
Entgegen verbreiteter Annahmen zeigt eine neue Studie: Intervallfasten (Time-Restricted Eating, TRE) verschiebt bei gleichbleibender Kalorienzufuhr zwar die innere Uhr. Es führt aber nicht zu messbaren Verbesserungen der Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Parameter.
Das konnten Prof. Olga Ramich und ihr Team mit der ChronoFast-Studie zeigen.
Studie: Verbessert Intervallfasten Insulinsensitivität und Herz-Kreislauf-Parameter?
Die Ergebnisse bisheriger Intervallfasten-Studien sind teilweise widersprüchlich. Sie konnten bislang nicht klären, ob die Stoffwechselverbesserungen durch die Beschränkung der täglichen Essenszeit selbst, durch die damit einhergehende Kalorienrestriktion oder durch beider Faktoren hervorgerufen werden. In den meisten Studien wurden die Energiezufuhr oder andere mögliche Störfaktoren nicht sorgfältig überwacht.
Prof. Olga Ramich von der Charité und ihr Team untersuchten deshalb in der ChronoFast-Studie, ob ein 8-stündiges Essenszeitfenster die Insulinsensitivität und andere kardiometabolische Parameter in einer engmaschig kontrollierten isokalorischen Umgebung verbessern kann.
In einem randomisierten Crossover-Design wurden 31 Frauen mit Übergewicht oder Adipositas untersucht. Die Teilnehmerinnen nahmen über jeweils 2 Wochen ihre gewohnten Mahlzeiten entweder zwischen 8 und 16 Uhr (eTRE) oder zwischen 13 und 21 Uhr (lTRE) ein. Die Kalorien- und Nährstoffzusammensetzung blieben dabei nahezu gleich (isokalorisch).
Bei 4 Visiten wurden Blutproben gesammelt und ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt, um den Einfluss des Intervallfastens auf den Glukose- und Fettstoffwechsel sowie andere Stoffwechselmarker zu untersuchen. In den Ernährungsphasen wurde mithilfe der kontinuierlichen Glukosemessung der 24-stündige Glukosespiegel bei zeitgleicher Ernährungsdokumentation beobachtet. Die körperliche Aktivität wurde mit einem Bewegungssensor kontrolliert. In isolierten Blutzellen untersuchten die Forschenden zudem die innere Uhr.
Keine Verbesserungen von Insulinsensitivität und Stoffwechselwerten
Die ChronoFast-Studie zeigt keine klinisch relevanten Veränderungen der Insulinsensitivität, des Blutzuckerspiegels, der Blutfette oder Entzündungsmarker. Zumindest nicht nach dieser kurzen 2-wöchigen Intervention.
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die gesundheitlichen Vorteile früherer Studien vor allem durch eine unbeabsichtigte Kalorienreduktion entstanden sind, aber nicht durch die verkürzte Essenszeit selbst", erklärt Ramich.
Aber: Verschiebung der inneren Uhr
Zwar konnten keine bedeutsamen metabolischen Verbesserungen festgestellt werden. Die Untersuchung zur inneren Uhr zeigte aber: Zeitbeschränktes Essen beeinflusste die zirkadiane Phase in Blutzellen und die Schlafzeiten. So war die innere Uhr nach der ITRE-Intervention verglichen zur eTRE-Intervention durchschnittlich 40 Minuten nach hinten verschoben. Die Teilnehmerinnen, die zwischen 13 und 21 Uhr aßen, gingen später zu Bett und wachten später auf.
"Das Timing der Nahrungsaufnahme wirkt als Zeitgeber für unsere biologischen Rhythmen – ähnlich wie Licht" sagt Erstautorin Beeke Peters.
Negative Energiebilanz und Chronotyp sind möglicherweise entscheidend
Die Ergebnisse unterstreichen: Kalorienreduktion spielt eine zentrale Rolle für die gesundheitlichen Vorteile von intermittierendem Fasten. "Wer abnehmen oder seinen Stoffwechsel verbessern möchte, sollte nicht nur auf die Uhr, sondern auch auf die Energiebilanz achten", fasst Ramich zusammen.
Zukünftige Studien sollen klären, ob ein bestimmtes Timing des zeitbeschränkten Essens in Kombination mit einer reduzierten Kalorienzufuhr zusätzliche Vorteile bringt und wie individuelle Faktoren wie Chronotyp oder Genetik diese Effekte beeinflussen.
Hintergrund
Intervallfasten
Time-Restricted Eating (TRE) ist eine Form des Intervallfastens mit einem täglichen Essensfenster von maximal 10 Stunden und einer mindestens 14 Stunden dauernden Fastenperiode. TRE wird als einfache Ernährungsmethode zur Kontrolle des Körpergewichts und zur Verbesserung der Stoffwechselgesundheit immer beliebter.
Bei Nagetieren schützt TRE vor ernährungsbedingter Fettleibigkeit und damit verbundenen Stoffwechselstörungen. Studien am Menschen haben positive kardiometabolische Effekte aufgezeigt, z.B. verbesserte Insulinsensitivität, Glukose-, Triglycerid- und Cholesterinkonzentrationen sowie eine moderate Reduktion des Körpergewichts und des Körperfetts. Demzufolge gilt TRE als vielversprechender Ansatz zur Bekämpfung von Insulinresistenz und Diabetes.
Bestimmung der zirkadianen Rhythmen
Die innere Uhr des Menschen folgt einem individuellen, durch einen molekularen Mechanismus generierten Rhythmus. Dieser entspricht ungefähr (lateinisch: zirka) der Länge eines Tages (lateinisch: dia) und wird als zirkadiane Uhr bezeichnet.
Entsprechend des Tag- und Nachtrhythmus steuert sie zuverlässig nahezu alle physiologischen und biochemischen Prozesse im Körper inklusive Schlaf und Stoffwechsel. Fast jede Körperzelle besitzt eine innere Uhr, die durch Licht und weitere Faktoren wie Sport oder Ernährung beeinflusst werden kann.
Um die individuellen inneren Rhythmen (zirkadiane Phase) eines Menschen objektiv bestimmen zu können, hat Prof. Dr. Achim Kramer von der Charité – Universitätsmedizin Berlin den BodyTime-Test entwickelt. Für den Test ist nur eine einzige Blutprobe erforderlich. Diese Methode wurde in der ChronoFast-Studie genutzt und konnte zeigen, dass die Essenszeiten die innere Uhr beim Menschen beeinflussen.
Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke


