GemmotherapieDie Hasel in der Gemmotherapie

Zum therapeutischen Schwerpunkt der Hasel-Knospen gehören die Atemwege. Dazu zählt die festsitzende Bronchitis, deren Ausheilung einige Wochen braucht.

Makroaufnahme von Hasel-Knospen
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Zur Herstellung eines Hasel-Gemmomittels können im frühen Frühling sowohl die Seiten- als auch die Endknospen verwendet werden.

Während in der Volksheilkunde die Blätter und die Rinde der Hasel verwendet werden, sammelt man in der Knospenmedizin ihre End- und Seitenknospen. Die therapeutischen Schwerpunkte der Hasel in der Gemmotherapie betreffen die Atemwege mit tiefergreifenden Erkrankungen, die Leber sowie nerval bedingte Schmerzzustände.

Die arzneiliche Wirkung der Gemmotherapie beruht auf einem komplexen Zusammenspiel von Wachstumshormonen, Phytoproteinen und Polysacchariden. Diese kommen in hohem Maße in den omnipotenten Meristemzellen vor, in Verbindung mit den pflanzentypischen sekundären Inhaltsstoffen der Knospen. Bei der Hasel zählen dazu vor allem Oligoelemente wie Magnesium, Mangan, Nickel, Selen, Kalzium, Natrium und Zink.

Knospenbotanik

Die Endknospen des Haselstrauches sind breit eiförmig, vorne abgerundet und kaum größer als die Seitenknospen. Die Blattseitenknospen sind wechselständig zweizeilig angeordnet und sind an der Basis, wo sie vom Zweig abstehend aufsitzen, etwas schmaler geformt: Es sieht fast so aus, als wären sie dort etwas zusammengedrückt worden. An der Knospenspitze sind sie abgerundet.

Die weiblichen Blütenknospen öffnen sich nie, sondern verbleiben im Knospenstadium. Sie sehen den Blattknospen sehr ähnlich, haben an der Spitze mehrere feuerrote, fadenähnliche Anhängsel, die die Narben der Blüte darstellen und als einziges Organ zur Bestäubung nach außen gestreckt werden.

Geschützt ist das Innere der Haselknospen durch Knospenschuppen, die der Sonne zugewandt braun-rötlich gefärbt sind, im schattigen Bereich jedoch ein frisches Grün zeigen. Die Knospenschuppen sind vorne gerundet und tragen an der Spitze eine leichte Kerbe. Ihre Ränder sind fein weiß behaart. Die Blattnarben an den Haselzweigen weisen drei Blattspurstränge auf.

Zur Herstellung eines Hasel-Gemmomittels können im frühen Frühling, meist etwa Anfang März, sowohl die Seiten- als auch die Endknospen verwendet werden. Zu den Seitenknospen zählen die Blattknospen, aber auch die weiblichen Blütenknospen, die einfach an den roten Narben an der Knospenspitze erkennbar sind. Wichtig ist, dass die Narben noch nicht verblüht und damit vertrocknet sind, sondern in roter Frische leuchten.

Info

Zur Herstellung eines Hasel-Gemmopräparats wird nur 1 g Knospen benötigt, um 20 ml Gemmo-Muttermazerat bzw. 200 ml Gemmomazerat D1 zu erhalten. Als Auszugsmittel werden im Verhältnis 1:10 zu gleichen Teilen pflanzliches Glycerin (85 Vol.-%) und Ethanol (70 Vol.-%) eingesetzt.

Medizinischer Einsatz der Haselknospen

Die Haselknospen zeigen Wirkung in verschiedenen Indikationsgebieten.

  • Zu ihrem therapeutischen Schwerpunkt gehören die Atemwege. Im Unterschied zu den Hainbuchenknospen sind Haselknospen bei schwerwiegenderen Atemwegsinfektionen und -erkrankungen einzusetzen. Dazu gehört die Bronchitis, die festsitzt und deren Ausheilung einige Wochen braucht, aber auch die Lungenentzündung, bei der die Hasel zusammen mit der Schwarzen Johannisbeere gute Dienste leisten kann. Auch Erkrankungen mit Atemnot wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) können durch die Hasel gemildert werden.
  • Im Bereich der Leber hilft die Hasel bei chronischen Erkrankungen wie der Leberinsuffizienz, der Fettleber und auch unterstützend bei Leberzirrhose.
  • Zum weiteren Wirkkreis gehört das Nervensystem. Hier kann die Hasel bei Nervenschmerzen wie Hexenschuss und Ischias, aber auch bei Nervosität und Restless-Legs-Syndrom helfen.

Hasel als Gemmomittel bei Haselpollenallergie?

Die Hasel als Gemmomittel kann auch bei bestehender Haselpollenallergie bedenkenlos angewendet werden, denn das allergieauslösende Protein steckt nur in den Nüssen und nicht in den Knospen.

Bislang gibt es keinerlei Erfahrungen, dass die Anwendung dieses Gemmopräparates bei Allergikern zu Problemen geführt hätte, auch wenn Mundschleimhautentzündungen und andere allergische Reaktionen beim Essen von Haselnüssen auftraten.

Anwendung

Die Anwendung der Hasel in der Gemmotherapie erfolgt innerlich durch Sprühen des Gemmomittels auf die Mundschleimhaut, wo die direkte Resorption ins Blut erfolgt.

Rezeptur: Hasel-Gemmopräparat

Zutaten

  • 1 g frisch gesammelte Hasel-Knospen
  • 10 ml Ethanol 70% (V/V)
  • 10 ml pflanzliches Glycerin 85 % (V/V)

Zubereitung/Dosierung

Hasel-Knospen klein schneiden und mit oben genannter Mischung aus Ethanol und Glycerin übergießen. 3 Wochen ausziehen lassen. Danach abseihen und als sogenanntes Muttermazerat in eine Sprühflasche abfüllen. Alternativ kann das Muttermazerat im Verhältnis 1:10 mit der oben genannten Mischung aus Ethanol 70% (V/V) und Glycerin 85% (V/V) weiterverdünnt und in Sprühflaschen abgefüllt werden.

Um eine möglichst gute Aufnahme über die Mundschleimhaut und damit einen schnellen Wirkeintritt zu gewährleisten, ist es sinnvoll, Gemmopräparate mittels einer Sprühflasche direkt in den Mund zu sprühen. Am besten nicht mit Wasser verdünnen, da sich sonst die Resorption deutlich verschlechtert.

Die Anwendung richtet sich immer nach dem Beschwerdebild: Je akuter die Symptome auftreten, desto häufiger sollte das Gemmopräparat kurzzeitig angewendet werden. Bei länger andauernden oder chronischen Beschwerden sollte die Einnahme weniger oft, dafür aber länger andauern.

  • Für Erwachsene reichen 2–3 Sprühstöße pro Gabe aus.
  • Bei Kindern, sensiblen Menschen oder geschwächten Patienten sind oft auch 1–2 Sprühstöße pro Gabe ausreichend.

Anwendungsempfehlung

Gemmotherapie bei langandauernder Bronchitis

  • Hasel: 3-mal täglich 2–3 Sprühstöße
  • Schwarze Johannisbeere: morgens 2–3 Sprühstöße
  • Wolliger Schneeball: morgens und abends je 2–3 Sprühstöße

Anwendung

So lange anwenden, bis die Bronchitis ausgeheilt ist.

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in der Zeitschrift medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch einen Arzt oder Apotheker nicht ersetzen können. Jeder Nutzer ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren, Herausgeber und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.