AutoimmunerkrankungenEinfluss der Ernährung auf den Verlauf von Autoimmunerkrankungen

Ernährung als Schlüssel: Mit der richtigen Ernährung kann der Verlauf von Autoimmunerkrankungen positiv beeinflusst werden.

Inhalt
Lebensmittel, die Bestandteil einer mediterranen Ernährung sind.
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Die mediterrane Ernährungsform vereint viele der empfohlenen Aspekte einer entzündungshemmenden Ernährung.

Patienten mit Autoimmunerkrankungen haben einen hohen Leidensdruck und suchen nach Therapieansätzen. Die Ernährung ist eine Möglichkeit, selbstbestimmt Einfluss zu nehmen. Wenngleich die Studienbasis für viele Fragen noch lückenhaft ist, so lassen sich doch einige Prinzipien für eine Ernährung bei Autoimmunerkrankungen ableiten. Der Beitrag thematisiert übergeordnete Erkenntnisse zur Ernährung sowie die spezifische Wirkung einzelner Nährstoffe am Beispiel der Hashimoto-Thyreoiditis.

Bei Autoimmunerkrankungen treten in Folge des überschießenden Immunsystems chronische Entzündungsreaktionen auf. Es finden sich vielfältige Anzeichen dafür, z. B. Autoantikörper, erhöhte Spiegel entzündungsfördernder Zytokine, autoreaktive Immunzellen und antigenpräsentierende Zellen. Ansätze der Ernährungstherapie fokussieren daher darauf, das Immunsystem über die Ernährung zu stärken und Entzündungen zu reduzieren.

Auf einen Blick

Die Ernährung ist ein Teil des Lebensstils, mit dem man den Verlauf von Autoimmunerkrankungen beeinflussen kann. Eine begleitende Diättherapie sollte zunächst ein vorliegendes Übergewicht adressieren. Weiterhin sollte eine antientzündliche Ernährung unter Sicherstellung der Zufuhr entzündungshemmender Nährstoffe und Antioxidantien eingeführt werden. Hierzu zählen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Aber auch die Elimination von Nährstoffen, zu denen Unverträglichkeiten vorliegen, kann sinnvoll sein. Die mediterrane Ernährungsform vereint viele der empfohlenen Aspekte einer entzündungshemmenden Ernährung. Sie kann als Basis der Ernährungstherapie bei Autoimmunerkrankungen dienen und bei Bedarf durch spezifische Ernährungsempfehlungen flankiert werden.

Antientzündliche Ernährung

Wir kennen entzündungsfördernde und entzündungshemmende sowie antioxidativ wirksame Inhaltsstoffe der Nahrung. Ziel ist es nun also, die Nahrungsmittel so zusammenzustellen, dass die Ausschüttung entzündungshemmender Botenstoffe gefördert und im Gegenzug entzündungsfördernde Botenstoffe gehemmt werden. Chronischer Stress geht mit verstärkter Bildung reaktiver Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen einher. Daher ist eine gute Auswahl von Lebensmitteln, die ein hohes Maß antioxidativ wirksamer Nährstoffe enthalten, wichtig.

Entzündungsfördernde und entzündungshemmende Nährstoffe

Zu den entzündungshemmenden Inhaltsstoffen in der Ernährung zählen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und sekundäre Pflanzenstoffe inklusive der Ballaststoffe.

Das Fettsäuremuster der Ernährung hat einen wichtigen Einfluss auf Entzündungen im menschlichen Organismus. Dabei werden aus den Fettsäuren entzündungsfördernde und -hemmende Metabolite gebildet, wie Eicosanoide oder entzündungsauflösende sog. „specialized pro-resolving mediators“ (SPMs = Resolvine, Protectine und Maresine) [2].

Die aus den Omega-3-Fettsäuren gebildeten Eicosanoide wirken entzündungshemmend und daher bei Autoimmunprozessen abmildernd [1]. Die Biosynthese dieser Eicosanoide setzt eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung voraus, bei gleichzeitig geringer Zufuhr von Omega-6-Fettsäuren, deren Eicosanoide entzündungsfördernd wirken. Pflanzen liefern fast ausschließlich α-Linolensäure, die vom Menschen nur zu einem geringen Anteil in Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), den Grundbausteinen für die Bildung von Eicosanoiden und SPMs, umgewandelt werden. EPA und DHA sollten daher direkt aufgenommen werden. Sie finden sich v. a. in fettreichem Fisch und Fischölen ([ Tab. 1 ]).

