TCMRezepturen, die das Yin nähren – westliche Heilkräuter in der TCM

Yin-nährende Rezepturen können uns stärken, entspannen und ruhiger machen. 3 klimafreundliche Rezepturen mit westlichen Kräutern nach TCM.

Inhalt
Getrocknete Heilkräuter in einer Schale.
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In den letzten 2–3 Jahrzehnten wurden in Europa in zunehmendem Maße klassische Rezepturen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) durch Rezepturen aus westlichen Kräutern ersetzt.

Kurz gefasst

Yin-nährende Rezepturen können uns stärken sowie entspannen und ruhiger machen, sodass wir uns, aber auch unsere Umwelt weniger ausbeuten. Entsprechend dem Thema „Global Health – Klima und Gesundheit“ werden in diesem Beitrag verschiedene Rezepturen vorgestellt, die das Yin nähren und dabei nicht aus importierten Heilkräutern, sondern aus westlichen Kräutern nach TCM-Kriterien zusammengestellt wurden. Auch die westlichen TCM-Rezepturen folgen dabei der wichtigen Zusammenstellung Kaiser-, Minister-, Polizei- sowie Botenkräutern. „Westliche Kräuter“ nach den Kriterien der TCM zu untersuchen, zu monografieren und im Rahmen einer präzisen, energetisch gestellten Diagnose zum Wohle der Patientinnen und Patienten einzusetzen, kann eine Bereicherung der ärztlichen Tätigkeit darstellen. Im Sinne des Leitsatzes: „Das Alte bewahren, das Neue begrüßen.“

Vorteile westlicher Heilkräuter

Zahlreiche Argumente sprechen dafür, westliche Kräuter nach TCM-Kriterien einzusetzen:

  • Die meisten dieser Kräuter wachsen in der unmittelbaren Umgebung. Manche finden wir sogar in unserem eigenen Garten.
  • Sie sind leicht zu beziehen und müssen nicht aus fernen Ländern importiert werden.
  • Sie können kontrolliert angebaut werden. All dies sind natürlich gute Argumente in Bezug auf Klima und Gesundheit.
  • Die gesetzliche Zulassung ist geregelt.
  • Sie können entsprechend den TCM-Kriterien nach einer Diagnosefindung, die aus einem ärztlichen Anamnesegespräch sowie den Methoden Zungen- und Pulsdiagnostik besteht, präzise eingesetzt werden.
  • Außerdem spielt natürlich der Preis der Heilkräuter eine wichtige Rolle: Westliche Kräuter kosten lediglich etwa 20 % der entsprechenden TCM-Kräuter.

Historische Phytotherapeuten

Wir können zwar nicht auf den großen Erfahrungsschatz der TCM-Phytotherapie zurückgreifen, doch auch in unseren Breitengraden hat es einige erfahrene Kräuterspezialisten gegeben. Diese Wissenschaftler und Ärzte haben zahlreiche Schriften hinterlassen, auf die auch heute noch gerne zurückgegriffen wird. Folgende seien stellvertretend erwähnt:

  • Hippocrates (5. Jh. v. Chr.)
  • Empedocles (5. Jh. v. Chr.)
  • Pedanius Dioscorides (1. Jh.)
  • Pliny der Ältere (1. Jh.)
  • Galen (2. Jh.)
  • Ar-Rhazi (7./8. Jh.)
  • Ibn Sina (auch bekannt als Avicenna, 8./9. Jh.)
  • Hildegard von Bingen (12. Jh.)
  • Otto Brunfels (16. Jh.)
  • Hieronymus Bock (16. Jh.)
  • Leonhard Fuchs (16. Jh.)
  • Jakob Dieter (16. Jh.)
  • Nicholas Culpepper (16. Jh.)
  • Carl Linneus (18. Jh.)
  • Samuel Stearns (18. Jh.)
  • Samuel Thomson (18./19. Jh.)
  • Fletcher Hyde (20. Jh.)
  • John Christopher (20. Jh.)

Stärken der TCM-Phytotherapie

Die TCM sticht vor allem durch die überaus exakte Beschreibung der in ihrer Materia medica vorkommenden Pflanzen hervor. So werden neben Geschmack, thermischer Wirkung und Organzuordnung jeweils die speziellen Wirkungen und die empfohlenen Tagesdosierungen angegeben.

Eine weitere Stärke der TCM-Ärzte war es, über die Beschreibung der Einzelkräuter hinaus, Rezepte zusammenzustellen, deren Aufbau über eine wunderbare Präzision verfügt. So kommen in den meisten TCM-Rezepturen folgende Bestandteile vor: Kaiserkräuter, Ministerkräuter, Polizeikräuter sowie Botenkräuter.

Wichtige Bestandteile einer klassischen Rezeptur: „Kaiser“, „Minister“, „Polizei“ und „Bote“

Rezepturen sind in der chinesischen Medizin nicht einfach eine Zusammenfügung medizinischer Substanzen. Die Wirkung mehrerer Kräuter lässt sich nicht einfach addieren – es handelt sich vielmehr um komplexe Rezepte, in denen sich die enthaltenen Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen und in ihrer Wirkung ergänzen.

Eine Rezeptur ist nur dann wirksam, wenn alle enthaltenen Substanzen sorgfältig aufeinander abgestimmt sind, um eine exakte Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Kombination von Substanzen mittels Rezeptur wirkt wesentlich effizienter und ganzheitlicher als eine Einzelsubstanz.

Klassische TCM-Rezepturen zeichnen sich durch ihren Aufbau aus. Die meisten Rezepturen enthalten zumindest 3 der 4 Hauptbestandteile:

  • Kaiserkraut (Jun): Das Kaiserkraut ist das wichtigste Kraut einer Rezeptur. Es besitzt die entscheidende Heilqualität und weist oft die höchste Grammzahl auf. Oft sind in China die Rezepturen nach dem Namen des Kaiserkrautes benannt worden.
  • Ministerkraut (Chen): Das Ministerkraut unterstützt und begleitet das Kaiserkraut in seinen therapeutischen Aufgaben. Außerdem hat es evtl. auch noch für den Patienten zusätzliche Heilqualitäten, die über den Wirkmechanismus des Kaiserkrautes hinausgehen.
  • Polizeikraut (Zuo): Die unerwünschten Wirkungen eines Krautes, egal ob thermisch oder meridianbezogen, werden vom Polizeikraut neutralisiert bzw. verbessert. Es verstärkt die Wirkung von Kaiser- und Ministerkraut. Darüber hinaus vermindert es deren Toxizität und besitzt manches Mal antagonistische Wirkung zum Kaiserkraut.
  • Botenkraut (Shi): Die energetische Bewegung und Richtung der Rezeptur wird durch das Botenkraut bestimmt. Dieses Kraut stellt eine Besonderheit im Aufbau einer TCM-Rezeptur dar: Das auch „Botschaftskraut“ bezeichnete Kraut leitet die Wirkung auf einen bestimmten Meridian oder eine bestimmte Körperregion hin.

All dies kann auf die westlichen Kräuter übertragen werden, wenn sie nach TCM-Kriterien zusammengestellt werden.

Yin-nährende Rezepturen

Solche Rezepturen kommen bei einem Yin-Mangel zur Anwendung. Yin steht in diesem Zusammenhang aus Sicht der TCM u. a. für die Substanz des Körpers. Ein Yin-Mangel entwickelt sich nicht über Nacht, dementsprechend nimmt die Therapie eines solchen Mangels lange Zeit in Anspruch: In der klassischen Literatur wird angegeben, dass die Therapie eines Yin-Mangels bis zu 7 Jahre benötigt. Dann ist jedoch die Konstitution eines Patienten wirklich geändert. Dennoch – sowohl der Therapeut als auch der Patient benötigen sicherlich Geduld.

Es gibt verschiedene Ursachen eines Yin-Mangels: Verlust von Körpersäften durch starkes Schwitzen, Blutverluste, Erbrechen, Durchfall, Geburten, Stillen, bei Männern zu häufige Samenergüsse, übermäßige Einnahme scharf-heißer Nahrungsmittel sowie Kräuter, Schlafmangel etc.

Interessanterweise hat Yin aus Sicht der TCM auch etwas mit Dankbarkeit und Zufriedenheit zu tun. Menschen mit einem Yin-Mangel „wollen, aber können nicht“. Aus einem Mangel heraus sind sie überaktiv und beuten sich sowie ihre Gesundheit, aber auch die Umwelt und das Klima aus. Niemals sind sie zufrieden, immer wollen sie mehr. Etwas, was in der TCM „Leere-Hitze“ genannt wird, ist die Folge. Erschöpfungssymptome, Unruhezustände, Schlafstörungen, Panikattacken und die Ausbeutung der Umwelt gehen mit einem Yin-Mangel Hand in Hand. Wir werden tendenziell immer älter, aber nicht zufriedener. Dies leider oft auf Kosten der Umwelt und des Klimas.

Typische Symptome eines Yin-Mangels

  • Nachtschweiß
  • Verschlimmerung der Beschwerden ab 17 Uhr
  • „Hitze der fünf Herzen“ (Handinnenflächen, Fußsohlen und Brustkorbbereich)
  • Durstgefühl
  • körperliche Auszehrung
  • Trockenheit der Schleimhäute
  • Verschlimmerung durch Bewegung
  • Gefühl der inneren Unruhe

Bei einem Lungen-Yin-Mangel steht die Trockenheit der Schleimhäute im Vordergrund [3]. Bei einem Magen-Yin-Mangel werden die Nahrungsmittel nicht gut verwertet, die Patienten leiden an einem ständigen Hunger- und Durstgefühl und können nicht zunehmen. Wenn die Ursachen eines Yin-Mangels lange Zeit bestehen, so kann dies zu einer Erschöpfung des Leber- und Nieren-Yin führen. Typische Symptome sind in diesem Fall: Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich, Drehschwindel, Reizbarkeit, „Hitze im Bereich der fünf Herzen“, Nachtschweiß, Schlaflosigkeit und spontane Samenergüsse bei Männern.

Bei der Zungendiagnostik kann Folgendes gesehen werden: Je stärker der Yin-Mangel ist, desto mehr nimmt die Substanz des Zungenbelags und des Zungenkörpers ab. So wird am Anfang der Zungenbelag dünner und verschwindet mit der Zeit vollständig. Auch der Zungenkörper wird schmäler und entwickelt Risse. Die Zungenfarbe wird rot, sodass bei einem starken Yin-Mangel ein roter, rissiger Zungenkörper ohne Zungenbelag gefunden wird. Der Puls bei einem Menschen mit diesem Mangel ist schnell (shuo), oberflächlich (fu) und dünn (xi).

Kräuter, die das Yin tonisieren, sind im Allgemeinen stark nährend. Die meisten der Yin-tonisierenden Rezepturen enthalten Kräuter, die die Zirkulation der Körperflüssigkeit und das Qi anregen, um zu verhindern, dass die nährenden, teilweise auch befeuchtenden Kräuter Anlass zu einer Stagnation geben können. Je schwächer das Qi von Milz und Magen ist, desto mehr Qi-bewegende und aromatische Kräuter sollten einer Rezeptur zugefügt werden. Sollte ein „pathogener Erreger“ durch eine lange Zeit bestehende Erkrankung zu einem Yin-Mangel geführt haben, so ist es wichtig, dass der „Erreger“ aus dem Körper ausgeleitet wird, bevor mit dem Yin-Aufbau begonnen wird.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die Therapie eines Yin-Mangels längere Zeit benötigt. Wichtig ist, dass dessen Ursache behoben wird. Oft sind Änderungen des Verhaltens der Menschen, die unter einem Yin-Mangel leiden, von entscheidender Bedeutung. Yin steht in diesem Zusammenhang für Genuss, Ernte, Geduld, annehmen können etc.

Interessant ist, dass es keinen Menschen gibt, der einen reinen Yin-Mangel aufweist. So gut wie immer bestehen zusätzlich verborgene Feuchtigkeits- bzw. Schleimsymptome. Aus diesem Grund sollten Yin-tonisierende Rezepturen je nach Bedarf abgewandelt bzw. ergänzt werden.

Rezeptur 1

  • Strobulus Lupuli (Hopfen): 2 g Kaiserkraut
  • Herba Equiseti (Ackerschachtelhalm): 10 g Ministerkraut
  • Herba Stellariae media (Vogelmiere): 5 g Ministerkraut
  • Herba Galeopsidis (Ockergelber Hohlzahn): 5 g Ministerkraut
  • Herba Agrimoniae (Odermennig): 2 g Polizeikraut
  • Folium Melissae (Melisse): 3 g Polizeikraut
Wirkung
  • nährt das Yin
  • leitet (Leere-)Hitze abwärts
Indikation
  • „brennende“ Knochenschmerzen
  • Fieber am Nachmittag
  • dünner, ausgezehrter Körper
  • nächtliche Samenergüsse
  • innere Unruhe
  • Ohrensausen
  • Drehschwindel
  • trockener Mund
  • ständiges Hungergefühl
  • Durst, Patient trinkt trotzdem wenig
  • „fünf Herzen“ (Handflächen und Fußsohlen sowie Brustkorb) sind warm
  • Nachtschweiß
  • Verschlimmerung durch Bewegung
Entsprechende westliche Krankheitsbilder
  • TBC (Tuberkulose)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • psychovegetatives Syndrom
  • Zunge: roter Zungenkörper mit wenig oder fehlendem Zungenbelag
  • Puls: tief (chen), dünn (xi) und schnell (shuo)
Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern

Die Kräuter dieser Rezeptur tonisieren das Nieren-Yin; zusätzlich leiten sie Leere-Hitze aus. Wenn die Rezeptur ausschließlich aus Yin-tonisierenden Kräutern bestehen würde, wäre es schwierig, Leere-Hitze zu kühlen. Andererseits wäre es längerfristig kaum möglich, das Yin zu tonisieren, wenn die Rezeptur ausschließlich aus bitter-kalten, ausleitenden Kräutern bestehen würde.

Zur Analyse der einzelnen Kräuter

Als Kaiserkraut dieser Rezeptur dient der bittere, leicht adstringierende, scharfe, thermisch kühle Hopfen (Strobulus Lupuli). Dieser klärt Hitze, beruhigt den Geist (Shen), nährt aber andererseits das Nieren- und Herz-Yin [2]. Der bittere, adstringierend wirkende, thermisch kühle Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti) nährt das Nieren-Yin. Dieses Ministerkraut hat einen speziellen Bezug zu den Knochen und kann zur Behandlung von „brennenden“ Knochenschmerzen sowie Fieber am Nachmittag eingesetzt werden. Die beiden Ministerkräuter Vogelmiere (Herba Stellariae media) und Ockergelber Hohlzahn (Herba Galeopsidis) unterstützen die Yin-tonisierende Wirkung der beiden zuvor beschriebenen Kräuter. Odermennig (Herba Agrimoniae), ein bitteres, leicht adstringierendes, thermisch kühles Kraut, wirkt hauptsächlich auf den Bereich von Leber und Gallenblase, aber auch auf Dickdarm und Magen. Dieses Polizeikraut senkt Hitze ab und wirkt Feuchte-Hitze entgegen [4]. Auch das Polizeikraut Melisse (Folium Melissae) ist bitter, leicht adstringierend und thermisch kühl. Sie unterstützt Hopfen (Strobulus Lupuli) in der Herz-Feuer beruhigenden Wirkung. Des Weiteren beruhigt Melisse (Folium Melissae) ein aufsteigendes Leber-Yang, klärt Magen-Feuer und wirkt krampflösend. Da es darüber hinaus Leber-Qi-Stagnationen auflöst, rundet Melisse (Folium Melissae) die Wirkung der anderen Kräuter dieser Rezeptur ab.

Rezeptur 2

  • Herba Equiseti (Ackerschachtelhalm): 6 g Kaiserkraut
  • Herba Galeopsidis (Ockergelber Hohlzahn): 8 g Ministerkraut
  • Fructus Cardui mariae (Mariendistel): 5 g Ministerkraut
  • Flos Trifolii pratense (Wiesenkleeblüten): 4 g Ministerkraut
  • Herba et Radix Taraxaci (Löwenzahn): 2 g Polizeikraut
  • Herba Millefolii (Schafgarbe): 2 g Polizeikraut
  • Pericarpium Citri reticulatae (Mandarinenschalen): 5 g Polizeikraut
Wirkung

Nährt und stärkt das Leber-Yin und Nieren-Yin.

Indikation
  • Erschöpfungszustände
  • Schwäche und Schmerzen im Bereich der Beine
  • Drehschwindel
  • Ohrensausen
  • Nachtschweiß
  • Zahnschmerzen
  • nächtliche Samenergüsse
  • verminderte Hörleistung
  • „fünf Herzen“ (Handflächen und Fußsohlen sowie Brustkorb) sind warm
  • Gewichtsverlust
  • ständiges Hungergefühl
  • trockener Mund
Entsprechende westliche Krankheitsbilder
  • Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse)
  • chronische Nephritis (Entzündung des Nierengewebes)
  • funktionelle uterine (Gebärmutter-)Blutungen
  • TBC (Tuberkulose)
  • menopausale Beschwerden, Klimakterium (Wechselbeschwerden)
  • Sterilität (Unfruchtbarkeit)
  • Lumboischialgie (Rückenschmerzen)
  • Osteoporose (niedrige Knochendichte)
  • Insomnie (Schlaflosigkeit)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • Vertigo (Schwindel)
  • arterielle Hypertonie (Blutdruckerhöhung)
  • Zahnschmerzen
  • chronische Laryngitis (Halsentzündungen)
  • Hysterie
  • Pruritus (Juckreiz)
  • Schleimhautatrophie (Trockenheit) im Bereich der Vagina
  • perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel)
  • psychovegetatives Syndrom
  • Zunge: rot, rissiger Zungenkörper; trocken oder fehlender Belag
  • Puls: dünn (xi), schnell (shuo), möglicherweise oberflächlich (fu)
Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern

Das Kaiserkraut dieser Rezeptur ist Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti). Dieses kann eingesetzt werden, um das Nieren-Yin sowie das Jing (die Essenz) zu tonisieren. Unterstützt wird Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti) in seiner Wirkung durch die Ministerkräuter Ockergelber Hohlzahn (Herba Galeopsidis) und Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae). Ockergelber Hohlzahn (Herba Galeopsidis) ist ein süßes, bitteres, thermisch kühles Kraut, das eingesetzt werden kann, um Magen-, Nieren- und Lungen-Yin zu tonisieren [2]. Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae) sind bitter, thermisch kühl und tonisieren einerseits das Leber-Yin, leiten aber andererseits Feuchte-Hitze aus dem Bereich der Leber aus. Zusätzlich können Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae) eingesetzt werden, um Schleimstagnationen und toxische Hitze auszuleiten. In dieser Rezeptur verhindern Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae), dass die Yin-tonisierenden Kräuter zu einer Feuchtigkeitsansammlung im Körper führen. Ein weiteres Ministerkraut, die Wiesenkleeblüten (Flos Trifolii pratense), haben einen süßen Geschmack und sind thermisch kühl. Sie nähren das Blut sowie das Leber-Yin, wirken zusätzlich einer Qi-Stagnation entgegen und leiten Feuchte-Hitze im Bereich der Blase aus. Löwenzahn (Herba et Radix Taraxaci) und Schafgarbe (Herba Millefolii) können als Polizeikräuter angesehen werden. Beide sind bitter und thermisch kalt und werden eingesetzt, um Feuchte-Hitze sowie Leere-Hitze über den Urin auszuleiten [1]. Die scharfen, bitteren, aromatischen, thermisch warmen Mandarinenschalen (Percarpium Citri ret.) befinden sich in der Rezeptur, um als Polizeikraut das Milz-Qi zu tonisieren und Stagnationen vorzubeugen, die auftreten können, wenn tonisierende Kräuter in einer unangemessen hohen Dosis eingenommen werden [1]. Es ist wichtig, das Milz-Qi zu tonisieren, wenn das Yin tonisiert werden soll. Die westlichen Kräuter dieser Rezeptur nähren auf elegante Art und Weise das Leber- und Nieren-Yin und können mit gutem Gewissen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Rezeptur 3

  • Radix Althaeae (Eibischwurzel): 6 g Kaiserkraut
  • Lichen Islandicus (Isländisches Moos): 3 g Ministerkraut
  • Radix Glycyrrhizae (Süßholz): 2 g Botschaftskraut
  • Folium Plantaginis (Spitzwegerich): 7 g Polizeikraut
  • Fructus Cardui mariae (Mariendistel): 9 g Polizeikraut
  • Herba Pulmonariae (Lungenkraut): 5 g Ministerkraut
  • Herba Galeopsidis (Ockergelber Hohlzahn): 7 g Ministerkraut
  • Herba Stellaria media (Vogelmiere): 5 g Ministerkraut
Wirkung
  • nährt Lungen-Yin und Magen-Yin
  • produziert Flüssigkeiten
  • schleimlösend
  • gegen trockenen Husten
Indikation
  • trockener Mund
  • Durstgefühl
  • trockener Husten mit zähem Sputum
  • Verschlimmerung am Nachmittag
Entsprechende westliche Krankheitsbilder
  • chronische Bronchitis
  • Hausstaub- und Tierhaarallergie
  • chronische Laryngitis (Halsentzündungen)
  • TBC (Tuberkulose)
  • Pseudokrupp
  • Epistaxis (Nasenbluten)
  • Zunge: roter Zungenkörper mit wenig oder fehlendem Zungenbelag
  • Puls: oberflächlich (fu), schnell (shuo), leicht leer (xu) im Bereich von Magen und Lunge
Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern

Eibischwurzel (Radix Althaea) ist ein süßes, thermisch kühles Kraut, das Lunge und Dickdarm zugeordnet wird. Es nährt als Kaiserkraut das Lungen-Yin und fördert das Abhusten von festgesetztem Schleim. Des Weiteren kann Eibischwurzel (Radix Althaea) eingesetzt werden, um Magen-Feuer zu kühlen und den Dickdarm zu befeuchten [2], [5]. Das Ministerkraut Isländisches Moos (Lichen Islandicus) ist süß, bitter und thermisch warm. Die Kombination dieser Kräuter eignet sich hervorragend, um festgesetzten Schleim auszuleiten, ohne das Yin zu verletzen. Durch den bitteren Geschmack wird die Feuchtigkeit ausgeleitet, der süße Geschmack nährt die Körperflüssigkeiten (Jinye). Zusätzlich tonisiert Isländisches Moos (Lichen Islandicus) auf sanfte Weise das Qi des Mittleren Erwärmers. Süßholz (Radix Glycyrrhizae) wirkt in dieser Rezeptur als Botschaftskraut. Es harmonisiert die Wirkung der anderen Kräuter und hilft, Körperflüssigkeiten (Jinye) zu nähren [5]. Spitzwegerich (Folium Plantaginis) ist adstringierend, salzig, bitter und thermisch kühl. Er leitet Feuchte-Hitze aus, löst Blut-Stagnationen auf und hilft, die Lunge zu entschleimen. Diese Wirkung wird erzielt, ohne dass das Yin verletzt wird. Spitzwegerich (Folium Plantaginis) dient als Polizeikraut, das der nährenden Wirkung der Yin-Tonics entgegenwirkt. Unterstützt wird Spitzwegerich (Folium Plantaginis) in seiner Wirkung durch das Polizeikraut Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae). Diese sind bitter, thermisch kalt und leiten Feuchte-Hitze aus, speziell aus dem Bereich der Leber. Gleichzeitig können sie eingesetzt werden, um das Leber-Yin zu tonisieren. Mariendistelsamen (Fructus Cardui mariae) können immer dann eingesetzt werden, wenn Schleimstagnationen aufgelöst werden sollen, ohne dass das Yin verletzt wird [4]. Die weiteren Kräuter Lungenkraut (Herba Pulmonariae), Ockergelber Hohlzahn (Herba Galeopsidis) sowie Vogelmiere (Herba Stellaria media) sind Yin-tonisierende Kräuter. Von diesen 3 Ministerkräutern tonisiert Lungenkraut (Herba Pulmonariae) speziell das Lungen-Yin, Ockergelber Hohlzahn (Herba Galeopsidis) speziell das Nieren-Yin und Vogelmiere (Herba Stellaria media) das Herz- und Lungen-Yin. Vogelmiere (Herba Stellaria media) ist leicht süß, salzig und thermisch kühl. Da es eine Hitze klärende und Diurese (Harnfluss) anregende Wirkung besitzt, ergänzt es die Wirkungen der anderen Kräuter dieser Rezeptur.

Dr. med. Florian Ploberger
B.Ac., MA, ist TCM-Arzt und Tibetologe. Er lehrt international universitär und interdisziplinär und ist Verfasser zahlreicher Publikationen sowie Präsident der ÖAGTCM. Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) wurde er mit der Übersetzung des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin („rgyud bzhi“) beauftragt. Er ist Direktor der „Alliance of Research and Development of Traditional Medicine, Complementary Medicine and Integrative Medicine“ der Fudan University in Shanghai. 2019 wurde er zum Mitglied der Redaktion des „American Journal of Chinese Medicine“ ernannt.

  1. Bensky D, Gamble A.. Chinese Herbal Medicine, Materia Medica. Seattle: Eastland Press; 1986
  2. Ploberger F.. Westliche Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin. 9., überarb. Aufl.. Schiedlberg: Bacopa; 2016
  3. Ploberger F.. Rezepturen aus westlichen Kräutern für Syndrome der Traditionellen Chinesischen Medizin. 6. Aufl.. Schiedlberg: Bacopa; 2019
  4. Ploberger F.. Das große Buch der westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin. 5. Aufl.. Schiedlberg: Bacopa; 2020
  5. Ross J.. Combining Western herbs and Chinese medicine. Seattle: Greenfield Press; 2003