eine gute Verträglichkeit zu.
In einer universitär begleiteten prospektiven Beobachtungsstudie [18] in mehreren Apotheken in Heraklion, Griechenland, erhielten 151 von insgesamt 493 erwachsenen Patient*innen mit Infektionen der Nasennebenhöhlen 2 × täglich die in Studie [17] beschriebenen Kapseln. Die Patient*innen berichteten laut Fragebogen nach dem Wisconsin Upper Respiratory System Survey, dass ab Tag 3 eine deutliche Besserung ihrer Symptome eintrat. Nach 1 Woche waren 81,7 % der Teilnehmer*innen beschwerdefrei.
Horváth et al. [19] nahmen sich in ihrem Review des Themas Effekte ätherischer Öle bei bakteriellen Infektionen der oberen und tiefen Atemwege an. Nachdem zahlreiche In-vitro-Untersuchungen die antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkmechanismen von ätherischen Ölen aufklärten, befassten sich die Autor*innen mit einer Aufarbeitung von themenbezogenen Studien mit In-vivo-Behandlungen an Tieren und klinischen Studien an Menschen. Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit sind vielversprechend.
Die Arbeitsgruppe um Velepič verglich an Patient*innen mit chronischer Rhinosinusitis die Effektivität von topischen Glukokortikoiden (Mometason Nasenspray) und salinischer Nasenspülung mit einer zusätzlichen Inhalation von ätherischen Ölen über 2 Wochen [20]. Im Glasgow Health Status Inventory zeigte sich in der Aromatherapiegruppe gegenüber der konventionellen Gruppe eine deutliche Verbesserung (p = 0,002 vs. 0,037).
In einer doppelblinden Parallelgruppenstudie erhielten Patient*innen mit akuter Bronchitis 4 × täglich 300 mg Myrtol-Kapseln, die die ätherischen Öle von Myrte, Eukalyptus, Orange und Zitrone enthielten, oder Placebo [21]. Bei den 196 Patient*innen der Myrtol- und den 202 Patient*innen der Placebogruppe wurden an den Tagen 7, 10 und 14 die Symptome beurteilt. Die Hustenattacken verbesserten sich in der Verumgruppe zwischen Behandlungstag 7 und 9 um 62,1 %, in der Placebogruppe um 49,8 % (p < 0,002). Die Einnahme der ätherischen Öle führte gegenüber Placebo zu einer schnelleren Abnahme der Beschwerden und Genesung.
Einige Kliniker sorgen sich bei Inhalationen mit ätherischen Ölen vor einer Lipidpneumonie. Kodama et al. präsentierten einen Fallbericht über eine akute eosinophile Pneumonie [16]. Eine japanische Frau kam mit Atemnot, Husten und Fieber in die Notaufnahme des Krankenhauses. Etwa 2 Wochen vor Beschwerdebeginn hatte die Patientin mit einer Raumbeduftung (Nebulizer) mit ätherischen Ölen begonnen. Klinik, Radiologie und bronchoalveoläre Lavageflüssigkeit bestätigten in der Zusammenschau die Diagnose einer akuten eosinophilen Pneumonie mit wahrscheinlicher Ursache durch ätherische Öle. Eine systemische Kortisontherapie heilte diese Pneumonie vollständig und rasch. Fälle von akuter eosinophiler Pneumonie durch ätherische Öle sind extrem selten und beruhen i. d. R. auf schlechter Qualität oder Anwendungsfehler. Lipidpneumonien durch ätherische Öle sind ebenfalls extrem selten, und wenn, beruhen sie auf toxikologischen Unfällen, also Überdosierungen.
Die Behandlung von Kindern erfordert einen Arzt oder in Deutschland auch Heilpraktiker mit sehr gutem Wissen und Erfahrung mit ätherischen Ölen und ihrer praktischen Anwendung.
Welche Anwendungsarten sind beim Einsatz ätherischer Öle in der Lungenheilkunde von Bedeutung?
Alle ätherischen Öle besitzen einen olfaktorischen und einen biochemischen Wirkmechanismus. Olfaktorisch, also über das Riechen, zielt die Aktivität vom Nervus olfactorius zum Mittel- und Zwischenhirn. Auf diese Weise können rasch Emotionen, Psyche und Schmerzverarbeitung sowie über das vegetative Nervensystem Organsysteme beeinflusst werden. Die biochemischen Wirkungen (z.B. entzündungshemmend, antimikrobiell und hustenlindernd) entfalten sich am Ort der Anwendung, über den Blutweg, aber auch in weiter entfernten Körperbereichen.
Die in der Pulmologie etablierten Anwendungen sind Inhalationen und Einreibungen auf Brust oder Rücken. Für Patient*innen in besonderen Lebensphasen müssen die Dosierung und die Frequenz der Einzelanwendung individuell sorgfältig abgestimmt werden. Inhalationen können unter Aufsicht ab dem 6. Lebensjahr empfohlen werden, unter besonderen Umständen mit Ultraschallverneblungen ab dem 3. Lebensjahr. Sanfte und sparsame Einreibungen mit kinderfreundlichen ätherischen Ölen können ab dem 1. Lebensjahr durchgeführt, bei Säuglingen können passende Hydrolate verwendet werden.
Wie sehen erfolgreiche Beispiele aus der aromatherapeutischen pulmologischen Praxis aus?
Zu den Indikationen für die Medizinische Aromatherapie hinsichtlich Atemwege und Lunge zählen u.a. akute und chronische Sinusitis (obere Atemwege, Domäne HNO), akute und chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, COPD, COPD-Exazerbationen (akute Verschlechterungen), Bronchiektasien, Covid-19 (Virämie- und Entzündungsphase), Post-Covid-Syndrom, Mukoviszidose, Pneumonie (akut, subakut, postinfektiös) und andere Atemwegsinfektionen. Viele dieser Erkrankungen schwächen über Wochen das Immunsystem und erhöhen somit die Infektanfälligkeit. Die Anwendung ätherischer Öle ist auch zur Stärkung und Unterstützung des Immunsystems von Bedeutung.
Im Fachbuchklassiker „Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis“ [1] finden Sie evidenzbasiert (also durch wissenschaftliche Arbeiten aus dem präklinischen und klinischen Bereich belegt) wertvolle Informationen über die Auswahl der ätherischen Öle, Anwendungen, Rezepturvorschläge und mehr zu den genannten Indikationen.
Selbstverständlich dürfen ätherische Öle nicht bei Asthma-Exazerbationen und bei Allergie gegen das Öl bzw. eines seiner Bestandteile angewendet werden. Manche ätherischen Öle haben Kontraindikationen betreffend Schwangerschaft und Epilepsie. Eine relative Kontraindikation besteht bei einer akuten COPD-Exazerbation (kein Neubeginn; also bereits aromatherapeutische Erfahrung auf Seiten Patient*in und Mediziner*in) laut mancher Expert*innen bei gleichzeitiger homöopathischer Behandlung. Besondere Vorsicht gilt bei Patient*innen in speziellen Situationen (s. Infobox „Schlüsselfaktoren bei der Behandlungsplanung“).
Welche Schlüsselfaktoren müssen bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden?
- Alter
- Geschlecht
- Allgemeinzustand, Ernährungszustand
- besondere Lebensphasen (Schwangerschaft, Stillzeit)
- psychischer Zustand (Epilepsie, Psychose, Demenz etc.)
- Schweregrad der aktuellen Erkrankung oder Beeinträchtigung
- Begleiterkrankungen (Stoffwechsel, kardiovaskulär, Tumor etc.)
- Allergien und Unverträglichkeiten
- konventionelle Behandlungen
- komplementärmedizinische oder alternative Behandlungen anderer Art
- Interaktionen mit Medikamenten und anderen Substanzen
- physische und psychische Ressourcen
Ätherische Öle unterstützen meine Behandlungen bei zahlreichen naturheilkundlich affinen Patient*innen (und bei jenen, die ich mit Überzeugungsarbeit dazu mache), und das aus mehreren Gründen: voraussagbare Wirkung, Förderung der Compliance, Anwendungsarten (Inhalation, Einreibung), ganzheitlicher und salutogenetischer Therapieansatz, sehr gute Patientenbindung.
Aktivitäten der von mir favorisierten ätherischen Öle umfassen antivirale, antibakterielle, antimykotische, auswurffördernde, mukolytische, krampflösende, entzündungshemmende, immunmodulatorische, antiallergische, hustenreizstillende und bronchodilatatorische Eigenschaften ([Tab. 1]). Bei der individuellen Auswahl der ätherischen Öle berücksichtige ich patientenbezogene Risiken, Duftvorlieben und Abneigungen sowie die Eigenschaften der ätherischen Öle, und ich versuche, ganzheitliche und salutogenetische Aspekte nicht zu vernachlässigen. Diese beiden Aspekte wohnen fast allen ätherischen Ölen inne, weil die einzelnen Effekte nicht nur auf das Zielorgan wirken, sondern auch Psyche und Emotionen angesprochen werden (s. Infobox „Kriterien“).
Tab. 1 Persönliche Auswahl ätherischer Öle nach evidenzbasierten Eigenschaften
| Schwerpunkt | Ätherische Öle |
|---|---|
| antimikrobiell und immunsystemstärkend |
|
| Entzündung, Husten, Auswurf |
|
Kriterien für die effiziente und sichere Anwendung der Medizinischen Aromatherapie
- hohe Qualität der ätherischen Öle sowie anderer Inhaltsstoffe von Mischungen (Prüfung durch die Anstaltsapotheke, Zertifikate)
- einwandfreie Herstellung, Lagerung und Lieferung der Mischung
- richtige medizinische Diagnose und Indikationsstellung
- Dosierung und Anwendung gemäß Indikation, Good Clinical Practice und Sicherheitsprofil
- optimaler Behandlungsplan
- einwandfreie Durchführung der Aromatherapie bzw. Aromapflege durch fachkundige Anwender*innen
- regelmäßige Aromatherapievisiten
- Dokumentation in der Patientenkartei
- Fallbesprechungen im Kompetenzteam
- Evaluation durch Anwendungsbeobachtungen
- zentrale Meldung von unerwünschten Nebenwirkungen (z.B. durch Toxizitätsformular an die ÖGwA)
Sanfte Einreibung einer Ätherischöl-Mischung bei Atemwegsinfekt mit Husten
Vor der 1. Anwendung muss bei Vorliegen von allergischen Krankheiten oder einer diesbezüglichen positiven Familienanamnese ein Verträglichkeitstest durchgeführt werden. Dabei werden einige Tropfen der fertigen Mischung auf der Innenseite des Unterarms aufgetragen. Nach 10 Minuten, 30 Minuten, 12 Stunden und 24 Stunden wird die Expositionsstelle beobachtet. Es dürfen sich keine Rötung und natürlich auch keine Hautquaddeln bilden. Wenn eine lokale allergische Reaktion eintritt, darf diese Mischung nicht angewendet werden. Die betroffene Hautstelle kann mit antiallergischer Hautsalbe oder -gel (z.B. Fenistil) oder einer cortisonhaltigen Salbe bzw. Creme versorgt werden.
Für eine Einreibung werden ätherische Öle in ein natürliches fettes Trägeröl gemischt. Etwa 5 ml dieser Mischung (ca. 1 Esslöffel) werden auf der Brust und/oder am Rücken sanft einmassiert. Bei Kindern unter 6 Jahren beträgt eine Einzeldosis jedoch nur 2 ml (ca. 1 Kaffeelöffel), und es wird entweder auf der Brust oder am Rücken eingerieben.
Zu therapeutischen Zwecken kann die Anwendung 1–3 × pro Tag erfolgen, zu vorbeugenden Zwecken 1 × pro Tag oder auch nur 2 × pro Woche.
Grundsätzlich ist die Verträglichkeit von ätherischen Ölen sehr gut. Bei unerwünschten Nebenwirkungen wird die Behandlung sofort beendet. Die Mischung sollte mit einer sanften Seifenlösung abgewaschen und eine Hautschutzsalbe sollte aufgetragen werden.
Einreibung bei Atemwegsinfekt für Kinder ab 3.–6. Lebensjahr
3 Tropfen Nadelholz-Öl (Latschenkiefer, Weißtanne, Fichtennadel, Meerkiefer, Douglasie) + 3 Tropfen Thymian Ct. Linalool in 30 ml natürliches fettes Trägeröl (Mandel-, Sesam-, Aprikosenkern-, Jojoba-, Argan-Öl etc.)
Einreibung bei Atemwegsinfekt für Kinder ab 7. Lebensjahr und Erwachsene
5 Tropfen Myrte Ct. 1,8-Cineol + 4 Tropfen Oregano (oder Thymian Ct. Thymol) + 4 Tropfen Zitroneneukalyptus (oder Anis, Benzoe Siam, Atlaszeder) in 30 ml natürliches fettes Pflanzenöl.
Aromatherapeutische Inhalationen bei Atemwegsinfekt
Für eine traditionelle Inhalation werden etwa 2 Liter Wasser zum Kochen gebracht und dann in eine große stabile Schüssel gegossen. Auf einen glatt gestrichenen Esslöffel mit Salz (Kochsalz, Meersalz) werden ätherische Öle getropft. Diese Mischung wird dann vorsichtig in das Wasser gegeben und leicht umgerührt.
Der Kopf wird über das dampfende Wasser gebeugt, dass eine deutliche, aber wohltuende feuchte Wärme verspürt wird. Die Augen sind geschlossen. Über Kopf und Schüssel wird ein großes Handtuch gelegt. Das Handtuch soll für eine Frischluftzufuhr einen Öffnungsspalt freigeben, ohne die feuchte Wärme der Inhalation zu stark abzuschwächen.
Als sehr gute praxistaugliche Inhalationsgeräte kann ich Klardampf-Inhalatoren empfehlen. Ich habe 2 Bronchisoft-Klardampf-Inhalatoren, die ich kostenlos verleihe.
Die Dauer einer Inhalation beträgt 5–15 Minuten. Für therapeutische Zwecke sollte diese Anwendung 2–4 × pro Tag durchgeführt werden, für vorbeugende Zwecke 1 × täglich oder auch nur 2 × pro Woche.
Grundsätzlich ist die Verträglichkeit von ätherischen Ölen sehr gut. Bei unerwünschten Nebenwirkungen beenden Sie die Anwendung jedoch sofort und atmen Sie Frischluft. Kontaktieren Sie einen Arzt, wenn nicht rasch eine deutliche Besserung eintritt.