Lebensmittel, rohEPA (mg/100 g)DHA (mg/100 g)Summe EPA + DHA (mg/100 g)Menge Lebensmittel (g) zur Erreichung der empfohlenen Zufuhr (2000 mg/Tag) [33], [35]
Hering 796 1242 2038 98
Heilbutt, schwarz 393 502 895 223
Lachs 593 1155 1748 114
Makrele 588 739 1327 151
Sardinen 747 1337 2084 96
Thunfisch 223 593 816 245

Je nach Verunreinigung des Gewässers, dem Alter und der Art der Fische können diese allerdings mit z. B. Quecksilber oder anderen Umweltgiften belastet sein. Daher sollten max. 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche verzehrt werden. Für eine Omega-3-reiche Ernährungsform können auch gereinigte Fischöle als Nährstoffquellen genutzt werden.

Auch die Omega-6-Fettsäuren sind essenziell und müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Die typische westliche Ernährung enthält Linolsäure sowie Arachidonsäure in mehr als ausreichenden Mengen. Die aus der Arachidonsäure gebildeten Eicosanoide wirken entzündungsfördernd. In Phasen, in denen z. B. bei der rheumatischen Arthritis hohe Entzündungswerte auftreten, sollte die Zufuhr an Arachidonsäure auf 50 mg/Tag reduziert werden. [ Tab. 2 ] zeigt den Arachidonsäuregehalt einiger tierischer Lebensmittel und verdeutlicht, dass eine solch niedrige Zufuhr mit Arachidonsäure eine geringe Zufuhr vorwiegend fettarmer tierischer Lebensmittel erfordert.

LebensmittelArachidonsäure (mg/100 g)
Hühnerei 70
Butter 113
Schweineschmalz 1700
Brathuhn 226
Suppenhuhn 850
Kalbfleisch 53
Rindfleisch 32
Schweinefleisch 36
Schweinebauch 130
Thunfisch 44
Lachs 111

Vitamin D hat eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Schwere von Autoimmunerkrankungen. Es beeinflusst die Zytokinproduktion und damit Entzündungen und nimmt darüber hinaus Einfluss auf die Lymphozytenproliferation (T- und B-Zellen). Ersichtlich ist die Beteiligung des Vitamin-D-Hormons an verschiedenen Autoimmunerkrankungen (z. B. Hashimoto, Typ-1-Diabetes oder Multiple Sklerose) durch den auftretenden niedrigen Vitamin-D-Plasma-Spiegel [3], [4]. Besonders Vitamin-D-Mangel-Patienten profitieren von einer Vitamin-D-Supplementation und dem Erreichen eines Blutspiegels von > 75 nmol/l. Sie zeigen z. B. eine Reduktion der Schilddrüsen-Antikörper-Spiegel und damit einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Autoimmunreaktion bei Hashimoto [5].

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt die angemessene Vitamin-D-Zufuhr für einen Erwachsenen mit 20 µg (800 I. E.) pro Tag an. Dabei kann der Vitamin-D-Bedarf über die Nahrung allein i. d. R. nicht sichergestellt werden und macht bei nicht ausreichender Exposition zu Sonnenlicht eine Supplementation erforderlich. Je nach Versorgungssituation sind zur Erreichung des angestrebten Blut-Vitamin-D-Spiegels eine tägliche Supplementation von mindestens 2000 I. E. pro Tag notwendig.

Viele pflanzliche Inhaltsstoffe wirken ebenso immunregulierend oder antioxidativ. Besonders die Polyphenole sind aktuell in der Diskussion. Zu den Polyphenolen zählt man u. a. Phenolsäuren, Flavonoide und Anthocyane. Sie gelten als besonders entzündungshemmend und finden sich z. B. in Olivenöl, Beeren, Äpfeln, aber auch in grünem Tee. Auch Sulfide, Senfölglycoside, Kurkumin, Resveratrol, Capsaicin, Bromelain oder Quercetin weisen antientzündliche Wirkungen auf [6], [7], [8]. Carotinoide sind sicherlich die am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffe. Ihre entzündungshemmende Wirkung ist gut belegt und wurde z. B. bei gesunden Männern nach nur 2-wöchiger täglicher Zufuhr von 330 ml Karotten- oder Tomatensaft nachgewiesen [9]. Der beste Weg zu einer ausreichenden Zufuhr solcher Pflanzenstoffe ist, möglichst bunt zu essen: zu jeder Mahlzeit möglichst viel unterschiedliches Gemüse sowie 1–2 Portionen Obst am Tag [10].

Ballaststoffe sind das Hauptsubstrat der Mikrobiota. Eine ausreichende Zufuhr, z. B. durch Artischocken, Schwarzwurzeln (Inulin), Pilze, Nüsse oder Samen, führt zu einer Ansiedelung günstiger Bakterien im Darm. Bei der Fermentation der Ballaststoffe entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat. Besonders Butyrat wirkt durch die Absenkung des pH-Wertes im Darm sowie die Hemmung der Freisetzung von TNF-α oder Interleukinen positiv auf Entwicklung und Verlauf von Autoimmunerkrankungen [11].

Antioxidativ wirksame Inhaltstoffe in der Ernährung

Freie Radikale sind z. B. bei der Immunabwehr sehr wichtig, können jedoch als oxidativer Stress auch zu Schädigungen der jeweiligen Gewebe führen. Der erhöhte oxidative Stress, wie er bei einem chronischen Entzündungsgeschehen auftritt [10], erfordert einen besonderen Blick auf die Bedarfsdeckung an Antioxidantien. Dazu zählen die Vitamine A, C, E und Carotinoide sowie eine ausreichende Zufuhr an Mikronährstoffen für die enzymatischen Abwehrsysteme. Die Spurenelemente Selen, Zink, Eisen und Kupfer sind Kofaktoren wichtiger im Radikalstoffwechsel aktiver Enzyme wie Glutathion-Peroxidase, Superoxid-Dismutase oder Katalase [12], [13]. [ Tab. 3 ] zeigt, welche Lebensmittel gute Nährstofflieferanten für die erwähnten Antioxidantien sind. Auch hier gilt: Die Ernährung sollte reich an Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Antioxidantien sein.

SpurenelementLebensmittel
Selen Paranüsse, Brokkoli, Weißkohl, Zwiebelgewächse, Pilze, Hülsenfrüchte (z. B. Linsen), Eier und Fleisch
Zink Sesam, Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Eier, Cashew- und Pekannüsse
Eisen Leber, Zartbitterschokolade, Sesamsamen, Haferflocken, Nüsse, gegartes Rindfleisch, Feldsalat
Kupfer Leber, Schalentiere, Nüsse, Kakao, Kaffee, Tee, Hülsenfrüchte
Vitamin A Leber, Leberwurst, Fischöl, Butter, fettreicher Käse, Eier
Vitamin C Sanddorn, Johannisbeeren, Papaya, Paprika, Zitrusfrüchte, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl
Vitamin E Pflanzenöle, Nüsse
Betacarotin Süßkartoffeln, Grünkohl, Kürbis, Karotten, Spinat, Mangold

Eliminationsdiäten bei Autoimmunerkrankungen

Auch das Vermeiden von Lebensmitteln kann bei Autoimmunkrankheiten bedeutsam sein. Gute Erfahrungen wurden durchaus mit Eliminationsdiäten gemacht, bei denen vorübergehend auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird (glutenhaltiges Getreide, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte etc.). Diese strengen Eliminationsdiäten sind jedoch kein Ansatz für eine langfristige Ernährung, sondern können helfen, Unverträglichkeiten einzugrenzen. Langfristig kann dann auf Lebensmittel, die nicht vertragen werden, verzichtet werden [14].

Insbesondere die Verträglichkeit von glutenhaltigem Getreide sollte bei Autoimmunerkrankungen geprüft werden. So tritt z. B. bei ca. 5 % aller Fälle der Hashimoto-Thyreoiditis auch eine Zöliakie auf [15], [16]. Aber auch ohne das Vorliegen einer Zöliakie, die eine streng glutenfreie Ernährung erfordert, ist das Auftreten von Darmproblemen bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen gehäuft [17]. Als ursächlich wird dabei v. a. das Gliadin des Weizens gesehen, das bei empfindlichen Personen die Darmwand durchlässiger macht (Leaky Gut) und damit die Aufnahme von größeren Proteinfragmenten und anderen Schadstoffen ermöglicht. Aber auch andere Substanzen (früher als antinutritive Pflanzenstoffe bezeichnet) wie Lektine (in Hülsenfrüchten), Phytinsäure (in Getreide) oder Alkaloide (in rohen Kartoffeln, Paprika, Tomaten) können chronisch entzündliche Prozesse im Darm auslösen oder verstärken.

Eine Elimination von Lebensmitteln oder ganzer Lebensmittelgruppen sollte als Auslöser der Probleme abgesichert sein, da dies potenziell eine einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen nach sich ziehen kann.

Einfluss des Körpergewichts

Übergewicht ist inzwischen eine Art Pandemie in den westlichen Ländern. Dabei kommt dem Übergewicht eine auslösende und verstärkende Rolle bei Autoimmunerkrankungen zu [18], [19]. Das viszerale Fettgewebe hat dabei als endokrines Organ durch die Ausschüttung von Adipokinen, wie TNF-α oder IL-6, eine Bedeutung. Die durch die Adipokine verursachte systemische Entzündung kann Einfluss auf die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen nehmen [19], [20]. Es kann also durchaus therapieunterstützend sein, Betroffenen anzuraten, einen BMI von ≤ 25 anzustreben [10].

Einfluss des Ernährungsstils

Es gibt eindeutige Zusammenhänge zwischen typischen Ernährungsweisen und ernährungsabhängigen Erkrankungen. Dabei kristallisieren sich zunehmend die Nachteile der heute als westliche Ernährungsweise beschriebenen Ernährungsform im Vergleich zu anderen Ernährungsformen heraus. Die westliche Ernährungsweise zeichnet sich durch eine energiereiche Ernährung mit niedriger Nährstoffdichte, einer hohen Zufuhr an Zucker, gesättigten Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren sowie einer gleichzeitig geringen Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen inklusive Ballaststoffen aus. Die Folgen sind u. a. ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Übergewicht und Folgeerkrankungen. Tatsächlich sieht man darin auch eine Ursache für die Beeinflussung des Immunsystems und die steigende Inzidenz von Autoimmunerkrankungen [11], [20], [21].

Die Verwendung von Fertigprodukten wird ebenfalls in Zusammenhang mit den verstärkt auftretenden Autoimmunerkrankungen gebracht. So werden bei der industriellen Herstellung von Fertigprodukten mehr Salz, Zucker und Fruktose sowie Stärke und Emulgatoren verwendet. Diese Zutaten könnten die intestinale Permeabilität beeinflussen und sollen einer der Umweltfaktoren sein, der die vermehrte Entwicklung von Autoimmunerkrankungen fördert [22].

Demgegenüber hat sich eine mediterrane Ernährungsform bei der Prävention und Ernährungstherapie zahlreicher Erkrankungen als positiv herausgestellt. So konnte der positive Ansatz der mediterranen Diät bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen (wie der rheumatischen Arthritis, Multiple Sklerose und Hashimoto-Thyreoiditis) in ersten klinischen Studien belegt werden [10], [13], [23]. Dabei finden sich bei dieser Ernährungsweise alle für eine entzündungshemmende Ernährung wichtigen Faktoren wieder. Für den Erfolg dieser Ernährungsform ist es wichtig, die Besonderheiten in der täglichen Zusammenstellung der Nahrungsmittel zu verinnerlichen und umzusetzen: Einfach nur alle tierischen und pflanzlichen Fette und Öle mit Olivenöl zu ersetzen, reicht nicht! In [ Tab. 4 ] sind die wichtigsten Merkmale der mediterranen Diät zusammengestellt.

Bedeutung der Nährstoffzufuhr am Beispiel der Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen. Ihr geht oft eine jahrelange Euthyreose voraus. Besonders in dieser Phase können Umweltfaktoren, zu denen auch eine entzündungshemmende Ernährung gehört, zu einer Verlängerung der Euthyreose beitragen. Neben den bereits ausgeführten allgemeinen Prinzipien der Ernährung bei Autoimmunerkrankungen gibt es noch einige spezifische Ansätze für die Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis. Eine Übersicht zu den Ernährungsprinzipien bei Hashimoto-Thyreoiditis findet sich in [ Tab. 5 ].

Zu bevorzugenZu meiden
- Energiezufuhr dem Bedarf entsprechend
- bei Übergewicht langsame Reduktion: –500 kcal/Tag
- selbst frisch kochen
- bevorzugte Fettquellen: Omega-3-reiche Öle
- fettreiche Fischsorten, Omega-3-Fettsäurezufuhr evtl. mit Fischölsupplementen ergänzen
- zu jeder Mahlzeit Gemüse, Salat und Obst: mind. 5 Portionen pro Tag
- Nüsse und Samen
- magere Fleisch- und Wurstwaren
- ballaststoffreiche Varianten der Lebensmittel bevorzugen, vergorene Lebensmittel
- Sauermilchprodukte
- ausreichende Versorgung mit Vitamin D sicherstellen
- Fast Food, stark verarbeitete Lebensmittel
- tierische Fette (Schmalz, Butter), Sonnenblumenöl, Distelöl
- meiste Wurstwaren (zu hoher Fettgehalt) und Fleisch mit höherem Fettanteil: Nackenstücke, Bauchspeck etc.
- bei Glutenunverträglichkeit auf glutenhaltiges Getreide verzichten
- bei Lebensmittelunverträglichkeiten die jeweiligen Lebensmittel meiden
- Zucker, zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten
- goitrogene Lebensmittel vorwiegend gekocht verzehren
- hoher Alkoholkonsum

Selen und Jod – besonders relevant für die Ernährung bei Hashimoto

Ein besonderes Augenmerk sollte in der Ernährung bei Hashimoto auf der Selenzufuhr liegen. Selen spielt generell eine wichtige Rolle bei Autoimmunerkrankungen durch seine Funktion als Bestandteil der Glutathionperoxidase. Darüber hinaus kommt Selen in der Schilddrüse eine besondere Bedeutung zu: Selen ist Bestandteil der Dejodasen, d. h. der jodspaltenden Enzyme, und ist damit indirekt an der Bereitstellung des aktiven T3-Hormons verantwortlich. Als Kofaktor der Glutathionperoxidase sorgt es für die Inaktivierung des Wasserstoffperoxids, welches bei der Herstellung der Schilddrüsenhormone verstärkt gebildet wird [12]. So ist es keine Überraschung, dass ein niedriger Selenstatus mit einer erhöhten Prävalenz von Autoimmunthyreoiditis und infolgedessen dem Auftreten von Hashimoto korreliert [24].

Supplementationsstudien mit Selen zeigten widersprüchliche Ergebnisse auf Thyreoiditis-Marker. Eine Überprüfung des Selenstatus und Supplementation bei Menschen mit niedrigen Selenspiegeln (< 122 µg/l Selen im Plasma) scheint jedoch indiziert [25], [26].

Interessante Hinweise gibt es auch zum kombinierten Einsatz von Selen und Myo-Inositol. Der Körper bildet Myo-Inositol aus Glukose. Phosphoryliert ist Myo-Inositol ein wichtiger Bestandteil von Membranen und als sekundärer Messenger z. B. bei der Signalweiterleitung des TSH involviert. Die kombinierte Gabe von 600 mg Myo-Inositol zusammen mit 83 µg Selen über 6 Monate führte bei Autoimmunthyreoiditis zur Senkung der TSH und Schilddrüsenantikörper. Dabei waren die Effekte bei der kombinierten Gabe von Myo-Inositol und Selen größer als bei der alleinigen Gabe von Selen [27].

Eine hohe Jodzufuhr kann auslösend oder verstärkend auf die Entwicklung von Hashimoto wirken [28], [29], [30]. Die nachteilige Wirkung wird auf die Oxidation von Jod und damit das vermehrte Auftreten von oxidativem Stress zurückgeführt. Daher sollte bei der Jodzufuhr auf eine ausreichende, aber nicht übermäßige Zufuhr geachtet werden. Tierversuche zeigen in diesem Zusammenhang, dass bei der gleichzeitigen Gabe von Selen der negative Effekt von Jod ausbalanciert werden kann [31].

Der Jodstoffwechsel kann durch sog. goitrogene Stoffe aus den Nahrungsmitteln gehemmt werden. Dabei hemmen einige dieser Stoffe die Jodaufnahme in die Schilddrüse, andere hemmen die Bindung von Jod an die Aminosäure Tyrosin und beeinflussen so die Bildung der Schilddrüsenhormone. Kochen reduziert die goitrogene Aktivität dieser Substanzen. Deshalb sollten die betreffenden Lebensmittel (z. B. Kohl, Senf, Radieschen, Meerrettich) vorwiegend in gekochter Form verzehrt werden [27].

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass unsere westliche Ernährungsweise bei Autoimmunerkrankungen nachteilig ist. Durch eine Umstellung auf eine mediterrane Ernährung bzw. eine Ernährungsform mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln, Omega-3-reichem Fisch, Olivenöl und Omega-3-reichen Pflanzenölen, Sauermilchprodukten, Geflügel und wenig rotem sowie verarbeitetem Fleisch können Betroffene selbst etwas zu einem positiven Krankheitsverlauf beitragen.

Dr. Petra Römmele
Ökotrophologin

Interessenkonflikt: Die Autorin gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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