Vegane ErnährungDGE: Warnung vor veganer Ernährung fällt

Die DGE hat ihre Warnung vor ausschließlich pflanzlicher Kost aufgegeben. Was sich konkret geändert hat.

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Frau kocht Gemüse.
Galina Zhigalova/stock.adobe.com
Kursänderung: Die DGE hat in ihrem neuen Positionspapier ihren Blickwinkel auf vegane Ernährungsformen geändert.

Die gute Botschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat ihre Haltung zur veganen Kost aktualisiert. In dem 26-seitigen Positionspapier, das im Juni 2024 veröffentlicht wurde [1], stuft die Fachgesellschaft eine gut geplante vegane Ernährung für die Allgemeinbevölkerung als gesundheitsförderlich ein. Damit unterscheidet sich die offizielle Stellungnahme deutlich von den Vorgängerversionen aus den Jahren 2016 und 2020, in denen noch vor einer tierproduktefreien Ernährung gewarnt wurde.

Hatte die DGE in früheren Positionspapieren vorrangig die Nährstoffversorgung betrachtet, so berücksichtigte sie nun auch gesundheitsbezogene Parameter sowie das Risiko, ernährungsbedingte Erkrankungen zu entwickeln, stärker. In die Neubewertung wurden darüber hinaus zum ersten Mal auch die Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Bereiche Tierwohl und Soziales mit einbezogen.

Gesund und grün

Pflanzenbetonte Ernährungsweisen werden schon seit Langem als gesund und umweltfreundlich eingestuft. Eine rein vegane Ernährung galt jedoch noch bis vor Kurzem als extreme Außenseiterdiät. Mittlerweile ist die vegane Welle aber nicht mehr aufzuhalten. Am laufenden Band eröffnen vegane Supermärkte, Eissalons und Burger-Läden. Der Markt für vegane Fleisch-, Käse-, Ei- und Milchersatzprodukte boomt. Unzählige Ratgeber und Kochbücher stehen mittlerweile in jeder Buchhandlung.

Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Veganer einordnen, lag einer Umfrage aus dem Jahr 2023 zufolge bei 1,52 Millionen [2].

In westlichen Ländern ist der typische Veganer eher jung, weiblich, gebildet, finanziell gut gestellt, lebt in Städten und pflegt einen insgesamt gesunden Lebensstil [3].

Während Vegetarier keine Nahrungsmittel verzehren, die von getöteten Tieren stammen (Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel etc.), verzichten Veganer auch auf Produkte, die von lebenden Tieren gewonnen werden (Eier, Milch, Honig etc.). Selbst Zusatzstoffe, Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente sollten keine Substanzen tierischen Ursprungs enthalten. Manche Veganer verzichten darüber hinaus auch auf von Tieren stammende Materialien für Kleidung und Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Leder, Wolle, Seide, Daunen, Bienenwachs etc.

Werte und Überzeugungen

Veganismus ist nicht nur eine alternative Ernährungsweise, sondern ein Lebensstil, der i.d.R. auch regelmäßige sportliche Aktivitäten umfasst sowie den Verzicht von Alkohol und Nikotin miteinschließt. Die Beweggründe für eine vegane Lebensweise sind vielfältig.

Der häufigste Grund für eine vegane Ernährung ist ethischer Natur, gefolgt von gesundheitlichen, ökologischen, sozialen und religiösen Motiven [3].

Der Veganismus ist jedoch keine homogene Ernährungsweise, sondern durch zahlreiche Ausprägungen gekennzeichnet. Konsequente Veganer, die auch als strenge, strikte oder traditionelle Veganer bezeichnet werden, verzehren ausschließlich weitgehend naturbelassene pflanzliche Nahrung. Zu dieser Gruppe zählen auch die Roh-Veganer sowie die Fruganer, die ausnahmslos unerhitzte pflanzliche Lebensmittel verzehren [3].

Eine weitere praktizierte Variante ist durchaus vegan, aber nicht vollwertig: So ernähren sich z. B. die sogenannten „Pudding-Veganer“ überwiegend von stark verarbeiteten pflanzlichen Fertigprodukten, wie z. B. Back- und Teigwaren, Süßspeisen, Gemüseaufstrichen und Obstkonserven. Deren Gehalt an bioaktiven Substanzen, wie z. B. Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist jedoch durch die industrielle Verarbeitung stark reduziert. Gleichzeitig machen raffinierter Zucker, modifizierte Stärke, gehärtete Fette, hydrolysierte Proteine sowie zahlreiche synthetische Zusatzstoffe den Großteil der Zutaten dieser Industrienahrung aus [4] [5] [6]. Das gilt leider auch für den Großteil der veganen Fleisch-, Käse-, Ei- und Milchersatzprodukte [7]. Eine solche Lebensmittelauswahl erfüllt nicht den Anspruch einer abwechslungsreichen, nährstoffreichen und gesund erhaltenden, d. h. vollwertigen veganen Ernährung [3].

Datenlage und Bewertungskriterien

Für die DGE-Neubewertung wurden die Ergebnisse bereits vorhandener Übersichtsarbeiten zusammengefasst und ergänzende Literaturrecherchen durchgeführt (Umbrella-Review). Neben der erwachsenen Allgemeinbevölkerung wurden auch vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Jugendliche, Schwangere und Stillende sowie Senioren berücksichtigt. Außer der Hauptdimension Gesundheit gingen erstmalig auch die Zieldimensionen Umwelt, Tierwohl und Soziales in die Analyse ein.

Als Endpunkte in der Dimension Gesundheit dienten:

  1. Angaben zur Nährstoffversorgung (Makro- bzw. Mikronährstoffe) und Energieaufnahme (Kalorienzufuhr),
  2. gesundheitsbezogene Surrogatparameter, wie z. B. Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Laborwerte und Knochendichte, sowie
  3. Risikoabschätzungen, ernährungsbedingte Krankheiten zu entwickeln, wie z. B. Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen, bzw. vorzeitig zu versterben (Gesamtmortalität).

Als Vergleichs- bzw. Expositionsgruppen wurden alle Formen omnivorer Ernährungsweisen, wie z. B. Mischköstler (Allesesser) und Vegetarier, herangezogen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz (Certainty of Evidence, CoE) wurde für alle Assoziationen mittels des GRADE-Ansatzes (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) ermittelt.

Insgesamt erfüllten 31 systematische Reviews (SR) die Ein- und Ausschlusskriterien und wurden in den Umbrella-Review eingeschlossen. Davon enthielten 20 SR eine Metaanalyse (MA), 10 Informationen zur Nährstoffzufuhr bzw. zum Nährstoffstatus, 21 zu gesundheitsbezogenen Parametern und 4 zu ernährungsbedingten Erkrankungen. Die SR basierten überwiegend auf Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien und nur zu einem geringen Teil auf randomisierten kontrollierten Studien. Zur veganen Ernährung bei Kindern und Jugendlichen lag nur ein SR mit MA vor. Für Schwangere und Stillende sowie für Senioren konnten lediglich einzelne Primärstudien identifiziert werden.

Teilweise besser, teilweise schlechter

Eine vegane Ernährung war bei der erwachsenen Allgemeinbevölkerung mit einer niedrigeren absoluten Energie-, Protein- und Gesamtfettzufuhr sowie mit einer höheren absoluten Zufuhr von Kohlenhydraten im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung verbunden.

Personen, die sich vegan ernährten, hatten darüber hinaus eine niedrigere Zufuhr von gesättigten sowie einfach ungesättigten Fettsäuren, aber eine höhere Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (α-Linolensäure), Ballaststoffen, Vitamin E, Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B9 (Folat), Vitamin C, Magnesium, Eisen und Kupfer. Weiterhin war eine vegane Ernährung im Vergleich zu Allesessern mit einer niedrigeren Zufuhr der beiden langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, Vitamin B12 (Cobalamin), Vitamin D sowie Calcium, Jod, Zink und Selen assoziiert.

Keine relevanten Unterschiede hinsichtlich der Versorgung zeigten sich für Vitamin A (β-Carotin und Retinol im Serum oder Plasma), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B3 (Niacin), Natrium und Phosphor.

Kritische Nährstoffe

Neu ist, dass die DGE nun auch dem Spurenelement Jod eine Sonderstellung bei veganer Ernährung zuspricht. Veganer haben im Vergleich zu Allesessern tendenziell eine geringere Jodzufuhr, da Lebensmittel wie Seefisch sowie Milch und Milchprodukte entfallen und pflanzliche Milchalternativen in Deutschland jedoch nur selten mit Jod angereichert sind.

Gute vegane Jodquellen sind neben jodiertem Speisesalz und Meeresalgen speziell mit Jod angereicherte Lebensmittel.

Da Algen schwankende Jodkonzentrationen aufweisen können, sollten nur Algenprodukte mit deklariertem Jodgehalt verzehrt werden. Sofern ein laborchemisch nachgewiesener Jodmangel vorliegt, können, nach ärztlicher Verordnung, auch Jodtabletten eingenommen werden.

Neu ist weiterhin, dass die DGE die Versorgung mit Vitamin A bei veganer Ernährung als kritisch einstuft. Der Begriff Vitamin A beschreibt eine Gruppe von Verbindungen, die Vitamin-A-Wirkung besitzen. Die zentrale Wirkform, Retinol, ist jedoch ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Bei einer veganen Ernährung werden i.d.R. zahlreiche Provitamin-A-Carotinoide zugeführt. Diese Vorstufen können vom Körper in Retinol umgewandelt werden, sofern keine Störung der Fettverdauung vorliegt und die für die Konversion notwendigen Enzyme in ausreichender Menge gebildet werden. Dabei wird jedoch etwa die 12- bis 14-fache Menge benötigt, um die gleiche Menge an Retinol zu erhalten. Die wichtigste Vitamin-A-Vorstufe ist β-Carotin. Sie kommt sowohl in tiefgelben und orangefarbenen Gemüsesorten als auch in grünem Blattgemüse, Brokkoli sowie einigen Obstsorten vor.

Eine gezielte Lebensmittelauswahl ist u. a. wegen der kritischen Nährstoffe Jod und Vitamin A insbesondere bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen erforderlich.

Gesundheitliche Vorteile und Risiken

Die Ergebnisse des Umbrella-Reviews zeigen bei der erwachsenen Allgemeinbevölkerung positive Wirkungen der veganen Ernährung im Hinblick auf die kardiometabolische Gesundheit. Hierzu zählen unter anderem günstigere BMI-, Blutfett- und Nüchtern-Blutzuckerwerte, ein geringerer Taillenumfang sowie ein niedrigeres Risiko für ischämische Herzerkrankungen und das metabolische Syndrom. Keine Unterschiede zeigten sich für den systolischen und diastolischen Blutdruck sowie für die Insulinresistenz. Für die Häufigkeit von Schlaganfällen und Diabetes konnten aufgrund der unzureichenden Datenlage ebenfalls keine eindeutigen Zusammenhänge abgeleitet werden. Zudem zeigte sich ein reduziertes Risiko für Krebserkrankungen (Prostata- und Kolorektal-Karzinome) sowie eine Tendenz zu einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit im Vergleich mit Mischköstlern.

Andererseits gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für eine schlechtere Knochengesundheit sowie ein höheres Frakturrisiko bei veganer Ernährung. Ein möglicher Grund dafür könnte die niedrigere Calciumzufuhr sowie ein tendenziell schlechterer Vitamin-D-Status sein.

Licht und Schatten

Die DGE weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass die Studienlage zu den gesundheitlichen Vor- und Nachteilen zum Teil widersprüchlich ist und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse überwiegend als sehr niedrig bis niedrig eingestuft werden muss. Der geringen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz liegen zahlreiche methodische Aspekte zugrunde. Dazu gehören das Fehlen einer einheitlichen Definition von veganer Ernährung, die Nichtberücksichtigung von Störfaktoren, wie z. B. Geschlecht, Alter, körperliche Aktivität, Alkohol- und Nikotinkonsum, und sozioökonomischer Status der Teilnehmerkollektive. Hinzu kommt der Umstand, dass die Daten zur Ernährungsweise überwiegend auf Selbstauskünften der Studienteilnehmer beruhen. Für die Beurteilung der Relevanz der Ergebnisse muss außerdem berücksichtigt werden, dass die Mehrzahl der Metaanalysen auf Basis von Beobachtungsstudien durchgeführt wurde, die aufgrund ihres Designs nicht geeignet sind, kausale Zusammenhänge aufzuzeigen.

Um die gesundheitlichen Auswirkungen einer veganen Ernährung sicher beurteilen zu können, sind deshalb weitere, gut geplante randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) mit großen Teilnehmerzahlen und ausreichend langen Laufzeiten notwendig.

Vulnerable Bevölkerungsgruppen

Für alle identifizierten Assoziationen zu Nährstoffzufuhr/-status, gesundheitsbezogenen Parametern und Krankheitsrisiken bei den vulnerablen Bevölkerungsgruppen wurde eine niedrige bis sehr niedrige CoE ermittelt. Aufgrund der nach wie vor limitierten Datenlage für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Senioren gibt die DGE derzeit keine generelle Empfehlung zur veganen Ernährung in diesen Lebensphasen ab. Sofern jedoch besonders fundierte Ernährungskenntnisse vorliegen, um sich bedarfsgerecht vegan zu ernähren, spricht nach Auffassung der DGE aber auch nichts dagegen. Diese Bewertung ist deutlich weniger streng als frühere Einschätzungen, in denen die DGE noch von einer veganen Ernährung in „kritischen“ Lebensphasen abgeraten hat.

Vegane Ersatzprodukte

Ein weiterer Absatz des Positionspapiers beschäftigt sich mit der Fehlannahme, dass vegane Fertigprodukte automatisch gesund seien. Dass viele vegane Produktalternativen nicht den Empfehlungen einer vollwertigen Ernährung entsprechen, ist beim Blick auf die Nährwerttabelle oft schnell klar [7]. Leider fehlen aber für die Lebensmittelgruppe der pflanzlichen Alternativprodukte vergleichende Studiendaten, um sie in die vorliegende Neubewertung einschließen zu können. Für den Verzehr von Milch-, Käse- und Fleischalternativen gibt es demzufolge kein pauschales Urteil, hier kommt es auf die jeweiligen Nahrungsmittel an.

Von Umwelt bis Tierwohl

Anhand von Ökobilanzierungen und Modellrechnungen kommt die DGE zu dem Schluss, dass eine vegane verglichen mit einer omnivoren Ernährungsweise umweltfreundlicher ist und das Klima weniger belastet. Die ausgewerteten Daten zu verschiedenen Umweltfaktoren wie Treibhausgasemissionen, Landnutzung und Biodiversitätsverlust zeigen insgesamt deutliche Vorteile einer veganen gegenüber einer omnivoren Ernährung. Da die bisherigen Ansätze zur Bewertung der Auswirkungen von Ernährungsweisen im Zusammenhang mit den Zieldimensionen Tierwohl und Soziales noch nicht genügend etabliert sind, gibt die DGE hier kein abschließendes Urteil ab. Sie geht allerdings davon aus, dass die vegane Ernährung auch hier am besten abschneidet.

Fazit

Laut DGE ist eine gut geplante, vollwertige vegane Ernährung für die gesunde erwachsene Allgemeinbevölkerung mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Auch Personen mit Übergewicht und Fettleibigkeit oder Vorerkrankungen, wie z. B. Typ-2-Diabetes, können davon profitieren. Einzige zwingende Voraussetzung ist die ausreichende Supplementierung von Vitamin B12 mit entsprechenden Nährstoffpräparaten, da pflanzliche Lebensmittel kaum nennenswerte Mengen an bioverfügbarem Vitamin B12 enthalten. Darüber hinaus muss lediglich auf eine bedarfsdeckende Zufuhr potenziell kritischer Nährstoffe geachtet werden. Dazu gehören vor allem Jod, Vitamin A, die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA (z. B. in Form von Algenöl), Calcium (z. B. in Form von Mineral- oder Heilwasser) sowie die Spurenelemente Eisen, Zink und Selen (z. B. in Form von Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Gemüse, Pilzen).

Im Gegensatz zu Vitamin B12 können alle bioaktiven Substanzen durch den Verzehr sorgfältig ausgewählter Lebensmittel und deren schonende Zubereitung gedeckt werden.

Eine vegane Ernährung ist also mehr, als nur auf tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Käse zu verzichten. Sie erfordert gute Kenntnisse im Bereich der Lebensmittel und Nährstoffe sowie ein gewisses Maß an Fertigkeiten und Kreativität bei der Zubereitung von Speisen. Wer sich vegan ernähren möchte, sollte also gern kochen und auch die notwendige Zeit dafür haben. Dennoch stellt die vegane Ernährung keine automatische Gesundheitsgarantie dar. Sie ist vielmehr Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes, das neben regelmäßiger sportlicher Betätigung, Alkohol- und Nikotinverzicht auch ein gutes Stressmanagement sowie ausreichend Schlaf umfasst. Nicht zuletzt ist auch der reduzierte Konsum stark verarbeiteter Fertigprodukte Teil dieser Lebensphilosophie. Die innere Einstellung ist entscheidend.

Die DGE weist ausdrücklich darauf hin, dass weder vegane noch andere Ernährungsformen pauschal bewertet werden können. Relevant für die Bewertung ist also immer die individuelle Umsetzung in der Praxis, und die scheint der Wissenschaft bereits weit voraus zu sein [8].

Mit der Neubewertung der veganen Ernährung nähert sich die DGE an die positiven Stellungnahmen zahlreicher internationaler Fachverbände an. So empfiehlt z. B. die größte Ernährungsorganisation der Welt, die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics (AND), die vegane Ernährung in allen Lebensphasen – und das schon seit 1988 [9] [10].

Kernaussagen

  • In einem neuen Positionspapier stuft die DGE eine gut geplante vegane Ernährung für die Allgemeinbevölkerung als gesundheitsförderlich ein.
  • Betrachteten frühere Stellungnahmen vorrangig die Nährstoffversorgung, stehen nun auch gesundheitsbezogene Parameter und Krankheitsrisiken im Fokus.
  • Zusätzlich kommen Auswirkungen der Ernährung auf Umwelt-, tierethische und soziale Aspekte zur Sprache.
  • Grundlage der neuen DGE-Bewertung ist ein „Umbrella-Review“ aus 31 systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.
  • Die Ergebnisse zeigen bei der erwachsenen Allgemeinbevölkerung positive Wirkungen der veganen Ernährung auf die kardiometabolische Gesundheit, das Krebsrisiko und die Gesamtsterblichkeit sowie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko bezüglich der Knochengesundheit.
  • Allerdings ist die Studienlage zum Teil widersprüchlich und die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse wird überwiegend als sehr niedrig bis niedrig eingestuft.
  • Die DGE betont, dass weder vegane noch andere Ernährungsformen pauschal bewertet werden können und es immer auf die individuelle Umsetzung in der Praxis ankommt.

Dr. Franz-Werner Dippel
hat Biologie studiert und in Medizin promoviert.

Interessenkonflikt: Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

  1. Klug A, Barbaresko J, Alexy U. et al. Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau International 2024; 71: 60-84
  2. de.statista.com/statistik/daten/studie/445155/umfrage/umfrage-in-deutschland-zur-anzahl-der-veganer
  3. Leitzmann C. Veganismus: Grundlagen, Vorteile, Risiken. München: C.H. Beck Verlag; 2018
  4. Monteiro CA, Levy RB, Claro RM. et al. A new classification of foods based on the extent and purpose of their processing. Cad Saúde Pública 2010; 26: 2039-2049 DOI: 10.1590/s0102-311x2010001100005.
  5. Monteiro CA, Cannon G, Levy RB. et al. Ultra-processed foods: what they are and how to identify them. Public Health Nutrition 2019; 22: 936-941
  6. Lane MM, Gamage E, Du S. et al. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: umbrella review of epidemiological meta-analyses. Br Med J 2024; 384: e077310
  7. www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/ernaehrungsformen/vegane-ernaehrung-uebersicht/vegane-fertigprodukte
  8. Rittenau N. Vegan-Klischee ade! 5. Aufl. Mainz: Ventil-Verlag; 2019
  9. Melina V, Craig W, Levin S. Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets. J Acad Nutr Diet 2016; 116: 1970-1980
  10. albertschweitzerfoundation.org/news/vegan-diet-healthy-across-all-stages-of-life-cycle