Sport, Muskelstoffwechsel und GeschlechtMuskeln von Männern und Frauen arbeiten unterschiedlich

Die Skelettmuskulatur von Männern und Frauen verarbeitet Glukose und Fette unterschiedlich. Das könnte erklären, warum sie verschieden auf Bewegung ansprechen.

Holzklötzchen rechts mit Venussymbol, links mit Marssymbol
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Die Muskeln von Frauen arbeiten anders - und verwerten Fett beim Sport möglicherweise effizienter als bei Männern.

Die Skelettmuskulatur von Männern und Frauen verarbeitet Glukose und Fette auf unterschiedliche Weise. Eine neue Studie liefert eine umfassende molekulare Analyse dieser Unterschiede. Solche Besonderheiten könnten erklären, warum sich Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes bei Frauen und Männern unterschiedlich äußern. Und warum sie unterschiedlich gut auf Bewegung ansprechen.

Skelettmuskulatur zentral für Glukosestoffwechsel

Skelettmuskeln sind mehr als nur „Motoren“ für Bewegung: Sie spielen eine zentrale Rolle im Glukosestoffwechsel und damit auch bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes. Etwa 85 Prozent der insulinabhängigen Glukoseaufnahme findet in der Muskulatur statt. Das bedeutet: Wenn Muskelzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren, etwa bei Insulinresistenz, kann Glukose schlechter aus dem Blut aufgenommen werden. Bewegung wirkt dem gezielt entgegen.

Muskeln von Frauen und Männern arbeiten unterschiedlich

Doch wie unterschiedlich Muskeln bei Frauen und Männern arbeiten, wurde lange unterschätzt. Genau dieser Frage sind Forschende um Simon Dreher und Cora Weigert jetzt nachgegangen.

Sie untersuchten Muskelbiopsien von 25 gesunden, aber übergewichtigen Erwachsenen (16 Frauen, 9 Männer) im Alter von etwa 30 Jahren. Die Proband*innen nahmen zuvor nicht regelmäßig an sportlichen Aktivitäten teil. Über 8 Wochen hinweg absolvierten sie 3-mal pro Woche ein einstündiges Ausdauertraining, bestehend aus 30 Minuten Radfahren und 30 Minuten Gehen auf dem Laufband.

Vor Beginn, nach der ersten Trainingseinheit und am Ende des Programms wurden Muskelproben entnommen. Anhand modernster molekularbiologischer Verfahren, darunter Epigenom-, Transkriptom- und Proteomanalysen, untersuchte das Team geschlechtsspezifische Unterschiede auf verschiedenen Ebenen.

Männer reagieren mit mehr Stress auf Bewegung

Die Ergebnisse:

  • Bereits die erste Trainingseinheit löste bei Männern eine stärkere Stressreaktion auf molekularer Ebene aus. Das war erkennbar an der vermehrten Aktivierung von Stressgenen und am Anstieg des Muskelproteins Myoglobin im Blut.
  • Zudem zeigten männliche Muskeln ein ausgeprägtes Muster sogenannter Fast-Twitch-Fasern (schnell zuckender Muskelfasern). Diese sind auf kurzfristige, intensive Belastung ausgelegt und nutzen bevorzugt Glukose als Energiequelle.
  • Frauen hatten deutlich höhere Mengen an Proteinen, die für die Aufnahme und Speicherung von Fettsäuren verantwortlich sind: ein Hinweis auf eine effizientere Fettverwertung.
  • Nach 8 Wochen regelmäßigem Ausdauertraining passten sich die Muskeln beider Geschlechter an und die Muskelfaser-spezifischen Unterschiede nahmen ab.
  • Gleichzeitig wurden bei Frauen und Männern vermehrt Proteine gebildet, die die Verwertung von Glukose und Fett in den Mitochondrien fördern.

"Diese Anpassungen deuten auf eine insgesamt verbesserte Stoffwechselleistung hin, die helfen kann, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken", sagt Weigert. "Unsere neuen Erkenntnisse könnten künftig dazu beitragen, das individuelle Diabetesrisiko besser vorherzusagen und Empfehlungen für Bewegungstherapien gezielter auf Frauen und Männer abzustimmen."

Wie geht es weiter? Die Wissenschaftler*innen wollen nun untersuchen, welche Rolle Sexualhormone wie Östrogen und Testosteron bei diesen Unterschieden spielen – und wie hormonelle Veränderungen im Alter das Risiko für Stoffwechselkrankheiten beeinflussen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung