NikotinGefäßschäden durch alle modernen Nikotinprodukte

Eine internationale Analyse zeigt: Nikotin schädigt Herz und Gefäße, egal ob es geraucht, erhitzt, verdampft oder über die Schleimhaut aufgenommen wird.

Eine Frau mit blauer Bluse hält in der linken Hand einige Zigaretten und in der rechten Hand eine E-Zigarette.
Andrey Popov/stock.adobe.com
Das Risiko für Herz und Gefäße geht nicht nur von Tabakrauch aus, sondern vom Nikotin selbst.

Ein internationales Team führender Herz- und Gefäßexpert*innen hat die Rolle von Nikotin als Herz-Gefäß-Risikofaktor umfassend analysiert. 

Studie

Prof. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Thomas F. Lüscher, Präsident der ESC, Prof. Filippo Crea, Chefredakteur des European Heart Journal und Prof. Sanjay Rajagopalan von der Case Western Reserve University in Cleveland werteten in ihrer Arbeit über 100 Studien aus. Darunter experimentelle und Beobachtungsstudien zu modernen Nikotinprodukten. Zentral war die Betrachtung der Gefäßfunktion als frühester Marker für kardiovaskuläre Schäden. 

Ergebnis

Die vorliegende Analyse zeigt deutlich, dass das Risiko nicht allein von der Tabakverbrennung ausgeht. Vielmehr belastet das Nikotin selbst Herz und Gefäße – und zwar unabhängig davon, ob es über klassischen Tabakrauch, E-Zigaretten-Dampf, Heat-not-burn-Aerosole oder über die Mundschleimhaut mittels Nikotinbeuteln und anderen smokeless oral nicotine products (ONPs) aufgenommen wird.

Konsistent zeigte sich:

  • Nikotin stört die Gefäßfunktion,
  • erhöht den Blutdruck und 
  • verstärkt oxidativen Stress.

Nikotin trägt also wesentlich zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei, und zwar unabhängig davon, ob es geraucht, erhitzt, verdampft oder über die Schleimhaut aufgenommen wird. Studien der Universitätsmedizin Mainz hatten bereits zuvor gezeigt, dass selbst kurze Expositionen gegenüber E-Zigaretten messbare Gefäßschäden hervorrufen können – Mechanismen, die in ähnlicher Form auch bei Heat-not-burn-Produkten und ONPs zu beobachten sind

Moderne Nikotinsalze werden besonders schnell aufgenommen

Besonders besorgniserregend ist der rasch zunehmende Konsum moderner Nikotinprodukte durch Jugendliche. In mehreren europäischen Ländern haben bis zu 40 % der 15- bis 16-Jährigen bereits E-Zigaretten ausprobiert; auch Nikotinbeutel verbreiten sich zunehmend unter jungen Menschen. Viele dieser Jugendlichen hatten zuvor keinen Kontakt zu Tabak. Die Ursache liegt in modernen Nikotinsalzen, die eine besonders schnelle Aufnahme im Gehirn ermöglichen und damit eine rasche und tiefe Abhängigkeitsentwicklung begünstigen. Damit droht die Nikotin-bedingte Krankheitslast eine neue, jüngere Generation zu erfassen.

Auch Passivexposition bleibt ein unterschätztes Risiko. Studien belegen, dass bereits kurze Belastungen durch Rauch, Aerosole oder Dämpfe – nicht nur in Innenräumen, sondern auch an stark frequentierten Außenbereichen wie Bahnsteigen, Haltestellen, Caféterrassen oder Spielplätzen – die Gefäßfunktion verschlechtern können. Kinder, Schwangere und Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besonders gefährdet.

Fazit

„Die wissenschaftlichen Daten lassen keinen Zweifel: Nikotin ist, unabhängig davon, ob es geraucht, erhitzt, verdampft oder über die Schleimhaut aufgenommen wird, ein direkter Schadstoff für Herz und Gefäße“, warnt Prof. Thomas Münzel. „Es belastet den Kreislauf, verschlechtert die Gefäßfunktion und fördert Mechanismen, die Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen. Besonders beunruhigend ist die rasche Zunahme der Nutzung unter Jugendlichen, die durch moderne Nikotinprodukte sehr schnell abhängig werden. Wenn wir Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam verhindern wollen, müssen wir diese Entwicklung ernst nehmen und junge Menschen deutlich besser schützen.“

Am Schluss der Analyse sprechen sich die Autoren dafür aus, Nikotinprodukte weiterhin klar im Fokus der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zu halten. Besonders wichtig sei der Schutz von Kindern und Jugendlichen, eine Reduktion der Passivexposition sowie die konsequente Umsetzung von Alters- und Verkaufsregelungen. Die wissenschaftliche Evidenz zeige, dass in diesen Bereichen der größte präventive Nutzen erreichbar ist.

Hintergrund

Jedes Jahr sterben 7,7 Millionen Menschen am aktiven Rauchen und weitere 1,3 Millionen durch passives Rauchen. Die meisten dieser Todesfälle sind auf Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. 

Quelle: Universitätsmedizin Mainz