Inhalation bei Atemwegsinfekt vom 6.–12. Lebensjahr (unter Aufsicht)
- Variante 1: 2 Tropfen eines Nadelholz-Öls (Latschenkiefer, Weißtanne, Fichtennadel, Meerkiefer, Douglasie) + 2 Tropfen Thymian Ct. Linalool
- Variante 2: 2 Tropfen Eucalyptus radiata + 2 Tropfen Oregano
Inhalation bei Atemwegsinfekt ab dem 13. Lebensjahr
Varianten 1–3: schwerer Infekt, 4–6: leichter Infekt:
- Variante 1: 2 Tropfen Myrte Ct. 1,8-Cineol + 2 Tropfen Bergbohnenkraut
- Variante 2: 2 Tropfen Nadelholz-Öl + 2 Tropfen Thymian Ct. Thymol
- Variante 3: 2 Tropfen Eucalyptus globulus + 2 Tropfen Manuka + 1 Tropfen Zitrone
- Variante 4: 2 Tropfen Benzoe Siam + 2 Tropfen Myrte Ct. 1,8-Cineol
- Variante 5: 2 Tropfen Atlaszeder + 2 Tropfen Eucalyptus radiata oder globulus
- Variante 6: 2 Tropfen Anis + 2 Tropfen Zitroneneukalyptus
Die Rezepturvorschläge beziehen sich jeweils auf eine inhalative Anwendung. Sie können aber auch je 10 × so viele Tropfen der ätherischen Öle in ein kleines dunkles 5ml-Fläschchen geben und vorsichtig schütteln. Dann entnehmen Sie für jede Anwendung 4 Tropfen dieser Mischung. Wenn die Indikation Sinusitis lautet, dann erfolgt die Einatmung über die Nase, damit bei der Inhalation die ätherischen Wirkstoffe primär in die Nasennebenhöhlen gelangen.
Bei der Behandlung einer schweren bakteriellen Bronchitis oder einer Pneumonie stellt sich nach erfolgter Antibiotika-Therapie oftmals die Frage, ob das Antibiotikum ausreichend lange und ausreichend hoch dosiert verabreicht wurde. Der Patient oder die Patientin erzählt z.B.: „Der Husten ist viel besser. Der Auswurf noch leicht gelblich, aber nicht so intensiv wie vor einer Woche. In der Nacht kann ich bereits ohne Hustenattacken schlafen, aber tagsüber muss ich schon bei kleinen Anstrengungen husten.“ CRP und evtl. vorhandenes Lungenröntgen weisen auch nicht eindeutig auf einen bestimmten therapeutischen Weg. Jetzt ist guter Rat teuer. Grundsätzlich gibt es 3 Möglichkeiten: „Wait and see“ (evtl. Husten- und Bronchialtee mit 1 TL Honig), eine weitere Antibiose mit demselbem oder anderem Antibiotikum oder (die 3. Option empfehle ich immer öfter) aromatherapeutische Inhalationen im therapeutischen Rahmen für 2 Wochen, dann für 2 Wochen danach und auch prophylaktisch. Die Verlaufskontrolle erfolgt meist nach 4 Wochen, allerdings ersuche ich die Patienten, sich jede Woche bei mir telefonisch zu melden.
Weiterführende Links
Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege: www.oegwa.at
Lehrgang Medizinische Aromatherapie (Wien): www.medizinischearomatherapie.at
Autor
Dr. med. Wolfgang Steflitsch, Jahrgang 1957, ist Wahlarzt für Lungenheilkunde. 1977–1986 Medizinstudium an der Wiener Fakultät, ÖÄK-Diplom zum Umweltschutzarzt, 1996 Facharzt für Lungenheilkunde, 1991–2019 an der 2. Internen Lungenabteilung, Klinik Penzing, Wien, 2006–2015 Präsident, seit 2015 Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA); Kuratoriumsmitglied bei Forum Essenzia. Zusatzausbildungen: Reflexzonentherapie nach Hanne Marquardt, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Koloskopie, ästhetische Medizin (Botox, Hyaluronsäure), Ganzheitsmedizin, Schmerzmanagement, „Doc on Board“ für Notfälle im Flugzeug.
Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.
- Steflitsch W, Buchbauer G, Stadelmann I. Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis. 3., aktualisierte Aufl. Wiggensbach: Stadelmann; 2023
- Schilcher H. Hrsg. Leitfaden Phytotherapie. 5. Aufl. München: Elsevier, Urban & Fischer; 2016: 9
- Steflitsch W. Good clinical, evidence based practice of medical aromatherapy. Lehrgang Medizinische Aromatherapie. Wien: ÖGwA; 2016. Im Internet:. https://oegwa.at/wp-content/uploads/2016/01/Programm_Lehrgang-Medizinische-Aromatherapie-2016.pdf (Stand: 11.12.2025)
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